ЖАНРЫ

Дневник переводчика Посольского приказа Кристофа Боуша (1654-1664). Перевод, комментарии, немецкий оригинал
Шрифт:

Den 28. Jan. sind 2 pol. Translatores, Ludwig Schiretzkij und Johann Bulak (welche von einem kosakischen Obersten, Wasiley Dworetzkij, in aller Unschuld bezuchtiget worden, als waren sie Ihro Czaar. Maytt. untreu und persuadirten die Cosaquen, dass sie sich wieder auf die pol. Seite begeben solten), unverhorter Sache ins Elend nach Kasan verschiket.

Den 3. Februarii haben Ihro Czar. Maytt., theilss den ankommenden englischen Ambassadeur wohl zu empfangen, theils, weilen etwa von der Ukrain (136v) wiederliche Zeitungen einkahmen, im Fall der Noth, wann die dem Feinde entgegen commandirte Armeen weichen mochten, die neue in Moskow gerichtete Armee unter dem Jungfer-Kloster im Felde personlich gemustert. Dieser Musterung war mit grosser Pracht und Ansehen wegen Vielheit der Auslander, so sich zur selbigen Zeit in Moskow aufhielten, angestellet, weilen die Russen mehr auf den Ruhm und weites Geruchte, denn auf gute Policey und Kriegsordnung sehen. Doch alles an die Seite setzend, so ist mit Wahrheit zu bezeugen, dass an dem Theatro, auf dem sich Ihro Czar. Maytt. nebst dero Grandes personlich befunden, welches in Gestalt eines Hofes oder Schlosses mit einer warmen Stuben auffs prachtigste zubereitet war, auch andern unnothigen, zur Kriegsmunition wenig nutzenden Expensen bey 80.000 Rthlr. auffgangen. Gerade uber dem Theatro war eine kostliche Artillerie von 150 groben Stuken gepflantzet, ohne die Feld- und Regimentsstuke und Feuermorsel, so sich bey denen Regimentern hauffenweiss befunden. Die Cavallerie war bey 17.000 Pferde stark, die Infanterie auff 20.000 und druber zu rechnen, alle wohlberittene und auffs kostlichste mundirte Volker. Nach der Musterung wurden bis gar spat in die Nacht die Stuke geloset und Salve geschossen.

Den 5. Februarii war alles bereit, den koniglichen englischen Ambassadeur zu empfangen. Weilen aber unter denen, so ihn aus dem Quartier (allda er auf eine Meile von der Residentz Moskow uber Nacht gelegen (137r) hatte) begleiten solten, ein Missverstandnuss sich eingemischt, auch die an ihnen abgeschikte Courier alle irrgeritten waren, also, dass es sich schon biss in die finstre Nach verspatet hatte, wolte der Ambassadeur bey Nacht einzuziehen nicht bewilligen, sondern blieb auf eine 1/2 Meile Weges von der Stadt uber Nacht beliegen.

Den 6. Februarii ist der englandische Ambassadeur Graff Charles Howart mit grossem Pompe entfangen. Seine Suite bestund in 72 Personen, fuhrete seine Gemahlin und Sohn auch mit sich. Die gantze Cavallerie, so vor 4 Tagen gemustert worden, rukte ihm ins Feld entgegen, die Infanterie aber stellte sich auff beyden Seiten der Strassen von dem Orte an, da der Ambassadeur von den russischen Pristawen (deren einer ein Hoffrath, Ivan Afonasiewitz Prontzischow, der andere ein Diak war) empfangen und in die czar. entgegen gesandte Schlitten gesetzet ward, biss an den Gesandtenhoff, welcher dazumahl in eines hollandischen Kauffmanns, David Ritzen, Hauss (welches ein kostliches steinernes Palatium wahr) zubereitet war. Der Ambassadeur nebst seinem Sohn wurden in zweyen grossen, mit Zobeln kostlich ausgefutterten Schlitten, seine Gemahlin aber und dero Frauenzimmer in einen mit rothen Sammet verdekten und mit silbernen Posamenten verbrehmten Winterwagen eingeholet. Die Hoffjunkern und des Ambassadeurs Bediente und andere ritten nebst (137v) vielen vornehmen czar. Hoffbedienten, aufs kostlichste bekleydet, auf czar. Pferden. Diese Ambassade ward so prachtig empfangen, dass ich sonst keine vorher gesehen, der grossere Ehre und Respect in Moskow wiederfahren ware. Dennoch so ubersandte der Ambassadeur, also bald er arriviret war, eine Schrifft, uber Schimpff und Disrespect klagend, der ihm den vorigen Tag, da er zum Einzuge bereit gewesen, in Person Ihro Koniglichen Maytt. in Engelland, seines Koniges und Herren, wiederfahren ware, massen er bis in die Nacht auffgehalten, endlich verleitet und nicht empfangen, sondern uber Vermuthen vor der Stadt hatte mussen beliegen bleiben, welches ein grosser Schimpff und bey andern politen Nationen nicht gebrauchlich ware, demzufolge dan selbige, so dran schuldig zu seyn mochten, befunden werden, zur billigen Straffe zu ziehen gebuhren wolte.

