ЖАНРЫ

Немецкий язык с Эрихом Кестнером. Трое в снегу
Шрифт:

9. Frau Kunkel studierte die Morgenzeitung.

Johann, der Diener, trat ins Speisezimmer. »Tun Sie nicht so, als ob Sie lesen könnten!« sagte er unwillig. »Es glaubt Ihnen ja doch kein Mensch.«

Sie schoss einen vergifteten Blick ab. Dann wies sie auf die Zeitung. »Heute stehen die Preisträger drin! Den ersten Preis hat ein Doktor aus Charlottenburg gekriegt, und den zweiten ein gewisser Herr Schulze. Für so'n paar kurze Sätze werden nun die beiden Männer auf vierzehn Tage in die Alpen geschickt!«

»Eine viel zu geringe Strafe«, erwiderte Johann. »Sie gehörten nach Sibirien. Um was handelt sich's übrigens?«

»Um das Preisausschreiben der Putzblank-Werke.«

»Ach so«, sagte Johann, nahm die Zeitung und las das halbseitige Inserat. »Dieser Schulze! Er hat keine Adresse. Er wohnt postlagernd!«

»Man kann postlagernd wohnen?« fragte Frau Kunkel. »Ja, geht denn das?«

»Nein«, erwiderte der Diener. »Warum haben Sie sich eigentlich nicht an dem Preisausschreiben beteiligt? Sie hätten bestimmt einen Preis gekriegt.«

»Ist das Ihr Ernst?«

»Man hätte Sie auf zwei Wochen in die Alpen geschickt. Vielleicht hätten Sie sich einen Fuß verstaucht und wären noch länger weggeblieben.« Er schloss genießerisch die Augen.

»Sie sind ein widerlicher Mensch«, meinte sie. »Ihretwegen bräche ich mir nicht einmal das Genick.«

Johann fragte: »Wie macht sich das neue Dienstmädchen ?«

Frau Kunkel erhob sich. »Sie wird bei uns nicht alt werden. Warum heißt die Person eigentlich Isolde?«

»Die Mutter war eine glühende Verehrerin von Richard Wagner«, berichtete Johann.

»Was?« rief die Hausdame. »Unehelich ist diese Isolde auch noch?«

»Keine Spur. Die Mutter war verheiratet.«

»Mit Richard Wagner?«

»Aber nein.«

»Warum wollte er denn, dass das Kind Isolde heißen sollte? Was ging ihn das an?«

»Richard Wagner hatte doch keine Ahnung von der Geschichte. Fräulein Isoldes Mutter wollte es.«

»Und der Vater wusste davon?«

»Selbstverständlich. Er liebte Wagner auch.«

Frau Kunkel ballte die gepolsterten Hände. »Ich lasse mir allerlei gefallen«, sagte sie dumpf. »Aber das geht zu weit!«

Das zweite Kapitel

(глава вторая)

Herr Schulze und Herr Töbler (господин Шульце и господин Тоблер)

10. Es schneite (шел снег). Vor dem Postamt in der Lietzenburger Straße hielt eine große, imposante Limousine (у почтового отделения на Литценбургер-штрассе остановился большой шикарный лимузин; das Postamt; halten; die Limousíne).

Zwei Jungen, die mit Schneebällen nach einer Laterne warfen, unterbrachen ihre aufreibende Tätigkeit (двое мальчишек, обстреливавших снежками фонарный столб, прервали свое изнурительное занятие; werfen; die Latérne; der Schneeball; unterbrechen; die Tätigkeit; reiben — тереть; aufreiben — стирать, сдирать /кожу до крови/; изнурять, изматывать).

»Mindestens zwölf Zylinder (как минимум, двенадцать цилиндров; der Zylínder)«, sagte der Größere (сказал старший).

»Eine klotzige Karosserie (мощный кузов; die Karosseríe)«, meinte der Kleinere (заметил младший).

Dann pflanzten sie sich vor dem Fahrzeug auf, als handle sich's mindestens um den Sterbenden Gallier oder den Dornauszieher (затем они бесцеремонно встали перед машиной, словно это был, как минимум, Умирающий галл или Мальчик, вынимающий занозу; der Dorn — колючка, шип; ausziehen — вытаскивать).

Der pelzverbrämte Herr, welcher der klotzigen Karosserie entstieg (отороченный мехом господин, который вылез из импозантного автомобиля;der Pelz — шкура, мех; verbrämen — опушать, оторачивать; entsteigen), glich etwa einem wohlhabenden Privatgelehrten, der regelmäßig Sport getrieben hat (был, пожалуй, похож на состоятельного приват-доцента, регулярно занимающегося спортом; gleichen; der Sport; treiben). »Einen Moment, Brandes (один момент, Брандес; der Momént)«, sagte er zu dem Chauffeur (сказал он шоферу).

Dann trat er in das Gebäude und suchte den Schalter für postlagernde Sendungen (затем он вошел в здание и нашел окошко «Почта до востребования»: «окошко для отправлений до востребования»; der Schalter; die Sendung).

Der Beamte fertigte gerade einen Jüngling ab (почтовый служащий как раз отпускал какого-то юношу; der Jüngling). Er reichte ihm ein rosafarbenes Briefchen (он вручил ему розовое письмецо = письмецо в розовом конверте). Der Jüngling strahlte, wurde rot, wollte den Hut ziehen, unterließ es und verschwand hastig (юноша засиял, покраснел, решил было снять шляпу, но передумал и стремительно исчез; etwas unterlassen — неделать, невыполнять, непредприниматьчто-либо, отказыватьсяотчего-либо; упускатьчто-либо; verschwinden).

10. Es schneite. Vor dem Postamt in der Lietzenburger Straße hielt eine große, imposante Limousine.

Zwei Jungen, die mit Schneebällen nach einer Laterne warfen, unterbrachen ihre aufreibende Tätigkeit.

»Mindestens zwölf Zylinder«, sagte der Größere.

»Eine klotzige Karosserie«, meinte der Kleinere.

Dann pflanzten sie sich vor dem Fahrzeug auf, als handle sich's mindestens um den Sterbenden Gallier oder den Dornauszieher.

Der pelzverbrämte Herr, welcher der klotzigen Karosserie entstieg, glich etwa einem wohlhabenden Privatgelehrten, der regelmäßig Sport getrieben hat. »Einen Moment, Brandes«, sagte er zu dem Chauffeur.

Dann trat er in das Gebäude und suchte den Schalter für postlagernde Sendungen.

Der Beamte fertigte gerade einen Jüngling ab. Er reichte ihm ein rosafarbenes Briefchen. Der Jüngling strahlte, wurde rot, wollte den Hut ziehen, unterließ es und verschwand hastig.

Поделиться с друзьями: