Дневник переводчика Посольского приказа Кристофа Боуша (1654-1664). Перевод, комментарии, немецкий оригинал
Шрифт:
Den 21. May hat Szumowski, der pohl. Abgesandter, seinen Abschiedt bekommen. Durch ihn ward Ihr Koniglichen Maytt. aufgetragen und defendiret, dass zu Fortsetzung der vorigen Willenschen Commission aber eine Comission in der Wilde angestellet werden mochte, unterdessen konten die Stande in Pohl. sich in die Zeit besprechen und eine richtige Instruction ihren H. Commissarien ertheilen, auf welche Conditionen diese angefangene lobliche Sache abzuhandeln und vollenkomlich geschlossen werden solte.
Den 27. Juli ist der gottlose zaporowsche General Bogdan Chmielnicki, wie gesaget wird, eines schmahlichen Todes gestorben.
Den 23. Augusti ist der kosaksche Oberster Paul Tetera, welcher von dem General Wyhowski, umb seine berechtigte Sache bey Ihr Czaar. Maytt. zu rechtfertigen und guttzumachen, abgefertiget gewesen, mit gutter Verrichtung expediret, wurkete so viel aus, dass dem Bojaren Kniasz Alexej Hikititz Trubecki der angefachte Marsch nach der Ukrain aufgekundiget, und an dessen Stelle der Okolnitzey Bogdan Mechajewitz Chytraha dahin zu senden, und dem Voyrowski vollenkomlich die Commande in Ihr Czaar. Maytt. uber den Cosaken zu ubergeben angekundiget und versprochen ward.
Den 12. Octobris ist auf der Moscow ein Freudenfest celebriret worden, weiln der schwedische Gener[al] Graff Magnus Gabriel de la Guardie auf der lieffl[andischen] Grantze unter Ogdow von dem General Kniasz Iwan Andrewitz Chowanski erleget und totaliter aussen Felde geschlagen sein soll.
Den 25. Octobr[is], nachdem uns die Lust vergangen, mit der Chron Schweden in fernerer Uneinigkeit zu continuiren, ward denen auf der Moscow im Arrest sitzenden schwedischen (48v) Ambassadeurs ein Hoffjunker, Conrad von Berner, an Ihre Konigliche Maytt. abzufertigen und weitlauffig Ihr Czaar. Maytt. Inclination, mit der Chron Schweden einen Frieden einzugehen, wissen zu lassen bewilliget.
Den 12. Decemb[e]r haben meritinische, jurgenische und grasienische Abgesandten bey Ihr Czar. Maytt. Audienz gehabt. Dieses sind drey untersch[iedliche] Nationen, welche Christen sein und den grichischen Glauben halten, haben auch ihre eigenen Konige, welche des Koniges so von Persien Vasal und Unterthanen sind, aber Ihr Czaar. Maytt. halt uber ihnen die Hand, weilen sie eines Glaubens sind.
Suplement des 1657 Jahres
In diesem Jahr war ess in Moscow gantz stille und ward wenig Feindseligkeit wieder Pohlen noch Schweden tentiret, ohne wass die Neuguardische Armee, erstlich unter Commando des Gen. und Woyewoden Mathwey Wasiliewitz Szeremetow, der auch selbst in einer Occasion mit den Schwed. geblieben, hernach unter dem Gener. Chowanski und die Troppen, welche Naszokin commandirete, defensive tentiren musten.
In dem Konigreich Pohlen regierete die Pest an unterschiedlichen Ortern gantz grausam, nemlich in Warszow, in der Wilde, in gantzen Zamayten und Churland, dass auch viel 1.000 Menschen selig verstarben. Der Hunger aber, welcher in Littauen grassirete, that viel einen grossern Abbruch, insonderheit an denen Orter, so von den Moscowitter occupiret und gantz verwustet wahren, alss in den Provintzen Minsk, Novogrodek, Bresz, Borisow und in denen auf die Beresine gelegenen Orter, welche auch so schreklich wahr, dass das arme Landvolk die Katzen und Meuse (welches Ungezieffers sehr viel in den verwusteten und abgebrandten Stadten und Dorffern sich befinden that) frassen und sich des Hungers erwehren (49r) musten, die aber so gar ohnmachtig und verhungert waren, wurden selbst von dem Ungezieffer, welches auch sehr hungrig, dass auch die Leuthe, so lang sie bey Krafften waren, sich kaum sein erwehren konten, biss auf die blosse Knochen nach verzehret. Entlich, alss die hungrigen Menschen dem Ungezieffer zu mechtig worden und selbiges gantz aufgefressen und vertilget hatten, grief einer den andern selbst unter sich, von Hungersnoth gezwungen, in die Haar, der starkste stoss den schwachsten. Es ist mir, als ich nach der Zeit in kurtzen der Orter gereyset, von den verbliebenen Leuthen berichtet worden, dass die Eltern ihre Kinder geschlachtet und gegessen haben. Ein Weibesbild bekandte frey, dass sie ihren todten Mann mit 2en ihren Kindern biss auf die Helfte verzehret hatte. Eine andere, dass sie nebenst ihrem Mann und eltesten Sohn, die doch endlich von Hunger gestorben waren, zwey ihrer kleynesten Kinder geschlachtet und sich gesatiget, hernacher aber kaum selbst von dem Mann und eltesten Sohn entlauffen ware. Diese machtige Hungersnoth wahr Ursach, dass die armmen Leuthe, so sich in den Waldern und Morasten bisshero vor den Feind verkrochen hetten, hauffenweiss nach den Moscowitischen Grentzen zu lieffen und sich zu ewigen Scklaven anerbothen. Viel Moscowitter hatten mit ihnen ihre Handlung, reyseten hinauf die Grentze und brachten etzliche tausend hinein und verkaufften sie nach ihrem Belieben, durch welcher Hantlung sie viel Geldt gewonnen, theils nahmen dieser armen Leuthe so viel auf, dass sie endlich von ihnen inficiret wurden und wegstarben, weswegen dann alle Passe wohl besetzet und keiner mehr uber die Grentze ins Reich hinein gestattet ward. Dass Land wahr auch der pohl. Sklaffen und Sklaffinen so voll worden, dass sie keiner mehr (ob gleich diese Nation auf den Menschen gleich alss der Teuffel auf die Seelen verssutiget sind) zu kauffen begehrete.
Ihr[e] Konigliche Maytt. in Schweden nebenst den Fursten von Sieben(49v)burgen Rakotzi und den conjungirten Kosaken probiretten, die ubrige an der Chron Pohlen, marchieretten durchs gantze Reich biss in Littauen hinein und eroberten die Festung Brese, auf den Bug gelegen. Entlich muste Ihro Konigliche Maytt. in Schweden das Pohlen Land verlassen und dem Dahnen (der eine Menge Armee auf die Beine gebracht, ihm einen offendlichen Krieg gebothen und mit vielen and[eren] Potentaten sich wieder der Chron Schweden collegiret und verbunden hatte) die Setze zu bieten, seinen Bruder, Printz Adolf, in Preussen mit viel Volk, alss Generalgouverneur Hueter sich verlassend, entgegen eilen. Aber alss der Konig in Schweden mit dero Armee im Lande gewichen wahr, entfiel den Ungern den Muth gantz und gar, und eiletten ihren March durch Pohlen zuruke, um ihr Land zu nehmen. Die pohl. und lortterschen Trouppen, welche sich ziemlich gesterket hatten, setzten den Fluchtigen der Seuche nach und erlegeten sie bis aufs Haubt, thaten noch eine Partey in Siebenburgen hinein und erholetten die da ihren erlittenen Schaden endlich, und also fing die Chron Pohlen an durch Hulffe der teutschen kayserlichen Volker und den tarterschen Succurss sich wieder zu erholen, und eroberten in diesem Jahr Krakow, Warschaw, Gnesen, Posen und gantz Klein- und Grosspohlen, auch Thoren in Preussen, dass vor diesmahl nur in Margenburg und Elbing die schwedischen Platz behielten. Die Senatoren und Rathe des Reichs, welche bissher gewonnen und bald dieser, bald jener Seite zugefallen wahren, hatten sich nunmehr alle wieder zu Ihr[er] Koniglichen Maytt. Johanni Casimire, ihrem rechten Herren, verfuget, von dehm sie in ihren begangenen Fehlern gantz gunstige und recht vaterliche Verzeugung und ewige Amnistie erhielten. Der Churfurst von Brandenburg wahr auch schon wieder auf pohl. Seite getreten und that Ihr[er] Koniglichen [Mayt.] in Dehnmark wieder die Chron Schweden merkliche Hulffe. Aber unterdessen machten die Schweden in Holstein gutte Quartier und mundiretten die nakenden Landesknechte, so auss dem verwusteten Pohl(50r)lande gantz hungerig arriviret wahren, wieder waker auss, machten auch allerhand Bereitsahmkeit und Praeparation wieder die Dahnen, derer Armee zwar in Gottland hineingeruket war, aber sich bald wieder nach Schonen und Sunen wenden muste, umb ihre Revange an den Schweden, welcher in Holstein Meister worden wahr, zu suchen.
In Moscow ward die unterschiedliche Muntze gemahlig abgeschafft und an derer Stelle nur kuffern Kopeichen derselbigen Proportion und Grosse als die silberne waren, die denn auch eben im selben Preis als die silberne aussem Schatz gegeben und den Bediensten vor Bezahlung angerechnet wurde, und wahr diese Kuffern Muntze im Anfang recht wol gangbahr und sie so gerne als die Silberne annehmen. Der vorige unterschiedliche Muntze aber un[d] die gestempelten Rht., silberne Viertelstuke, Kupffern, Altin- und Groschenstuke wurden vor demselbigen Preiss, wie sie ausgegeben wahren, zuruk in den Schatz genommen und inskunfftige mit selbigen zu handeln verbothen.
Anno 1658
Den 11. Janu. ist der nach Pohlen verschikte Stolnik Nazaraj Jelfimow zuruke nach Moscow kommen.
Den 14. Janu. ist der Oberste Niclaus Baumann zu Moscow angelanget, umb sich in Ihr Czar. Maytt. Kriegsdiensten zu begeben.
Den 15. Janu. ist der churlandische Bothe Joseph der Cortter mit Ihr C[hurlandischer?] Furstlicher Gnaden Brief nach Moscow kommen und zu versuchen, dass die versprochene Neutralitet mochte continuiret und sein Furstenthumb von Moscowittischen Lauffen mochte befreyet sein.
Den 16. Jan. haben die ausgewesenen Abgesandten, so auss unterschiedlichen Reichen nunmehr zuruke nach Moscow kommen, Audienz gehabt und ihrer Verrichtung wegen Relation gethan, der Stolnik Afonase Nesterow bey den Churfursten von Brandenburg, der Strebtzey Klementey Fliewlew bey dem Konig in Pohl, der Glowa Streletzki Abram Lopuchin bey dem (50v) General Gonsewski, der Dworanin Denis Efstafiew bey dem General Sapeha in Littauen. Wass aber die alle vor wunderliche Verrichtung mit sich gebracht haben, ist zu ermessen.
Den 19. Jan. ist ein koniglicher dehnscher Abgesandter Hans Oldeland zu Moscow arriviret.
Den 20. Janu. ist der churland[ische] Bothe Joseph der Catter mit einem guten Bescheid von Moscau abgereyset.
Den 22. Jan. ist der konigliche ung[a]r[ische] Abgesandter Herr Christoph Fraxstein nach Moscow kommen und ist nicht allerseits so angenehm gewesen, wie sich wohl hatte nach voriger Beschaffenheit gebuhren solen.
Den 24. Jan. ist der brandenburgische Abgesandter Friedrich Joachim v[on] Horentin zu Moscow arriviret.
Den 25. Jan. hatten bey Ihr Czaar. Maytt. in Moscow Audientz erstlich der dehnische Abgesandter, bezeigete seines Koniges und Herren Bestandigkeit in Fortsetzung des Krieges gegen der Chron Schweden und hielte an, dass die Aliantz und Verbundnus gegen selbiger mit Ihr Czaar. Maytt. Abgesandten, den Stolnik Kniasz Danila Jefimiewitz Myschetzki, in Copenhagen gestifftet und ratificiret und gantzlich confirmiret werden.
Nach diesem ward auch der konigliche ungarische zur Audientze geruffen, zeigete an, den todtlichen Hintrit g[nadiger] wurdigster Gedachten Ferdinandi 3., Rohm. Kaysers, und wie dass dessen Sohn Leopoldi in der Regierung des ungarischen und bohmischen Konigreiches succedirette, welcher auch der guten Correspondentz mit ruhmwurdigster Gedachtnuss seinen Herren Vater gepfleget eingedenk mit Ihr Czaar. Maytt. bey selbiger Vertrauligkeit zu continuiren wunschet und hielte darneben, sein ferneres Gewerbe zuzulegen, umb Conferentz an.