Дневник переводчика Посольского приказа Кристофа Боуша (1654-1664). Перевод, комментарии, немецкий оригинал
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Den 20. Juni haben wir in Borisow Alarm bekommen, dass der General Chowanskij von dem littauischen General Sapieha und dem Tsernetzkij totaliter aus dem Felde geschlagen (80v) und die polnischen Trouppen, die ubrigen verfolgend, allbereit zu Minsk arrivirten, demnach dan die russischen Commissarien, die meiste Bagage hinterlassend, mit grosser Verwirrung alsobald von Borisow auffbrachen und liessen den vor 2 Tagen angelangten pol. Courier Goyskij als einen Versperer zu Borisow im Schlosse in einen finsteren Thurm werffen, da ihm dan alle das seinige abgenommen und sehr ubel tractiret ward.
Den 3. Juli ist der von Borisow an die pol. Commissarien abgefertigte Courier Sergey Selonij mit einem Brieff zu Smolensk ankommen. Weilen aber die pol. Commissarien gegen der russ. Commissarien letzten Brieff redlich antworteten, ward der Courier alsobald mit dem Brieffe nach Moskow abgefertiget.
Den 15. Juli ist von Ihro Czar. Maytt. aus Moskow an die Commissarien Befehl angelanget, dass ihrer 4 zuruk nach Moskow gehen, der 5te aber, Feodor Michaylow, auch einer von den Translatoren und ein Secretarius, auch etzliche der Commission angelegene Acten zu Smolensk verbleiben und den anmarchierenden General Knias Jurgi Alexiewitz Dolgorukow hinterlassen werden solten, dessgleichen auch die gantze Commissarische Assistentz (81r) zu Pferde und zu Fusse.
Den 31. Juli sind die nach Florentz deputirte Abgesandten Wasiley Lichatzow und der Diak Iwan Fomin nach Moskow nach Verrichtung ihrer Gesanschafft zuruk gekommen.
Den 28. September ist das Treffen auff der Basse unter Mohilow zwischen dem littauischen General Sapieha und dem Palatino Rusiae Tzerneckij von pol. Seite und dem Bojaren und General Knias Juria Alexiewitz Dolgorukow und dessen Collegis von russischer Seiten vorgegangen, welche beyde Theile die einbrechende Nacht geschieden und sowohl dem einen als dem andern die Victorie missgonnet hat.
Den 27. October sind von dem zaporowischen General Chmielnickij Abgesandten, der Doroschenko mit seinen Collegis, zu Moskow angelanget, bezeigen, dass ihr General sich im kurtzen mit dem Bojaren und General Wasiley Borisewitz Scheremetow conjungiren werde und Ihro Czar. Maytt. und dem russischen Reich treu und hold zu verbleiben gesonnen und gantzlich resolviret sey, ohne einigen Falsch und Hunterlist.
Den 3. November kahm in Moskow Zeitung, dass der zaporowische General Chmielnickij sich mit den Polen und Tartern conjugiret (81v) habe und den Russen nicht allein untreu worden, sondern auch den General Scheremetow bekriegen helffe.
Den 9. November lieff Zeitung ein, dass der General Scheremetow nach langen manhafften Streit den Polen und Tartern sich mit Accord zu ergeben gezwungen worden, die pol. Generalen aber, Potockij und Lubomirskij, ihn gefangen, den Tartern ubergeben und die gantze Armee, in die 40.000 Mann zu Pferde und zu Fuss stark, ruiniret hatten.
Den 15. November ist aus Moskow an den General Dolgorukow Befehl ergangen, dass er auff das eusserste darnach aus seyn solte, mit den Polen einen Stillstand zu stifften, ja, wenn es nicht anders sein konnte, alle ihre occupirte Orter zu cediren, umb fernere Einfalle in das Reich zu hemmen.
Den 20. November ist ein Schreiber, Larion Iwanow, mit Ihro Czar. Maytt. Schreiben zu dem Konige in Polen, umb ein Armistitium anzuhalten, abgefertiget worden.
