Die weisse Massai
Шрифт:
Ich f"uhle mich freier und besser und schmunzle vor mich hin. Als sich al es in meinem Kopf dreht, lege ich mich aufs Bett. Lketinga merkt, dass ich ver"andert bin, doch ich erkl"are es mit dem ungewohnten Alkohol. Heute f"allt es mir nicht schwer, meine Ehepflicht zu erf"ullen. Selbst Lketinga ist erstaunt "uber meine Bereitschaft.
In der Nacht erwache ich, weil meine Blase dr"uckt. Ich schleiche hinaus und erledige es gleich hinter dem H"auschen, da die Plumpsklos zu weit weg sind und mein Kopf noch schwirrt. Als ich zur"uck in unser grosses Bett steige, fragt mein Mann in die Dunkelheit, woher ich komme. Erschrocken erkl"are ich ihm den Grund. Er steht auf, nimmt die Taschenlampe und verlangt von mir, ihm die Stel e zu zeigen. In meinem anhaltenden „Flash“ muss ich lachen, mir kommt alles sehr komisch vor.
Lketinga jedoch schliesst aus meiner Fr"ohlichkeit, dass ich mich mit jemandem verabredet hatte. Ich kann das nicht ernst nehmen und zeige ihm den nassen Ring am Boden. Schweigend gehen wir wieder schlafen.
Am Morgen brummt mein Kopf, und das volle Elend kehrt zur"uck. Nach dem Fr"uhst"uck fahren wir zum Laden, und William ist zum ersten Mal nicht auffindbar.
Doch als wir beim Laden vorfahren, steht er bereits da. Nat"urlich geht es mich nichts an, und so frage ich auch nicht, wo er war. Er ist nerv"os und zur"uckhaltender als sonst. Heute l"auft nicht sehr viel, und nach Ladenschluss f"allt mir auf, dass tats"achlich jemand Geld aus meiner Tasche genommen hat. Aber was soll ich tun? Immer "ofter beobachte ich William und meinen Mann, sofern er anwesend ist. Mir f"allt nichts auf, und dem Kinderm"adchen traue ich es schon gar nicht zu.
Als ich vom Waschen komme, sitzt Priscil a bei uns und spricht mit Lketinga. Sie erz"ahlt, William gebe jeden Abend in Ukunda viel Geld aus. Wir sollten besser aufpassen, sie kann sich nicht erkl"aren, woher er das viele Geld hat. Mir ist unwohl bei dem Gedanken, dass mir Geld gestohlen wurde, doch ich behalte es f"ur mich und nehme mir vor, mit William unter vier Augen zu sprechen. Mein Mann w"urde ihn sofort entlassen, und dann bliebe mir die ganze Arbeit. Bis jetzt war ich ja sehr zufrieden mit ihm.
Tags darauf kommt er wieder direkt von Ukunda zur Arbeit. Lketinga stellt ihn zur Rede, aber er bestreitet al es. Als die ersten Touristen kommen, arbeitet Wil iam wie gewohnt weiter. Mein Mann f"ahrt nach Ukunda. Ich nehme an, er will sich umh"oren, wo William gewesen ist.
Als ich mit William al ein bin, sage ich ihm auf den Kopf zu, ich wisse, dass er mir Geld gestohlen hat und zwar t"aglich. Lketinga werde ich nichts erz"ahlen, wenn er verspricht, in Zukunft seri"os zu arbeiten. Dann werde ich ihn auch nicht entlassen.
Sobald in zwei Monaten die Hochsaison beginnt, bekomme er auch mehr Lohn. Er schaut mich an und sagt nichts. Ich bin mir sicher, dass es ihm leid tut und dass er nur gestohlen hat, um sich f"ur die schlechte Behandlung durch meinen Mann zu r"achen.
Als wir allein waren, hat nie ein Schilling gefehlt.
Als Lketinga von Ukunda zur"uckkommt, weiss er, dass William die Nacht in einer Disco verbracht hat. Erneut stellt er ihn zur Rede. Diesmal mische ich mich ein und erkl"are, dass er gestern ja den Vorschuss bezogen hat. Langsam kehrt Ruhe ein, aber die Atmosph"are ist angespannt.
Nach dem harten Arbeitstag vermisse ich den Joint, der mir angenehme Entspannung bringen k"onnte und "uberlege, wo ich Edy treffen kann. F"ur heute f"allt mir nichts ein, aber morgen gehe ich ins Africa-Sea-Lodge, um meine Haare z"opfeln zu lassen. Das dauert sicher drei Stunden, und somit ist meine Chance gross, Edy an der Bar zu finden.
Nach dem Mittagessen fahre ich mit dem Wagen ins Hotel. Beide Friseusen sind besch"aftigt, und ich muss eine halbe Stunde warten. Dann beginnt die schmerzhafte Prozedur. Meine Haare werden zusammen mit Wollf"aden am Kopf entlang nach oben gez"opfelt und am Ende jedes Z"opfchens stecken farbige Glasperlen. Da ich auf vielen feinen Z"opfchen bestehe, dauert es mehr als drei Stunden. Es ist fast halb sechs, und die Prozedur ist noch nicht ganz "uberstanden.
Ausweglosigkeit
Pl"otzlich kommt mein Mann mit Napirai daher. Ich verstehe nicht, was das sol, denn ich habe ja den Wagen, und unser Shop ist immerhin einige Kilometer entfernt.
Er schaut auf seine Uhr und herrscht mich an, wo ich so lange bleibe. M"oglichst gelassen erwidere ich, er sehe ja, dass ich erst jetzt fertig werde. Er setzt mir die v"ol ig verschwitzte Napirai auf den Schoss. Ihre Hosen sind vol. "Argerlich frage ich, was er hier mit ihr zu suchen habe und wo unser Kinderm"adchen sei. Er hat sie und Wil iam nach Hause geschickt und den Shop einfach geschlossen. Er sei ja nicht verr"uckt und wisse, dass ich mich mit jemandem verabredet habe, sonst w"are ich schon l"angst wieder erschienen. Alle Einwendungen n"utzen nichts, Lketinga ist krank vor Eifersucht. Er ist "uberzeugt, dass ich vor dem Friseur ein Treffen mit einem anderen Krieger hatte.
So schnell wie m"oglich wil ich die Hotelanlage verlassen, und wir fahren direkt nach Hause. Die Lust am Arbeiten ist mir vergangen. Es wil mir nicht in den Kopf, dass ich keine dreieinhalb Stunden allein zum Friseur gehen kann, ohne dass mein Mann v"ol ig durchdreht. So kann es nicht mehr weitergehen. Voller Zorn und Hass schlage ich meinem Mann vor, er solle nach Hause fahren und eine zweite Frau heiraten. Finanziel werde ich ihn unterst"utzen. Aber er sol gehen, damit wir alle zur Ruhe kommen. Ich habe keinen anderen Lover und wil auch keinen. Ich will nur arbeiten und in Frieden leben. Er kann auch in zwei oder drei Monaten wiederkommen, und wir sehen weiter.
Doch meine Argumente erreichen Lketinga nicht. Er wolle keine andere Frau, denn er liebe nur mich. Er m"ochte, dass es wieder wie fr"uher ist, bevor Napirai zur Welt kam. Dass er al es mit seiner verdammten Eifersucht zerst"ort hat, begreift er einfach nicht. Ich kann nur noch atmen, wenn er fort ist. Wir streiten, und ich heule und weiss keinen Ausweg mehr. Nicht einmal die Kraft, Napirai zu tr"osten, habe ich, da ich selbst so im Elend bin. Wie eine Gefangene komme ich mir vor. Ich muss mit jemandem sprechen.
Sophia wird mich verstehen! Schlimmer kann es nicht mehr kommen, und so steige ich in den Wagen und lasse Mann und Kind zur"uck. Er stellt sich mir in den Weg, doch ich brause einfach los. „You are crazy, Corinne!“
ist alles, was ich noch h"ore.
Sophia ist v"ollig vor den Kopf gestossen, als sie mich sieht. Sie dachte, alles sei bestens, weil ich so lange nicht mehr vorbeigekommen bin. Als ich ihr das ganze Ausmass erz"ahle, ist sie geschockt. In meiner Verzweiflung sage ich ihr, dass ich vielleicht zur"uck in die Schweiz gehe, weil ich Angst habe, es passiere eines Tages noch Schlimmeres. Sophia redet mir zu, jetzt, wo das Gesch"aft so gut geht und ich die Arbeitsbewilligung habe, solle ich mich zusammenreissen. Vielleicht geht Lketinga ja doch nach Hause, weil er sich in Mombasa nicht wohl f"uhlt. Wir besprechen vieles, doch innerlich bin ich ausgebrannt. Ich frage, ob sie Marihuana hat. Tats"achlich bekomme ich welches von ihrem Freund. Etwas erleichtert fahre ich zur"uck und bin schon auf den n"achsten Krach gefasst. Aber mein Mann liegt vor dem Haus und spielt mit Napirai. Er sagt keinen Ton. Ja, er wil nicht einmal wissen, wo ich war. Das ist v"ollig neu.
Im Zimmer drehe ich hastig einen Joint und rauche ihn. Nun geht es mir besser, und al es scheint leichter ertragbar zu sein. Heiter setze ich mich draussen hin und schaue meiner Tochter am"usiert zu, wie sie immer wieder versucht, auf einen Baum zu steigen. Als mein Kopf wieder klarer wird, kaufe ich Reis und Kartoffeln, um das Abendessen zu kochen. Der Joint verursacht ein grosses Hungergef"uhl. Sp"ater bade ich Napirai wie gew"ohnlich im Waschbecken, bevor auch ich mich in die
„Buschdusche“ zur"uckziehe. Die Windeln weiche ich wie immer "uber Nacht ein, damit ich sie morgens vor der Arbeit waschen kann. Dann gehe ich ins Bett. Mein Mann f"ahrt Krieger zu einer Tanzauff"uhrung.