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ЖАНРЫ

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Von zu Hause und James erfahre ich wenig. Er hat nur die Beschneidung abgewartet und das Fest fr"uhzeitig verlassen. Vorsichtig frage ich nach, wo seine Kangas sind und warum er seine Haare abgeschnitten hat. Die Kangas sind in der Tasche, ebenso seine Haarpracht. Er geh"ore jetzt nicht mehr zu den Kriegern und brauche deshalb keine Kangas mehr.

Ich gebe zu bedenken, dass die meisten Massai in Mombasa noch ihre traditionelle Kleidung, ihren Schmuck und lange Haare tragen und dies f"ur unser Gesch"aft auch besser sei, woraus er schliesst, dass mir al e anderen besser gefallen. Dabei w"unsche ich mir nur, dass er wenigstens Hemd und Jeans wieder gegen die Kangas tauscht, da diese einfache Kleidung ihm viel besser steht. Aber ich gebe es vorl"aufig auf.

Als wir nach Hause kommen, sitzt Sabine mit Edy bei den anderen Kriegern nebenan vor der H"utte. Ich stelle sie meinem Mann vor. Freudig begr"usst er sie.

Sabine schaut etwas "uberrascht zu mir. Nat"urlich wundert sie sich ebenfalls "uber seine Aufmachung. Lketinga hingegen hat sich wohl noch keine Gedanken gemacht, warum Sabine hier sitzt.

Eine halbe Stunde sp"ater m"ochte sie zur"uck zum Hotel wegen des Abendessens.

Es ist f"ur mich die einzige Gelegenheit, mit ihr ein paar Worte zu wechseln, und so schlage ich Lketinga vor, dass ich sie schnel zum Hotel fahre, w"ahrend er zehn Minuten Napirai h"utet. Das kommt f"ur ihn jedoch nicht in Frage, er will sie zum Hotel fahren. Meine Schwester starrt mich erschrocken an, und gibt mir in Schweizerdeutsch zu verstehen, dass sie auf keinen Fal in den Wagen steigt, wenn er f"ahrt. Sie kenne ihn "uberhaupt nicht, und er sehe, nicht aus, als beherrsche er ein Fahrzeug. Ich weiss nicht, was ich machen soll und teile ihr dies mit. Zu Lketinga gewandt erwidert sie: „Thank you, but it's better I walk with Edy to the hotel.“

F"ur einen Moment halte ich die Luft an und "uberlege, was passiert. Lketinga lacht und erwidert: „Why you go with him? You are sister from Corinne. So you are like my sister.“

Als al es nichts n"utzt, will er sich mit ihr f"ur den Abend in der Bush-Baby-Bar verabreden, er k"onne nicht verantworten, dass sie al ein dorthin geht. Sabine, nun schon, etwas "argerlich, erwidert: „No problem, I go with Edy and you stay with Corinne or come together with her.“

Ich sehe ihm an, dass er jetzt merkt, was hier los ist. Sabine ergreift die Gelegenheit und verschwindet mit Edy. Krampfhaft besch"aftige ich mich mit Napirai.

Lange Zeit sagt er keinen Ton und kaut intensiv Miraa. Dann wil er wissen, was ich jeden Abend gemacht habe. Ich erw"ahne die Besuche bei Priscilla, die ja nur dreissig Meter entfernt von uns wohnt. Sonst sei ich immer fr"uh ins Bett gegangen. Wer dann bei mir gelegen sei, will er weiter wissen. Mir ist klar, worauf er hinauswil, und ich antworte etwas sch"arfer: „Only Napirai!“

Er lacht und kaut weiter.

Ich gehe ins Bett und hoffe, dass er noch lange draussen bleibt, weil ich absolut keine Lust versp"ure, mich von ihm ber"uhren zu lassen. Erst jetzt wird mir richtig bewusst, wie abgestumpft meine Gef"uhle diesem Mann gegen"uber sind. Nach den zweieinhalb Wochen, in denen ich ungebunden leben konnte, f"allt mir nun das Zusammenleben unter diesem Druck besonders schwer.

Nach einiger Zeit kommt er ebenfalls zu Bett. Ich stelle mich schlafend und liege mit Napirai ganz an der Wand. Er spricht mich an, und ich reagiere nicht. Als er den Versuch macht, mit mir zu schlafen, was unter anderen Umst"anden normal w"are nach dieser Zeit der Trennung, wird mir fast schlecht vor Angst. Ich kann und will einfach nicht. Zu gross ist die erneute Entt"auschung. Ich schiebe ihn weg und sage:

„Maybe tomorrow.“ „Corinne, you are my wife, now I have not seen you for such a long time. I want love from you! Maybe you got enough love from other men!“ „No, I have not got love, I don't want love!“

schreie ich entnervt.

Nat"urlich h"oren uns auch hier die Leute streiten, aber ich kann mich nicht mehr beherrschen. Es entsteht ein Handgemenge, worauf Napirai aufwacht und losheult.

Lketinga steigt w"utend aus dem Bett, zieht seinen Schmuck und die Kangas an und verschwindet.

Napirai schreit und ist nicht zu beruhigen. Auf einmal steht Priscilla in meinem Zimmer. Sie nimmt mir Napirai ab. Ich bin so erledigt, dass ich nicht f"ahig bin, mit ihr "uber unsere Probleme zu sprechen.

Das einzige, was ich ihr mitteile, ist, dass Lketinga v"ollig crazy ist. Beruhigend erwidert sie, al e M"anner seien so, dennoch d"urfen wir hier nicht so schreien, sonst gibt es Probleme mit dem Vermieter. Dann zieht sie sich wieder zur"uck.

Als ich am n"achsten Tag wie gewohnt mit William ins Gesch"aft gehe, weiss ich nicht, wo mein Mann die Nacht verbracht hat. Die Stimmung ist gedr"uckt, das Kinderm"adchen und William sprechen nicht viel. Wir sind um jede Abwechslung durch Touristen froh, obwohl ich mich heute aus den Verkaufsgespr"achen heraushalte.

Lketinga taucht erst gegen Mittag auf. St"andig hetzt er William herum. Er geht nicht mehr selber zur Strasse hin"uber, um die Zettel zu verteilen, sondern schickt Wil iam.

Zum Mittagessen wil er ihn nicht mitnehmen, obwohl wir nur nach Ukunda fahren. Zu Sophia darf ich auch nicht mehr, weil er nicht versteht, was ich mit ihr zu besprechen habe.

Seit einigen Tagen scheint in der Kasse Geld zu fehlen. Mit Bestimmtheit kann ich es nicht sagen, da ich nicht mehr t"aglich zur Bank fahre. Mein Mann nimmt auch hin und wieder Geld heraus, und ich kaufe von den H"andlern Ware. Aber mein Gef"uhl sagt mir, dass etwas nicht stimmt. Meinen Mann darauf anzusprechen, wage ich allerdings nicht.

Der Urlaub meiner Schwester geht zu Ende, ohne dass wir viel zusammen waren.

Am vorletzten Tag besuchen wir abends zusammen mit ihr und Edy die Disco. Es ist ihr Wunsch, vermutlich, weil sie mich unter Menschen bringen m"ochte. Napirai lassen wir bei Priscilla. W"ahrend Lketinga und ich am Tisch sitzen, tanzen Sabine und Edy ausgelassen. Seit langem trinke ich wieder einmal Alkohol. Meine Gedanken wandern zur"uck zu der Zeit, als ich mit Marco hier war und fast einer Ohnmacht nahe, als Lketinga zur T"ur hereinkam. Was ist alles geschehen in der Zwischenzeit! Meine aufsteigenden Tr"anen versuche ich zu verbergen. Ich will Sabine den Abschied nicht vermiesen und andererseits auch keine Auseinandersetzung mit meinem Mann. Auch er war damals sicher gl"ucklicher als jetzt.

Meine Schwester kommt wieder an den Tisch zur"uck und merkt sofort, dass es mir nicht gut geht. Ich eile zur Toilette. Als ich mein Gesicht kalt abwasche, steht sie neben mir und nimmt mich in die Arme. Schweigend stehen wir einfach da. Dann steckt sie mir eine Zigarette zu und sagt, ich solle sie sp"ater gem"utlich rauchen. Es t"ate mir sicher gut, denn sie sei mit Marihuana gemischt. Fal s ich mehr ben"otige, sollte ich mich nur an Edy wenden.

Wir kehren an den Tisch zur"uck, und Lketinga fordert Sabine zum Tanz auf.

W"ahrend sie tanzen, fragt Edy, ob ich mit Lketinga Probleme habe. „Manchmal schon“, ist meine kurze Antwort. Edy m"ochte ebenfalls tanzen, doch ich lehne ab.

Kurze Zeit sp"ater brechen Lketinga und ich auf, da ich Napirai zum ersten Mal bei Priscil a gelassen habe und unruhig bin. Ich verabschiede mich von Sabine und w"unsche ihr eine gute Heimreise.

Im Dunkeln stapfen wir zum Vil age. Schon von weitem h"ore ich mein M"adchen, doch Priscilla beruhigt mich, da Napirai gerade erst aufgewacht ist und nat"urlich die gewohnte Brust vermisst. W"ahrend Lketinga sich mit Priscilla unterh"alt, gehe ich in unser Zimmer. Als Napirai wieder schl"aft, setze ich mich draussen in die schw"ule Nachtluft, z"unde den Joint an und ziehe gierig den Rauch in die Lungen. Gerade als ich den Rest ausl"osche, kommt Lketinga, und ich hoffe, dass er den Geruch nicht wahrnimmt.

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