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Дневник переводчика Посольского приказа Кристофа Боуша (1654-1664). Перевод, комментарии, немецкий оригинал
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Den 27. Octobris wurden den Pol. von den unsrigen prachtige Geschenke von kostlichen Zobeln zugeschiket und so alle Sachen zum Auffbruch ferner gemacht.

Den 1. Novembris sind unsere Herren Commissarien mit ihrer gantzer Assistentz zu Minsk arriviret und all die Nacht gelegen.

Den 4. Novemberis sind wir zu Borisow angelanget. Allda wurde das Regiment zu Pferde, auch die Stolniken und Dworanen gemustert, und nach der Musterung gieng ein jedweder Weg, der ihm am nachsten nach Hause deuchte, nur das Regiment Strelitzen blieb bey der Herren Commissarien Suite.

Den 6. Novembris sind die Herren Commissarien von Borisow auffgebrochen.

(44r) Den 9. Novembris ist die gantze Suite zu Orsza arrivieret und allda die Nacht gelegen.

Den 17. Nov. sind die Herren Commissarien zu Smolensk arrivieret.

Den 18. Nov. sind Ihro Czar. Maytt., nach dem sie aus Lieffland von der Belagerung der Stadt Riga abmarchieret, mit ihrer gantzen Kriegsmacht zu Smolensk arriviret.

Den 21. Novembris wurden die Herren Commissarien begnadiget, Ihro Czar. Maytt. Handt zu kussen. Die Herren Commissarien thaten nachdem Relation von ihrer Verrichtung, welche sehr angenehm war, und wurden alle samptlich begnadiget, zu Schlosse bey Ihro Czar. Maytt. Taffel zur Mahlzeit zu verbleiben. Selbigen Tag des Abends verreiseten Ihro Czar. Maytt. nach Wiasma.

Den 26. Nov. arrivirten Ihro Czar. Maytt. zu Wiasma, allda sie die czaarische Gemahlin, Printzen und Printzessinnen, auch den Patriarchen und ihre gantze сzarische Hoffhaltung, vor sich funden.

Supplement des 1656 Jahres

Bey den Moskowitern ward ein Krieg wieder die Cron Schweden erklaret aus Ursachen, ob hatte die Cron Schweden (44v) ihnen das polnische Reich zu bekriegen verhindert, und die moskowitische Besatzungen und Salvoguarden von unterschiedlichen Platzen in Littauen abgetrieben und schwedische an derer Stelle eingesetzet, demnach die Herren Moskowiter gar geringe Praeparatoria gegen den Fruhling machten und wieder Lieffland, Ingermannland und Esten avancirten.

Ihro Konigliche Maytt. in Schweden Carl Gustav conjugiret mit Ihro Furstliche Durchl., dem Fursten von Brandenburg, Friedrich Wilhelmo thaten mit Ihro Koniglichen Maytt. in Polen Johanni Casimiro, ein Treffen unter Warschau. Der cronpolnischen und littauschen Armee kahmen 150.000 Mann Tartern mit dem Sultan Sufan Kaziaga zum Secours. Dessen ungeachtet drangen Schweden mit ihrer Bataligie so stark auff die Polen, dass sie endlich das Feld raumen und sich mit der Flucht salivren musten, dass die Schweden also abermahl Warschau, welches ihnen von den Polen langst abgenommen war, eroberten und der Weichsel Meister blieben.

Ihro Czar. Maytt. aus Moskow rukten auch mit einer starken Armee, ihren March von der Stolice auff Smolensk, Wittepsk, Polozk und Desna zu nehmend und eine gar prachtige (45r) Artillerie von groben Gestuken, Feuermorseln und schweren Granaten die Diehn hinab fliessen lassend, unter Riga in Lieffland, eroberten auff ihrem Marche im Vorbeigehen das Schloss Dunaburg, welches die Schweden von den Polen erobert und mit ihrer Besatzung versehen hatten, und Kokenhausen, sebelten alle lebendige Seelen, die drin waren, nieder und erbarmeten sich keines Menschen, sondern besetzten dieselbigen Platze mit lauter moskowitischen Volkern und verliessen ihre Gouverneurs und Commendanten drinnen. Die schwedische Salvogarden waren auch allbereit von den rebellierenden pol. Troupen aus Szameyten verjaget, dass auch Ihro Excellentz der Generallieutenant Graf Magnus Gabriel de la Gardie mit alle seinen Officieren totaliter Zameyten quitiret hatten und, allbereit der Herren Moskowiter Vornehmen merkend, in Riga arrivieret waren, hielte demnach gute Ordre und machte gute Praeparation, dem antrabenden geschwinden Feinde redlich zu begegnen, welcher schon das gantze Land streiffete und ohne alles Erbarmen mordete und sengete, was ihm nur vorkahm, daruber den gantz Lieffland, welches nimmermehr so einen geschwinden Einfall von moskowitischer Seiten sich einbilden (45v) mochte, sehr erschroken, das Landvolk sich in den festen Oertern zu retiriren auffmunterte, die sich dann unverzagt diesem machtigen Feinde praesentierten und ihm mit Parteyen und Ausfallen viel zu schaffen machten. Das arme Baurvolk aber, so sich nicht in sichere Orter begeben noch uber die Dune nach Churland (welchem die Sicherheit der Neutralitet etlichermassen gehalten ward) gemacht haben, muste mit Haab und Gutt, Leib und Blutt daran gehen und das Gelach bezahlen, an denen unchristliche Injurien verubet und gewisse Kennzeichen moskowitischer Tyranney statuiret wurden. Die сzarische Armee, nachdem die Festung Riga gantzer drey Monat stark bloquiret gehalten und ihre besten Schantzen und Pasteyen, Minen, Graben, Grantatenwerffen und allerhand Arbeit gethan und gar nichts an der Festung gewinnen konnte, sondern nur zum Verlust der ihrigen die abgebrandte Vorstatt zu ihrem Werke gebrauchte, weilen der Generalgouverneur Graff Magnus de la Guardie mit seinen beyhabenden Volkern sich tapffer wehrte und dem Feinde durch stundliche Ausfalle vielertheils verubte, muste im 8ber die Belagerung quitiren, mit grossem Verlust der ihrigen brechen und den Weg, daher sie kommen, zuruk marchieren. In denen neu occupierten (46r) liefflandischen Stadten ward von Ihro Czar. Maytt. zum Gouverneur verlassen der Hoffrath Afonasey Laurentiewitz Ordin-Nasczokin. Auch das grobe Gestuk von gantzen, halben und viertel Cartauen und schweren Feuermorsern, so mit unter Riga gewesen waren, verblieb alles (weil es die Dune hinauff zu schiffen beschwerlich fiel, auch befurchtet ward, dass es auf dem Wasser nicht zufrieren mochte) in Kokenhausen beliegen. Ihro Czar. Maytt. aber mit der gantzen Armee, von einer grossen Cavalerie, auch Infanterie bestehend, marchierten zuruk nach Russland und arrivierten gluklich bey Schlittwege an dero Residentz.

Der Bojar und Statthalter zu Kasan, Knias Alexey Nikititz Trubetzkoy, mit seinen conjugierten Armeen marchierte in Ingermannland hinein und, nachdem er Waske Narve, Neuschloss und andere schwedische Schlosser erobert und mit moskowitischer Besatzung versehen hatte, bloquirte endlich auch die Festung Derpt und continuirte so lange mit unnachlassiger Belagerung, bis sie sich an ihm durch Accord ergeben muste, wurden demnach der Gouverneuer und die schwedische Volker, so keine Lust, unter moskowitischer Herrschafft zu verbleiben, hatten, ausgestattet, die Festung mit einem moskowitischen Gouverneur und starker Besatzung versehen und den uberbliebenen Einwohnern grosse Freyheiten versprochen. Hernach marschierte der Bojar und General Trubetzkoy mit seiner gantzen Armee zuruk nach Gross Neugard und kahm auch endlich nach Moskow.

(46v) Der zaporowische General Bogdan Chmielnickij wolte auff Ihro Czar. Maytt. Begehren, derer Vasal er sich zumahlen nante, wieder die Cron Schweden keinen Securs geben, bezeugend, wie er andere Ihro Czar. Maytt. Feinde anzugreiffen bereit und willig, aber wieder Schweden konte er nichts feindliches vornehmen, weilen er mit der Cron Schweden eine alte unwiederruffliche Alliantz hatte.

Ihro Churfurstliche Durchl. von Brandenburg schikten eine ansehnliche Ambassade zu Ihro Czar. Maytt. zu Riga, umb Neutralitet anhaltend, welche ihr damahls zwar gelobet und versprochen, aber nicht ratificiret ward, mit expressem Begehren, dass Ihro Churfurstliche Durchl. sich der schwedischen Alliantz eussern, mit der Cron Pohlen sich zur Einigkeit bequamen und die vorigte Correspondentz bey selbiger bearbeiten solten. Wann das geschehen und Ihro Churfurstliche Duchl. unter Riga geschlossene Conditiones Neutralitet geschworen hatte, wolten auch Ihro Czar. Maytt. Vertrage zu ratificiren einwilligen.

In diesem Jahr hatt abermahl die Pest in dem moskowitischen Reich in der Hauptstadt Moskow regiert, jedoch nicht so grausahm als vor 2 Jahren, aber in andern unterschiedlichen moskowitischen Stadten, Fleken und Dorffern hatt sie unerhort grassiert und viele Orter gantz wust hinterlassen, insonderheit Kasan, Astrachan, Nisni Nowgorod und andere Stadte, auf der Volga gelegen, in denen auch gar viele von den pol. Gefangen wegsturben.

