Чтение онлайн

ЖАНРЫ

Шрифт:

Wir parken gleich in der Garage, damit nicht noch mehr Leute auf den verbeulten Kotfl"ugel aufmerksam werden. Der Chef-Somali kommt und schaut sich den Schaden an.

Etwa sechshundert Franken w"urde es schon kosten, sagt er. Ich bin best"urzt, dass dieser Schaden ein Viertel des Kaufpreises kosten soll. Hartn"ackig verhandle ich, und schliesslich bleibt es bei dreihundertf"unfzig Franken, was immer noch viel zu hoch ist. Die Nacht verbringen wir in unserem Stamm-Lodging. Geschlafen wird nicht viel, zum einen wegen meiner Abreise, zum anderen wegen der vielen Moskitos. Der Abschied ist schwer, und Lketinga steht etwas verloren neben dem abfahrenden Bus. Ich vermumme mein Gesicht, um nicht v"ol ig verstaubt in Nairobi anzukommen.

Fremde Schweiz

Im Rucksack-Hotel Igbol finde ich ein Zimmer und esse mich erst einmal richtig satt. Ich checke jede Fluggesel schaft durch, bis ich endlich bei Allitalia einen Flug bekomme. Nach mehreren Monaten telefoniere ich wieder nach Hause. Die Aufregung ist gross, als ich meiner Mutter mitteile, dass ich f"ur kurze Zeit nach Hause komme. Die bis zum Abflug verbleibenden zwei Tage in Nairobi empfinde ich als Plage. Kreuz und quer streune ich durch die Strassen, um die Zeit totzuschlagen. An jeder Ecke stehen Kr"uppel und Bettler, denen ich mein Kleingeld gebe. Abends im Igbol unterhalte ich mich mit Weltenbummlern oder halte mir m"uhsam Inder und Afrikaner vom Leib, die mir ihre Dienste als Boyfriend offerieren.

Endlich sitze ich im Taxi zum Flughafen. Als das Flugzeug abhebt, kann ich mich nicht so recht freuen auf „zu Hause“, weil ich weiss, wie verzweifelt Lketinga und der Rest der Familie auf meine R"uckkehr warten.

In Meiringen im Berner Oberland, wo meine Mutter mit ihrem Mann lebt, f"uhle ich mich nach der ersten Wiedersehensfreude nicht wohl. Alles l"auft wieder nach europ"aischem Zeitplan. In den Lebensmittelgesch"aften wird es mir bei all dem "Uberfluss fast schlecht, und auch die K"uhlschrankkost bekommt mir nicht mehr.

St"andig habe ich Magenbeschwerden.

Bei der Gemeinde besorge ich mir eine Bescheinigung auf Deutsch und Englisch, dass ich noch ledig bin. Wenigstens sind nun meine Papiere in Ordnung. Meine Mutter kauft f"ur „meinen Krieger“ als Hochzeitsgeschenk eine wundersch"one Kuhglocke. Auch ich besorge einige kleinere Gl"ockchen f"ur meine Ziegen. Immerhin besitze ich schon vier eigene. F"ur Mama und Saguna n"ahe ich je zwei neue R"ocke und erwerbe f"ur Lketinga und mich zwei wundersch"one Wolldecken, eine knallrote f"ur ihn, eine gestreifte f"ur uns beide zum Zudecken.

Das Packen gestaltet sich nicht einfach. Ganz unten in der Reisetasche verstaue ich mein langes, weisses Hochzeitskleid, das ich zum Abschluss meiner Gesch"aftst"atigkeit von einem Lieferanten geschenkt bekam. Damals versprach ich ihm, fal s ich jemals heiraten sollte, es zu tragen, also muss es unbedingt mit, samt dem dazugeh"origen Kopfschmuck. Auf das Brautkleid packe ich Puddingbeutel, Saucen und Suppen. Darauf lege ich die Geschenke. Die Zwischenr"aume f"ul e ich mit Arzneimitteln, Pflaster, Verband, Wundsalben und Vitamintabletten. Obenauf kommen die Decken. Beide Taschen sind gestopft vol.

Die Abreise r"uckt n"aher. Meine gesamte Familie bespricht eine Kassette f"ur Lketinga zu unserer Hochzeit. Deshalb muss auch noch ein kleines Radio-Kassettenger"at in die Reisetasche. Mit zweiunddreissig Kilo Gep"ack stehe ich am Flughafen Kloten zum Abflug bereit. Ich freue mich riesig auf die Heimreise. Ja, wenn ich in mein Innerstes horche, weiss ich jetzt, wo mein wirkliches Zuhause ist. Nat"urlich f"al t mir der Abschied von meiner Mutter schwer, doch mein Herz geh"ort bereits Afrika. Ich weiss nicht, wann ich wiederkomme.

