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ЖАНРЫ

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Pl"otzlich vernehme ich Motorenger"ausch, nicht von einem Wagen, sondern von einem Flugzeug. Mitten in der Nacht taucht hier im Busch ein Flugzeug auf! Draussen h"ore ich Stimmen. Auch Lketinga geht hinaus und kommt aufgeregt zur"uck. Ein Flugzeug! Giuliano erscheint und sagt, ich solle nur wenige Sachen mitnehmen und einsteigen, denn die Piste sei nicht lange erleuchtet. Sie helfen mir aus dem Bett.

Lketinga packt das N"otigste ein, um mich dann zum Flugzeug zu schleppen.

Ich bin sprachlos, wie hell al es ist. Giuliano hat mit seinem Aggregat einen riesigen Scheinwerfer in Betrieb gesetzt. Fackeln und Petroleumlampen s"aumen links und rechts den flachen Teil der Strasse. Grosse weisse Steine zeichnen die Spur weiter. Der Pilot, ein Weisser, hilft mir ins Flugzeug. Er winkt meinem Mann zu, einzusteigen. Hilflos steht Lketinga da. Er m"ochte mit und kann doch seine Angst nicht "uberwinden.

Mein armer Darling! Ich rufe ihm zu, er sol e hier bleiben und auf den Shop aufpassen, als die T"ur geschlossen wird. Wir starten durch. Zum ersten Mal in so einem kleinen Flieger f"uhle ich mich dennoch sicher. Nach etwa zwanzig Minuten sind wir "uber dem Wamba-Hospital. Auch hier ist alles beleuchtet, allerdings gibt es eine richtige Flugpiste. Nach der Landung erblicke ich zwei Schwestern, die mich mit einem Rollstuhl erwarten. M"uhsam klettere ich aus dem Flugzeug und st"utze dabei mit einer Hand meinen Bauch, der weit nach unten gerutscht ist. Als ich im Rollstuhl zum Spital geschoben werde, "uberf"al t mich erneut das heulende Elend, und die tr"ostenden Worte der Schwestern n"utzen nichts, im Gegenteil, ich schluchze noch mehr. Beim Spital erwartet mich die Schweizer "Arztin. Auch aus ihrem Gesicht lese ich Besorgnis, doch sie tr"ostet mich, jetzt werde alles gut.

Im Untersuchungszimmer liege ich im Gyn"akologenstuhl und warte auf den Chefarzt. Mir wird bewusst, wie schmutzig ich bin, und ich sch"ame mich zutiefst. Als ich mich deswegen beim Arzt entschuldigen will, winkt er ab und meint, im Moment gebe es Wichtigeres zu "uberlegen. Er untersucht mich vorsichtig ohne Instrumente, nur mit den H"anden, w"ahrend ich gebannt an seinen Lippen h"ange, um zu h"oren, wie es meinem Kind geht.

Endlich erl"ost er mich, indem er best"atigt, dass das Kind lebt. Doch f"ur den achten Monat ist es viel zu klein und schwach, und wir m"ussen alles versuchen, um eine Fr"uhgeburt zu verhindern, da es bereits sehr tief liegt. Dann kommt die Schweizer "Arztin zur"uck und gibt den niederschmetternden Befund bekannt: Ich habe eine schwere An"amie und ben"otige sofort Blutkonserven wegen einer schweren Malaria.

Der Arzt erkl"art mir, wie schwierig es sei, Blut zu bekommen. Hier besitzen sie nur einige wenige Konserven, und diese m"ussen von mir "uber einen Spender ersetzt werden.

Mir wird elend bei dem Gedanken an fremdes Blut hier in Afrika in den Zeiten von Aids. "Angstlich frage ich ihn, ob das Blut denn auch kontrol iert sei. Er antwortet ehrlich, nur zum Teil, da im Normalfall die Patienten mit An"amie erst einen Spender aus der Familie bringen m"ussen, bevor sie eine Bluttransfusion erhalten. Hier sterben die meisten Menschen an Malaria oder deren Folge, An"amie. Nur wenige Blutkonserven kommen aus dem Ausland als Spende in die Mission.

Ich liege auf dem Stuhl und versuche, meine Gedanken unter Kontrolle zu bringen.

Blut bedeutet Aids, h"ammert es in meinem Kopf. Diese t"odliche Krankheit will ich nicht, wage ich zu protestieren. Der Arzt wird sehr ernst und deutlich, als er mir sagt, dass ich mich zwischen diesem Blut und dem sicheren Tod entscheiden kann. Eine afrikanische Schwester erscheint, setzt mich wieder in den Rol stuhl, und ich werde in ein Zimmer zu drei anderen Frauen gebracht. Sie hilft mir aus den Kleidern, und ich bekomme eine Spital-Uniform wie al e anderen.

