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ЖАНРЫ

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In den Tanz, der die Einsamkeit jedes einzelnen zum Ausdruck bringen soll, wird auch Myschkin hineingezogen.

Ein Interieur, das die Atmosph"are einer Zirkusarena schafft. Nastassia g"angelt Totzki, Ganja und den General an weissen B"andern und spielt in einem tragischen, gewagten, gefahrlichen Tanz ihre Macht "uber die drei M"anner aus. Dann erscheint Rogoschin, und Nastassia dreht sich an den M"annern vorbei. Ihr Kost"um f"allt st"uckweise von ihr ab, so dass sie zuletzt, nur mit einem weissen Trikot bekleidet, unter einer goldenen Kugel steht. Sie hebt eine Hand zum Ball und reicht die andere Rogoschin, der abwartend abseits gestanden ist. In diesem Augenblick tritt Myschkin auf sie zu.

Halt ein! Dich beschw"or ich, Gesicht der einzigen Liebe, bleib hell und schlag mit den Wimpern das Auge zur Welt zu, bleib sch"on, Gesicht der einzigen Liebe, und heb deine Stirn aus dem Wetterleuchten der Zweifel. Deine K"usse werden sie teilen, dich entstellen im Schlaf, wenn du nach Spiegeln blickst, in denen du jedem geh"orst!

Myschkin fuhrt Nastassia zur Vorderb"uhne und steigt mit ihr in ein Trapez, das aus dem Schn"urboden herabgelassen wurde. W"ahrend die beiden langsam in die H"ohe schweben, erklingen nur wenige Takte einer sehr zarten Musik.

Sei wahr und gib dem Schnee die Jahre zur"uck, nimm Mass an dir selbst und lass die Flocken dich nur von ungef"ahr streifen. Auch dies ist die Welt: ein fr"uher Stern, den wir als Kinder bewohnen; verteilt an die Brunnen als Inhalt und Regen der Stunden, als Vorrat von heiterer Zeit. Auch dies ist schon Geist, eines armen fr"ohlichen Spiels Einerlei, die Schaukel im Wind und ein Lachen oben und unten; dies ist das Ziel, von uns selbst nicht besessen zu sein und jedes Ziel zu verfehlen; und auch dies ist Musik, mit einem t"orichten Ton, immer demselben, einem Lied nachzugehen, das uns ein sp"atres verspricht. Fall nicht in den Tumult des Orchesters, in dem die Welt sich verspielt. Du st"urzt, wenn du jetzt deinen Bogen vergibst, und redest mit deinem Fleisch eine verg"angliche Sprache.

Doch Nastassia gleitet vom Trapez in Rogoschins Arme.

Vor einer riesigen roten Ikone steht eine Leiter, auf der Myschkin sitzt. Rogoschin liegt r"ucklings auf einer Pritsche, h"ort mit zunehmender Spannung der Erz"ahlung Myschkins zu und beobachtet erregt, wie Myschkin langsam von der Leiter heruntersteigt.

Jedem meiner Augenblicke z"ahle ich einen fremden Augenblick zu, den Augenblick eines Menschen, den ich in mir verborgen trage zu jeder Zeit, und sein Gesicht in diesem Augenblick, das ich nie vergessen werde, mein Leben lang nicht. (Kein Gesicht, das abends von innen reift!) Bedeckt vom Reif einer Kerkernacht und frostgr"un, weht es dem Morgen entgegen, mit dem Gitter "uber den Augen, die doch dem Himmel einmal aufgetan waren. Durch die kalten G"ange der Glieder verl"asst den Gefangenen der Schlaf. Die Schritte des W"arters hallen in seiner Brust. Ein Schl"ussel sperrt seinen Seufzern auf. Weil er keine Worte hat, weil keiner ihn versteht, bringt man ihm Fleisch und Wein und "ubt N"achstenliebe an ihm. Er aber, versunken in die Zeremonien des Ankleidens, kann Wohltaten nicht begreifen, auch nichts von der Vermessenheit dessen, was befohlen ist. Es beginnt ja ein langes Leben, wenn die T"ur aufgeht und offen bleibt, wenn die Strassen in Strassen m"unden und das Gef"alle der Stimmen des ganzen Volkes ihn hinuntertr"agt an die Gestade des Blutmeers, das von den verbrecherischen Gerichten der ganzen Welt mit Todesurteilen gespeist wird. Nun ist aber eine Gemeinsamkeit zwischen uns und dem Urteil, das auch sagt, dass dieser Mann mit einem vollkommen wahren Gesicht zu der einen Wahrheit kommt, eh er den Kopf genau auf das Brett legt (obwohl sein Gesicht weiss ist und ohne Bewegung, und die Gedanken, die er denken mag, sind vielleicht ohne Bedeutung, er sieht nur den rostigen Knopf an der Jacke des Scharfrichters). Eine Gemeinsamkeit ist auch zwischen uns und dem Verurteilten, da er uns zu "uberzeugen vermag, dass dem Mord, den wir bereiten, und dem Mord, der f"ur uns bereitet wird, die Wahrheit vorangeht. Und es liegt einer vor mir, und ich stehe vor einem mit allen M"oglichkeiten zu dieser Wahrheit und mit dem Mut zu ihrem Leben und zu unserem Tode. Doch in meiner Sterblichkeit kann ich nichts lehren und k"onnt'ich's, so selbst nur in dem Augenblick, von dem ich spreche, und ich h"atte in diesem Augenblick nichts mehr zu sagen.

Jetzt springt Rogoschin auf und wirft Myschkin, der gegen Ende der Erz"ahlung die unterste Sprosse erreicht hat, zu Boden. Es erklingt wieder die sehr zarte Musik. Verwandelt geht Rogoschin auf Myschkin zu, hebt ihn auf und h"alt ihn in den Armen. Sie tauschen ihre Kreuze.

Auf der leeren schwarzen B"uhne ist in ganz d"unnen, weissen Umrissen ein schlossartiges Haus aufgebaut. Durch das Haus ist eine gleichfalls weisse Ballettstange gezogen, an der Aglaja, in ein blendend weisses Tutu gekleidet, steht. Myschkin, der die Variation auf Puschkins Ballade vom armen Ritter auf der Vorderb"uhne mit dem Gesicht zum Publikum spricht, dreht sich zu Aglaja kein einziges Mal um, die jedes Mal, wenn der Text von der Musik — einem Ritornell — unterbrochen wird, an der Ballettstange ein kristallklares Ballettexercise vollbringt. Die Szene beginnt mit Musik.

B"urgschaft "ubernehm ich f"ur einen, der auf dieser Welt lebte vor langer Zeit und als sonderbar galt, einen Ritter, aber wie nenn ich ihn heute, da's kein Verdienst ist, in Armut und nicht auf Schl"ossern zu leben? Sorglos kleidete er sich in die Tage, bis einer um seine Schultern franste und ihm ein Licht auflud, in dessen Umkreis die Scham nicht geduldet war und der endliche Friede der Langmut. Die den Krieg verdammen, sind auserw"ahlt, zu k"ampfen in diesem Licht. Sie streuen das Korn auf die toten "Acker der Welt, sie liegen in den Feuerlinien einen Sommer lang, sie binden die Garben f"ur uns und fallen im Wind.

Aglaja wiederholt zum ersten Teil des Ritornells ihre Variation.

In der Zeit der Vorbereitung mied ich die St"adte und lebte gef"ahrlich, wie man es aus Liebe tut. Sp"ater geriet ich in eine Abendgesellschaft und erz"ahlte von einer Hinrichtung. So fehlte ich abermals. Meinen ersten Tod empfing ich aus der Hand eines Gewitters und ich dachte: so hell ist die Welt und so ausser sich, wo ich die Wiesen verdunkle, schaufelt der Wind Erde "uber ein Kreuz, lasst mich liegen mit dem Gesicht nach unten! Blaue Steine flogen nach mir und erweckten mich vom Tode. Sie r"uhrten von einem Sternengesicht, das zerbrach.

Aglaja wiederholt zum ersten Teil des Ritornells ihre Variation.

Und ausgestossen aus dem Orden der Ritter, verwiesen aus den Balladen, nehme ich einen Weg durch die Gegenwart, zu auf den Horizont, wo die zerrissenen Sonnen im Staub liegen, wo die Schattenspiele auf der unerh"orten Wand des Himmels zu Verwandlungen greifen und ihr einen Stoff einbilden aus dem alten Glauben meines Kindergebets. Wenn auch die Kr"anze entzwei sind, abgesprungen die Perlen, wenn der Kuss in die blauen Falten der Madonnen, abgeschmackt nach den Ekstasen so vieler N"achte, beim ersten Hauch das Licht in den Nischen l"oscht, trete ich aus dem schwarzen Blut der Ungl"aubigen in mein eignes und h"ore auf den Abgesang einer Geschichte, die unsre Opfer verachtet.

Aglaja wiederholt zum ersten Teil des Ritornells ihre Variation.

Mir will eine Schw"ache, der Wahnsinn willkommen ist, meinen Weg vertreten und mich der Freiheit entziehn. H"orig dem Sog, wich mein Fleisch fr"uh den Messern aus, die ich hob, um es aufzureissen. Mit dem Hauch, den es umklammert, will es hinab, mit meinem Atem, den ich zur"uckgeben werde zum Beweis, dass mein Mund nicht gefragt hat nach meinem Leben und den Bedingungen, unter denen wir fiir die Sch"opfung zu zeugen haben.

Mit dem zweiten Teil des Ritornells endet die Szene, und Aglaja erstarrt auf der Spitze, in der letzten ihrer Attit"uden.

Wir sehen eine Kurpromenade mit einem Orchestertempelchen im Hintergrund. Eine Gesellschaft von V"ogeln hat sich hier versammelt — gemeint ist die Petersburger Hautevolee. Wenn der Vorhang sich "offnet, h"alt der Dirigent der kleinen Kapelle den Taktstock hoch. Die Vogelgesellschaft steht regungslos. Jeder ist in seiner Pose erstarrt, so dass die Szene den Eindruck eines kolorierten Druckes macht. Im Vordergrund steht Myschkin, der sich sehr fremd in dieser Umgebung f"uhlt.

Die leicht fliegen, werde ich nicht beneiden, die Gesellschaft der V"ogel, die viele Orte ber"uhrt und noch im raschesten Flug voll "Uberdruss ist.

Myschkin geht ab. Der Dirigent des kleinen Orchesters bewegt seinen Taktstock zur Musik, und die erstarrte Vogelgesellschaft l"ost sich in eine «Kurpromenade» auf. Wenn die Musik endet, wenden sich alle dem Kapellmeister zu und applaudieren. Etwas vor Schluss des Tanzes treten Myschkin und Aglaja auf. Sie nehmen an dem Treiben teil und gehen dann zur Vorderb"uhne. Und Myschkin erkl"art sich Aglaja.

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