(47r) Anno 1657

Den 11. Januarius. Nachdem die Peste gantzlich aufgehoret hatte, kahm der Patriarch von Wiasma nach Moskow.

Den 14. Janua[r] arrivireten auch Ihr Czaar. Maytt. mit der gantzen Hoffhaltung in die Hauptstadt Moskow und wurden von dem Patriarchen neben der gantzen Klerisey und der Gemeinde empfangen und mit einem grossen Glokengeleute eingebracht.

Den 2. Martii ist der Podkomorzi Pomorski H. Bakowski zu Moscow alss Abgesandter von dem Konige aus Polen angelanget. Ihr[e] Konigliche Maytt. excusiren sich bey dieser Gesandschafft, dass der bestimte Reichstag wegen der unerhorten Peste, so in ihrem Reiche grassiret hette, auch vieler unnachlassig feindliche Inpresse wegen in Jan. oder Februari fortzusetzen unmuglich were, zudehm so wahren auch noch unlangst die H. Commissarien von der Willenschen Comission zu Ihr Maytt. nach Dantzig angelanget und hatten diese ihrer Verrichtung Relation gethan, ein Reichstag aber konte in so kurtzer Frist nicht zusammengeruffen werden, demnach biss zum Vorjahr zu patientiren ersuchen thatte.

Den 22. Marcii bekahm der Abgesandter Bakowski seinen Abschiedt mit einer solchen Declaration von Ihr Czaar. Maytt., dass von heute an noch 6 Wochen auf den Courier, welcher der Abrede nach, so auf der Willenschen Commission genommen, den angesetzten Reichstag ankundigen wurde, solte gewartet werden. Im Fall nicht, so wolten Ihr Czaar. Maytt, dass Willnische von pohl. Seite violirette Armistitium auch nicht langer continuiren lassen, sondern Ihres Despectes wegen zu andern Mittel schreitten. Aber den unsrigen wahr in Wahrheit schon der Muth, nach dem Reichstag zu ziehen, ziemlich entfallen, weiln der unter Wilde geschlossene Contract albereit durch den Kosaken, welche dem Siebenburger Fursten Rakotzi den Obersten Zdanowitz wieder (47v) die Chron Pohl. zum Securs geschickt hetten, auch occupierten die Vestung alt Bychow, die sich den Kosaken, nachdem sie wieder dem Contract lange Zeit von dem moscowitischen General Chowanski belagert und geangstiget worden, ubergeben muste, von unserer Seiten schon gebrochen war. Demnach ward gefurchtet, dass nicht solches mochte auf den Reichstag von pol. Seite an den unsrigen vindiciret und gerachnet und sie also, weiln auch alle occupirte Orter der Chron Pohlen nebenst der Wahl zu restituiren, nicht vor rathsam gehalten und denen auf den Reichstag gehorenden Grossgesandten nur biss an den Dnipr abzutreten anbefohlen ward, im Arrest behalten werden mochten.

Den 22. Aprilis ist auf jener Seiten des Wassers Moscow ein machtiger Brand gewesen, welcher 2 Tage nacheinander gewehret und a[l]so uber 3.000 Hauser weggebrand.

Den 26. Aprilis ist der pohl. Abgesandter Szumowski zu Moscow kommen.

Den 1. May ist abermahl ein machtiger Brand auf jener Seite der Gause in Moscow gewesen.

Den 7. May hatte der pohl. Abgesandter Szumowski Audientz, wird auch selbigen Tag mit den deputirten Bojaren und Rahten zur Conferentz gefordert. Aber er exprobrirete den unsrigen die Violentz des Wilnischen Schlusses, nemlich, dass selbigem zuwieder der General Chowanski lange Zeit hernach die Festung Bychow bloquiret gehalten, welche durch seine unnachlassige Belangerung gantz ausgemattet, entlich der Kosaken Schutz zu begehren gezwungen worden, dass auch den Kosaken nicht sich ihres Muthwillens zu gebrauchen und feindliche Incurse wieder die Chron Pohlen zu uben, weiln sie, mit dem Rakotzi conjugieret, offendlich dass pohl. Reich mit zu uberziehen und zu bekriegen geholffen, woruber auch Ihr Konigliche Maytt. in Pohlen, dero Reich, Land und Leuthe anitzo mit vielen machtigen Feinden behafftet wahren, keinesweges den Standen einen (48r) Reichstag ansetzen konten, denn ein jeglicher, sein Vaterland defendirend, anitzo in voller Arbeit gegen ihren Feinden begriffen waren.

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