ЖАНРЫ

На войне под наполеоновским орлом. Дневник (1812–1814) и мемуары (1828–1829) вюртембергского обер-лейтенанта Генриха фон Фосслера
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Die politische Konstitution W"urttembergs erfuhr in der Epoche Napoleons tief greifende Umw"alzungen. Herzog Friedrich, von einem autokratischen Herrschaftsverst"andnis gepr"agt, nutzte am 30. Dezember 1805 die bevorstehende Erhebung seines Staates zum K"onigreich, um die altw"urttembergische landst"andische Verfassung aufzuheben. Gleichzeitig wurde das bisherige Herzogtum mit den neuw"urttembergischen Gebieten vereinigt. Das K"onigreich W"urttemberg wurde unter Friedrich im Sinne des „Aufgekl"arten Absolutismus“ regiert, d. h. durch eine starke f"urstliche Spitze und die ihr verpflichtete B"urokratie. Erst in der nach-napoleonischen Zeit, im Jahr 1819, erhielt W"urttemberg unter Friedrichs Sohn und Nachfolger, K"onig Wilhelm I. (1781 – 1864, reg. 1816 – 1864), eine Verfassung und wurde damit in eine konstitutionelle Monarchie umgewandelt.

Das w"urttembergische Milit"arwesen war w"ahrend der Regierungszeit Herzog bzw. K"onig Friedrichs h"aufigen und grundlegenden Reformen unterworfen. [81] In den Jahren 1798 bis 1800 setzte Friedrich – zum Teil gegen den Landtag – eine Erh"ohung der Mannschaftsst"arke des w"urttembergischen Heeres von etwa 3.000 auf "uber 6.300 Mann und eine Neuaufstellung der Formationen durch. In einem f"ur „Neuw"urttemberg“ g"ultigen Rekrutierungsgesetz vom 21. Februar 1803 wurde erstmals eine allgemeine Dienstpflicht der Untertanen formuliert. Der franz"osisch-w"urttembergische Allianzvertrag vom Oktober 1805 brachte eine Erh"ohung der Mannschaftsst"arke und eine Neuformierung der Truppen. Anfang 1806 hielt W"urttemberg knapp 10.000 Mann unter Waffen. Bereits im Januar 1806 und nochmals im Jahr 1807 wurde das nunmehrige k"onigliche Armeekorps erneut reorganisiert. Im M"arz 1806 wurde zudem neben dem bereits seit 1704 bestehenden, kollegial organisierten Kriegsrat das Amt eines Kriegsministers geschaffen und mit Herzog Wilhelm von W"urttemberg, einem Bruder des K"onigs, besetzt. De facto spielte jedoch der Kriegsrat weiterhin die wichtigste Rolle in der Milit"arverwaltung. F"ur die folgenden Entwicklungen auf dem Gebiet des Milit"arwesens waren die Verpflichtungen massgebend, die Friedrich beim Beitritt zum Rheinbund im Sommer 1806 eingegangen war. W"urttemberg oblag, im Kriegsfall 12.000 Mann f"ur die franz"osische Armee zu stellen. Kurz nach der Gr"undung des Rheinbundes erliess K"onig Friedrich am 6. August 1806 eine Milit"arkonskriptionsordnung, in der eine Wehrdienstverpflichtung aller Untertanen festgeschrieben wurde. Die milit"arische Dienstzeit bei der Infanterie betrug acht, bei der Kavallerie zehn Jahre. Zudem war vorgesehen, die Veteranen in sogenannte Landbataillone einzugliedern. Faktisch existierten nach 1806 noch zahlreiche Ausnahmen von der allgemeinen Wehrpflicht. Diese wurden in den Jahren 1809 und 1810 erheblich eingeschr"ankt. Eine vom K"onig am 20. August 1809 erlassene Milit"arkonskriptionsordnung, ausf"uhrlichere „Instruktionen zum Konskriptionsgesetz“ vom 19. September 1809 sowie einzelne Anweisungen Friedrichs weiteten die milit"arische Dienstpflicht auf nahezu alle m"annlichen W"urttemberger aus. Die Bestimmungen Friedrichs erm"oglichten eine Vermehrung der w"urttembergischen Armee auf knapp 29.000 Mann. Die Erh"ohung der Mannschaftsst"arke machte bereits 1809 eine erneute Reorganisation der Streitkr"afte n"otig. Auch in den folgenden Jahren fanden Umstrukturierungen der einzelnen Truppenteile statt, deren Zahl sich jedoch nicht mehr grundlegend "anderte. Der Kriegsrat, dessen Leitung ab 1809 faktisch der Vizepr"asident "ubernommen hatte, war seit dem 1. Juli 1811 nicht mehr kollegial, sondern monokratisch organisiert. Die tats"achliche Leitung der w"urttembergischen Milit"arverwaltung lag seit 1810 in den H"anden von Friederich August Freiherr von Phull (1767 – 1840), einem Cousin des fr"uheren preussischen Generalstabschefs Karl Ludwig von Phull, der im Dezember 1806 in russische Dienste getreten war. [82] F"ur den Feldzug gegen Russland stellte W"urttemberg ein Kontingent von 15.800 Mann, von denen im Winter 1812/13 nur etwa 500 Mann ins Herzogtum Warschau zur"uckkehrten. Der fast vollst"andige Verlust des ins Feld gezogenen Armeekorps machte im Winter 1813 umfangreiche Rekrutenaushebungen sowie eine rasche Reorganisation der Armee erforderlich. Im Fr"uhjahr 1813 umfasste das w"urttembergische Heer etwa 24.000 Mann, von denen 11.600 Mann ins Feld zogen, w"ahrend die "ubrigen 12.400 in den Garnisonen verblieben. Auch das w"urttembergische Armeekorps des Jahres 1813 erlitt schwerste Verluste. Ende Oktober 1813 langten etwa 1.200 Mann in der Heimat an. Da sich Friedrich bei seinem B"undniswechsel auf die Seite der Gegner Napoleons Ende Oktober/ Anfang November zur Stellung grosser Truppenkontingente (je 12.000 Mann 1813 und 1814) verpflichtet hatte, musste erneut binnen kurzer Frist eine Armee aufgebaut werden. W"urttemberg rief zudem im Januar 1814 den Landsturm auf, der das Land bei einem eventuellen franz"osischen Angriff verteidigen sollte. Die entsprechenden Planungen gingen von 100.000 bis 110.000 Mann aus und erfassten alle Waffenf"ahigen zwischen 18 und 60 Jahren. Aufgrund der alliierten Erfolge in Frankreich im Fr"uhjahr 1814 kamen sie allerdings nicht zur Umsetzung. Weitere Reformen, die das w"urttembergische Milit"arwesen auf eine neue Grundlage stellten, folgten nach dem Sieg "uber Frankreich im M"arz 1814 bzw. nach dem definitiven Ende der napoleonischen Herrschaft im Jahr 1815. Sie wurden zum Teil noch von K"onig Friedrich, im Wesentlichen jedoch von seinem Nachfolger Wilhelm durchgef"uhrt und brachten eine Anpassung der Milit"arverwaltung und der Heeresgliederung an die Erfordernisse eines Friedensheeres. In diesem Zusammenhang wurde der Personalbestand des w"urttembergischen Heeres deutlich reduziert.

81

Zum Folgenden vgl. Sauer 1967; Cordes 1987; Nafziger 1987; Harder 1987, S. 48 – 62, 64; Paul 2005, S. 752 – 832.

82

M"ahrle 2014.

3. Die w"urttembergische Armee im Krieg 1812 – 1814

W"urttemberg war als Rheinbundstaat zur Stellung eines Truppenkontingents f"ur den im Jahr 1812 ausgebrochenen Krieg zwischen Frankreich und Russland verpflichtet. [83] Bereits im Fr"uhjahr 1811, als sich die Spannungen zwischen den Imperien Napoleons und Alexanders zugespitzt hatten und eine russische Milit"aroffensive gegen das Herzogtum Warschau gedroht hatte, war ein w"urttembergisches Infanterieregiment nach Danzig kommandiert worden. Anfang Februar 1812 erhielt K"onig Friedrich von Napoleon den Befehl zur Mobilmachung eines Armeekorps zum Feldzug gegen Russland. [84]

83

Zu den Feldz"ugen von 1812 bis 1814 aus w"urttembergischer Sicht vgl. bes. [R"ossler] 1820, S. 195 – 456; Miller 1822; Pfister 1897a; Pfister 1897b; Gerhardt 1937; Kraft 1953, S. 192 – 232. Demn"achst: Bickhoff/ M"ahrle (vgl. Anm. 1).

84

HStA Stuttgart, G 243 B"u 60, Brief Napoleons an K"onig Friedrich I. von W"urttemberg vom 27. Januar 1812.

Der w"urttembergische K"onig stand einem Krieg gegen das Zarenreich ablehnend gegen"uber. Er versuchte im Vorfeld des milit"arischen Konflikts – vergeblich – m"assigend auf Napoleon einzuwirken und eine Durchf"uhrung des Feldzugs zu verhindern. Vor allem zwei Gr"unde waren hierf"ur Ausschlag gebend. Zum einen war das Haus W"urttemberg, wie bereits erw"ahnt, dynastisch eng mit der Zarenfamilie verbunden. Eine Schwester Friedrichs, Maria Feodorowna, war die Mutter des amtierenden Zaren Alexander. Andere Mitglieder des Hauses W"urttemberg, zum Beispiel Alexander Herzog von W"urttemberg, ein Bruder des K"onigs, sowie Eugen Herzog von W"urttemberg, ein Neffe aus der schlesischen Linie, dienten in hoher Funktion in der russischen Verwaltung bzw. im Milit"ar. [85] Zum anderen versprach ein Feldzug gegen Russland f"ur W"urttemberg und seinen K"onig Friedrich keine politischen Vorteile. Arrondierungen des Staatsgebiets, die Friedrich nach dem franz"osisch-"osterreichischen Krieg 1809 noch erlangen konnte, waren 1812 unabh"angig vom Ausgang des Krieges nicht zu erwarten. Hingegen musste Friedrich, der die Verh"altnisse im russischen Heer aus seiner eigenen Milit"arzeit im Zarenreich gut kannte, bef"urchten, dass ein Grossteil seiner Streitmacht f"ur franz"osische Kriegsziele geopfert werden w"urde.

85

Zum Dienst von Angeh"origen des Hauses W"urttemberg in Russland vgl. Maleewa. Zu Alexander Herzog von W"urttemberg vgl. bes. Wiebeking 1835; Sauer 1997b; Raberg 2001, S. 1038. Zu Eugen Herzog von W"urttemberg vgl. bes. Ow 1997; Eliseew 1999; Ow 2000; Raberg 2001, S. 1041. Demn"achst: Denis Sdvizkov: Tr`es brave au feu, peu fortun'e. Der russische General Eugen von W"urttemberg im Portr"at, in: Bickhoff/ M"ahrle, Armee im Untergang (wie Anm. 1).

Da der K"onig keine M"oglichkeit hatte, sich seinen B"undnisverpflichtungen zu entziehen, r"uckte im M"arz 1812 ein w"urttembergisches Truppenkontingent ins Feld. Es umfasste etwa 10.000 Mann Infanterie, 1.000 Mann Artillerie und 2.300 Mann Kavallerie. In sp"ateren Kriegsphasen sollten noch das seit Fr"uhjahr 1811 in Danzig stationierte Infanterie-Regiment Nr. 7 sowie Erg"anzungstruppen in den Krieg gegen Russland involviert werden. Das Oberkommando "uber die w"urttembergischen Regimenter hatte K"onig Friedrich seinem Sohn, Kronprinz Friedrich Wilhelm, dem sp"ateren K"onig Wilhelm I., "ubertragen. Der K"onig verband mit dieser Personalentscheidung unter anderem die Hoffnung, dass die w"urttembergischen Truppen als geschlossener Verband am Krieg teilnehmen konnten. Diese Hoffnung sollte sich nicht erf"ullen: Der Grossteil der w"urttembergischen Regimenter bildete seit Ende M"arz die 25. Division des franz"osischen Heeres, die Teil des dritten, von Marschall Michel Ney gef"uhrten Armeekorps war. Hingegen wurde das Kavallerie-Regiment Nr. 3 J"ager Herzog Louis dem 40.000 Mann starken Kavalleriereservekorps der Grande Arm'ee zugeschlagen, welches vom neapolitanischen K"onig Joachim Murat befehligt wurde. [86] In der ersten Phase des Feldzuges hatte die Ernennung des Kronprinzen zum Oberbefehlshaber der w"urttembergischen Truppen sogar deutlich negative R"uckwirkungen auf die Situation der Soldaten. Napoleon, der durch die Berufung der hochgestellten f"urstlichen Pers"onlichkeit seine unumschr"ankte Befehlsgewalt "uber die w"urttembergischen Regimenter – wohl nicht zu Unrecht – gef"ahrdet sah, zielte darauf ab, Friedrich Wilhelm und seine Truppen zu dem"utigen. Aus diesem Grund benachteiligte er das w"urttembergische Kontingent bei der Verpflegung und bei der Zuweisung von Quartieren. Hohe Befehlshaber der 25. Division stellte er beim Durchmarsch durch Polen ungerechtfertigterweise vor der ganzen Armee bloss. Der Kaiser bem"angelte die Disziplin der w"urttembergischen Regimenter und behauptete, schw"abische Soldaten h"atten gegen seinen Befehl im Land gepl"undert. Erst nachdem Kronprinz Friedrich Wilhelm im Juli wegen einer Erkrankung die Armee verlassen musste, besserte sich die Behandlung der W"urttemberger durch die franz"osische Armeef"uhrung.

86

Starklof 1862, hier bes. S. 185 – 277.

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