Den 22. November ist von dem General Dolgorukow aus Mohilow Zeitung kommen, wie dass die Polen den Wiasewitz, einen Frieden anzubiethen, zu ihm abgesand hatten, ward demnach der Courier Larion wieder zuruk geruffen.
Den 24. November ist der Dworianin Denis Estaffiew zu dem General Dolgorukow nach Mohilow abge(82r)fertiget worden, mit Ordre, dass er bey den Pol. ein Amistitium bearbeiten solte, konte aber solches durch keine andere Mittel geschehen, bey den vorigen Befehl zu verbleiben.
Den 25. November ist der Podiatzey Wasiley Mikonkyn mit Ihro Czaar. Maytt. Brieff nach Schweden abgefertiget worden, anzukundigen, dass der gewesene Commissarius Hoffrath Afonasey Laurentiewitz Nasczokyn auff Ihro Czar. Maytt. Befehl abgesetzet und nunmehr zu den Tractaten der Bojar und Statthalter zu Twier Knias Iwan Siemenowitz Prozorowskij, auch der Stolnik und Statthalter Riaskij Knias Iwan Piotrowitz Boratinskij, der Stolnik und Statthalter zu Jelatom Iwan Afonasiewitz Prontzischow und die beyde vorige Diaken mit vollkommener Plenipotentz auff die Commission nach Lieffland deputiret waren, auch in kurtzen von Moskow auffbrechen wurden.
Den 2. December ist der zurukgeruffene Courier Larion Iwanow, nachdem der vorige Brieff verandert und uberschrieben worden, wieder nach Polen fortgeschiket.
Den 4. December ist der Diak Iwan Tatarinow mit Geschenk und grossen Verheissungen zu dem crimmischen Chan abgefertiget, umb die Tartern von den Polen abzuwenden.
(82v) Supplement des 1660ten Jahres
Der Okolnitzey und Woywod Knias Iwan Iwanowitz Lobanow Rostowskij besetzte das abgebrandte und das gantz verwustete Bychow mit russischen Volkern, die sich gantz auffs neue bauen und die verdorbene Pasteyen und Walle verbessern und fortificiren musten. Die in Bychow gefangene Adelschafft aber wurde laut Ihro Czar. Maytt. Befehl jeglicher nach dem Schlosse, in welchen Gebuth sie vorhin wohnhafft gewesen waren, den russischen Gouverneurs und Commendanten zugeschikt, damit sie alle als Verrather und Meyneidige in Praesentz der ihrigen andern zum Abscheu mochten strangulirt werden. Der General Lobanow mit seiner gantzen Armee marchierte zuruk nach Moskow, mit Bychowscher Beuthe wohl beladen, fuhrten auch darneben den gewesenen Bychowschen Commendanten Iwan Nietzajew nebst seiner Gemahlin, Haab und Guttern mit sich. Alss sie nun zu Moskow arriviret waren, wurde des Nietzays Gemahlin ihrem leiblichen Bruder, dem zaporowischen Kosakschen General Jurasch Chmielnickij, zugefallen, mit Haab und Gutter erlediget und nach der Ukrain abgelassen. Ihr Mann aber, der Nietzay, muste heimlich weggebracht, an ferner Orter verschiket (83r) und vor todt ausgesprenget werden.
Auch mit der pol. Adelschafft, die nunmehr an unterschiedliche Orter in die Gebuther gefanglich eingebracht war, ward eine jammerliche Tragoedie in den Grentzstadten vorgenommen, welche, nachdem sie, in schwerer und langer Gefangnus sitzend, gnugsahm gemartert und gepeiniget und also zugerichtet waren, dass kaum mehr eine menschliche Gestalt an ihnen zu sehen und zu spuhren, endlich wieder hervorgebracht, offentlich gepeitschet und ausgefuhret, auch gar spotlich bey allen Stadten und Fleken stranguliret und tyranischer Weise hingerichtet wurden. Unter denen waren zwar etzliche, die den Russen vorhin gehuldiget und geschworen, hernach aber treuloss worden, die meisten aber waren gantz unschuldige Leuthe, die nimmer geschworen und dem russischen Joch sich unterthanig gemacht, vielmehr, in den occupirten Ortern ihr Hab und Gutt verlassend, im Exilio sich bis hirher kumerlich ernehret und in Litthauen und Polen mit Weib und Kinder sustentiret hatten. Da sie aber vorm Jahr vernommen, dass diese Orter abermahl unter pol. Obrigkeit gerathen, sich jeglicher zu seiner Heymath (83v) verfuget und endlich vor Furcht der arrivirenden russischen Armee in die Festung Bychow retiriret hatten. Es ward aber ihrer keiner perdoniret, sondern es musten die Schuldigen mit den Unschuldigen gleiche Straffe leiden und ausstehen. Auch mit den andern, so annoch unter russischen Schutz waren und nimmermehr wieder sie einiges boses Vornehmen hatten machen lassen, wurden gar strenge Proceduren vorgenommen, dass auch umb den abgebrandten Fleken herumb mit Wahrheit mehr Galgen mit adeligen Corpern behangen, denn Hauser drinnen zu sehen waren. Vielen von den pol. Einwohnern wurden aus lauter Misstrauen und ungegrundeter Suspicion durch die Woywoden ihre Gutter genommen, sie selbst unmenschlicher Weyse gepeiniget, gemartert und also ins Elend nach Sibirien und anderen ferneren Ortern des Reichs verschiket, die andern, so annoch hinterstellig blieben, lebten allezeit nur in Furcht und Schreken, keine sichere Stunde geniessend.
Unterdessen lavirte der Bojar und General Knias Iwan Andrewitz Chowanskij mit der Neugardischen und Pleskowschen Armee in Litthauen und verubte unmenschliche Thaten, dem als er den Generalmusterh[er]r Graff Polubinskij (der mit einer starken Parthey von der littauischen (84r) Armee des Chowanskij unchristliche Proceduren zu hemmen commandiret war) durch Versprechung eines gewissen Armistitii verleitet und in Sicherheit gebracht, auch gar endlich in die Winterquartier auff jener Seite des Bugs ihnen practisiret hatte, commandirte er eine strarke Parthey nach Zlabudow und Orla, allda sich das pol. Volk vom Lande retiriret hatte und, durch einen Stillstand versichert, die Heyl[igen] Weynachten zu feyeren versammlet waren, liess alle Mannschafft, der doch gar wenig verhanden, weilen die meisten der Armee beywohnten, niedermetzen und nahm bey 10.000 Personen adelicher Frauen, Jungfern und Kinder gefangen, mit denen jammerlich procediret ward, eroberte auch eine reiche Beuthe, also dass der allergeringste Soldat, so zu Fuss ins Land hinein marchiret war, zu zwey auch wohl drey Wagen, gefullet mit allerhand Haussgerath, nach Hause schikte. Dieser Gestalt uberzog der General Chowanskij in der schweren Winterzeit, da der grossen Kalte wegen sich keiner im Walde und Morasten bergen konte, das gantze Grossfurstenthum Litthauen, verheerte und verbrandte Stadte und Dorffer, verdarb allen Vorrath, und unzehlich viele Leuthe wurden elendiglich nach der Sklawerey weggefuhret, und nur die vornehmsten (84v) mit russischer Besatzung besetzet. Endlich gegen das Vorjahr bloquirte er das Schloss Lachowitz, setzte sich mit der gantzen Armee drunter und that sein Bestes mit Sturmen und Approchiren, selbiges zu erobern, mochte aber nichts daran gewinnen, desgleichen auch an Nieswics, continuirte denn mit grosser unnachlassiger Belagerung solange, bis sich die pol. Armeen von der preussischen Grantze, nehmblich die Littausche unter dem General Paul Sapieha und die Cron geworbene Volker unter dem Palatino Stephan Tzerneckij zusammenzogen, ihn, weilen er sehr kek war, aus seinem Lager unter Lachowitz 6 Meilen ins Feld unter Polonka lokten und totaliter in die Flucht schlugen, auch sein gantzes Lager unter Lachowitz eroberten, viele tausend der seinigen niedergemetzten, 50 Standarn und Fahnlein nebst einer grossen Bagage und Anzahl der Gefangenen, unter welchen auch sein Unterfeldherr, der Woywod Knias Siemion Lukitz Scherbatoy, der die Avantgarde commandirte, und viele Obersten, Oberlieutenanten und andere Officier waren, erhielten nebst allen groben und kleinen Geschutz die gantze Artillerie, so er bey sich hatte. Dieser General Chowanskij war so frech und vermessen, dass er auch kurtz vor dieser seiner Niederlag (85r) von seinem grossen Herren, Ihro Czar. Maytt., expresse Ordre und Befehl begehrte, ob er ihm die gantze Cron Polen unterthanig machen oder dero Konig Johannem Casimirum gefanglich uberantworten oder gantz vertilgen solte, welche freye und freche Resolution der Obrigkeit nicht ubel gefiel, da sie die Polen mit einer Commission, bey der ein unmoglicher Punct der Kosaken wegen eingemischet ward, auffzuhalten sich bemuheten, umb nur die Zeit zu gewinnen und diesen Intent zum gewunschten Zwek zu leiten. Es muste aber vor diesmahl nachbleiben, weilen die Pol., vielleicht diesen Betrug merkend oder die greuliche Tyranney und unchristliche Proceduren, so diese Zeit hero an unschuldigen Leuthen und bey Verwustung des gantzen Landes verubet hatten, nicht langer ertragen mogend, in der Eil mit der Cron Schweden zum Frieden griffen, ihre Armeen (weilen sie nunmehro von der schwedischen Seite sicher waren) zusammenrafften und diese grausahme unmenschliche Bestien, die ihnen das Land gantz verheeret und verdorben und viel Menschenfleisch gefressen hatten, aus dem Lande uber die Grentze (85v) prugelten und den Fluchtligen bis unter Polotzk Tag und Nacht nachsetzten, wenige liessen. Gegen den Herbst brachte Chowanskij nach dieser Niederlage seine Armee wieder zusammen, die dann mit etzlichen neuen Regimentern zu Pferd und zu Fuss verstarket ward, dass sie abermahl ins Feld zu ruken capable schien. Nachdem nun den Generalen und Woywoden Knias Juria Alexiewitz Dolgorukow (Obolenskij) anbefohlen war, aus Moskau mit einer neuen wohlmundirten Armee den avancirenden littauischen General Sapieha und Tzernetzkij zu begegnen und ihnen ferner ins Land zu ruken zu verhuten, der sie denn auff der Basse, 6 Meilen von Mohilow, hemmete und ihnen eine wakere Feldschlacht liefferte, dass auch von beyden Seiten eine ziemliche Anzahl auff der Wahlstatt bliebe, wurde dem General Chowanskij Ordre gegeben, dass er mit seiner verstarkten Armee dem Dolgorukow aus Polotzk zum Succurs gehen und die Polen von hinten angreiffen solte, damit sie, von allen Seiten umbringet, viel sicherer attaquiret werden konten, weilen auch der kosaksche Substitutus Wasiley Zlotorinkow mit 15.000 Kosaken von Staradub auff den pol. rechten Flugel und (86r) der Okolnitzey und Woywod Knias Piotr Alexiwitz Dolgorukow Obolenskij mit einer Armee von 9.000 Mann von Orsza auff den linken Flugel zumarchierten. Nun solte Chowanskij aus Polotzk auff Tzereyen ge[h]en und sie von hinten angreiffen, welches die pol. Generalen merkend, nicht weiter auff der Basse cunctiren wolten, sondern liefferten alsobald (wie gedacht) im ersten Anzuge dem General Knias Juria Alexiewitz Dolgorukow eine offentliche und redliche Feldschlacht, welche ihnen auch ziemlich, wen nicht die schwartzfinstere Nacht, Feyrabend zu machen und den Feind, dessen gantze Cavalerie schon getrennet war, mit der Infanterii bewehret hatte, gelungen ware, und marchierten also, dieser gefahrlichen Conjunction zu entgehen (ihr Lager auff der Basse in der Stille verlassend), gerade auff den avancirenden General Chowanskij, der sich ihrer immermehr vermuthet hatte, zu. Der General Dolgorukow aber war der Meinung, als ob die Polen nach gehabter Schlacht ruheten und erwartete mit Verlangen seiner Conjugirten, bis er endlich in Erfahrung kahm, dass die gantze pol. Bataille also bald nach gehaltener (86v) Schlacht unter Sklow uber den Dnieper gezogen und sich nach Litthauen retiriret hatte, im kurtzen aber, da er mit seinem Lager nach Mohilow auffgebrochen war, zumarchiren, umb sich allda mit dem Zlotrinkow, auch seinem Bruder Knias Piotr Dolgorukow zu conjungiren, bekahm er Zeitung, dass der Chowanskij schon unter Tzereyen von den Polen aus dem Felde gejaget, auch sein Lager und die meiste Artillerie verlassen hatte und dass auch sein Bruder, Knias Piotr Dolgorukow (welcher den Polen die Bruken unter Smolensk abzuwerfen commandiret war und eben zur rechten Zeit, als die Armeen schon ubermarchiret und nur etzliche Trouppen zum Hinterhalt verblieben, angelanget ware), ziemliche Stosse bekommen hatte, muste demnach, alsobald er zu Mohilow arriviret war, eine starke Partey seinem Bruder zum Succurs auscommandiren, mit welchen es aber dazumahl schon keine Noth hatte, weil er sich retiriret und die Skuten, so mit Munition und Proviant von Smolensk nach Mohilow schiffen solten, den Sklowinen zur Beute zulassen hatte. Der General Tzernetzkij, so bald er uber den Dnieper hinuber war, nahm er gute Volker (87r) und eilete gerade auff Chowanskij zu, welcher des Kmititzs Partey, so von dem General Sapieha wegen Kundschafft auscommandiret, geschlagen und in die Flucht gejaget, auch von seiner Seiten eine Partey von 1.800 Pferden, selbige ferner zu verfolgen, unter Commando zweyer Obersten zu Pferde, nehmlich David Zibin und Bilsen, auscommandiret hatte. Die Partey, den Kmititz verfolgend, geriethe den arrivirenden Tzernetzkij in den Rachen und ward von ihm nicht allein totaliter geschlagen, sondern alle Gefangene, so von Kmititz erobert, abgenommen. So bald nun der General Chowanskij, welcher unter Tzereyen in einem wohl verschantzten Lager stand, von neuen pol. Trouppen und seiner auscommandirten Partey Niederlage Kundschafft erhielte, liess er alsobald Alarm blasen, liess das Lager mit der gantzen Munition und Bagage stehen, welches dem arrivirenden Feind zur Beute ward, und marchirete gerade auff Polotzk zuruk. Tzernetzkij, nachdem er das verlassene Lager, Munition und Bagage erobert hatte, eilete den Fluchtigen nach, schlug sie auff allen Passen bis Polotzk und bekahm viel Standaren, Fahnlein und Gefangene. Unterdessen hatte sich (87v) der General Dolgorukow unter Mohilow allbereit mit seinem Bruder und dem kosakischen Obersten Wasilij Zolotarinkow conjugiret. Weilen aber der zaporowische General Jurasch Chmielnickij mit seinen bey sich habenden Kosaken an dem Russen treuloss worden, sich mit den Polen und Tartern in der Ukrain verbunden und dem Bojaren und Statthalter zu Bieloosiern General Wasiley Borissewitz Scheremetow (welchem er zum Securs