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Lketinga lacht und sch"uttet ein Drittel des P"ackchens in das kochende Wasser.

Sp"ater kommt Zucker dazu. Aber nicht etwa zwei, drei L"offel, sondern eine volle Tasse. Ich staune und denke, dass man diesen Tee bestimmt nicht mehr trinken kann. Und doch schmeckt er fast so gut wie der von Priscilla. Nun verstehe ich auch, dass Tee durchaus eine Mahlzeit ersetzen kann.

Den n"achsten Tag verbringe ich mit Priscilla. Wir wol en W"asche waschen, und Lketinga beschliesst, zur Nordk"uste zu fahren, um in Erfahrung zu bringen, in welchen Hotels Tanzauff"uhrungen stattfinden. Er fragt nicht, ob ich mitkommen m"ochte.

Ich gehe mit Priscilla zum Ziehbrunnen und versuche, wie sie einen Zwanzig-Liter-Kanister mit Wasser zum H"auschen zu bringen, was sich als gar nicht so einfach herausstel t. Zum Auff"ullen l"asst man einen Eimer, der drei Liter fasst, etwa f"unf Meter hinunter und zieht ihn nach oben. Dann sch"opft man mit einer Blechdose das Wasser heraus und giesst es in die schmale "Offnung des Kanisters, bis dieser voll ist.

Es wird peinlich genau gearbeitet, damit nichts von dem kostbaren Nass verlorengeht.

Als mein Kanister gef"ul t ist, versuche ich, ihn die 200 Meter bis zur H"utte zu schleppen. Obwohl ich immer glaubte, robust zu sein, schaffe ich es nicht. Priscilla dagegen schwingt ihren Kanister mit zwei, drei Griffen auf den Kopf und marschiert ruhig und locker zur H"utte. Auf halber Strecke kommt sie mir wieder entgegen und bringt auch meinen Kanister nach Hause. Meine Finger schmerzen bereits. Das Ganze wiederholt sich ein paarmal, denn das hiesige Omo erweist sich als sehr schaumig. Die Handw"asche, dazu mit kaltem Wasser, bei schweizerischer Gr"undlichkeit, macht sich bald an meinen Fingerkn"ocheln bemerkbar. Nach geraumer Zeit sind sie v"ollig wundgescheuert, und das Omo-Wasser brennt. Die Fingern"agel sind ruiniert. Als ich ersch"opft mit schmerzendem R"ucken aufh"ore, erledigt Priscil a f"ur mich den Rest.

Mittlerweile ist es sp"ater Mittag, und gegessen haben wir noch nichts. Was auch?

Im Haus haben wir keine Vorr"ate, denn sonst w"urden uns bald K"afer und M"ause besuchen. Also kaufen wir t"aglich al es im Shop. Trotz der enormen Hitze machen wir uns auf den Weg. Dies bedeutet eine halbe Stunde Marsch, sofern Priscilla nicht mit jeder entgegenkommenden Person einen ausf"uhrlichen Schwatz h"alt.

Anscheinend ist es hier "ublich, jeden mit „Jambo“ anzusprechen, um dann die halbe Familiengeschichte zu erz"ahlen.

Endlich angekommen, kaufen wir Reis und Fleisch, Tomaten, Milch und sogar weiches Brot. Nun m"ussen wir den langen Weg zur"uckmarschieren, um anschliessend zu kochen. Gegen Abend ist Lketinga immer noch nicht aufgetaucht.

Als ich Priscil a frage, ob sie weiss, wann er wiederkommt, lacht sie und meint: „No, I can't ask this a Massai-man!“

Ersch"opft vom ungewohnten Arbeiten in der Hitze lege ich mich in das k"uhle H"auschen, w"ahrend Priscil a gem"achlich mit dem Kochen beginnt. Wahrscheinlich bin ich deshalb so schlapp, weil ich den ganzen Tag nichts gegessen habe.

Ich vermisse meinen Massai, ohne ihn ist diese Welt nur halb so interessant und lebenswert. Dann endlich, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, schlendert er elegant auf die H"utte zu, und das bekannte „Hel o, how are you?“

ert"ont. Ich antworte etwas beleidigt: „Oh, not so good!“, worauf er sofort erschrocken fragt: „Why?“ Etwas beunruhigt "uber sein Gesicht beschliesse ich, nichts "uber seine lange Abwesenheit verlauten zu lassen, da dies bei unseren mangelnden Englischkenntnissen nur zu Missverst"andnissen f"uhren w"urde.

So antworte ich auf den Bauch zeigend: „Stomach!“ Er strahlt mich an und meint:

„Maybe baby?“

Ich verneine lachend. Auf diese Idee w"are ich wirklich nicht gekommen, weil ich mit der Pille verh"ute, was er nicht weiss und sicher gar nicht kennt.