Den 11. Februarii hat der konigliche englandische Ambassadeur bey Ihro Czar. Maytt. in dem quadrirten Saal offentliche Audience gehabt und ist auff das kostlichste hinauffgebracht und mit grosser Reputation empfangen worden. Zum ersten ward ihm entgegen geschikt der Stolnik Ivan Andrewitz Chylkow, hernach Nikita Ivanowitz Scheremetoff, vor dem Audienzsaal aber der Bojar Knias Ivan Alexievitz Worotinskij. Seine Pristawen, so ihn hinaffbrachten, waren der Okolnitzey Wasili Semienowitz Wollinskij und der Hoffrath Ivan Afonasiewitz Prontzischew. Der Audientzsaal und die Hoffbedienten waren alle auffs kostlichste mit Gold und Silberstuk, Perlen (138r) und Edelgestein, Zobeln und Luxenpeltzen bekleydet. Dieses extraordinarien Ambassadeurs Anbringen bey Ihro Czar. Maytt. war, dass sich Ihro Konigliche Maytt. in Engelland wegen erzeugter Hulffeleistung, deroselben in ihrem Exilio mit Erlegung einer Summa Geldes erwiesen, hochlich bedankten, und weilen nunmehr (nachdem der hochste Gott selbige Ihro Konigliche Maytt. in Engelland ihres Herren Vaters glorwurdigsten Gedachtnuss Stuhl zu betreten erhoben und sie in dero Erbreich bestatiget hatte) Ihro Czar. Maytt. dersolben durch ihren Grossgesandten, den Stolnik Knias Piotr Semonowitz Prosorowskij und dessen Collegis, zu gratuliren und die unter beyderseits Antecessoren (lobwurdigen Memori) von alters her gepflegte gutte Correspondence und vertrauliche Freundschafft zu unterhalten praesentiret und veranlasset hatten, demzufolge Ihro Konigliche Maytt. in England auch das jenige zu recompensiren und gutte Vertrauligkeit zu unterhalten, dero extraordinaire Ambassadeur expediren und abfertigen wolen, mit dem geneigten Willen und gewisser Zuversicht, dass alles dasjenige, was zu ferner Fortsetzung und Handhabung einer gutten Correspondence zwischen beyden Potentaten, Ihro Koniglichen, auch Czar. Maytt., ersprusslich sein mochte, bey dieser Ambassade aufs beste werde gestifftet und abgehandelt werden, davon er dan ein mehres kunfftig bey den Conferentzen declariren und handeln wolte.

(138v) Den 12. Februarii ist dem gantzen Lande, fertig zu seyn und ihr Proviant bey Schlittenbahn nach Kaluga zu schiken, anbefohlen.

