Der R?uber
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Deshalb sitze ich immer noch auf der Treppe. Auf dem Hof klappern die T"uren und der Motor der startenden Fahrzeuge heult auf. Dann sehe ich draussen am Fenster den Feuerschein. Ich muss nicht aus dem Fenster sehen, um zu wissen, was passiert ist. Der Mazda von Galperin steht in Flammen. Mit dem Rauch verfl"uchtigt sich die letzte Hoffnung, aus diesem Albtraum auszubrechen.
Ich weiss nicht, wie lange ich auf der Treppe sass. Keine Wohnungst"ur "offnete sich und im Haus was es totenstill, so als ob keiner der Bewohner mehr unter den Lebenden weilte. Wahrscheinlich sind sie alle aus der Stadt gefl"uchtet. Ich kam erst zu mir, als ich grossen Durst versp"urte. Aber ich hatte nichts dabei. Ich stehe auf, es knackt in den Knochen und die Muskeln schmerzen. Wie sitze ich schon hier?
Der Mazda brennt nicht mehr, er raucht. Der "uble Geruch steigt aus den Fenstern auf und verteilt sich auf dem Hof. Die Leichen der Freunde sehe ich nicht. Vermutlich befanden sie sich in der Fahrerkabine. Wohin jetzt? Am G"urtel die leere Feldflasche, in der Hosentasche das Messer. Das ist alles, was ich besitze. Kein Essen, kein Wasser… nichts.
Ich biege um die Ecke und gehe zum gepl"underten Gesch"aft, in dem ich das Mineralwasser gefunden hatte. Wenigsten das!
Seltsam auf dem Weg zum Gesch"aft sehe ich kein einziges Auto und treffe keine Menschenseele. Die Stadt ist wie ausgestorben. Ich "uberquere die Strasse und steuere auf das Gesch"aft zu. An der Hauswand entdecke ich einen frischen Kratzer und Farbe. Sieht aus, als ob hier ein Auto knapp vorbeigeschrammt ist. Da ist ja auch das Auto… der Fahrer es nicht weit gekommen. Die Kugeln haben die Fenster zerfetzt und die T"ur ist mit Einsch"ussen "ubers"at. Dieser Geruch… Es riecht nach Blut! Die Frontscheibe ist mit roten Flecken bedeckt, das Blut ist auch an das rechte Seitenfenster gespritzt. Ich "uberwinde meinen Abscheu, laufe um das Auto herum und sehe vorsichtig hinein. Dem Fahrer ist es schlecht ergangen, seine letzte Fahrt war kurz. Der schwere Mann liegt vorn"uber auf dem Lenkrad und der Kopf ist auf die Konsole gekracht. Wie hat dieser Riese hinter das Lenkrad gepasst? Kein Wunder, dass sie ihn sofort erschossen haben. Dieser b"arenstarke Kerl h"atte viel "Arger machen k"onnen. Die Taschen sind umgest"ulpt. Das Handschuhfach ist aufgeklappt. Auf dem R"ucksitz liegen neben den ausgeweideten Taschen, ein paar Kleidungsst"uckes sowie Schraubenschl"ussel und Schraubenzieher verstreut. Ja, der Junge hatte es offenbar eilig, aber er war nicht schnell genug. Der Kofferraum ist auch ge"offnet. Ausser einem Ersatzrad ist er jedoch leer.
Mir wird schlecht. Ich entferne mich schnell, um mich nicht zu "ubergeben. Eigentlich kein Anlass zur Sorge, der Magen ist leer. Ich habe seit gestern nichts gegessen.
Aha, da ist das Gesch"aft. Hier ist alles beim Alten, die ausgeschlachteten Gesch"aftsr"aume interessieren hier niemanden. Auch die Mineralwasserflaschen sind unversehrt! Ich greife gierig nach der erstbesten Flasche und trinke, bis es mir wieder bessergeht. Die Flasche ist fast leer.
Leider kann ich h"ochstens drei oder vier Flaschen tragen. Mein Gott, ich bin bescheuert. Im Auto hatte eine grosse Tasche gelegen, offensichtlich ohne Blutflecken. Im Laufschritt zur"uck! Ich greife mir die Tasche und hebe ausserdem Schraubenschl"ussel, Schraubenzieher und Flachzangen vom Boden auf. Warum? Werkzeug kann man immer gebrauchen. Jetzt aber wieder ins Gesch"aft.
In der Tasche kamen sieben Flaschen Wasser, ein paar P"ackchen Zwieback und ein P"ackchen Graupen unter, nicht gerade viel. Mehr war hier auch nicht mehr aufzutreiben. Ich sehe mich um. Die Leiche riecht bereits streng. Vielleicht kommt es mir nur so vor.
Das war doch noch was? Es f"allt mir nicht ein. Ich hatte etwas gesehen und es ging mir durch den Kopf, aber mir wollte einfach nicht einfallen, was… Endlich, nachdem ich das Gesch"aft l"angst verlassen habe, geht mir ein Licht auf. Die Jacke! Ich h"atte die Jacke des toten Fahrers mitnehmen sollen. Sie hatte auf dem Boden gelegen. Blutbefleckt! So was w"urde ich nie anziehen! „Ekelst du dich etwa?“ stichelt meine innere Stimme. „Hast du vor, im Hemd in der K"alte herumzulaufen? Was f"ur ein abgeh"arteter Muskelprotz!“
Ich friere im Moment "uberhaupt nicht. Tags"uber klappern die Z"ahne jedenfalls nicht.
