Die weisse Massai
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Eindringlich frage ich meinen Mann, ob der Boy seinen Lohn jeden Monat bekommen hat. „Yes, Corinne, I don't know, why they want five goats, but I don't want to go again in prison, I'm a good man. The father of this boy is a big man!“
Ich kann Lketinga glauben, dass er das Geld bezahlt hat. Ihm mit Gef"angnis zu drohen f"ur nichts und wieder nichts ist wirklich das letzte, das ich ertragen kann, zumal dieser Boy schuld daran ist. Wutentbrannt st"urze ich auf ihn los und schreie ihn an: „What do you want from me?“ „From you nothing, only from your husband“, l"achelt er mich bl"ode an. Nun kann ich nicht mehr an mich halten und schlage und trete blindlings auf ihn ein. Er will ausweichen, doch ich erwische sein Hemd und zerre ihn heran, w"ahrend ich ihn lauthals mit deutschen Fl"uchen eindecke und anspucke.
Die umstehenden M"anner halten mich fest, und Napirai schreit wie am Spiess.
Inzwischen ist Lketinga da und sagt "argerlich: „Corinne, you are crazy, go home!“
„I'm not crazy, really not crazy, but if you give goats to this boy, I don't open again this shop!“
Der Boy wird von seinem Vater festgehalten, sonst w"urde er mich sicher anfallen.
W"utend reisse ich mich los und laufe mit der schreienden Napirai nach Hause. Ich verstehe meinen Mann nicht, warum er sich so einsch"uchtern l"asst und kann auch den Chief nicht begreifen. Ab jetzt werde ich mir jeden Handgriff bezahlen lassen.
Niemand kommt mehr in unseren Wagen, ohne vorher bezahlt zu haben! Viele starren mich an, als ich an ihnen vorbeirase, doch mir ist es egal. Mir ist klar, dass ich den Burschen und seinen Vater schwer beleidigt habe, denn hier schlagen die Frauen keine M"anner, eher umgekehrt.
Es dauert nicht lange, und Lketinga kommt mit dem Chief nach Hause. Sofort wollen sie wissen, warum ich das gemacht habe. Mein Mann ist verst"ort und entsetzt, was mich gleich wieder aufbrausen l"asst. Dem Chief lege ich unser Kreditbuch auf den Tisch, damit er sieht, wie viele tausend Schillinge wir wegen des Burschen ausstehen, wenn nicht verloren haben. Ausserdem steht er selbst mit "uber 300
Schillingen bei uns in der Kreide. Und so einer will f"unf Ziegen, was einen halben Jahreslohn bedeutet! Nun d"ammert es auch dem Chief, und er entschuldigt sich f"ur seinen Entscheid. Wir m"ussen aber einen Weg finden, uns mit dem Alten zu einigen, da Lketinga bereits mit Handschlag das Urteil akzeptiert hat.
H"oflichkeitshalber muss ich f"ur den Chief Tee kochen. Ich entz"unde die Holzkohle in unserem "Ofchen und stelle es ins Freie, damit der Luftzug die Kohle schnel er zum Gl"uhen bringt. Es ist eine sternenklare Nacht. Gerade wil ich zur"uck ins Haus, als ich nur ein paar Meter von mir entfernt eine Gestalt mit einem blitzenden Gegenstand bemerke. Augenblicklich versp"ure ich Gefahr und trete sofort ins Haus, um meinen Mann zu informieren. Er geht hinaus, und ich folge dicht hinter ihm. Der Chief bleibt in der H"utte. Ich h"ore Lketinga fragen, wer hier sei. Kurz darauf erkenne ich die Stimme und die Gestalt des Boys, der eine Machete in der Hand h"alt. B"ose frage ich, was er hier zu suchen habe. Er antwortet kurz, er sei hier, um mit der „Mzungu“
abzurechnen. Sofort st"urze ich ins Haus zur"uck und frage den Chief, ob er alles geh"ort habe. Er nickt und kommt nun ebenfalls heraus.
Erschrocken wil der Bursche wegrennen, doch Lketinga h"alt ihn fest und nimmt ihm die gef"ahrliche Machete aus der Hand. Triumphierend schaue ich den Chief an, nun sei er Zeuge eines Mordversuchs geworden. Er sol ihn festnehmen, und morgen fahren wir al e zusammen nach Maralal. Diesen gemeingef"ahrlichen Idioten will ich nicht mehr in unserer N"ahe sehen. Der Bursche versucht, al es abzuwiegeln, doch ich bestehe auf einer Festnahme. Der Chief geht mit dem Burschen weg. Mein Mann verschwindet auch, und ich verriegle zum ersten Mal die Haust"ur.
Kurze Zeit sp"ater klopft es. Nach vorsichtigem Nachfragen "offne ich dem Veterin"ar.
