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Sehr schnell erreichen wir das Kamau-Village, das hufeisenf"ormig angelegt ist. Die Geb"aude sind aneinander gebaute Zimmer wie die Lodgings in Maralal, in der Mitte mit einem grossen Shop. Sofort bin ich begeistert von diesem Vil age. Als wir aus dem Wagen steigen, erscheinen neugierig die ersten Kinder, und aus dem Shop lugt der Besitzer. Pl"otzlich kommt Priscil a auf uns zu. Sie kann es kaum glauben, uns hier zu sehen. Ihre Freude ist gross, besonders als sie Napirai entdeckt. Auch sie hat in der Zwischenzeit noch einen Jungen bekommen, der etwas "alter als Napirai ist. Gleich nimmt sie uns in ihr Zimmer mit, kocht Tee, und wir m"ussen erz"ahlen. Als sie erf"ahrt, dass wir in Mombasa bleiben wollen, ist sie "ubergl"ucklich. Sogar Lketinga l"asst sich zum ersten Mal seit der Abreise von ihrer Freude anstecken. Sie bietet uns ihr Zimmer an und sogar ihr Wasser, das auch hier in grossen Kanistern aus dem Brunnen geholt wird. Heute abend wird sie bei einer Freundin schlafen, und morgen wil sie uns etwas Eigenes organisieren. Wieder einmal bin ich "uberw"altigt, wie unkompliziert und gastfreundlich sie ist.

Nach der anstrengenden Fahrt gehen wir fr"uh schlafen. Am n"achsten Morgen hat Priscil a f"ur uns bereits ein Zimmer am Anfang der Reihe aufgetrieben, damit unser Wagen nebenan stehen kann. Der Raum ist etwa drei mal drei Meter. Alles ist aus Beton, nur das Dach ist aus Stroh. Heute sehen wir auch einige der anderen Bewohner. Es sind alles Samburu-Krieger, die wir zum Teil sogar noch kennen.

Lketinga spricht und lacht schon bald mit ihnen, w"ahrend er Napirai stolz bei sich hat.

Neue Hoffnung

Als ich zum ersten Mal den Shop besichtige, f"uhle ich mich wie im Paradies. Hier bekomme ich einfach al es, sogar Brot, Milch, Butter, Eier, Fr"uchte, und das zweihundert Meter von der Wohnung entfernt! In bezug auf eine neue Existenz in Mombasa w"achst meine Zuversicht.

James will endlich das Meer sehen, und wir machen uns zusammen auf den Weg.

Zu Fuss erreichen wir den Strand in knapp einer halben Stunde. Der Anblick des Meeres erf"ullt mich mit Freude und einem Gef"uhl der Freiheit. Was ich allerdings nicht mehr gewohnt bin, sind die weissen Touristen in ihren knappen Badehosen.

James, der das noch nie gesehen hat, schaut versch"amt dar"uber hinweg und bestaunt die Wassermasse. Er ist, wie damals sein "alterer Bruder, v"ollig irritiert.

Daf"ur spielt Napirai freudig im Sand unter schattenspendenden Palmen. Hier kann ich mir mein Leben in Kenia wieder vorstel en.

Wir gehen in eine f"ur Europ"aer errichtete Beach-Bar, um unseren Durst zu stillen.

Alle starren uns an, und ich komme mir in meinem geflickten, wenn auch sauberen Rock unter den neugierigen Blicken etwas verloren vor. Von meinem fr"uheren Selbstvertrauen ist nicht viel "ubriggeblieben. Als mich eine Deutsche anspricht und wissen will, ob Napirai mein Baby sei, fehlen mir sogar die Worte, um zu antworten.

Zu lange habe ich kein Deutsch oder gar Schweizerdeutsch mehr gesprochen. Ich komme mir wie eine Idiotin vor, als ich in Englisch antworten muss.

Lketinga f"ahrt am n"achsten Tag an die Nordk"uste. Dort wil er ein paar Schmuckst"ucke einkaufen, um bei den Massai-T"anzen mit anschliessendem Schmuckverkauf mitmachen zu k"onnen. Ich freue mich, dass auch er sich f"urs Geldverdienen interessiert. Zu Hause wasche ich Windeln, w"ahrend James mit Napirai spielt. Zusammen mit Priscilla schmieden wir Zukunftspl"ane. Sie ist begeistert, als ich ihr er"offne, dass ich einen Laden suche, um mit den Touristen ins Gesch"aft zu kommen. Da James nicht l"anger als einen Monat bleiben kann, weil er wegen seiner grossen Beschneidungszeremonie nach Hause muss, beschliesse ich, mit Priscilla die Hotels abzuklappern, um eventuell einen freien Laden zu finden.

In den feudalen Hotels werden wir von den Gesch"aftsf"uhrern zum Teil skeptisch empfangen, um dann auch gleich eine Absage zu bekommen. Beim f"unften Hotel ist mein ohnehin geringes Selbstvertrauen geschwunden, und ich komme mir wie eine Bettlerin vor. Nat"urlich sehe ich nicht wie eine ordentliche Gesch"aftsfrau aus mit meinem rotkarierten Rock und dem Baby auf dem R"ucken. Per Zufall h"ort ein Inder an einer Rezeption unser Gespr"ach und schreibt mir eine Telefonnummer auf, unter der ich seinen Bruder erreichen kann. Schon am n"achsten Tag fahren mein Mann, James und ich nach Mombasa, um uns mit diesem Mann zu treffen. Er hat in der N"ahe eines Supermarktes in einer neu erstel ten Siedlung etwas frei, al erdings f"ur umgerechnet 700 Franken Miete im Monat. Zuerst wil ich schon abwinken, da mir dieser Betrag viel zu hoch erscheint doch dann lasse ich mir das Geb"aude zeigen.

Das Gesch"aft liegt ganz feudal etwas abseits der Hauptstrasse am Diani-Beach. Mit dem Auto sind es f"unfzehn Minuten von zu Hause. Im Geb"aude ist bereits ein riesiger, indischer Souvenirshop und gegen"uber ein neu er"offnetes Chinarestaurant, der Rest steht leer. Da das Ganze treppenf"ormig angelegt ist, sieht man von der Strasse den Laden nicht. Trotzdem ergreife ich diese M"oglichkeit, obwohl es nur etwa 60 Quadratmeter sind. Der Raum ist absolut kahl, und Lketinga versteht nicht, warum ich soviel Geld f"ur einen leeren Laden ausgebe. Er geht weiterhin zu den Touristenauff"uhrungen, doch das erwirtschaftete Geld verschwindet beim anschliessenden Bier- oder Miraakonsum, was zu unsch"onen Auseinandersetzungen f"uhrt.

W"ahrend Einheimische nach meinen Pl"anen die Holzgestelle bauen, organisiere ich mit James in Ukunda Holzpf"ahle und bringe sie mit dem Wagen zum Shop.

Tags"uber arbeiten wir wie die Wilden, w"ahrend mein Mann mit anderen Kriegern in Ukunda herumh"angt.

Am Abend koche und wasche ich meistens noch, und wenn Napirai schl"aft, unterhalte ich mich mit Priscil a. Lketinga nimmt bei Anbruch der Nacht den Wagen und f"ahrt die Krieger zu den verschiedenen Auff"uhrungspl"atzen. Mir ist dabei nicht wohl, weil er keinen F"uhrerschein hat und ausserdem Bier trinkt. Wenn er nachts wieder erscheint, weckt er mich und will wissen, mit wem ich mich unterhalten habe.

Sind nebenan schon einige Krieger zu Hause, ist er "uberzeugt, dass ich mit ihnen gesprochen habe. Ich warne ihn eindringlich, er sol e nicht wieder al es kaputt machen mit seiner Eifersucht. Auch James versucht, ihn zu beruhigen.

Endlich ist Sophia zur"uck. Es ist eine grosse Wiedersehensfreude. Sie kann kaum glauben, dass wir bereits dabei sind, ein Gesch"aft aufzubauen. Sie ist schon seit f"unf Monaten hier und hat ihr Caf'ehaus immer noch nicht er"offnet. Allerdings wird meine Euphorie gebremst, als sie mir von all der B"urokratie, die auf mich zukommt, erz"ahlt.

Im Gegensatz zu uns wohnt sie komfortabel. Fast t"aglich sehen wir uns kurz, was meinem Mann eines Tages nicht mehr gef"al t. Er versteht nicht, was wir uns mitzuteilen haben, und nimmt an, ich erz"ahle von ihm. Sophia versucht ihn zu beruhigen und schl"agt ihm vor, er solle doch weniger Bier trinken.

Seit dem Mietabschluss f"ur den Shop sind vierzehn Tage vergangen, und die Einrichtung steht bereits. Ich m"ochte Ende des Monats er"offnen, und wir m"ussen die Verkaufslizenz und meine Arbeitsbewilligung beantragen. Die Lizenz erh"alt man in Kwale, weiss Sophia, die sich mit uns und ihrem Freund auf den Weg macht. Wieder heisst es Formulare ausf"ul en und warten. Zuerst wird Sophia aufgerufen und verschwindet mit ihrem Begleiter im Office. Nach f"unf Minuten sind beide wieder draussen. Es hat nicht geklappt, weil sie nicht verheiratet sind. Bei uns sieht es nicht besser aus, was ich nicht glauben will. Doch der Officer meint, ohne Arbeitsbewil igung gibt es keine Lizenz, es sei denn, ich "uberschreibe bei einem Notar alles meinem Mann. Ausserdem m"usse auch der Name des Shops zuerst in Nairobi registriert werden.

Wie ich diese Stadt mittlerweile hasse! Und nun m"ussen wir schon wieder dorthin.

Als wir entt"auscht und ratlos zum Wagen marschieren, kommt uns der Officer nach und meint, ohne Lizenz g"abe es auch keine Arbeitsbewilligung. Aber vielleicht k"onne man Nairobi irgendwie umgehen, wenn er dar"uber nachdenke. Er sei um 16 Uhr in Ukunda, dann k"onne er uns bei Sophia besuchen. Nat"urlich ist uns allen sofort klar, worum es geht: Schmiergeld! Mir steigt die Gal e hoch, aber Sophia bekundet sofort ihre Bereitschaft, auf diesem Weg die Lizenz zu bekommen. Wir warten bei ihr zu Hause, und ich bin stinksauer, dass ich nicht allein mit Lketinga nach Kwale gefahren bin. In der Tat erscheint der Typ und schleicht sich unauff"allig ins Haus. Er kommt umst"andlich zur Sache und sagt, morgen sei die Lizenz bereit, sofern jede von uns 5

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