Den 13. Febr. ist der englandische Ambassadeur erst vor Ihro Czar. Maytt. und hernach mit den Conferentzherren, dem nechsten Bojaren und Stadthalter zu Astracan Knias Nikita Ivanowitz Odojewskij, wie auch mit dem nechsten Bojaren und Stadthalter zu Susdal Knias Juria Alexiewitz Dolhorukow, dem Okolnitzey und Stadthalter zu Backschar Wasilij Simonowitz Wolinskij, dem Hoffrath und Stadthalter zu Jelatom Iwan Afonasiewitz Prontschischow, und der Gesandten Grossdiaken Almas Ivanow, und dem lateinischen Diaken Lukian Golosow, zur Conferentz gewesen, allda er wegen einer zollfreyen Commercie (die den englandischen Kauffleuthen wegen Erfindung der Archangelschen Ports zum Recompence von alters her versprochen und mit vielen Ihro Czar. Maytt. loblicher Antecessoren Diplomatibus und Privilegiis bestatiget und confirmiret, vor etzlichen Jahren aber von Ihro Czar. Maytt. verbothen und also bis hieher wegen des einheimischen Krieges in Engelland verschwiegen blieben ware, dass demnach Ihro Czar. Maytt. gnuge Ihrer loblicher Vorfahren Privilegiis die zollfreye Commercie, welche das Fundament und Hauptpunct beyder Potentaten guter Correspondence und vertraulichen Freundschafft ware, wiedererstatten, in volligem vorigen Esse setzen und mit der Confirmation erneuern und befestigen und also die alte gutte Correspondence unter (139r) beyden Reichen unterhalten und bestatigen mochten. Die Russen wolten numehr von keinem zollfreyen Commercio wissen, sondern gaben vor, dass etzlichen englandischen Kauffleuthen solche Privilegia als eine absonderliche Gnade von Ihro Czar. Maytt. loblichen Vorfahren zwar ertheilt gewesen, weilen aber hernach selbige Englische Compagnie in vielen Puncten Ihro Czar. Maytt. den Contract nicht gehalten hatten, auch deswegen Ihro Czar. Maytt. von Ihro Koniglichen Maytt. in Engelland lobwurdigsten Gedachtnusses Carolo I, itziger Koniglichen Maytt. Herren Vater, da sich gantz England, bey denen auch diese russische Compagnie gehalten, wieder selbige verbunden, expresse ersuchet waren, dass selbiger Compagnie als rebellischen Unterthanen die Privilegia mochten genommen und die Gabe der zollfreyen Commercie entzogen werden, alss hatte Ihro Czar. Maytt. ihnen selbige Privilegia und Freyheit rechtmassiger Weise, auch auff Ihro Koniglichen Maytt. glorwurdigen Andenkens Begehren und Bitte billig genommen, und konten selbige numehro renoviret werden, weilen des Zolls Einkunffte Reichsregalien und itziger Zeit, da Ihro Czar. Maytt., mit vielen und unterschiedenen machtigen Feinden belastiget, in grosser continuirlicher Kriegsbereitschafft stunden, solche Einkommen nicht abzubrechen waren. Im ubrigen so wolten Ihro Czar. Maytt. gar gerne mit Ihro Koniglichen Maytt. in Engelland die alte Vertrauligkeit in allen Puncten erneuren und bestatigen. Dazu aber wolte sich der engellandische (139v) Ambassadeur gar nicht verstehen, declarirend, dass das freye Commertie vor Zeiten laut den Privilegiis der einige Ursprung, Anfang und Fundament aller guten Vertrauligkeit unter beyden Reichen gewesen ware, auch anitzo seyn muste, sonsten konnte keine gute vertrauliche Freundschafft bestatiget und unterhalten werden. Zudem so hatte er auch andern Propositiones, die ihm von Ihro Koniglichen Maytt. angetrauet und bey itzigen Ihro Czar. Maytt. Wesen gantz zutraglich waren, zu declariren. Es konten aber selbige Ihro Koniglichen Maytt. expressen Ordre zufolge nicht ehe proponiret werden, biss das zollfreye Commercium gnuge den alten Privilegiis und Freybrieffen renoviret, confirmiret und bestatiget ware. In Gegentheil konnte gantz nichts geschlossen und abgehandelt werden.

