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ЖАНРЫ

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Wieder lege ich gute 1400 Kilometer zur"uck und komme nach zwei Tagen in Maralal an. Ich beziehe dasselbe Lodging f"ur vier Franken wie beim letzten Mal, und die Besitzerin staunt, als ich schon wieder auftauche. Im sp"arlichen Zimmer lege ich mich auf die Pritsche und "uberlege: Was jetzt? Morgen gehe ich zu Lketingas Bruder.

Zuerst muss ich den Headmaster "uberreden, bevor er bereit ist, James zu holen.

Auch ihm erz"ahle ich al es, und er meint, falls er die Erlaubnis bek"ame, w"urde er mich zu seiner Mutter bringen. Der Headmaster ist nach langem Hin und Her einverstanden, wenn ich ein Auto auftreiben kann, das James und mich nach Barsaloi bringen wird. Zufrieden, so viel mit meinem sp"arlichen Englisch erreicht zu haben, ziehe ich durch Maralal und frage mich durch, wer ein Auto besitzt. Die wenigen sind fast alle Somalis. Doch wenn ich sage, wohin ich will, werde ich entweder ausgelacht, oder sie verlangen Preise, die mir astronomisch erscheinen.

Am zweiten Tag der Suche treffe ich auf meinen damaligen Retter Tom, der Lketinga gesucht und gefunden hat. Auch er m"ochte wissen, wo Lketinga ist. Erneut versteht er meine Situation und will versuchen, ein Auto zu bekommen, denn bei meiner Hautfarbe w"urde der Preis um das F"unffache steigen. Tats"achlich sitzen wir beide kurz nach Mittag in einem Landrover, den er samt Chauffeur f"ur zweihundert Franken chartern konnte. Bei James melde ich mich ab, da Tom mitkommen will.

Der Landrover f"ahrt durch Maralal und dann eine "ode, rote Lehmstrasse entlang.

Nach kurzer Zeit kommen wir in einen dichten Wald mit riesigen B"aumen, die von Lianen "uberwuchert sind. Man sieht keine zwei Meter in den Busch hinein. Auch das Str"asschen ist bald nur noch an den Fahrspuren, die die Reifen verursacht haben, erkennbar. Der Rest ist zugewachsen. Hinten im Landrover kann ich al erdings nicht viel erkennen. Nur an der Seitenlage, die ab und zu entsteht, merke ich, dass der Weg sehr steil und schr"ag sein muss. Als wir nach einer Stunde den Wald verlassen, stehen wir vor m"achtigen Felsbrocken. Hier kann es unm"oglich weitergehen! Aber meine zwei Begleiter steigen aus und verschieben einige Steine. Dann poltert das Gef"ahrt langsam "uber die Ger"ollhalde. Sp"atestens hier wird mir klar, dass der Preis nicht zu hoch ist. Nach dem wenigen, was ich sehe, aber dem vielen, das ich sp"ure, w"are ich jetzt bereit, mehr zu bezahlen. Es w"are ein Wunder, wenn wir das Auto heil hin"uberbr"achten. Aber wir schaffen es, der Chauffeur ist ein hervorragender Fahrer.

Ab und zu fahren wir an Manyattas und Kindern mit Ziegen- oder Kuhherden vorbei. Ich bin aufgeregt. Wann sind wir endlich da? Ist hier mein Darling irgendwo zu Hause, oder ist die ganze Anstrengung vergebens? Gibt es noch eine Chance?

Leise bete ich vor mich hin. Mein Retter hingegen ist sehr ruhig. Endlich "uberqueren wir ein breites Flussbett, und nach zwei oder drei Kurven ersp"ahe ich einige einfache Blockh"utten und weiter oben, auf einer Anh"ohe, ein riesiges Geb"aude, das sich von der Landschaft wie eine Oase abhebt, gr"un und sch"on. „Wo sind wir?“ frage ich meinen Begleiter. „Hier ist Barsaloi-Town und dort oben die neu gebaute Mission.

Zuerst gehen wir aber zu den Manyattas und schauen, ob Lketinga zu Hause bei seiner Mutter ist“, erkl"art er mir. Wir fahren nahe an der Mission vorbei, und ich staune "uber das viele Gr"un, denn hier ist es sehr trocken, wie in einer Halbw"uste oder Steppe.

Nach dreihundert Metern biegen wir ab und holpern "uber die Steppe. Zwei Minuten sp"ater h"alt das Fahrzeug. Tom steigt aus und fordert mich auf, ihm langsam nachzukommen. Den Chauffeur bittet er zu warten. Unter einem grossen, flachen Baum sitzen mehrere Erwachsene und Kinder. Mein Begleiter geht auf die Leute zu, w"ahrend ich in angemessenem Abstand warte. Alle blicken her"uber. Nach l"angerem Schwatz mit einer alten Frau kommt er zur"uck und sagt: „Corinne, come, his Mama teils me, Lketinga is here.“

Wir gehen durch hohes, stacheliges Geb"usch und gelangen zu drei sehr einfachen Manyattas, die in etwa f"unf Metern Abstand voneinander stehen. Vor der mittleren stecken zwei lange Speere im Boden. Tom deutet darauf und sagt: „Here he is inside.“

