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Den restlichen Nachmittag verbringen wir in der Manyatta, da sich die Mutter unter dem grossen Baum mit anderen Frauen unterh"alt. Endlich k"onnen wir uns lieben.

Vorsichtshalber behalte ich meine Kleider an, immerhin ist es Tag und jederzeit kann jemand in die H"utte kommen. Den kurzen Liebesakt vol ziehen wir an diesem Nachmittag mehrere Male. Es ist ungewohnt f"ur mich, dass al es immer so schnell vorbei ist und andererseits nach nur kurzer Pause wieder beginnt. Aber es st"ort mich nicht, ich vermisse nichts. Ich bin gl"ucklich, bei Lketinga zu sein.

Abends kommen die Ziegen nach Hause und mit ihnen auch Lketingas "alterer Bruder, Sagunas Vater. Zwischen ihm und der Mutter entwickelt sich ein heftiges Gespr"ach, wobei er mich ab und zu wild mustert. Sp"ater erkundige ich mich bei Lketinga. Ausf"uhrlich versucht er mir zu erz"ahlen, sein Bruder mache sich nur grosse Sorgen um meine Gesundheit. Es w"urde sicher nicht lange dauern, bis der District-Chief herk"ame und wissen wolle, warum eine weisse Frau in dieser H"utte lebe, das sei doch nicht normal.

In zwei bis drei Tagen w"ussten in der gesamten Region alle Menschen, dass ich hier sei, und w"urden herkommen. Wenn mir etwas passiere, k"ame gar die Polizei, und das sei noch nie in der ganzen Geschichte der Leparmorijos, das ist ihr Familienname, vorgekommen. Ich beruhige Lketinga und versichere ihm, dass mit mir und meinem Pass al es in Ordnung sei, falls der Chief k"ame. Bis jetzt war ich in meinem ganzen Leben noch nie ernsthaft krank. Schliesslich gehen wir ja jetzt eine Ziege essen, und ich werde mich bem"uhen, viel zu verzehren.

Sobald es dunkel ist, ziehen wir zu dritt los, Lketinga, sein Bruder und ich. Lketinga hat eine Ziege im Schlepptau. Wir gehen etwa einen Kilometer vom Dorf entfernt in den Busch, da Lketinga nicht in der H"utte von Mama essen darf, wenn sie anwesend ist. Mich akzeptiert man notgedrungen, weil ich eine Weisse bin. Was denn Mama und Saguna sowie deren Mutter essen w"urden, frage ich. Lketinga lacht und erkl"art, gewisse St"ucke seien f"ur die Frauen und w"urden nicht von M"annern gegessen.

Diese und alles, was wir nicht "assen, br"achten wir Mama nach Hause. Sie sei, wenn es Fleisch g"abe, bis sp"at in die Nacht wach, sogar Saguna w"urde wieder geweckt.

Ich bin beruhigt, obwohl ich st"andig zweifle, ob ich alles richtig verstehe, denn unsere Verst"andigung in Englisch, gemischt mit Massai sowie H"anden und F"ussen, ist immer noch sehr sp"arlich.

Endlich sind wir am geeigneten Platz angelangt. Es wird Holz gesucht, und gr"une "Aste werden von einem Busch geschlagen. Sie werden auf dem sandigen Boden zu einer Art Bett geb"uschelt. Dann packt Lketinga die meckernde Ziege an den Vorder-und Hinterbeinen und legt sie seitw"arts auf das Gr"unbett. Sein Bruder h"alt den Kopf und erstickt das arme Tier, indem er ihm Nase und Mund zudr"uckt. Es zappelt kurz und heftig und schaut bald starr und reglos in die sternenklare Nacht. Notgedrungen muss ich alles aus n"achster N"ahe mit ansehen, da ich hier im Dunkeln nicht weggehen kann. Etwas emp"ort frage ich, warum man der Ziege nicht die Kehle durchschneidet, statt sie so grausam zu ersticken. Die Antwort ist kurz. Bei den Samburus darf kein Blut fliessen, bevor das Tier tot ist, das sei schon immer so gewesen.

Jetzt wohne ich zum ersten Mal der Zerlegung eines Tieres bei. Am Hals wird ein Schnitt gemacht, und w"ahrend der Bruder am Fel zieht, entsteht eine Art Mulde, die sich sofort mit Blut f"ullt. Angeekelt schaue ich zu und wundere mich, als sich Lketinga tats"achlich "uber diese Blutlache beugt und mehrere Schlucke daraus schl"urft. Sein Bruder macht dasselbe. Ich bin entsetzt, sage jedoch kein Wort.

Lachend zeigt Lketinga auf die "Offnung: „Corinne, you like blood, make very strong!“

Verneinend sch"uttle ich den Kopf.

Dann geht alles recht schnel. Der Ziege wird das Fell gekonnt abgezogen. Der Kopf und die abgetrennten F"usse werden auf das Bl"atterbett geworfen. Schon folgt der n"achste Schock. Der Bauch wird vorsichtig ge"offnet, und eine schrecklich stinkende, gr"une Masse leert sich "uber dem Boden aus. Das ist der volle Magen.

Mein Appetit ist ganz und gar vergangen. Der Bruder zerteilt weiter, w"ahrend mein Massai das Feuer geduldig anbl"ast. Nach einer Stunde ist es soweit, dass man die zerst"uckelten Fleischteile auf die zu einer Art Pyramide geformten Stecken legen kann. Die Rippen am St"uck kommen zuerst darauf, weil sie weniger lange brauchen als die Hinterbeine. Der Kopf und die F"usse liegen direkt im Feuer.

Das Ganze sieht ziemlich grausig aus, doch ich weiss, dass ich mich daran gew"ohnen muss. Nach kurzer Zeit werden die Rippen vom Feuer geholt, und nach und nach wird der Rest der Ziege gegrillt. Lketinga schneidet mit seinem Buschmesser eine H"alfte der Rippen ab und streckt sie mir entgegen. Tapfer greife ich zu und knabbere an ihnen. Mit etwas Salz w"are es wahrscheinlich schmackhafter. W"ahrend ich M"uhe habe, das z"ahe Fleisch von den Knochen zu beissen, schmatzen Lketinga und sein Bruder ge"ubt und schnell. Die abgenagten Knochen fliegen nach hinten in den Busch, in dem es kurz darauf raschelt. Wer sich die Reste holt, weiss ich nicht. Aber wenn Lketinga bei mir ist, kenne ich keine Angst.

Die beiden schneiden sich nun schichtweise durch das erste Hinterbein, wobei sie es immer wieder auf das Feuer zur"ucklegen, um es weiter durchzugrillen. Der Bruder fragt mich, ob es mir schmeckt. Ich antworte: „O yes, it's very good!“

und nage weiter. Schliesslich muss ich ja auch mal etwas im Magen haben, wenn ich nicht in kurzer Zeit selber ein Knochengestell werden will. Endlich bin ich durch, und meine Z"ahne schmerzen. Lketinga greift zum Feuer und reicht mir ein ganzes Vorderbein. Fragend schaue ich ihn an: „For me?“ „Yes, this is only for you.“

Aber mein Magen ist vol. Ich mag einfach nicht mehr. Sie wollen es kaum glauben und meinen, ich sei noch keine richtige Samburu. „You take home and eat tomorrow“,

sagt Lketinga gutm"utig. Nun sitze ich nur noch da und schaue ihnen zu, wie sie Kilo um Kilo verschlingen.

Als die beiden endlich satt sind, packen sie die restlichen Ziegenteile mit al en Innereien, Kopf und F"ussen in das Fell ein, und wir marschieren zur Manyatta zur"uck.

Ich trage mein „Fr"uhst"uck“ nach Hause. Im Kral herrscht n"achtliche Stil e. Wir kriechen in unsere H"utte, und Mama erhebt sich sofort von ihrer Schlafstelle. Die M"anner geben ihr das "ubrig gebliebene Fleisch. Sehen kann ich fast nichts ausser r"otlich schimmernder Glut in der Feuerstelle.

Der Bruder verl"asst uns und bringt Fleisch zur Manyatta seiner Frau. Mama stochert in der Glut und bl"ast vorsichtig hinein, um das Feuer erneut zu entfachen.

Nat"urlich gelingt es nicht ohne Rauch, und ich huste wieder kr"aftig. Dann lodert eine Flamme, und es ist hell und gem"utlich in der H"utte. Mama macht sich "uber ein St"uck gegrilltes Fleisch her und weckt Saguna. Ich staune, wie dieses kleine M"adchen, aus dem Tiefschlaf gerissen, sich gierig das dargebotene Fleisch schnappt und mit einem Messer kleine St"ucke davon direkt neben dem Mund abschneidet.

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