Дневник переводчика Посольского приказа Кристофа Боуша (1654-1664). Перевод, комментарии, немецкий оригинал
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Den 2. Augusti ist der Streptzey Kirilo Puschtzin und der Schreiber Wasiley Mikonkyn bey Ihro Maytt. gewesen und solten mit Brieffen nach Polen gehen.
Den 8. Aug[usti] sind denen nach Polen abgeordneten Kirilo Puschtzin und Wasiley Mikonkyn 2 Ihro Czar. Maytt. Brieffe an Ihro Konigliche Maytt. in Polen in der Gesandtencantzley abgegeben und anbefohlen worden, dass sie mit selbigen alsobald fortreysen solten. Der eine betraff, die fernere Auswechselung der Gefangenen fortzusetzen und auch dass von russischer Seiten etzliche 100 Polen mehr, den von den Polen Russen, erlassen und befreyet waren, dass demnach auch vor selbige von (126r) polnischer Seite mochte Satisfaction gethan, auch die unchristliche Rantzionen inskunfftige gantz abgeschafft und verbothen werden. Der andere, so in der Geheimen Cantzley geschrieben und nur zum Versiegeln in der Gesandtencantzley ubergeben war, hielte in sich, wie dass wegen besserer Vertrauligkeit und Hoffnung des kunnftigen Friedens Ihro Czar. Maytt. anitzo den Titul des Grossfurstenthumbs Litthauen Ihro Koniglichen Maytt. auff dero Begehren in diesem Brieffe schreiben und ertheilen lassen, welches dann Ihro Konigliche Maytt., in allem guten vermerkend und diese gnedigte Intention zum Frieden und Abschaffung des langwierigen Blutvergiessens spurend, auff den Grentzen anitzo kein Blutvergissen anfangen, Ordre ertheilen und bis zur kunfftigen Commission und antretenden Frieden (damit sich unterdessen ein jeder in seinen Grantzen halten und nicht ferner ruken mochte) ein gewis Armistitium zu schliessen, sich bequahmen wolten, interim je ehe, je lieber den verheissenen Reichstag ansetzen und ihre Grosscommissarien auf die Grantze zu den Tractaten verordnen mochten wegen Abschaffung aller eingeriessenen Streitigkeiten und Erneuerung der alten guten Freundschafft und Vertrauligkeit, welches Ihro Koniglichen Maytt. gutes Beginnen allen angrantzenden schroklich und ihrem Reiche profitirlich seyn wurde. Auch mochten Ihro Konigliche Maytt. durch diese Abgeordnete wissen lassen, wann sich dero Commissarien auf der Grantze einstellen und man ihrer Ankunfft versichert seyn konte.
(126v) Den 13. Augusti kommt Zeitung, wie der Oberste Stetkewitz nebst dem Jurin Bychow bloquiret hatten.
Den 20. Aug[usti] ist der nach Schweden abgeschikte russische Courier Ivan Astafiew zuruk nach Moskow mit Ihro Konig[lichen] Maytt. aus Schweden Brieffe angelanget. Die Schweden wolen keinesweges die russischen Ambassadeurs in Stokholm annehmen, sondern halten strenue an umb eine offentliche Commission auf der Grentze wegen Abschaffung der enstandenen Streitigkeiten, dahin sie dan allbereit ihre Grosscommissarien deputieret und beordnet hatten.
Den 26. Aug[usti] kompt Zeitung ein, dass der littauschen Armee linker Flugel unter dem Generalwagenmeister Patz allbereit zu Orsza angelanget ware, weswegen dann dem Generallieutenant Dromont zuruk nach der Festung Smolensk zu retiriren, auff des Feindes Intent gutte Aufsicht zu haben befohlen ward.
Den 4. September in der Nacht kommt eine Post von Smolensk und Bericht, dass der littauschen Armee linker Flugel zu Krasna arriviret, das Schlosschen eingenommen, den Capitain Hanss Rauch bey sich behalten und die ubrigen von selbiger Besatzung nach Smolensk abgelassen hatten. Dieses verursachte in der Moskow einen machtigen Allarm, weilen die Obrigkeit, von dem Nasczokyn versichert, sich im geringsten nichts feindliches von polnischer Seite, ehe und bevor die Commissarien zusammen gewesen waren, vermuthend, alle ihre Volker abgelassen (127r) hatten, also dass keine Praeparation zum Wiederstand verhanden wahr. Demnach wurden also bald neue Befehle ausgefertiget mit ernsten Geboth, dass sich die gantze Landschafft ungesaumt und stundlich zum Feldzuge gerustet einfinden und gerade auf Smolensk zu marchiren solte, aber es konnte vor diesmahl in der Eil nichts zusammengebracht werden.
