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Дневник переводчика Посольского приказа Кристофа Боуша (1654-1664). Перевод, комментарии, немецкий оригинал
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(145r) Den 8. Martii ward aus dem Mittel der Grosscommissarien einer, nehmlich der Hoffrath Nasczokyn, nebst einem Diak, Feodor Michaylow, nach Bransk abgeordnet, umb von dannen mit den Pol. wegen des Termins und des Orts zu den Tractaten, ehe die andern ankommen, richtig zu machen.

Selbigen dato kahm von der Grantze Zeitung (die vor gar gewiss gehalten ward), dass der Konig in Polen todt und demnach seine Armeen sich getrennet und jedweder, wo es ihm am nechsten deuchte, auff die Flucht sich begeben hatte, ward also den russischen Generalen Ordre gegeben, den fluchtigen Feind aufs beste muglich zu verfolgen, die vorgenommene Reyse aber nach der bestimten Commission ward aufgeschoben.

Den 23. Martii, nachdem gar gewisse Zeitung einkommen, dass der Konig in Polen noch beym Leben und gutter Gesundheit zu der litt[auischen] Armee sich nach Mohilow begeben hatte, ward ein Schreiber, Piotr Dolgowa, mit einem Brieffe von den russischen Grosscommissarien an die pol. Commissarien abgefertiget, persuadirend, dass sie sich zwischen Mohilow und Smolensk einstellen und wegen des Ortes und Termins mit ihrem Collega, dem Hoffrath Nasczokyn, handeln, auch die Praeliminaria schliessen mochten. Unterdessen wolten auch sie, so bald es der (145v) vorstehende bose Weg zulassen mochte, sich einfinden. Dem Hoffrath Nasczokyn ward auch Ordre gegeben, von Bransk nach Smolensk sich zu begeben.

Den 27. Martii ist von Ihro Koniglichen Maytt. in Polen ein Curier, nahmens Samuel Bogdanowitz, an den Abgesandten Herrn Wienclawskij kommen mit Ordre, dass er seine ihm anbefohlene Negotia dahin lenken mochte, damit es zur Commission gelangen konte.

Den 28. dito ist der pol. Abgesandter in der Gesandtenkantzelley bey dem Hoffrath Grigorey Borisow Nasczokyn und dem Cantzler Almas abermahl zur Conferentz gewesen und ward beschlossen, dass die russischen Grosscommissarien den 20. Aprilis sich zu Smolensk einstellen, allda auch auf die Nahe die pol. Grosscommissarien zu erscheinen gehalten seyn solten.