Den 17. Februarii ward der engellandische Ambassadeur abermahl zur Conferentz gefordert, und wolten die Russen von ihm par force Ihro Konigliche Maytt. in Engelland Proposition zu itzigem russischen Wesen dienlich wissen, hernach endlich wegen den Puncten, die Commercie belangend (welches nur eine Privat- und nicht Reichssache ware), sich declariren, worzu sich dan der Ambassadeur gantz nicht verstehen, sondern ohne vollige Confirmation der von alters her gebrauchlichen freyen Commercie gnuge Ihro Koniglichen Maytt. in Engelland expressen Befehl zu keiner einigen Sache zu schreiten sich resolvirte. Die Russen fingen an, Ihro Czar. Maytt. grosse Wohlthaten Ihrer Koniglichen Maytt. in dero Exilio erwiesen, (140r) hervorzustreichen, und dass der Englandischen Compagnie die freye Commercie benommen, ware nicht zum Nachtheil, sondern zum Gefallen und Nutzen Ihro Koniglichen Maytt., da sie nehmlich ihren Herren meineydig worden waren, geschehen. Der Engel[ische] gab zur Antwort, diese Wohlthat ware mit richtiger Bezahlung und hohen Dank recompensiret, anitzo aber wolte gebuhren, dass Ihro Konigliche Maytt. ihres Reiches eingesessenen und treuen Unterthanen nichts an ihren vorigen Privilegiis abzunehmen zulassen, vielmehr selbige in vorigen Esse zu setzen sich angelegen seyn lassen musten. Zudem, so wusten ja Ihro Czar. Maytt. Bojaren und Rathe gar wohl, dass diese zollfreye Commercie nicht nur etzlichen engellandischen Kauffleuten als eine Gnade (der sie sich ruhmten), sondern anstatt eines volligen Recompences vor die von den engellandischen Schiffen erfundene Archangelsche Porte der gantzen Engellandischen Compagnie ertheilet und zugestellet ware, welches anitzo Ihro Konigliche Maytt. in Engelland als eine Regale und richtige, ja billige Schuld von dem russischen Reiche einzufordern ihn, Ambassadeur, an Ihro Czaar. Maytt. abgeordnet hatten, solten sich demnach nicht einbilden, dass er Gnade zu suchen, sondern in Wahrheit einer rechtmassigen Schuld zu praetendiren anhero kommen ware, ohne derer Satisfaction nichts ferner tractiret werden mochte.