Und wie war die Nacht auf der Treppe? Kein Durchzug, aber es war auch nicht besonders warm. Ausserdem hatte ich ein Dach "uber dem Kopf, in einem Wohnhaus mit beheizten R"aumen. Der R"uckweg an diesen Ort ist bereits vermint. Ich kann doch nicht einfach bei den Nachbarn anklopfen. Entschuldigen Sie, man hat gestern versucht, mich umzubringen. W"are es m"oglich, dass ich eine Weile bei Ihnen einziehe? Die Antwort kann ich mir vorstellen.
Ach, "ubrigens! Wohin gehe ich jetzt? Zu einem Kollegen? Um mir dort meine Kugel abzuholen? Es gibt scheinbar eine Fahndungsliste f"ur uns, die sicher mehr als drei Namen enth"alt. "Ubrigens die Namen der Kollegen, mit denen ich zuletzt zusammengearbeitet habe. Die „G"aste“ werden deshalb auch an anderen, mir bekannten Orten auf mich warten.
Wohin? Ich habe keine Vorstellung. Soll ich mich in einem Keller verkriechen wie ein Obdachloser? Na und, unsere Keller sind nicht die schlechteste Variante, sogar B"uror"aume werden heute in Kellern eingerichtet. Sie haben meistens Eisent"uren, aber ich bin mit Werkzeug ausger"ustet. Es ist nicht weit bis zum n"achsten Kellerb"uro, das ich kenne.
Ich bin kein talentierter Einbrecher. Beim Versuch, die Eisent"ur zu "offnen, gelang es mir lediglich, den Schmuckbeschlag vom Schl"usselloch zu reissen. Dann stiess ich auf massives Eisen, mit dem ich nichts anzufangen wusste. Der Versuche, das Schloss mit einem zurechtgebogenen Drahtdietrich aufzuschliessen, scheitert daran, dass ich keinen hatte. Und wie h"atte ich den Draht auch biegen sollen? Eher nicht im rechten Winkel… Ich m"uhte mich zwei Stunden vergeblich, dann gab ich auf, setzte mich auf die Treppenstufen und "offnete eine B"uchse Babynahrung. Kein Grund, Witze zu machen. Ich m"ochte nicht wissen, was andere in dieser Situation getan h"atten.
Das Fenster? Ist vergittert. Mist… was tun? Schade, dass ich keine Brechstange habe.
Wo soll ich nach Werkzeugen suchen? Im Hafen, wo sonst? Die Gesch"afte sind alle geschlossen. Bis zum Hafen ist es weit. Ich suche lieber in der N"ahe. Die Baustelle! Da findet sich bestimmt eine Brechstange, ausserdem gibt es da sicher viele andere n"utzliche Dinge. Also los. Aber wohin? Ich weiss nicht, wo die n"achste Baustelle ist. Auf der Busfahrt hatte ich aber doch eine Baustelle gesehen! Bei Einbruch der Nacht k"onnte ich sie erreichen. Und dann? Was bleibt mir anderes "ubrig? Gut, ich habe ja nichts zu tun. Dann gehe ich eben zur Baustelle. Die Vorr"ate schleppe ich aber nicht alle mit. Kann sein, dass ich dort etwas N"utzliches auftreibe. Ich brauche Platz, um es mitzunehmen. Ich verstecke das Mineralwasser, die Feldflasche und das Paket Zwieback unter der Treppe, die in den Keller f"uhrt. Von der Strasse sind sie nicht zu sehen und Wurst, die andere Lebewesen interessieren k"onnte, ist nicht dabei. Ich nehme nur die leere Tasche und eine Flasche Mineralwasser mit. Morgen habe ich das Brecheisen und erhole mich in meiner neuen Unterkunft.
Kapitel 2
Mein Ausflug zur Baustelle war kein leichter und ungetr"ubter Spaziergang. Auf halbem Weg stiess ich auf eine wilde Schiesserei und ganz in der N"ahe zischte eine Kugel an mir vorbei. Ich h"atte nie gedacht, dass ich so schnell laufen kann! Ich versteckte mich hinter einer verlassenen Garage, bis die unsichtbaren Streith"ahne ihre Auseinandersetzung beendet hatten. Es dauerte fast eine Stunde. Dann krachte eine Salve (ich glaube, es war keine Maschinenpistole) und es wurde still. Bislang war immer mit Gewehren und Pistolen geschossen worden.
Ich wartete eine weitere Stunde, ehe ich mich aus meinem Versteck wagte. Es war still, kein Schusswechsel. Wer hier gewonnen hatte, war mir gleichg"ultig. Hauptsache es fliegen keine Kugeln und ich kann weitergehen. Ich stecke den Kopf aus der Garage und sehe mich um. Niemand da. Ich laufe schnell zum n"achsten Haus hin"uber. Nach einer halben Stunde sehe ich "uber den D"achern, den ersten Kran. Geschafft! Das ist die Baustelle. Jetzt wird es schneller gehen! Ich finde die Brechstange und andere n"utzliche Dinge und kann zur"uckkehren. Sehr wahrscheinlich habe ich heute Nacht ein Dach "uber dem Kopf.
Ich biege um die Hausecke.
„Halt!“
Wer ist das denn?
Zwei M"anner in Lederjacken. Einer hat ein Jagdgewehr, bei dem anderen ist keine Waffe auszumachen.
„He, was soll das?“
„Komm her!“
Ich gehe langsam auf sie zu und versuche, Abstand zu halten. Aber ich habe keine Chance, der mit der Waffe winkt nachdr"ucklich mit dem Gewehrlauf. Mach keinen Unsinn. Sie entreissen mir die Tasche und st"ulpen sie um. Der Kerl, der sie durchsucht, bolzt die herausgefallene Mineralwasserflasche ver"achtlich zur Seite.