zu kommen verheissen), verleitet und unter Kotelnik nebst den Cron General Potockij und Lubomirskij bloquieret hatte, dass auch der General Scheremetow, nachdem er sich gegen die Polen, Tartern und Kosaken ritterlich auff das eusserste gewehret und mit Verlust vieler Volker auff beyden Seiten lange retiriret hatte, da er keinen einigen Securs erwarten konte, sich durch Accord der Cron Polen Generalen Stanislaw Potockij und Juria Lubomirskij ergeben muste, ihnen Kiow, Perejaslaw, Niezyn und alle Platze in der Ukrain, die vorhin den Polen gehorig gewesen, abzutreten, und die russische Besatzung auszufuhren verheissen that, auch so lange, bis dieses alles von russischer Seiten erfullet wurde, er selbst mit (88r) seinem Cammerathen, dem Unterwoywoden, mit der gantzen russischen Armee, Ammunition, Stuke und Bagage zum Unterpfandt bey ihnen verbleiben wolte, wenn aber diese Festungen an die Cron Polen ubergeben und die russische Besatzungen ausgefuhret waren, solte der General Scheremetow mit alle den seinigen und der gantzen Armee, Artillerie und Bagage von den Polen, Tartern und Kosaken frey Geleit bis Putiwl auff der russischen Grentze haben. Weilen aber dem General Scheremetow diese seine Zusage zu vollenbringen unmoglich war, als kahm er daruber selbst den Tartern in die Hande, seine Cammerathen aber, nehmlich der Okolnitzey und Woywod Knias Osip Iwanowitz Scherbatoy und der Stolnik Knias Grigorey Afonasiewitz Koslowskij, auch der Woywod Iwan Paulowitz Akinfiew, blieben bey der Cron Armee gefangen, die ubrigen Officier, Edelleuthe, Reuter und Fussknechte, derer noch uber 30.000 Mann waren, wurden theils dem Tarter, theils der pol. Soldatesque zum Raube, die gantze Artillerie, Ammunition, Bagage, Standaren, Fahnlein, Ober- und Untergewehr ward der Cronarmee zutheil. Weilen nun diese machtige Niederlage, wie gedacht, durch Untreu des Generals Chmielnickij ins Werk gerichtet, (88v) und die zaporowschen Kosaken alle, so auff der andern Seite des Dniepers wohneten, von Ihro Czar. Maytt. abgefallen waren, aber die Nieswischen, Czernichowischen und Sewerischen nach, uber welche dieser Wasiley Zlotarinkow und die anwesenden Obersten und Hauptleuthe, auch alle gemeine Kosaken im Nahmen ihrer Bruder, aller auff dieser Seite von den russischen Grentzen des Dniepers wohnhafften Kosaken, Ihro Czar. Maytt. treu und hold zu verbleiben, ungeachtet aller wiederlichen Proceduren ihres Generals und der uber den Dnieper gesessenen Kosaken, in Mohilow bey einer offentlichen Versammlung ihren Eyd und erhielten von dem General Dolgorukow viele kostliche Verheissungen. Endlich marchirete der General Dolgorukow, auch sein Bruder mit ihren Armeen zuruk nach Smolensk, der Zlotorinkow aber mit seinen Kosaken nach ihrer Heymath, woher ein jeder kommen war.
In diesem Jahr eroberten die Polen und Litthauer von den Russen das gantze Grossfurstenthumb Litthauen wieder, auss der Hauptstadt Wilde nach, und etzliche Festungen in Weissreussen und Sewerien.
(89r) Die neue kupfferne Muntze in Moskow, so bis hirher recht gangbar gewesen, ward durch Ubermuth und Schelmstuke der Verwalter, welche Ihro Czar. Maytt. einigen Profit zu machen, am meisten aber ihren eigenen Beutel zu fullen vermeinten, sehr vergeringert und kahm zum grosssen Abschlage, weil sie im Schatz nicht mehr so gut und gangbar als die silberne angenommen ward, wornach sich dan auch der gemeine Mann richtete. Dessen ungeachtet musten sie von den Bedienten, auch allerhand Condition Leuthen, die ihre Gage und andere Einforderungen aus dem Czar. Schatz hatten, gleich der silbernen angenommen und entfangen werden.