Er hat den L"arm geh"ort und will wissen, was passiert ist. Ich biete ihm Tee an und erz"ahle den Vorfall. Er best"atigt mich in meinem Vorhaben und bietet mir seine Hilfe an. Ohnehin hat er nie verstanden, warum wir diesen verr"uckten Burschen bei uns arbeiten liessen, denn er hat schon manches angerichtet, das sein Vater ausb"ugeln musste. W"ahrend wir uns unterhalten, kommt mein Mann nach Hause. Verdutzt schaut er zum Veterin"ar und dann zu mir. Der Veterin"ar beginnt ein Gespr"ach mit ihm. Ich verabschiede mich und krieche unter das Moskitonetz zu meiner Napirai.
Der Vorfal geht mir nicht aus dem Kopf, und ich habe M"uhe einzuschlafen. Sp"ater kommt Lketinga ebenfalls ins Bett. Er versucht, mit mir zu schlafen. Ich habe "uberhaupt kein Verlangen, ausserdem liegt Napirai bei uns. Aber er will einfach wieder einmal Sex. Wir probieren es, doch es tut mir wahnsinnig weh. W"utend vor Schmerz stosse ich ihn weg und verlange Geduld von ihm, schliesslich ist Napirai erst f"unf Wochen alt. Lketinga versteht meine Abweisung nicht und behauptet "argerlich, ich h"atte es wohl schon mit dem Veterin"ar getrieben. Als er mir das an den Kopf wirft, habe ich endg"ultig genug f"ur heute. Ich breche in Tr"anen aus, doch sprechen kann und will ich nicht mehr. Das einzige, was ich ihm erwidere, ist, dass er heute nicht hier im Bett schlafen kann. Seine N"ahe k"onnte ich im Moment, nach diesem Vorwurf und nach al em, was ich heute erlebt habe, nicht mehr ertragen. So richtet er sich ein Nachtlager im vorderen Raum ein. Napirai kommt in der Nacht zwei- bis dreimal an die Brust, anschliessend m"ussen die Windeln gewechselt werden.
Um etwa sechs Uhr morgens, als sie sich gerade wieder meldet, klopft es an unsere T"ur. Es wird wohl der Chief sein, doch bin ich nach unserer Auseinandersetzung nicht mehr in der Stimmung, nach Maralal zu fahren. Lketinga "offnet, und vor der T"ur steht der Vater des Boys mit dem Chief. W"ahrend ich in meinen Rock steige, wird draussen heftig debattiert. Nach einer halben Stunde kommt mein Mann mit dem Chief in unser Haus. Es f"al t mir schwer, die M"anner anzusehen.
Der Chief gibt mir eine Entschuldigung des Boys und dessen Vater weiter und erkl"art, wenn wir nicht nach Maralal fahren w"urden, sei der Vater bereit, uns f"unf Ziegen zu geben. Ich entgegne ihm, dass damit mein Leben nicht ausser Gefahr sei, vielleicht versuche er es morgen oder "ubermorgen wieder, in Maralal hingegen verschwinde er f"ur zwei bis drei Jahre im Gef"angnis.
Der Chief teilt dem alten Mann meine Bedenken mit. Er verspricht mir, den Burschen f"ur eine Weile zu Verwandten zu bringen. Auf meinen Wunsch hin b"urgt er daf"ur, dass sein Sohn nie wieder n"aher als 150 Meter an unser Haus herankommt.
Nachdem mir der Chief diese Vereinbarung schriftlich best"atigt hat, bin ich einverstanden. Lketinga geht mit dem Alten die Ziegen abholen, bevor sie den Kral verlassen.
Ich bin froh, dass er fort ist, und gehe gegen Mittag zur Mission, um meine Tochter zu zeigen. Pater Giuliano hat sie seit Wamba nicht mehr gesehen, und Pater Roberto kennt sie "uberhaupt noch nicht. Beide freuen sich sehr "uber meinen Besuch.
Aufrichtig bewundert Pater Giuliano mein sch"ones M"adchen, das ihm neugierig ins weisse Gesicht schaut. Als er h"ort, dass mein Mann unterwegs ist, l"adt er mich zum Mittagessen ein. Ich bekomme hausgemachte Teigwaren und Salat. Wie lange habe ich keinen Salat mehr gegessen! Ich komme mir vor wie im Schlaraffenland.
W"ahrend des Essens erz"ahlt mir Giuliano, dass er demn"achst f"ur mindestens drei Monate Ferien in Italien macht. Ich freue mich f"ur ihn, doch ist mir nicht wohl, ohne ihn hier zu sein. Wie oft war er doch ein rettender Engel in der Not!
Wir sind gerade fertig mit dem Essen, als pl"otzlich mein Mann auftaucht. Die Situation ist sofort gespannt: „Corinne, why do you eat here and not wait for me at home?“
Er nimmt Napirai an sich und verl"asst uns. Schnel bedanke ich mich bei den Missionaren und eile Lketinga und dem Baby nach. Napirai schreit. Als wir zu Hause sind, gibt er mir das Kind und fragt: „What do you have made with my baby, now she cries only, when she comes to me!“
Statt zu antworten, frage ich ihn, weshalb er schon zur"uck ist. Er lacht h"ohnisch: