Die weisse Massai
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Draussen besprechen wir die Lage. Wir sind zu viert und m"ussen eine Woche warten. In Nairobi ist das mit meinen drei Buschm"annern unvorstellbar. Deshalb schlage ich vor, nach Mombasa zu fahren, damit der Bruder auch einmal ans Meer kommt. Lketinga ist einverstanden, da er sich in Begleitung sicher f"uhlt. So treten wir die achtst"undige Reise an, sozusagen unsere Hochzeitsreise.
In Mombasa besuchen wir als erstes Priscilla. "Uber unsere Hochzeit freut sie sich riesig und glaubt auch, dass jetzt al es gut wird. Lketingas Bruder will nun endlich ans Meer, doch als er vor der riesigen Wassermenge steht, muss er sich an uns festhalten. N"aher als zehn Meter geht er nicht ans Wasser, und nach zehn Minuten m"ussen wir den Strand verlassen, zu gross ist seine Furcht. Ich zeige ihm auch ein Touristen-Hotel. Er kann nicht glauben, was er sieht. Einmal fragt er meinen Mann, ob wir wirklich noch in Kenia sind. Es ist ein sch"ones Gef"uhl, jemandem, der noch staunen kann, diese Welt zu zeigen. Sp"ater gehen wir essen und trinken, wobei er zum ersten Mal Bier trinkt, was ihm nicht gut bekommt. In Ukunda finden wir ein sch"abiges Lodging.
Die Tage in Mombasa kosten mich eine Menge Geld. Die M"anner trinken Bier, und ich sitze dabei, denn al ein mag ich nicht an den Strand. Langsam werde ich sauer, st"andig den Bierkonsum f"ur drei Personen zu bezahlen, und so bleiben die ersten kleinen Streitigkeiten nicht aus. Lketinga, der nun offiziel mein Mann ist, versteht mich nicht und meint, es sei meine Schuld, so lange warten zu m"ussen, bevor wir nach Nairobi zur"uck k"onnen. Er begreife sowieso nicht, warum ich noch einen Stempel brauche. Schliesslich habe er mich geheiratet, und dadurch sei ich eine Leparmorijo und Kenianerin. Die anderen stimmen ihm zu. Ich sitze da und weiss auch nicht, wie ich ihnen den ganzen B"urokram erkl"aren soll.
Nach vier Tagen brechen wir missmutig auf. Mit M"uh und Not bringe ich Lketinga nochmals, und wie er sagt, das letzte Mal, in dieses Office in Nairobi. Inst"andig hoffe ich, dass ich den Stempel schon heute bekomme. Erneut erkl"are ich unser Anliegen und bitte nachzuschauen, ob es geklappt hat. Wieder heisst es warten. Die drei machen sich gegenseitig nerv"os und mich dazu. Die Leute starren uns ohnehin entgeistert an. Eine Weisse mit drei Massai gibt es nicht al e Tage im Office.
Endlich werden mein Mann und ich aufgerufen, wir sollen einer Dame folgen. Als wir vor einem Personenlift warten, ahne ich bereits, was passiert, wenn Lketinga da hineingehen sol. Die Liftt"ure "offnet sich, und eine Menschenmasse quil t heraus.
Erschrocken starrt Lketinga in die leere Kabine und fragt: „Corinne, what's that?“
Ich versuche ihm zu erkl"aren, dass wir mit dieser Kiste in den zw"olften Stock fahren.
Die Dame wartet bereits ungeduldig am Lift. Lketinga will nicht. Er hat Angst, in die H"ohe zu fahren. „Darling, please, this is no problem, if we are in the 12th floor you go around like now. Please, please come!“
Ich flehe ihn an zuzusteigen, bevor die Dame keine Arbeitslust mehr versp"urt.
Tats"achlich steigt er endlich mit grossen Augen ein.
Wir werden in ein B"uro gef"uhrt, wo uns eine strenge Afrikanerin erwartet. Sie fragt mich, ob ich wirklich mit diesem Samburu verheiratet bin. Von Lketinga will sie wissen, ob er in der Lage sei, f"ur mich mit Haus und Essen zu sorgen. Er schaut mich gross an: „Corinne, please, which house I must have?“
Mein Gott, denke ich, sag einfach nur ja! Die Frau schaut zwischen uns hin und her. Meine Nerven sind so angespannt, dass mir der Schweiss aus al en Poren l"auft.
Den Blick streng auf mich gerichtet fragt sie: „You want to have children?“ „O yes, two“,
ist meine prompte Antwort. Es folgt Schweigen. Dann endlich geht sie zum Pult und sucht unter verschiedenen Stempeln einen aus. Ich zahle 200 Schilling und bekomme meinen abgestempelten Pass zur"uck. Vor Freude k"onnte ich heulen.
Endlich, endlich geschafft! Ich kann in meinem geliebten Kenia bleiben. Jetzt nichts wie raus und nach Barsaloi, nach Hause!
Unsere eigene Manyatta
Mama ist gl"ucklich, dass alles gelungen ist. Nun sei es an der Zeit, die traditionelle Samburu-Heirat zu planen. Ausserdem m"ussen wir eine eigene Manyatta haben, denn nach der Heirat d"urfen wir nicht mehr in ihrem Haus wohnen. Da ich geheilt bin von den ewigen Officebesuchen, lasse ich den Gedanken an ein richtiges Haus fal en und bitte Lketinga, nach Frauen auszuschauen, die uns eine grosse, sch"one Manyatta bauen. Ich werde "Aste mit dem Landrover holen, doch bauen kann ich die H"utte nicht. Als Lohn wird es eine Ziege geben.
Nach kurzer Zeit erstel en vier Frauen, darunter seine beiden Schwestern, unsere Manyatta. Sie soll doppelt so gross wie die von Mama werden und auch h"oher, so dass ich fast darin stehen kann.
Die Frauen arbeiten nun schon zehn Tage, und ich kann es kaum erwarten, bis wir einziehen k"onnen. Die H"utte wird f"unf auf dreieinhalb Meter. Der Umriss wird zuerst mit dicken Pfosten abgesteckt, die dann mit den Weiden"asten verflochten werden.
Das Innere teilen wir in drei Pl"atze auf. Gleich neben dem Eingang ist die Feuerstelle. Dar"uber h"angt ein Gestell f"ur Tassen und T"opfe. Nach anderthalb Metern folgt eine geflochtene Trennwand, die eine H"alfte dahinter ist nur f"ur meinen Darling und mich. Auf den Boden kommt ein Kuhfel, darauf eine Strohmatte und auf diese dann meine gestreifte Schweizer Wolldecke. "Uber unserem Schlafplatz wird das Moskitonetz h"angen. Gegen"uber der Schlafstelle ist eine zweite Schlafm"oglichkeit f"ur zwei bis drei Besucher geplant. Ganz hinten am Kopfende soll ein Gestell f"ur meine Kleider stehen. Im Groben ist unsere Superh"utte schon fertig, nur der Putz, das heisst Kuhmist, muss noch aufgebracht werden. Da aber in Barsaloi keine K"uhe sind, fahren wir nach Sitedi zu Lketingas Halbbruder und beladen unseren Landrover mit Kuhfladen. Wir m"ussen dreimal fahren, bis wir gen"ugend zusammen haben.
Zwei Drittel der H"utte werden von innen mit dem Dung verputzt, der in der grossen Hitze schnell trocknet. Ein Drittel und das Dach werden von aussen verputzt, damit der Rauch durch das por"ose Dach entweichen kann. Es ist spannend, den Hausbau zu verfolgen. Die Frauen schmieren den Mist mit blossen H"anden um die H"utte und lachen "uber meine ger"umpfte Nase. Wenn al es fertig ist, k"onnen wir in einer Woche einziehen, denn bis dahin ist der Mist steinhart und geruchlos.
Samburu-Hochzeit
Wir verbringen die letzten Tage in Mamas H"utte. Alles dreht sich jetzt um unsere bevorstehende Samburu-Hochzeit. Jeden Tag treffen "altere M"anner oder Frauen bei Mama ein, um einen m"oglichen Termin zu finden. Wir leben ohne Datum oder bestimmte Tage, alles richtet sich nach dem Mond. Ich w"urde gern zu Weihnachten feiern, doch das kennen die Massai nicht, ausserdem wissen sie nicht, wie der Mond dann steht. Aber vorl"aufig haben wir diesen Termin geplant. Da noch nie Weiss und Schwarz hier geheiratet haben, wissen wir nicht, wie viele Leute kommen werden. Es wird sich von Dorf zu Dorf weitersprechen, und erst am Hochzeitstag werden wir sehen, wer uns die Ehre erweist. Je mehr Menschen, vor allem Alte, kommen, desto mehr Ansehen geniessen wir.
Eines Abends kommt der Wildh"uter vorbei, ein ruhiger, stattlicher Mann, der mir sofort sympathisch ist. Leider spricht auch er nur sp"arlich Englisch. Er unterh"alt sich lange mit Lketinga. Nach geraumer Zeit bin ich neugierig und frage nach. Mein Mann erkl"art mir, dass uns der Wildh"uter seinen neu erstellten Shop, der ausser als Lager f"ur Pater Giulianos Mais ungenutzt ist, vermieten will. Aufgeregt frage ich, was er denn kosten w"urde.
Er schl"agt vor, morgen gemeinsam den Shop zu besichtigen und anschliessend zu verhandeln. In dieser Nacht schlafe ich unruhig, denn Lketinga und ich haben schon Pl"ane geschmiedet. Nach dem morgendlichen Waschen am Fluss schlendern wir durch das Dorf zum Shop. Mein Mann spricht mit jeder entgegenkommenden Person. Es geht um unsere Hochzeit. Sogar die Somalis kommen aus ihren Gesch"aften und fragen, wann es soweit ist. Aber wir wissen von den Alten immer noch nichts Genaues. Im Moment wil ich nur den Shop sehen und dr"ange Lketinga weiter.
Der Wildh"uter erwartet uns schon im ge"offneten, leeren Haus. Ich bin sprachlos.
Es ist ein gemauertes Geb"aude in der N"ahe der Mission, von dem ich immer dachte, es geh"ore Pater Giuliano. Der Shop ist riesig, mit einem Tor, das sich nach vorne "offnet. Links und rechts davon sind Fenster. In der Mitte steht so etwas wie eine Verkaufstheke, und an der hinteren Wand sind richtige Holzgestelle. Hinter einer Zwischent"ur befindet sich ein gleich grosser Raum, der als Lager oder Wohnung dienen k"onnte. Ich kann mir gut vorstellen, hier mit etwas Geschick den sch"onsten Laden in ganz Barsaloi und Umgebung zu betreiben. Aber ich muss meine Begeisterung verbergen, wenn ich den Mietzins nicht in die H"ohe treiben will. Wir einigen uns auf umgerechnet 50 Franken, sofern Lketinga die Shop-Lizenz bekommt.