(140v) Den 19. Februarii ist der englandische Ambassadeur abermahl zur Conferentz gewesen und ward annoch versucht, ob er die verheissene Proposition entdeken und also ferner schreiten mochte, worzu er sich aber keinesweges verstehen wolte. Demnach ward ihm von den Bojaren und Conferentzherren zu erkennen gegeben, dass Ihro Czar. Maytt. anitzo, da sie mit vielen Reichen in Missverstandnuss und mit gar machtigen Feinden im Kriege verwikelt waren, wegen der grossen Aussgaben, die auff den Krieg giengen, die zollfreye Commercie nicht bewilligen konten. Wann aber nach diesem Gott der Allmachtige dero Reich mit allen ihren Nachbahren zu einem friedlichen Stand verhelffen wurde, konten etzlichen engellandischen Kauffleuten, dero Nahmen itzo specificiret werden solten, in Respect Ihro Koniglichen Maytt. in Engelland vertraulicher Freundschafft auff eine gewisse Summa zollfrey zu handeln bewilliget werden. Der Ambassadeur aber wolte auch diese Declaration nicht acceptiren, hielte vielmehr nochmahlen umb eine richtige Erneuerung und Confirmation der vorigen Privilegien an. Ferner begehrte er auch, dass wegen des an ihm verubten Despectes, der sich vor seinem Einzuge zugetragen (da er unter der czar. Residentzstadt, nicht wissend warum, die Nacht beliegen bleiben mussen, da er nehmlich zum Einzuge gantz fertig gewesen ware), ihm recht und billige Satisfaction, wie bey anderen x[ri]stlichen (141r) Potentaten gebrauchlich, wiederfahren mochte. Im Fall nicht, so hatte er ferner nichts mehres zu conferiren und wurde mit grossem Despect Ihro Koniglichen Maytt. und der gantzen Cron Engelland umb seinen Abschied anhalten mussen. Die unsrigen aber exprobrierten dem Ambassadeur, seine gar zu strenge Halssstarigkeit bezeugend, dass er, bey selbiger continuirend, beyder hohen Potentaten alles Vertrauen vielmehr zu trennen denn weiter zu befordern und fortzusetzen incliniret und nicht angeneigt ware, welches ihm ohne allen Zweiffel von seinem Herren, Ihro Koniglichen Maytt. in Engelland, die es der vorigen Correspondentz nach auch anitzo gar treulich meinten, nicht wurde anbefohlen seyn. Belangend aber die Praetension wegen des Despects, den er ihm selbst zueignet, so hatte er ja vorhin vernommen, dass selbige Bedienten, die daran schuldig befunden, gnuge Ihro Czar. Maytt. und Landes Gebrauch nach gestrafft waren, zudem so wolte dem Ambassadeur auch nicht geziemen, die Sache so hoch auffzunutzen und deswegen solche strenge Praetensionen vorzunehmen, nachdem mahl in dem Ihro Czar. Maytt. ein viel grosserer Despect den ihm, Ambassadeur, wiederfahren, da selbige ihren Leuthen den gantzen Tag von dem Morgen bis in die finstere Nacht umbsonst hatten wahrten und alles gar umbsonst zu bereiten lassen, und der Ambassadeur mochte zeitig gnug (141v) eingezogen seyn, wenn er es nur selbst hatte thun wolen. Weilen aber durch sein unzeitiges Praetiren und gar geschwindes Beginnen des Despects wegen es endlich zu spat worden, hatten Ihro Czar. Maytt. ihrem vertrauten Freunde, dero Koniglichen Maytt. in Engelland, nicht gonnen wolen, dass Ihr extraordinair Ambassadeur in der Nacht und nicht bey Tage hatte einziehen solen. Endlich nach langer zweytrachtiger Conferentz stunden die unsrigen auff und gaben dem Ambassadeur zu verstehen, dass Ihro Czar. Maytt. ihn heute bey dero czaar. Taffel zu haben gesonnen, demnach anitzo ferner zu conferiren keine Weile ubrig ware, wolten dennoch alle dasjenige, was sie von ihm vernommen, Ihro Czar. Maytt. unterlegen und auff ein andermahl Antwort drauff werden lassen. Hiermit gingen die Conferentzherren aus dem Saal, der Ambassadeur aber nebst seinem zugeordneten Pristawen, dem Hoffrath Prontzischow, blieben daselbst, bis von Ihro Czar. Maytt. ein Stolnik, Nikita Ivanowitz Scheremetoff, anlangete und den Herren Ambassadeur zur czar. Taffel nothigte, welche in dem quadrirten Saal aufs kostlichste zubereitet war. Ihro Czar. Maytt. sassen allein bey einer absonderlichen Taffel, der H. Ambassadeur nebst etzlichen Bojaren an der andern und die englandische Hoffjunker nebst etzlichen russischen Edelleuten bey dem dritten, und ging alles sehr magnifique zu nach Landes Manier etc.

(142r) Den 21. Februarii kahm der mit dem czar. Schreiben an Ihro Konigliche Maytt. in Polen abgefertigte Streptzey Kirilo Puschtzin zuruk nach Moskow ohne einigen Brieff, weilen er von pol. und tartarischen Partheyen, die bis unter Karatzoff, 30 Meilen von Moskow, gestreifft hatten, alle des seinigen beraubet, kaum selbst mit dem Leben davon kommen war.

Den 24. Febr. ist der vorige Secretarius Wienclawskij als Abgesandter von Ihro Koniglichen Maytt. in Polen zu Moskow arriviret.

Den 25. Febr. hatte er bey Ihro Czar. Maytt. in dem neuen holtzernen Saal offentliche Audience, und, nachdem er den koniglichen Brieff uberreicht, auch Ihro Czar. Maytt. mundlich nach Ihro Koniglichen Maytt. in Polen Gesundheit gefraget, antwortete er: Da ich von Ihro Koniglichen Maytt., meinem allergnadgisten Herren, abgereyset, habe selbigen bey dero Armee, welche von Pol., Litt[auer], Teutschen und andern x[ri]stlichen Nationen, auch Tartarn und Cosaquen auff der russischen Grantze unter Sewskij versamlet, bey guter Gesundheit, auch gluklichen Progressen und fernern heroischen Intent verlassen. Diese gar zu resolute Worte verdrossen so wohl Ihro Czar. Maytt., die bis dato lauter glukliche Actiones gegen die Polen gespuhret und keiner wiederigen Fortun vermuthend war, als auch allen beysitzenden Rathen gar sehr, weilen die Polen bey dieser Nation (142v) nunmehr gar nicht geachtet und gantz gringschatzig worden waren, demnach sie sich nicht einbilden konten, dass die Polen so kek seyn und auff ihre Grentze zu ruken sich unterstehen solten. Doch ward vor diesmahl alles mit Stillschweigen ubergangen und ferner gefraget, ob der Abgesandte etwas mundlich beyzubringen gevollmachtiget ware? Nach Verlesung des koniglichen Brieffes, antwortete er, es werde zu vernehmen seyn, was er in Commission habe, und hiemit ward ihm abzutreten gewinket, auch alsobald der Hoffrath Nasczokyn und der Gesandschafften Cantzler, dem Allmar, anbefohlen, mit ihm ferner zu conferiren, umb zu vernehmen, vohin der Konig in Polen mit seinem Vernehmen zielte. Der Konig gab in seinem Brieff zu erkennen, dass, obgleich er durch Gottes des Allmachtigen gnadigen Beystand capable gnug ware, allen ihm angethanen Schimpff und Despect, Verwustung seiner ihm von Gott anvertrauten Land und Leuthe und Vergiessung so unerhorten unschuldigen Blutes nicht allein zu mainteniren und zu rachen, ja wohl alle verubte Unbilligkeiten dem russischen Reiche mit gleichem zu vergelten. So wolte er dennoch als ein christlicher Potentat alle das jenige, so passiret ware, Gottes gerechtem Urtheil und Rache hinstellen und die von Ihro Czar. Maytt. praesentirte gutte Inclination zum Frieden dergestalt annehmen, dass ohne Schaden und Nachtheil seiner Land und Leuthen, auch ohne einigen Praejuditz Ihro (143r) koniglichen Autoritet zu einem billigen, christlichen und schadenfreyen Frieden durch diesen ihren Ablegaten ihre Intention zu declariren, auch Ihro Czar. Maytt. ferneres Absehen zu erkundigen und zu vernehmen bewilliget hatte, welches dero Abgesandter weitlauffiger mundlich erklahren und referiren wurde, dem Gehor zu geben und Glauben beyzumessen ersuchten.

Selbigen Dato war der Hoffrath Nasczokyn und der Cantzler Almar mit dem pol. Abgesandten in der Gesandtencantzelley zur Conferentz. Nach erklahrten vielen Circumstancien gab der Abgesandte zu erkennen, wie dass er von Ihrer Koniglichen Maytt. und der gantzen Republic in Polen gevollmachtigt ware, dergestalt zu tractiren, dass sich die russischen Commissarien innerhalb 3 Wochen Frist nach Sewsk hinbegeben und vollige Plenipotentz zu einem reputirlichen Frieden mitbringen solten. Nachdem mahl Ihro Koniglichen Maytt. und der Republique in Polen deputirte Grosscommissarien langst sich bey der Armee eingestellet hatten, von dannen konten sie beyderseits ferner wegen des Termins auch eines bequahmen Ortes zu den Tractaten durch ihren Abgesandten handeln.

Dem engellandschen Ambassadeur hatte sein Pristaff angedeutet, wie dass der Konig und die (143v) Republique in Polen diesen ihren Abgesandten einen Frieden umb Gottes Willen zu erbitten abgefertiget hatten, аber der H. Ambassadeur wolte von der Sache nichts wissen, vorgebend, dass er ihm was gewisses vorbringen, mit der gleichen groben Ruhmrathigkeit aber kunftige unbelastiget lassen solte.