Den 30. dito ist der Pol. abermahl zur Conferentz gewesen und ward von ihm begehret, dass gnuge seiner vorigen Opinion die Tractaten unter Siewierskij Nowgrodek gehalten werden mochten, allda sich dann gegen den 1. May beyderseits Grosscommissarien auff der Nahe einstellen solten. Dieses aber war nur, umb ihn, den Polen, zu versuchen, angestellet, ob er in seinen vorigen Worten wankelmuhtig werden mochte, damit man Fug und Ursach haben konte, der pol. Nation ihre Ungerechtigkeit und falsches Beginnen vorzuwerffen und Gelegenheit zu haben, die angesetzte Commission (146r) umbzustossen und den Krieg, weilen der Feind zu weichen anfing, unsere Armeen aber fertig waren, zu verfolgen. Der Abgesandte blieb nicht desto weniger bey seiner vorigen Meynung und declarirte annoch, dass ihm in Wahrheit nichts anders, dan an selbigen Oertern in der Gegend bey Sewsk die Commission anzustellen von Ihro Koniglichen Maytt. anbefohlen ware, dass er aber der Tractaten Zusammenkunfft unter Smolensk bewilliget hatte, ware auff Ihro Czar. Maytt. Begehren geschehen. Die Russen aber waren itzo hochmuhtiger den vor 8 Tagen und exprobrirten dem Abgesandten gar hohnisch, dass ihnen, den Pol., gar nicht zu trauen stunde, wie sie dan auff vergangenen Herbst, dem Hoffrath Nasczokin in Reusch-Lemberg aufs schleunigste eine Commission anzusetzen, ehe und bevor aber selbige geendiget ware, keinen Krieg anzufangen. Dem allen zuwieder ware der Konig selbst personlich (da nach dieser gethanen Verheissung die Czar. Armeen abgelassen und keines Einfalls vermuthend waren) mit aller seiner Macht auffgebrochen und hatte Ihro Czar. Maytt. Unterthanen, die Cosaquen, gewaltsahm uberzogen, auch endlich bis an die russische Grantze geruket und seinen Parteyen ohn allen Wiederstand uber die Grentzen tieff ins Reich hineinstreiffen (146v) lassen. Da aber Ihro Czar. Maytt. auff die Beine kommen und ihm die Spitze gebothen, keinen Stich gehalten, geschweig einigen Widerstand getahn, sondern ohne einige Courage das Feld geraumet und sich in grosser Eil darvon gemacht. Diesem zufolge konnte man ihnen auch kunftig nicht trauen, weilen sie allezeit nur Blut zu vergiessen, nimmer aber einen Frieden zu bearbeiten suchten. Der polnische verantwortete sich redlich und gab zu erkennen, dass dem Nasczokyn kein Armistitium zu Reusch-Lemberg (wie hefftig er auch darumb angehalten) verheissen werden, Ihro Konigliche Maytt. aber waren auf die Grantze geruket, dero bedrengte Unterthanen zu schutzen, und sie von dem schweren russischen Joche zu befreyen, und wieder unter seine Pflicht zu bringen, wolte auch noch ferner sprechen, aber die Russen stunden auff und gaben ihm kein Gehor.

Den 31. Martii ist ein teutscher Oberstlieutenant, Korninholss genand, mit einem Czar. Brieffe an den Churfursten von Brandenburg abgefertiget, umb heimlicher Weise von Dunaburg durch Churland nach Preussen zu gehen und bey dem Churfursten zu ersuchen, dass er die Cron Polen (in Respect itzigen turkischen Einfalls ins Romische Reich) von ferneren feindlichen Actionen gegen Russland abmahnen, zum (147r) Frieden persuadiren, auch bey solcher Beschaffenheit sich und seine Lander in Obacht und guten Auffsehen haben mochte.

Den 2. Aprilis ist der pol. Gesandter Wienclawskij bey Ihro Czar. Maytt. gewesen und hat seinen Abschied, auch ein Schreiben an Ihro Konigliche Maj. bekommen. Darin wird kund gethan, dass die Grosscommissarien fertig, sich ehestes Tages nach Smolensk einstellen wurden.

Den 4. Aprilis hat der pol. Abgesandte den Tractat, dass die russischen Commissarien den 1. May zu Smolensk sich einstellen, die Pol. auch allda auf die Nahe sich zu verfugen gehalten seyn solten, geschlossen, unterschrieben und mit vorhingeleisteten Eyde confirmiret und bekrafftiget.