Den 14. October, nachdem bey uns gantz keine Nachricht von des Feindes Macht, Intention und Beschaffenheit (wie sehr auch darnach getrachtet) zu erhalten war, kahm ein Major Huber Gomorij, von Geburth ein Schottlander, von des Patzen Armee, die dazumahl unter Kritzow stunde, nach Moskow mit noch 5 Officiers ubergelauffen, demnach alsobald der Okolnitzey Knias Jurga Nikititz Boratinskij (dessen Auffbruch bis hieher verschoben gewesen war) nach Smolensk, allda eine Armee zu sameln und nebst dem Generallieutenant zu Feld zu gehen, commandiret ward.
Den 18. October kommt Zeitung, dass der littausche Grossgeneral Sapieha mit dem rechten Flugel von Mohilow auffgebrochen und sein Lager zu Mignowitz, 2 Meilen von Smolensk, aufgeschlagen hatte.
Den 26. October kompt Zeitung, dass der Oberste Kmititz mit etzlichen 1.000 Pferden von des General Sapieha Lager ausmarchiret und 2 Meilen von Dorogobus unter Bohorodecko arriviret ware, welcher ersuchte, dass sich das Schloss Dorogobus, (127v) keiner ferneren Kriegsmacht wartend, ergeben mochte, unterdessen so liess er seine Parteyen bis unter Wiasma gehen, die streiffen und nahmen weg, was ihnen vorkahm.
Den 27. October kommt Zeitung, dass Ihro Konigliche Maytt. in Polen Johannes Casimirus mit einer ziemlichen Armee zu Barolaw angelanget, auch uber den Dnieper an allen kosakischen Stadten Universalia ausgeschikt hatte, dass sie sich in der Zeit, ehe die polnische und tartarische Armeen angelanget, ergeben mochten, weilen ihnen hernach keine Gnade mehr wiederfahren wurde. Demnach ward also bald der Bojar und Stadthalter zu Smolensk, Piotr Wasilewitz Scheremetew, nach Sewsk, allda eine Armee zu commandiren, abgefertiget.
Den 31. October ist der Bojar und Stadthalter zu Twer Knias Ivan Simonewitz Prosorowskij nach Wiasma, allda eine Armee zu samlen und sich mit dem General Tzerkaskij zu conjungiren und ins Feld zu ruken, abgeordnet.
Den 1. November ist der Bojar Knias Jacob Kudeniatowitz Tzerkaskij als Generalissimus nach Mosaisk, allda eine Armee zu samlen und nach Smolensk zu gehen, mit dem Prosorowskij zu conjugiren und wieder die littausche Armee ins Feld zu ruken, von Moskow abmarchiret.
Den 6. November kommt Zeitung, dass die polnischen Volker, die umb Dorogobus herumb laviret, in der Eil zuruk nach ihrem Lager unter Mignowitz geruket.
(128r) Den 12. November kommt von der liefflandischen Grentze ein Courier mit schlechter Zeitung, weilen die Schweden den Bogen gar hoch spannen und von den Russen nebst der Restituierung aller Gefangenen und Continuirung einer freyen ungehinderten Commercii 2.500.000 vor erlittenen Schaden und Unkosten fordern.
Den 13. 9ber kommt von der Ukrain Zeitung, dass theils Tartarn und der Vortrop von der polnischen Armee schon uber den Dnieper geruket, der Konig aber selbst und der Grossgeneral Pototzkij mit der Hauptarmee zu Rzitzew auf den Pass arriviret ware und allbereit sich praeparirten, heruber zu marchiren.
Den 14. 9ber ist der Stolnik Afonasey Niesterow und der Diak Ivan Davidow nach Wologda abgeordnet, umb allda dem engellandischen Ambassadeur Graff Scharl Howert zu empfangen, seine Pristaven zu sein und selbigen nach eingelangter Ordre nach Moskow zubegleiten.
Den 27. 9ber kommt Zeitung, dass der zaporovische Hetman Serko nebst den Kalmuken in Crimm eingefallen und die Festung Perekop eingeaschert haben.
Den 3. December des Abends kamen die mit Ihro Czaar. Maytt. Brieffen zu Ihro Koniglichen Maytt. in Polen abgeschikte Courier Kirilo Pustzin und Wasiley Mikonkin von Ihro Koniglichen Maytt. aus Polen zuruk und brachten 7 konigliche Schreiben mit sich, haben ihren Abschied diessseits des Dniepers zu Woronkowa, da Ihro Konigliche Maytt., auff dero March nach der Grantze (128v) begriffen, ihr Hauptlager gehabt, bekommen. Die Brieffe beantworteten Ihro Czaar. Maytt. uberschikte Schreiben. Wegen der Gefangenen ward zu erkennen gegeben, dass gegen denen Polen, so Ihro Czar. Maytt. erlassen hatten, auch viele Russen von Ihro Koniglichen Maytt. auf freyen Fuss gestellet und zu unterschiedenen Mahlen abgelassen waren. Mit der Commission, die Auswechselung der Gefangenen betreffend, ferner zu continuiren ware unnohtig, weilen Ihro Konigliche Maytt. inskunfftige nicht mehr eine Person gegen die andere, sondern ins Gemein alle und jede, was Condition sie seyn mochten, aus ihrem Reiche gefangene und weggefuhrte Leuthe gegen die in ihrem Reiche gefangene Russen in genere auszuwechseln wunschten, welche Auswechselung aber, damit sie ihren gebuhrlichen Fortgang und Effect erreichen konnte, bis zu dem volligen Friedensschluss muste auffgeschoben verbleiben. Der andere des Armistitii wegen, welches Ihro Czar. Maytt. bis zu Fortsetzung der kunftigen Tractaten zu machen und inmittelst beyderseits Soldatesque von Feindseeligkeiten zu enthalten, begehret hatten, ward declariret, dass solch ein Armistitium nur zum Verzug und unnohtigen Verlauff der Zeit Ursach geben wurde. Ihro Konigliche Maytt. aber, ob sie zwar gnugsahm Fug und Ursach hatten, den erlittenen Schaden, Verwustung ihres Reiches und Vergiessung vielen unschuldigen Blutes zu mainteniren (129r) und durch Gottes Hulffe zu rachen, wunschten dennoch als ein christlicher Potentat, je ehe, je lieber (die Rache Gott dem gerechten Richter hinstellend) ihrem Lande und Leuten den edlen Frieden wieder Stand zu setzen, weswegen sie dan auch damahlen, als Ihro Czar. Maytt. Grossgesandter Hoffrath Nasczokyn keine fernere Vollmacht mit dero Commissarien in Reusch-Lemberg zu tractiren gehabt, auf dessen Begehren bewilliget hatten, ihren Grosscommissarien auf der Grentze zu den Tractaten zusammenkommen zulassen, und allda gnuge denen Conditionen, so H. Nasczokyn damahlen declariret waren, einen Frieden zu behandeln und beyden Reichen und dero Unterthanen Ruhe zu schaffen. Weilen aber aus itzigen Ihro Czar. Maytt. Brieffe eine gewisse und offentliche Cunctation und Verlangerung der guten Intention eine Endschafft zu machen, in dem dass sie begehrten, dass Ihro Konigliche Maytt. wegen der Sachen erst einen Reichstag, der viel Zeit haben muste, anzusetzen und unterdessen ein Armistitium zu schlussen bewilligen mochten, gespuhret wurde, demnach konten Ihro Czar. Maytt. versichert seyn, dass dieses gar ein unnohtiger Verzug des Friedens sey, weilen gantz kein Reichstag, geschweig einiger Stillstand, bey jetziger Beschaffenheit der Sachen von Nothen, da Ihro Konigliche Maytt. und die Republique in Polen schon vorm Jahr, nemlich auff dem Reichstag (129v) zu Warschau 1662, ihren Commissarien eine sattsahme Plenipotenz und Vollmacht zur Befridigung ihrer Grantzen von russischer Seite gegeben und ertheilet hatten, welche Instruction keinen Reichstag mehr verandern und meistern konnte. Anitzo aber waren dero zu dem Friedenswerke deputierte Commissarien theils allbereit bey Ihro Koniglichen Maytt., die ubrigen wurden sich auch ohne Verzug einfinden. Mochten demnach Ihro Czaar. Maytt. auch die ihrigen (im Fall sie den Frieden treulich meinen) mit sattsahmer Plenipotentz auf die Puncta, so dem Nasczokyn zu Reusch-Lemberg schrifftlich eingelieffert waren, zu Ihro Koniglichen Maytt. abordnen, als dann wolten sie auch den ihrigen, mit ihnen zu handeln und den ewigen Frieden zu schliessen, befehlen.
Den 19. December haben Ihro Czar. Maytt. in Moskow ihre Landschafft, Hoffleuthe und Soldatesque (so ohne denen, welche mit unterschiedenen Bojaren und Generalen nach vielen Platzen auff die Grentze wieder den avancirenden Feind commandiert waren), sich annoch in Moskow befunden, unter Semienowsk zu mustern angefangen, und die Musterung wahrete continue nacheinander gantze 4 Wochen.
Den 24. Decembris kommt Post von der liefflandschen Grentze, wie dass beyderseits Commissarien, nachdem die schwedischen gantz obstinat bey ihren vorhin declarirten Puncten verblieben, unverrichter Sache (130r) voneinander ohne einigen gewissen Tractat schieden mussen, auch die schwedischen allbereit vertroken, demnach auch den russischen Befehl ertheilet ward, dass sie sich von dem Tractatort nach Moskow ungesaumt begeben solten.
Den 31. December sind die russischen Abgesandten, der Stolnik Ivan Jacoblewitz Korobin und der Diak Ivan Mikalyn, so vor anderthalb Jahren zu Ihro Rom. Kayserlichen Maytt. nach Wien durch Lieffland auff Lubek abgeordnet gewesen, zuruk nach Moskow angelanget und einen kayserlichen Brieff mit dem Titul Potentissimo auff Latein, weilen Grossmachtigster in der teutschen Sprache zu schreiben Ihro Kayserlichen Maytt. keines Weges eingehen mogen, an Ihro Czar. Maytt. mit guter Expedition mitgebracht.