Heimat Afrika

In Nairobi fahre ich mit einem Taxi zum Igbol-Hotel. Der Fahrer bemerkt den Massai-Schmuck an meinen Armen und fragt, ob ich die Massai gut kenne. „Yes, I go to marry a Samburu-man“,

ist meine Antwort. Der Driver sch"uttelt den Kopf und versteht anscheinend nicht, warum eine Weisse ausgerechnet einen Mann aus der, wie er es nennt, primitiven Volksgruppe heiraten will. Ich verzichte auf ein weiteres Gespr"ach und bin froh, endlich im Igbol angekommen zu sein. Doch heute habe ich kein Gl"uck. Alle Zimmer sind besetzt. Ich suche nach einem anderen, g"unstigen Lodging und finde zwei Strassen weiter eine M"oglichkeit.

Das Schleppen meiner Tasche bereitet mir trotz der kurzen Strecke enorme M"uhe.

Dann muss ich noch drei Stockwerke hoch, bis ich in meinem Verschlag bin. Es ist bei weitem nicht so gem"utlich wie im Igbol, und ich bin hier die einzige Weisse. Das Bett h"angt durch, und unter dem Bettgestell liegen zwei gebrauchte Kondome.

Wenigstens sind die Bettlaken sauber. Ich gehe noch schnel ins Igbol, weil ich nach Maralal in die Mission telefonieren m"ochte. Von dort k"onnten sie morgen beim "ublichen Radio-Funk in der Barsaloi-Mission melden, dass ich in zwei Tagen in Maralal eintreffe. Somit w"usste auch Lketinga von meiner Ankunft. Diese Idee kam mir im Flugzeug, und ich wil es ausprobieren, obwohl ich die Maralal-Missionare nicht kenne. Ob es gelingt, weiss ich nach dem Gespr"ach nicht. Mein Englisch ist besser geworden, doch gab es w"ahrend des Gespr"achs mehrere Missverst"andnisse, denn der gute Missionar begriff meine Botschaft nur z"ogernd.

In der Nacht schlafe ich schlecht. Anscheinend bin ich in einem Stundenhotel der Einheimischen gelandet, denn links und rechts in den R"aumen wird gequietscht, gest"ohnt oder gelacht. T"uren schlagen auf und zu. Aber auch diese Nacht geht vor"uber.

Die Busfahrt nach Nyahururu verl"auft ohne Hindernisse. Ich schaue aus dem Fenster und erfreue mich an der Landschaft. Mein Zuhause r"uckt immer n"aher. In Nyahururu regnet es, und es ist kalt. Ich muss noch einmal "ubernachten, bevor ich am n"achsten Morgen den vergammelten Bus nach Maralal nehmen kann. Die Abfahrt verz"ogert sich um anderthalb Stunden, weil das Gep"ack auf dem Busdach mit Plastikplanen zugedeckt werden muss. Auch meine grosse, schwarze Reisetasche befindet sich dort oben. Die kleinere behalte ich bei mir.

Nach der kurzen Asphaltstrasse biegen wir in die Naturstrasse ein. Aus rotem Staub ist rotbrauner Schlamm geworden. Der Bus f"ahrt noch langsamer als sonst, um ja nicht in die grossen L"ocher zu geraten, die jetzt mit Wasser gef"ullt sind. Er schl"angelt sich vorw"arts, steht manchmal fast quer und spult sich wieder auf die Fahrbahn. Wir werden die doppelte Fahrzeit ben"otigen. Die Strasse wird immer schlimmer. Ab und zu steckt ein Fahrzeug im Schlamm fest, und verschiedene Menschen versuchen es wieder flott zu kriegen. Zum Teil liegt die Fahrspur dreissig Zentimeter tiefer als der Schlamm daneben. Durch die Fenster sieht man kaum etwas, so verspritzt sind sie.

Nach etwa der H"alfte der Strecke ger"at der Bus ins Wanken und dreht mit dem Hinterteil so ab, dass er quer steht. Die hinteren R"ader stecken im Strassengraben.

Nichts geht mehr, die R"ader drehen durch. Zuerst m"ussen alle M"anner raus. Der Bus rutscht zwei Meter zur Seite und steckt wieder fest. Nun m"ussen al e aussteigen.

Kaum habe ich den Bus verlassen, stecke ich bis zu den Kn"ocheln im Schlamm. Wir stehen auf einer erh"ohten Wiese und beobachten die vergeblichen Bem"uhungen.

Поделиться с друзьями: