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ЖАНРЫ

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Immer wieder kommen Leute zum Shop und wollen etwas kaufen. Er sieht leer und verkommen aus. Das Kreditb"uchlein ist fast voll. Das eingenommene Geld reicht wieder nicht f"ur einen Laster, aber im Moment wil und kann ich nicht arbeiten. So bleibt der Laden geschlossen.

T"aglich bin ich bis mittags damit besch"aftigt, die verschmutzten Windeln vom Vortag zu waschen. Meine Kn"ochel sind in kurzer Zeit v"ollig wund. So kann es nicht weitergehen. Ich suche ein M"adchen, das mir im Haushalt helfen kann und vor allem die W"asche erledigt, damit mir mehr Zeit f"ur Napirai und das Kochen bleibt. Lketinga organisiert eine ehemalige Sch"ulerin. F"ur etwa 30 Franken im Monat plus Essen ist sie bereit, Wasser zu holen und zu waschen. Nun kann ich endlich mein T"ochterchen geniessen. Sie ist so h"ubsch und fr"ohlich und weint fast nie. Auch mein Mann liegt viele Stunden mit ihr unter dem Baum vor der Blockh"utte.

Allm"ahlich habe ich den Tagesablauf im Griff. Das M"adchen arbeitet sehr langsam, und ich finde keinen rechten Zugang zu ihr. Mir f"al t auf, dass das Waschmittel rasch schwindet. Unser Reis- und Zuckervorrat nimmt ebenfalls rapide ab. Nachdem Napirai bei jeder nassen Windel sofort schreit und ich feststelle, dass sie zwischen den Beinen feuerrot und wund ist, wird es mir zuviel. Ich spreche das M"adchen auf diese Dinge an und erkl"are ihr, dass sie die Windeln so lange sp"ulen muss, bis keine Omo-Reste mehr vorhanden sind. Sie zeigt sich eher desinteressiert und meint, mehr als einmal Wasserholen am River sei zuviel f"ur das gebotene Geld. Ver"argert schicke ich sie wieder nach Hause. Lieber wasche ich selber.

Hunger

Die Menschen werden ungeduldig, weil sie hungern. Schon mehr als einen Monat sind die Shops leer, und jeden Tag kommen Leute zu unserem Haus, um zu fragen, wann wir wieder "offnen. Im Moment jedoch sehe ich keine M"oglichkeit, wieder zu arbeiten. Ich m"usste dazu nach Maralal und einen Laster organisieren. Mit unserem Wagen aber habe ich zu grosse Angst, mit dem Baby irgendwo steckenzubleiben. Die Gangschaltung ist nur notd"urftig gerichtet, das Z"undschloss v"ollig verw"urgt und manches andere reparaturbed"urftig.

Eines Tages kommt der Mini-Chief zu uns und beklagt sich "uber den Hunger der Leute. Er weiss, dass noch einige Maismehls"acke im Shop sind und bittet uns, wenigstens diese zu verkaufen. Widerwillig gehe ich in den Shop, um die S"acke zu z"ahlen. Mein Mann kommt mit. Als wir jedoch den ersten Sack "offnen, wird mir fast "ubel. Obenauf kriechen fette, weisse Maden, dazwischen tummeln sich kleine, schwarze K"afer. Wir "offnen die anderen S"acke, und "uberal bietet sich das gleiche Bild. Der Chief stochert im Sack herum und meint, nach der oberen Schicht w"urde es besser. Doch ich weigere mich, dieses Zeug unter die Leute zu bringen. Inzwischen scheint es sich in Windeseile herumgesprochen zu haben, dass wir noch Maismehl besitzen. Immer mehr Frauen stehen im Shop und sind bereit, auch dieses zu kaufen. Wir besprechen die Lage, und ich biete an, alles zu verschenken. Das lehnt der Mini-Chief ab und sagt, das w"urde in kurzer Zeit zu Mord und Totschlag f"uhren, wir sollen zu einem bil igeren Preis verkaufen. Mittlerweile stehen f"unfzig oder mehr Personen im und vor dem Shop und halten ihre S"acke und T"uten auf. Ich aber kann nicht in diese S"acke greifen, da es mich vor dem Gekrabbel der Maden graust.

Schliesslich habe ich auch noch Napirai auf dem Arm. Ich sehe los, um zu Hause bei Mama nach dem "alteren Bruder zu suchen. Er ist da und kommt mit zum Shop.

Napirai gebe ich Mama. Wir kommen gerade noch rechtzeitig. Der Chief hindert die Leute daran, den Laden zu st"urmen, w"ahrend Lketinga verkauft. Jede Person darf nur maximal drei Kilogramm kaufen. Ich lege die Kilosteine auf die Waage und kassiere. Die beiden M"anner f"ul en das unappetitliche Maismehl ab. Wir arbeiten wie verr"uckt und sind froh, dass der Chief einigermassen Ordnung h"alt. Gegen 20 Uhr sind alle S"acke verkauft, und wir sind v"ol ig erledigt. Aber endlich ist wieder etwas Geld in der Kasse.

