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Wir fallen uns um den Hals, und nat"urlich muss ich fragen, wo Lketinga ist. Ihr Gesicht wird finster, sie schaut mich nicht an, als sie sagt: „Corinne, please, I don't know, where he is!“

Seit damals, vor mehr als zwei Monaten, habe sie ihn nicht mehr gesehen. Es werde viel erz"ahlt, aber sie wisse nicht, was davon wahr sei. Ich will al es erfahren, aber Priscilla meint, wir sollten zuerst zum Vil age gehen. Ich lade ihr die schwere Tasche auf den Kopf und nehme mein Handgep"ack. So machen wir uns auf den Weg.

Mein Gott, was wird aus meinen Tr"aumen vom grossen Gl"uck und der Liebe, denke ich. Wo ist nur Lketinga? Ich kann nicht glauben, dass er al es vergessen haben soll.

Im Vil age treffe ich auf eine weitere Frau, eine Muslimin. Priscilla stel t sie mir als eine Freundin vor und erkl"art, momentan m"ussten wir zu dritt in ihrer Behausung leben, da diese Frau nicht mehr zu ihrem Mann zur"uckgehen wil. Das H"auschen ist zwar nicht sehr gross, aber f"urs erste wird es schon reichen.

Wir trinken Tee, doch mir lassen die ungekl"arten Fragen keine Ruhe. Wieder frage ich nach meinem Massai. Priscilla erz"ahlt z"ogernd, was sie geh"ort hat. Einer seiner Kollegen erz"ahle, er sei nach Hause gefahren. Da er so lange keine Briefe von mir erhielt, wurde er krank. „Was?“ entgegne ich aufgebracht. „Ich habe mindestens f"unfmal geschrieben.“ Jetzt schaut auch Priscil a etwas "uberrascht. „Ja, wohin denn?“ will sie wissen. Ich zeige ihr die P. O. Box-Adresse an der Nordk"uste. Dann, so meint sie, sei es kein Wunder, wenn Lketinga diese Briefe nicht bekommen habe.

Diese Box geh"ore al en Massai an der Nordk"uste, und jeder k"onne herausnehmen, was er wil. Da Lketinga nicht lesen kann, habe man ihm die Briefe wahrscheinlich unterschlagen.

Ich kann kaum glauben, was Priscil a mir erz"ahlt: „Ich dachte, alle Massai sind Freunde oder fast wie Br"uder, wer soll denn so etwas machen?“ Da erfahre ich zum ersten Mal von der Missgunst unter den Kriegern hier an der K"uste. Als ich vor drei Monaten wegging, h"atten einige der M"anner, die schon lange an der K"uste leben, Lketinga geh"anselt und aufgestachelt: „So eine Frau, so jung und h"ubsch, mit viel Geld, wird sicher nicht mehr nach Kenia zur"uckkommen wegen eines schwarzen Mannes, der nichts besitzt.“ Und so, erz"ahlt Priscilla weiter, habe er, der noch nicht lange hier lebe, wahrscheinlich den anderen geglaubt, weil er keine Briefe erhielt.

Neugierig frage ich Priscilla, wo denn sein Zuhause sei. Sie weiss es nicht genau, aber irgendwo im Samburu-District, etwa eine dreit"agige Reise von hier entfernt. Ich solle mir keine Gedanken machen, ich sei jetzt gut angekommen, und sie werde versuchen, jemanden zu finden, der in absehbarer Zeit dorthin f"ahrt und eine Nachricht "uberbringen kann. „Mit der Zeit erfahren wir schon, was los ist. Pole, pole“, sagt sie, was soviel heisst wie „langsam, langsam“. „Du bist jetzt in Kenia, da brauchst du viel Zeit und Geduld.“

Die beiden Frauen umsorgen mich wie ein Kind. Wir reden viel miteinander, und Esther, die Moslemfrau, erz"ahlt von ihrem Leidensweg mit ihrem Ehemann. Sie warnen mich davor, jemals einen Afrikaner zu heiraten. Sie seien nicht treu und behandelten die Frauen schlecht. Mein Lketinga ist anders, denke ich und sage nichts dazu.

Nach der ersten Nacht beschliessen wir, ein Bett zu kaufen. In der vergangenen Nacht konnte ich kein Auge schliessen, denn Priscil a und ich teilten uns ein schmales Bett, w"ahrend Esther an der anderen Seite auf dem zweiten Bett schlief. Da Priscil a recht volumin"os ist, habe ich kaum Platz und muss mich am Bettrand festhalten, um nicht dauernd auf sie zu rutschen.

Also fahren wir nach Ukunda und laufen bei 40 Grad im Schatten von einem H"andler zum n"achsten. Der erste hat kein Doppelbett, k"onnte dies jedoch in drei Tagen herstel en. Ich aber m"ochte jetzt eines. Beim n"achsten finden wir ein wundersch"on geschnitztes Bett f"ur etwa achtzig Franken. Ich will es sofort kaufen, doch Priscilla meint entr"ustet: „Too much!“

Ich glaube, mich verh"ort zu haben. F"ur dieses Geld ein so sch"ones Doppelbett und handgefertigt! Aber Priscilla marschiert weiter. „Come, Corinne, too much!“

So geht es den halben Nachmittag, bis ich endlich f"ur sechzig Franken eines kaufen kann. Der Handwerker zerlegt es, und wir transportieren alles zur Hauptstrasse. Priscilla besorgt noch eine Schaumstoffmatratze, und nach einer Stunde Warten in br"utender Hitze an der staubigen Strasse fahren wir mit einem Matatu wieder bis zum Hotel, wo al es abgeladen wird. Jetzt stehen wir da mit den Einzelteilen, die nat"urlich schwer sind, da alles aus massivem Holz besteht.

Ratlos schauen wir uns um, als drei Massai vom Strand kommen. Priscilla spricht mit ihnen, und sofort helfen uns die sonst arbeitsscheuen Krieger, mein neues Doppelbett ins Vil age zu tragen. Ich muss mir das Lachen verkneifen, denn das Ganze sieht wirklich komisch aus. Als wir endlich beim H"auschen ankommen, will ich mich sofort an die Arbeit machen und das Bett zusammenschrauben, habe aber keine Chance, denn jeder der Massai will dies f"ur mich erledigen. Inzwischen sind es bereits sechs M"anner, die sich an meinem Bett zu schaffen machen.

Sp"at abends k"onnen wir uns ersch"opft auf den Bettrand setzen. F"ur alle Helfer gibt es Tee, und es wird wieder einmal in der mir unverst"andlichen Massai-Sprache gesprochen. Von den Kriegern werde ich abwechselnd gemustert, und ab und zu verstehe ich den Namen Lketinga. Nach etwa einer Stunde verlassen uns alle, wir Frauen machen uns bereit zum Schlafen. Das heisst notd"urftiges Waschen ausserhalb des H"auschens, was sehr gut geht, weil es stockdunkel ist und wir sicher nicht beobachtet werden. Auch das letzte Wasserlassen findet etwas abseits der H"utte statt, denn im Dunkeln geht man nicht mehr die H"uhnerleiter hoch.

Ersch"opft sinke ich in einen herrlichen Schlaf im neuen Bett. Von Priscil a sp"ure ich diesmal nichts, da das Bett breit genug ist. Allerdings ist kaum mehr Platz in der H"utte, und wenn Besuch kommt, sitzt nun jeder auf der Bettkante.

Die Tage vergehen wie im Fluge, und ich werde von Priscilla und Esther verw"ohnt.

Die eine kocht, die andere schleppt Wasser und w"ascht sogar meine Kleider. Wenn ich protestiere, heisst es, f"ur mich sei es zu heiss, um zu arbeiten. So verbringe ich die meiste Zeit am Strand und warte immer noch auf ein Zeichen von Lketinga. Abends besuchen uns h"aufig Massai-Krieger, wir spielen Karten oder versuchen, Geschichten zu erz"ahlen. Mit der Zeit merke ich wohl, dass der eine oder andere Interesse an mir zeigt, aber ich habe keine Lust darauf einzugehen, da f"ur mich nur der eine Mann in Frage kommt. Keiner ist nur halb so sch"on und elegant wie mein

„Halbgott“, f"ur den ich al es aufgegeben habe. Nachdem die Krieger mein Desinteresse bemerken, h"ore ich weitere Ger"uchte "uber Lketinga. Anscheinend wissen alle, dass ich immer noch auf ihn warte.

Als ich wieder einmal einem die angebotene Freundschaft, sprich Liebschaft, h"oflich, aber bestimmt abschlage, meint er nur: „Wieso wartest du auf diesen Massai, obwohl jeder weiss, dass er mit deinem Geld, das du ihm f"ur den Pass gegeben hast, nach Watamu Malindi gereist ist und mit afrikanischen Girls alles versoffen hat?“

Dann steht er auf und sagt, ich solle mir sein Angebot noch mal "uberlegen. "Argerlich fordere ich ihn auf, sich nicht mehr blicken zu lassen. Trotzdem f"uhle ich mich sehr einsam und verraten. Was ist, wenn es wirklich stimmt? Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf, und letzten Endes weiss ich mit Gewissheit nur, dass ich das nicht glauben will. Ich k"onnte zum Inder nach Mombasa fahren, aber irgendwie bringe ich den Mut dazu nicht auf, denn eine Blamage w"are f"ur mich kaum ertr"aglich. T"aglich treffe ich am Strand auf Krieger, und die Geschichten nehmen kein Ende. Einer berichtet sogar, Lketinga sei „crazy“ und nach Hause gebracht worden. Dort habe er ein junges M"adchen geheiratet und komme nicht mehr nach Mombasa. Wenn ich Trost brauche, sei er immer f"ur mich da. Mein Gott, lassen die mich denn nie in Ruhe? Ich komme mir langsam wie ein verlorenes Reh unter L"owen vor. Jeder will mich fressen!

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