Den 22. Aprilis, zwey Stunden in der Nacht, ward der konigliche engellandischer Ambassadeur zu Ihro Czar. Maytt. in dero Vorcammer zur geheimen Audience hinauffgefordert, da denn alle Stuffen, Gange und Pflaster mit kostlichen persianischen Teppichten, auch alle Gemacher mit guldenen und silbern Gestuk gantz bekleydet waren, ungeachtet, dass selbiges Mahl ein starker Regen eintraff und viele Kostbahrkeiten (mit welchen die unbedekte Gange und Staffeln uberzogen waren) gantz zu nichte machte. Der Ambassadeur, nachdem (147v) er in dem Saal, da Ihro Czar. Maytt. auff einem sehr prachtigen, mit Diamanten und Edelgesteinen, Gold und Silber uberzogenen Stuhl sassen, hineintratt, machte er erstlich seinen gewonlichen Reverentz und hielte hernach an umb eine geheime Audience. Darnach wurde allen Cammerherren und Hoffjunkern abzutreten gewinket, da nur bey Ihro Czar. Maytt. 7 Senatores oder Bojaren, der Ambassadeur, sein Secretarius und Interpres in der Cammer verblieben, da dann der Ambassadeur gar weitlauffig alle vorhergehabte Conferentzen in englandischer Sprach aus einem Papier herzulesen anhub, repetirend, was vor etzliche 90 Jahr zwischen beyden Reichen passiret, auch die zollfreye Commercie der Englandischen Compagnie consentiret und mit starken Privilegien ratificiret und bestatiget, unlangst aber von Ihro Czar. Maytt. gehemmet und durch den continuirlichen einheimischen Krieg Englands bis dato verschwiegen blieben ware, dass auch Ihro Konigliche Maytt. in England auf selbigem alten Fundament mit Ihro Czar. Maytt. in guter Vertrauligkeit continuiren und ferner Correspondence fortzusetzen geneigt und was vor Nutzen und Erspriessligkeiten beyden Reichen kunfftig daraus erwachsen (148r) konten, imgleichen, dass Ihro Konigliche Maytt. bey dieser Condition willens waren, hernach auszusein, damit Ihro Czar. Maytt. mit itzigen ihren Feinden zu guter Composition und ohne ferneren Blutvergiessen zur friedlichen Handlung mit Reputation gerathen und also auch ihr Land und Leuthe in einen gutten ruhigen Stand setzen und bringen mochten, weilen Ihro Koniglichen Maytt. in Engelland Autoritet und Ansehen bey allen Potentaten der gantzen Christenheit zu solchen Action capable genug, auch bey denen Potentaten ansonderheit, die anitzo mit Ihro Czar. Maytt. im Kriege verwikelt und andern Missverstandnuss stunden, nicht verworffen seyn wurde. Nachdem nun diese Sermon bey 4 Stunden nebst der Verdolmetschung gewahret hatte und der Ambassadeur vielleicht merken mochte, dass es Ihro Czar. Maytt. so lange zu sitzen und eine solche Weitlauffigkeit anzuhoren beschwerlich fiel, solicitirte er gegen allen diesem seinem Anbringen umb eine geneigte Antwort und nach selbiger Vernehmung umb seinen Abschied. Ihro Czar. Maytt. gaben mundlich zur Antwort, dass auff eine so lange und weitlauffige Proposition alsobald Resolution zu geben unmoglich ware, dennoch er anitzo die schrifftliche Proposition uberreichen und, nachdem selbige verdolmetschet und wohl eingenommen ware, einer Antwort gewartig (148v) seyn solte. Hiemit ward der Saal wieder geoffnet und jedermann hineinzukommen erlaubet. Ihro Czar. Maytt. forderten ein Becher, stunden vom Stuhl auff, nahmen ihre Mutze ab und trunken dem Ambassadeur zu auff gute Gesundheit und allen gluklichen Success Ihro Koniglichen Matt. in Engelland. Nachdem aber Ihro Czar. Maytt. ausgetrunken hetten, reichten sie erstlich dem Ambassadeur, hernach aber allen umbstehenden Senatoren und engellandischen Hoffjunkern, auch denen Translatoren einen jeglichen einen Becher aus eigner Hand, welcher von jeglichem auff die Gesundheit Ihro Koniglichen Maytt. in Engelland alsobald ausgetrunken werden musten. Hernach ward desselbigen gleichen der alten Konigin, Ihro Konigliche Maytt. Frau Mutter, Gesundheit herumgetrunken, doch fing der Ambassadeur an Ihro Czar. Maytt. Gesundheit, die auch herumb ging, wolte auch ferner der czarischen Printzen Gesundheit beginnen. Weilen aber indem die Gloken vor die Fruhstund zu lauten angefangen wurden und das Fest des Ritters St. Georgi, welcher bey den Russen hoch observiret wird, einfiel, entschuldigte sich Ihro Czar. Maytt. gar bescheidentlich gegen den Ambassadeur und gaben zu verstehen, dass sie ihn besser zu accomodiren gantz anstandig geneigt waren. Weilen aber das bose Wetter des Abends lang (149r) gesaumet, auch hernach seine weitlauffige, doch Ihrer Maytt. unverdriessliche Proposition die Zeit so abgekurtzet hatte, dass sie nunmehr zu ihrem Gottesdienst sich zu begeben und das Fest des Ritters St. Georgi ihrer loblichen Antecessorum Gebrauch nach freylich zu begehen auffgemuntert wurden, als mochte sie der Herr Ambassadeur vor dieses Mahl entschuldiget halten. Hiemit nahm der Ambassadeur seinen Abschied und ward mit vorigem gewohnlichem Geprange 4 Stund vor Tage aus dem czaar. Schloss nach seinem Quartier begleitet. Ihre Czar. Maytt. aber begaben sich also bald, nachdem sie nur die schwere Kleydung abgeleget hatten, zum Gottesdienst nach der Kirchen St. Georgii, die oben im Schlosse ist.