Der Verkauf und die Einsicht in die Notwendigkeit unseres Shops besch"aftigen mich am Ende dieses Tages sehr. Doch viel Zeit bleibt mir nicht, ich muss zu meinem Baby nach Hause. Voller Sorge eile ich im Dunkeln zu den Manyattas. Mein Kind hat schon mehr als sechs Stunden keine Brust mehr gehabt, und ich erwarte, eine v"ollig aufgel"oste Tochter vorzufinden. Als ich mich der Manyatta n"ahere, vernehme ich keinen Laut von ihr, daf"ur singt Mama. Ich krieche hinein und sehe verbl"ufft, wie mein M"adchen an der grossen, langen, schwarzen Brust der Mama saugt. Bei diesem Anblick kann ich nur staunen. Mama lacht, w"ahrend sie mir mein nacktes Baby entgegenstreckt. Als Napirai meine Stimme h"ort, schreit sie gleich los, um sich aber sofort wieder an meiner Brust festzusaugen. Ich bin immer noch sprachlos, dass Mama sie mit ihrer leeren Brust so lange beruhigen konnte.

Kurze Zeit sp"ater erscheint mein Mann, und ich erz"ahle ihm davon. Er lacht und meint, das sei normal hier. Auch Saguna sei zu ihr gekommen, schon als kleines Baby, weil das hier so "ublich sei. Das erste M"adchen der S"ohne bekommt die Mama als sp"atere Haushaltshilfe. Sie zieht es praktisch von Geburt an mit ihrer Brust und Kuhmilch auf. Ich betrachte mein M"adchen. Obwohl es vor Dreck steht und nach Rauch riecht, bin ich sehr zufrieden und mir dennoch gewiss, mein Kind niemals irgend jemandem zu "uberlassen.

Wir trinken Chai bei Mama und gehen dann zur"uck in unser Haus. Stolz tr"agt Lketinga Napirai. Vor der T"ur wartet der Chief. Nat"urlich muss ich ihm nochmals Chai kochen, obwohl ich keine Lust dazu habe. Pl"otzlich steht Lketinga auf, holt aus der Geldschachtel 200 Schillinge und gibt das Geld dem Chief. Ich weiss nicht wof"ur, doch halte ich den Mund. Nachdem er gegangen ist, erfahre ich, dass er das Geld f"ur seine Sicherheitshilfe im Shop verlangt hat. Mich "argert das, da er uns wieder hereingelegt hat. Er wol te ja unbedingt, dass wir verkaufen, und es war seine Pflicht, als Chief f"ur Ordnung zu sorgen, daf"ur wird er vom Staat bezahlt. All dies versuche ich Lketinga schonend beizubringen und stelle erfreut fest, dass er sich diesmal selber "argert und mir zustimmt.

Der Shop bleibt weiterhin geschlossen. Der Bursche, der mit Lketinga im Laden stand, kommt h"aufig vorbei. Mit mir gibt er sich nicht ab, was mich nicht weiter st"ort.

An den Gespr"achen merke ich, dass er etwas wil. Doch mein Mann winkt ab, er wol e nur den letzten Lohn, den er ihm aber schon ausbezahlt habe. Ich halte mich heraus, denn ich war in Maralal und im Spital und weiss von nichts.

Unser Leben verl"auft ruhig, und Napirai entwickelt sich zu einem richtigen Pummelchen. Fremden darf ich sie nach wie vor nicht zeigen. Jedesmal, wenn jemand in die N"ahe kommt, versteckt Lketinga sie unter der Babydecke, was sie gar nicht mag.

Eines Tages kommen wir vom River und wollen ins Chai-Haus, als ein Alter auf Lketinga zukommt. Wieder wird geredet. Mein Mann sagt mir, ich sol e hier warten und marschiert zum „Polizeih"auschen“. Dort erkenne ich den richtigen Chief, den Wildh"uter und den Boy vom Shop. Aus einiger Entfernung beobachte ich beunruhigt die Diskussion. Napirai h"angt an meiner Seite in einem Kanga und schl"aft. Als Lketinga nach mehr als einer Viertelstunde nicht zur"uckkommt, schlendere ich zu den M"annern.

Irgend etwas geht vor, ich sehe es am Gesichtsausdruck meines Mannes. Er ist w"utend, und es wird heftig debattiert, w"ahrend der Boy etwas abseits l"assig zuschaut. Immer wieder h"ore ich „Duka“, „Shop“. Da ich weiss, dass der Chief Englisch spricht, will ich von ihm wissen, um was es geht. Ich bekomme keine Antwort, statt dessen geben sich alle die Hand, und Lketinga schleicht verst"ort davon. Mit drei Schritten bin ich neben ihm, packe ihn bei der Schulter und wil wissen, was hier abgelaufen ist. M"ude dreht er sich zu mir um und erz"ahlt, er m"usse dem Boy noch f"unf Ziegen abgeben f"ur seine Arbeit im Shop, ansonsten droht ihm der Vater des Boys mit einer Anzeige bei der Polizei. Er will aber nicht ins Gef"angnis. Ich verstehe "uberhaupt nicht, was los ist.

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