Den 29. Februarii ward der konigliche englandische Ambassadeur abermahl zur Conferentz gefordert. Erstlich wurde selbigen exprobriret, dass er in seiner eingegebenen lateinischen Schrifft Ihro Czar. Maytt. keinen gebuhrlichen Titul (da er anstatt Serenissimo et Potentissimo nur Illustrissimo et Exellentissimo geschrieben) gegeben hatte, hernach nochmahlen ersuchet, die Proposition, so er vorzubringen hatte, zu entdeken. Der Ambassadeur aber gab zur Antwort, dass er Ihro Czar. Maytt. einen gar gebrauchlichen Titul gegeben, im Fall ihnen aber selbiger nicht gefallen mochte, so solten sie wissen, dass er von seinem Konige und Herren befehliget ware, Ihro Czar. Maytt. mit dergleichen Ehrerbietigkeit und Respect zu begegnen, als ihm, seinem Konige und Herren, selbste, demzufolge er auch dergestalt, wie es ihnen beliebte, inskunfftige den Titul zu schreiben sich nicht we[i]gern wolte, sie solten nur desselben gleichen von ihrer Seiten eine gute Intention gegen Ihro Konigliche Maj. (144r) und der Cron Engelland bliken lassen und die von alters her freye Commercie gnuge der alten Privilegien erneuren und bestatigen, in welchem Punct er anitzo ihrer in letzter Conferentz gegebener Zusage, auch (da sie nehmlich seine Praetension Ihro Czar. Maytt. zu unterlegen und ihm auskunfftige Antwort zu ertheilen versprochen hatten) Ihro Czar. Maytt. Resolution zu vernehmen erschienen ware, sonsten deuchte ihm unnothig zu seyn, ferner in Conferentz zu kommen. Die Russen declarirten, dass Ihro Czar. Maytt. gantz keine Fuge noch Ursache hatte, ein so ansehnlich Regale der zollfreyen Commercie umbsonst wegzugeben, nachdem mahl auch bey letzter Ambassade, die von Ihro Czar. Maytt. in Engelland expedirt gewesen, die engellandische Kauffleuthe vermittelst einer Summa Geldes Ihro Czar. Maytt. zu jetzigem Kriege Vorschluss zu thun sich geweigert, auch Ihro Konigliche Maytt. selbst zur Werbung der versprochenen 3.000 Mann in Engelland nichts vorgestreket hatten. Hierauff antwortete der Ambassadeur: Es ware zwar Ihro Czar. Maytt. Residenten Hebdon von Ihro Koniglichen Maytt. consentiret, in Engelland 3.000 Mann zu werben, aber nicht aus ihren, sondern Ihro Czar. Maytt. Mitteln. Den engellandischen Kauffleuthen aber, welche im verwichenen Kriege aller ihrer Mittel entblosset, ware unmuglich, so eine grosse Summa Geldes, alss von Ihro Czar. Maytt. (144v) Grossgesandten gefordert worden, auffzubringen. Zudem so ware ja keiner gehalten, selbiges, was ihm von Gott und Rechts wegen zu kahme, mit Geld zu erkauffen. Selbigen dato hat auch der Hoffrath Naszokyn und Cantzler Almas mit dem pol. Abgesandten gehandelt und beschlossen, dass sich Ihro Czar. Maytt. Grosscommissarien, der nechste Bojar und Stadthalter zu Astracan Knias Nikita Ivanowitz Odojewskij nebst seinen Collegis den 25. Martii in Sewerskij Novogrodek einstellen und von dar mit den Pol. wegen ihrer Zusammenkunfft handeln solten.

Den 2. Martii ward dem gantzen Reiche insgesamt zum Auffbruch fertig zu seyn angekundiget.

Den 3. Martii ward der mit den Pol. geschlossene vorige Tractat verandert und abgehandelt, dass die russischen Grosscommissarien den 30. Martii zu Sewsk sich einstellen solten.

Den 4. dito ward dieses abermahl verandert und beschlossen, dass den 10. Aprilis in Sewerskij Nowgrodek sich einzufinden.

Den 5. dito, nachdem auch dieses denen Russen nicht gefallen wolte, ward beschlossen, dass die russischen Commissarien den 10. Aprilis in Bransk sich einzustellen solten gehalten seyn, und von dannen solten sie wegen des Termins und der Stelle ihrer Zusammenkunfft handeln. Dieser Schluss ward schrifftlich verfasset von den pol. Abgesandten, auch einen Diak, Jefim Juriew genand, beschworen.

Поделиться с друзьями: