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ЖАНРЫ

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Stundenlang sitzen wir da, und mir ist egal, dass ich nichts verstehe. Lketinga ist r"uhrend besorgt um mich. Er bestellt st"andig etwas zu trinken und sp"ater auch einen Tel er Fleisch. Es sind zerkleinerte Teile einer Ziege, die ich kaum herunterkriege, weil sie noch blutig und sehr z"ah sind. Nach drei St"ucken w"urgt es mich, und ich gebe Lketinga zu verstehen, er sol e es essen. Doch weder er noch die anderen M"anner nehmen etwas von meinem Teller, obwohl deutlich zu sehen ist, dass sie hungrig sind.

Nach einer halben Stunde stehen sie auf, und Lketinga versucht, mir mit H"anden und F"ussen etwas zu erkl"aren. Ich verstehe allerdings nur, dass al e essen gehen wollen, ich jedoch nicht mitgehen kann. Ich wil aber unbedingt mitgehen. „No, big problem! You wait here“,

h"ore ich. Dann sehe ich, wie sie hinter einer Wand verschwinden und kurz darauf auch Berge von Fleisch. Nach einiger Zeit kommt mein Massai zur"uck. Er scheint den Bauch voll zu haben. Ich begreife immer noch nicht, warum ich hierbleiben musste, und er meint nur: „You wife, no lucky meat.“

Ich werde am Abend Priscilla danach fragen. Wir verlassen das Teehaus und fahren mit dem Matatu zum Strand zur"uck. Beim Africa-Sea-Lodge steigen wir aus und beschliessen, Jel y und Eric zu besuchen. Am Eingang werden wir angehalten, doch als ich dem W"arter klarmache, dass wir nur meinen Bruder und seine Freundin besuchen, l"asst er uns kommentarlos ein. An der Rezeption werde ich vom Manager lachend begr"usst: „So, you will now come back in the hotel?“

Ich verneine und erw"ahne, dass es mir sehr gut gef"al t im Busch. Er zuckt nur mit den Schultern und meint: „Mal sehen, wie lange noch!“

Wir finden die beiden am Pool. Aufgeregt kommt Eric zu mir: „Wird aber auch Zeit, dass du dich wieder einmal zeigst!“ Ob ich gut geschlafen habe. "Uber diese Besorgnis muss ich lachen und erwidere: „Sicher habe ich schon komfortabler gen"achtigt, aber ich bin gl"ucklich!“ Lketinga steht da, lacht und fragt: „Eric, what's the problem?“

Einige badende Weisse starren uns an. Ein paar Frauen laufen auff"al ig langsam an meinem geschm"uckten und mit neuer Bemalung gef"arbten, sch"onen Massai vorbei und bestaunen ihn unverhohlen. Er seinerseits verschenkt keinen Blick, da es ihn eher geniert, soviel Haut ansehen zu m"ussen.

Wir bleiben nicht lange, da ich einiges einkaufen m"ochte, Petroleum, WC-Papier und vor allem eine Taschenlampe. Letzte Nacht blieb es mir erspart, mitten in der Nacht das Busch-WC aufsuchen zu m"ussen, aber das wird nicht so bleiben. Das WC

befindet sich ausserhalb des Dorfes. Man erreicht es "uber eine halsbrecherische H"uhnerleiter etwa zwei Meter "uber dem Boden. Dort befindet sich aus geflochtenen Palmenbl"attern eine Art H"auschen mit zwei Fussbodenbrettern und einem gr"osseren Loch in der Mitte.

Wir finden alles in einem kleinen Laden, wo anscheinend auch die Hotelangestel ten ihre Ware beziehen. Jetzt erst merke ich, wie preiswert hier al es ist. F"ur meine Verh"altnisse kostet, ausser den Taschenlampen-Batterien, der Einkauf fast nichts.

Ein paar Meter weiter befindet sich eine weitere Bruchbude, wo mit roter Farbe

„Meat“ angeschrieben ist. Lketinga zieht es dorthin. An der Decke h"angt ein riesiger Fleischerhaken und daran eine geh"autete Ziege. Lketinga schaut mich fragend an und meint: „Very fresh! You take one kilo for you and Priscilla.“

Mich sch"uttelt es beim Gedanken, dieses Fleisch essen zu m"ussen. Trotzdem wil ige ich ein. Der Verk"aufer nimmt eine Axt und schl"agt dem Tier ein Hinterbein ab, um mit zwei, drei weiteren Schl"agen unsere Portion abzutrennen. Der Rest wird wieder an den Haken geh"angt. Alles wird in Zeitungspapier gewickelt, und wir ziehen in Richtung Dorf.

Priscilla freut sich riesig "uber das Fleischgeschenk. Sie kocht uns Chai und holt bei der Nachbarin einen zweiten Kocher. Dann wird das Fleisch zerkleinert, gewaschen und in Salzwasser zwei Stunden gekocht. Inzwischen haben wir unseren Tee getrunken, den ich langsam als angenehm empfinde. Priscilla und Lketinga reden pausenlos. Nach einiger Zeit steht Lketinga auf und sagt, er gehe weg, sei aber bald wieder da. Ich versuche herauszukriegen, was er vorhat, doch er meint nur: „No problem, Corinne, I come back“,

lacht mich an und verschwindet. Ich frage Priscil a, wo er hingeht. Sie meint, so genau wisse sie es nicht, denn einen Massai k"onne man das nicht fragen, das sei seine Sache, aber sie vermute, nach Ukunda. „Um Gottes willen, was will er denn in Ukunda, von dort kommen wir ja gerade!“ sage ich etwas emp"ort. „Vielleicht wil er noch etwas essen“, erwidert Priscilla. Ich starre auf das siedende Fleisch in dem grossen Blechtopf: „F"ur wen ist dann dies hier?“ „Das ist f"ur uns Frauen“, belehrt sie mich, „Lketinga kann von diesem Fleisch nichts essen. Kein Massai-Krieger isst jemals etwas, was eine Frau angefasst oder angeschaut hat. Sie d"urfen nicht in Gegenwart von Frauen essen, nur Tee trinken ist erlaubt.“

Mir kommt die merkw"urdige Szene in Ukunda in den Sinn, und meine Frage an Priscil a, warum al e hinter der Mauer verschwunden sind, er"ubrigt sich. Lketinga darf also gar nicht mit mir essen gehen, und ich kann nie etwas f"ur ihn kochen.

Komischerweise ersch"uttert mich diese Tatsache mehr als der Verzicht auf guten Sex. Als ich mich einigermassen gefangen habe, wil ich mehr wissen. Wie das sei, wenn zwei verheiratet sind. Auch da entt"auscht mich ihre Antwort. Die Frau ist grunds"atzlich bei den Kindern und der Mann in Gesel schaft von anderen M"annern seines Standes, also Kriegern, von denen ihm mindestens einer beim Essen Gesellschaft leisten muss. Es geh"ort sich nicht, al ein eine Mahlzeit einzunehmen.

Ich bin sprachlos. Meine romantischen Phantasien vom gemeinsamen Kochen und Essen im Busch oder in der einfachen H"utte st"urzen ein. Ich kann meine Tr"anen kaum zur"uckhalten, und Priscilla schaut mich erschrocken an. Dann bricht sie in Gel"achter aus, was mich fast w"utend macht. Pl"otzlich f"uhle ich mich einsam und merke, dass auch Priscil a eine mir fremde, in einer anderen Welt lebende Person ist.

Wo bleibt nur Lketinga? Es ist Nacht geworden, und Priscilla serviert auf zwei zerbeulten Aluminiumtel ern das Fleisch. Inzwischen bin ich richtig hungrig, probiere und bin "uberrascht, wie weich es ist. Der Geschmack ist allerdings sehr eigenartig und salzig wie Sudfleisch. Wir essen schweigend mit den H"anden.

Sp"at verabschiede ich mich und ziehe mich in Priscil as ehemaliges H"auschen zur"uck. Ich bin m"ude, z"unde die Petroleumlampe an und lege mich auf das Bett.

Draussen zirpen die Gril en. Meine Gedanken kehren in die Schweiz zur"uck, zu meiner Mutter, zu meinem Gesch"aft und dem Bieler Alltag. Wie anders ist hier die Welt! Trotz al er Einfachheit scheinen die Menschen gl"ucklicher zu sein, vielleicht gerade weil sie mit weniger Aufwand leben k"onnen. Dies geht mir durch den Kopf, und sofort f"uhle ich mich wohler.

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