B"urokratische H"urden

Wir suchen ein Hotel auf, in dem sich ein Massai mit seiner weissen Frau aufhalten soll. Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, bin aber sehr gespannt, denn ich k"onnte diese Frau einiges fragen. Als wir die beiden treffen, bin ich entt"auscht. Dieser Massai sieht wie ein „gew"ohnlicher“ Schwarzer aus, ohne Schmuck und Traditionskleidung, daf"ur in teurem Massanzug und um einige Jahre "alter als Lketinga. Auch die Frau ist schon Ende vierzig. Alle sprechen durcheinander, und Ursula, eine Deutsche, meint: „Was, du willst hierherkommen und mit diesem Massai leben?“ Ich bejahe und frage sch"uchtern, was dagegen spreche. „Weisst du“, sagt sie,

„mein Mann und ich leben bereits f"unfzehn Jahre zusammen. Er ist Jurist, hat aber trotzdem viel M"uhe mit der deutschen Mentalit"at. Jetzt schau mal Lketinga an, der war noch nie in einer Schule, er kann nicht schreiben und lesen und kaum Englisch sprechen. Von den Sitten und Br"auchen in Europa und besonders von der perfekten Schweiz hat er "uberhaupt keine Ahnung. Das ist doch von vornherein zum Scheitern verurteilt!“ Die Frauen hier h"atten gar keine Rechte. F"ur sie k"ame ein Wohnen in Kenia "uberhaupt nicht in Frage, Ferien hingegen seien grossartig. Ich sol e Lketinga sofort andere Kleidung besorgen, so k"onne ich doch nicht mit ihm herumlaufen.

Sie erz"ahlt und erz"ahlt, und mein Herz sinkt immer tiefer bei so vielen m"oglichen Problemen. Auch ihr Mann meint, es sei besser, wenn Lketinga mich in der Schweiz besuchen k"onnte. Ich kann mir das "uberhaupt nicht vorstel en, und mein Gef"uhl spricht dagegen. Trotzdem akzeptieren wir die angebotene Hilfe und machen uns am n"achsten Tag auf den Weg nach Mombasa, um einen Pass f"ur Lketinga zu beantragen. Als ich meine Zweifel "aussere, fragt Lketinga, ob ich einen Mann in der Schweiz habe, sonst k"onne ich ihn ja problemlos mitnehmen. Dabei hatte er zehn Minuten vorher gesagt, er wolle Kenia "uberhaupt nicht verlassen, da er nicht wisse, wo sich die Schweiz befinde und wie meine Familie sei.

Auf dem Weg zur Passstelle "uberkommen mich Zweifel, die sich sp"ater als berechtigt erweisen. Die friedlichen Tage in Kenia sind von diesem Moment an vorbei, der Officestress beginnt. Zu viert betreten wir das B"uro und stehen sicher eine Stunde in der wartenden Schlange, bevor wir in das gew"unschte Zimmer vorgelassen werden. Hinter einem grossen Mahagoni-Schreibtisch sitzt ein Beamter, der sich mit den Antr"agen befassen sol. Zwischen Ursulas Mann und ihm entsteht eine Diskussion, von der Lketinga und ich gar nichts verstehen. Ich merke nur, wie sie immer wieder zu Lketinga in seiner exotischen Aufmachung her"uberschauen.

Nach f"unf Minuten heisst es „Let's go!“,

und wir verlassen verwirrt das B"uro. F"ur f"unf Minuten eine Stunde zu warten, emp"ort mich.

Doch das ist erst der Anfang. Ursulas Mann meint, es m"usse noch einiges geregelt werden. Auf keinen Fall k"onne Lketinga sofort mit mir fliegen, vielleicht, wenn al es klappt, in etwa einem Monat. Zuerst m"ussten wir Fotos machen, dann wiederkommen und Formulare ausf"ullen, die al erdings momentan vergriffen und in etwa f"unf Tagen wieder erh"altlich seien. „Was, in einer so grossen Stadt gibt es keine Passantragsformulare“, entr"uste ich mich und kann es kaum fassen. Als wir nach langer Suche endlich einen Fotografen finden, m"ussen wir mehrere Tage warten, bis wir die Fotos abholen k"onnen. Ersch"opft von der Hitze und der ewigen Warterei, beschliessen wir, zur K"uste zur"uckzukehren. Die beiden anderen verschwinden im luxuri"osen Hotel und meinen, jetzt w"ussten wir ja, wo sich das Office befinde, und wenn es Probleme g"abe, seien sie hier anzutreffen.

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