Den 24. Aprilis sind die zur Commission deputirte Grosscommissarien, der nechste Bojar und Stadthalter zu Astracan Knias Nikita Iwanowitz Odojewskij der nechste Bojar und Stadthalter zu Susdal Knias Juria Alexuewitz Dolgorukow Obolenskij, der Okolnitzey Knias Dimitri Alexiewitz Dolgorukow, der dumny Dworanin Gregory Borisowitz Nasczokyn, der Gesandtschafftсantzler Almas Ivanow, in der Hauptkirchen S. Maria zum Handkuss Ihro Czaar. Maytt. gelassen und haben nach empfangenem Seegen von dem Metropolit Krutickij ihre Expeditien bekommen.

(149v) Den 29. Aprilis sind die russische Grosscommissarien allesampt von Moskau abgereyset.

Den 12. May sind die Grosscommissarien mit ihrer gantzen Suite, von 100 Hoffjunkern, 2 Compagnie Reiter und 2.000 Mann zu Fuss bestehend, in Smolensk arriviret.

Den 18. May ist von den Grosscommissarien ein streletzischer Capitain, Afonase Szilow, mit einem Schreiben von Smolensk nach Diwierowitz zu die pol. Grosscommissarien abgefertiget, anzukundigen, dass die russischen zu Smolensk angelanget, umb zu vernehmen, ob die Pol. allesampt, so zur Commission verordnet, beysammen, insonderheit, ob ein Geistlicher alten Gebrauch nach unter ihnen verhanden.

Den 20. dito ist der Courier mit einem pol. Antwortschreiben zuruk nach Smolensk kommen. Die Pol. declariren darin, dass sie meistentheils beyeinander versamlet, auch solten in kurtzem (wie sie hofften) die ubrigen Collegen, von Ihro Koniglichen Maytt. Geschafften befreyet, zur Commission sich einfinden, wurden demnach dasselbiges alles, dass von ihnen schon geschlossen, nicht mutiren, vielmehr bekrafftigen helfen, weilen ihnen solche Vollmacht vom Reichstage ertheilet, dass selbiges, so von etzlichen aus ihrem Mittel geschlossen, eben so gultig seyn soll, als wenn es von allen ingemein bewilliget und ratificiret ware. Darneben beklagen sie sich auch wegen der so langen Cunctation von russischer Seite.

(150r) Den 22. May sind die Grosscommissarien mit ihrer gantzen Assistentz, von 100 Hoffjunkern, 2 S[q]uadron Reiter, 3 Regimenter zu Fuss und 12 Regimentsstuken bestehend, von Smolensk mit grossem Pompe nach Krasna auffgebrochen und selbigen Tag bis Lubna 2 Meilen gangen. Allda kommt Befehl von Moskow, dass sie nicht eilen, sondern mit den Pol. zusammenzukommen etwas cunctiren mochten. Die Ursache wurde ihnen im kurtzen mit dem Diak Gregorey Bogdanow nebst gebuhrlicher Instruction communiciret werden.

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