Ich wage mich nicht zu bewegen, und so b"uckt er sich und geht hinein. Da ich dicht hinter ihm bin, verdeckt mich sein R"ucken. Nun h"ore ich Tom sprechen und kurz darauf Lketingas Stimme. Jetzt halte ich es nicht mehr aus und quetsche mich vorbei. Wie "uberrascht und freudig, ja ungl"aubig Lketinga mich in diesem Moment ansieht, werde ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen. Er liegt auf einem Kuhfell in dem kleinen Raum hinter der Feuerstel e im rauchigen Halbdunkel und lacht pl"otzlich los. Tom macht Platz, so gut es geht, und ich krieche in seine ausgestreckten Arme. Wir halten uns lange fest. „I know always, if you love me, you come to my home.“

Dieses Wiedersehen, ja Wiederfinden ist sch"oner als alles bisher Dagewesene. In dieser Minute weiss ich, hier werde ich bleiben, auch wenn wir nichts haben ausser uns. Lketinga spricht mir aus dem Herzen, als er sagt: „Now you are my wife, you stay with me like a Samburu-wife.“

Ich bin "ubergl"ucklich.

Mein Begleiter schaut mich skeptisch an und fragt, ob er wirklich allein mit dem Landrover nach Maralal zur"uckfahren sol. Es sei schwer f"ur mich hier. Es g"abe fast nichts zu essen, und schlafen m"usse ich am Boden. Zu Fuss nach Maralal k"ame ich auch nicht. Mir ist das alles egal, und ich sage zu ihm: „Wo Lketinga lebt, da kann auch ich leben.“

F"ur einen kurzen Moment wird es dunkel in der H"utte, Lketingas Mutter schiebt sich durch das kleine Loch am Eingang. Sie setzt sich gegen"uber der Feuerstelle nieder und schaut mich lange schweigend und d"uster an. Ich bin mir bewusst, dass dies entscheidende Minuten sind, und sage nichts. Wir sitzen da, halten unsere H"ande, und unsere Gesichter gl"uhen. W"urden wir Licht damit erzeugen, w"are die H"utte hell erleuchtet.

Lketinga spricht nun ein paar Worte mit ihr, und ab und zu verstehe ich nur

„Mzungu“ oder „Mombasa“. Seine Mutter sieht mich unentwegt an. Sie ist ganz schwarz. Der rasierte Kopf ist sch"on geformt. Am Hals und an den Ohren tr"agt sie farbige Perlenringe. Sie ist eher f"ullig, und an ihrem nackten Oberk"orper h"angen zwei lange, riesige Br"uste. Die Beine sind bedeckt mit einem schmutzigen Rock.

Pl"otzlich streckt sie mir ihre Hand entgegen und sagt „Jambo“. Dann folgt ein gr"osserer Redeschwall. Ich schaue zu Lketinga. Er lacht: „Mutter hat ihren Segen gegeben, wir k"onnen mit ihr in der H"utte bleiben.“ Jetzt verabschiedet sich Tom, und ich hole nur noch meine Tasche aus dem Landrover. Als ich zur"uckkomme, hat sich eine gr"ossere Menschenmenge um die Manyatta versammelt.

Gegen Abend h"ore ich Glockengebimmel. Wir gehen nach draussen, und ich erblicke eine grosse Herde von Ziegen. Die meisten ziehen vorbei, andere werden in unser Dornengehege getrieben. Etwa dreissig Tiere kommen in die Mitte des Krals, der nochmals mit Dornengestr"upp verbarrikadiert ist. Dann geht die Mama mit einer Kalebasse zu den Ziegen, um zu melken. Die gewonnene Milch reicht gerade f"ur den Chai, wie ich sp"ater feststellen muss. Die Herde wird von einem etwa achtj"ahrigen Knaben betreut. Er setzt sich bei der Manyatta nieder und beobachtet mich "angstlich, w"ahrend er durstig zwei Becher Wasser hinunterkippt. Es ist der Sohn von Lketingas "alterem Bruder.

Eine Stunde sp"ater ist es dunkel. Wir sitzen zu viert in der kleinen Manyatta, die Mama vorne neben dem Eingang und neben ihr das verschreckte M"adchen Saguna, die etwa drei Jahre alt ist. Saguna ist die kleine Schwester des Jungen. Sie dr"uckt sich "angstlich an ihre Grossmutter, die jetzt ihre Mutter ist. Wenn das erste M"adchen des "altesten Sohnes alt genug sei, geh"ore es der Mutter, als eine Art Altershilfe zum Holz sammeln oder Wasser holen, erkl"art mir Lketinga.

Wir beide bleiben auf dem Kuhfell sitzen. Die Mama stochert zwischen den drei Feuersteinen in der Asche und holt versteckte Glut zum Vorschein. Dann bl"ast sie langsam, aber st"andig auf die Funken. Dadurch entsteht f"ur einige Minuten beissender Rauch, der mir die Tr"anen in die Augen treibt. Alle lachen. Als ich auch noch einen Hustenanfall bekomme, quetsche ich mich ins Freie. Luft, Luft, ist das einzige, was ich denken kann.

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