Als erstes wird mir wieder eine Spritze verabreicht, dann h"angt sie die Infusion an meinen linken Arm. Die Schweizer "Arztin kommt mit einem Beutel Blut herein. Mit einem beruhigenden L"acheln teilt sie mir mit, dass sie die letzte Schweizer Konserve mit meiner Blutgruppe aufgetrieben habe. Bis morgen reicht es, und die meisten weissen Missionsschwestern seien bereit, falls ihre Blutgruppe f"ur mich in Frage kommt, zu spenden.

Bei soviel F"ursorge bin ich ger"uhrt, doch ich versuche meine Tr"anen zu unterdr"ucken und bedanke mich. Als sie mir die Bluttransfusion am rechten Arm anh"angt, sticht es gewaltig, weil die Nadel sehr dick ist und sie mehrmals anstechen muss, bevor das lebensrettende Blut in meine Ader fliesst. Beide Arme werden mir am Bett festgebunden, damit ich im Schlaf die Nadeln nicht herausreisse. Mein Anblick muss traurig sein, und ich bin froh, dass meine Mutter nicht weiss, wie elend mir ist.

Auch wenn alles gut gehen sol te, werde ich es ihr nie schreiben. Mit diesen Gedanken schlafe ich ein.

Um sechs Uhr werden die Patienten geweckt, um Fieber zu messen. Ich bin noch ganz erschlagen, weil ich h"ochstens vier Stunden geschlafen habe. Um acht Uhr bekomme ich wieder eine Spritze und gegen Mittag neue Transfusionen.

Ich habe Gl"uck und erhalte die n"achsten Konserven von den hiesigen Schwestern.

Wenigstens brauche ich mir keine Gedanken mehr wegen Aids zu machen.

Die normale Schwangerschaftsuntersuchung findet am Nachmittag statt. Der Bauch wird abgetastet, die Herzt"one des Babys abgeh"ort, und der Blutdruck gemessen. Mehr kann man hier nicht machen. Essen kann ich noch nichts, da mir auch hier der Geruch von Kohl "Ubelkeit verursacht. Dennoch geht es mir am Ende des zweiten Tages viel besser. Durch die Zufuhr einer dritten Blutkonserve f"uhle ich mich wie eine Blume, die nach langer Zeit endlich Wasser bekommt, das Leben kehrt von Tag zu Tag mehr in meinen K"orper zur"uck. Nachdem die letzte Bluttransfusion beendet ist, schaue ich seit langem wieder einmal in den Handspiegel. Ich erkenne mich fast nicht mehr. Die Augen wirken gross und eingefallen, die Backenknochen stehen hervor, und die Nase ist lang und spitz. Meine Haare kleben verschwitzt, matt und d"unn am Kopf. Dabei f"uhle ich mich doch schon viel besser, denke ich erschrocken. Aber bis jetzt bin ich ja nur gelegen und habe in den drei Tagen noch kein einziges Mal das Bett verlassen, denn ich h"ange nach wie vor an einer Infusion gegen die Malaria.

Die Schwestern sind sehr nett und kommen vorbei, sooft sie k"onnen. Aber sie machen sich Sorgen, weil ich immer noch nichts esse. Eine ist besonders nett, sie strahlt G"ute und W"arme aus, die mich r"uhrt. Eines Tages erscheint sie mit einem K"ase-Sandwich aus der Mission. Ich habe schon so lange keinen K"ase mehr gesehen, dass es mich keine "Uberwindung kostet, das Brot langsam zu essen. Von diesem Tage an kann ich wieder feste Nahrung zu mir nehmen. Jetzt geht es aufw"arts, freue ich mich. Mein Mann wird "uber Radio-Funk informiert, dass das Baby und ich "uber den Berg sind.

Ich bin nun schon eine Woche hier, als mir die Schweizer "Arztin bei einer Untersuchung r"at, die Geburt in der Schweiz zu erwarten. Erschrocken schaue ich sie an und frage, wieso. Ich sei zu schwach und viel zu d"unn f"ur den achten Monat.

Wenn ich mich hier nicht richtig ern"ahren kann, sei die Gefahr, durch den erneuten Blutverlust und die Anstrengung bei der Geburt zu sterben, sehr gross. Sie haben keine Sauerstoff-Ger"ate, und f"ur die schwachen Babys gibt es keinen Brutkasten.

Auch verabreicht man hier keine schmerzstillenden Mittel bei der Geburt, weil sie einfach keine haben.

Furcht ergreift mich bei dem Gedanken, in meinem Zustand in die Schweiz zu fliegen. Ich weiss, das w"urde ich nicht schaffen, teile ich der "Arztin mit. Wir suchen nach anderen M"oglichkeiten, denn ich muss in den verbleibenden Wochen mindestens auf siebzig Kilo kommen. Nach Hause darf ich nicht, da es wegen der Malaria zu gef"ahrlich ist. Da f"al t mir Sophia in Maralal ein. Sie hat eine sch"one Wohnung und kann gut kochen. Mit dieser M"oglichkeit ist auch die "Arztin einverstanden. Doch fr"uhestens in zwei Wochen kann ich das Hospital verlassen.

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