Gaunerinnen
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Am gleichen Tag erhielt Nata die Schl"ussel zum besten Zimmer im Wohnheim.
Ihr Zimmer lag ganz am Ende eines Korridors. Der alte Perversling sorgte sich wohl darum, dass niemand sah, wie er sich aus dem Dekanat zu ihr schlich, bemerkte das M"adchen. In ihrer Studentenbude gab es zwei Fenster, was sehr erfreulich war. Sie ging auf den Markt, um Vorh"ange und eine grellgr"une Tischlampe zu besorgen, und fing eifrig an, sich in ihrer neuen Behausung einzurichten. Abends hatte sie vor, ein paar Stripclubs zu besuchen, die inserierten: „Job mit Tanzausbildung“. Damit wollte sie ihrem Traum – reichen Bonzen – m"oglichst nahekommen.
Sie wusste, dass alle M"anner unz"uchtig sind und in ihrer Freizeit gerne Bordelle besuchen.
Verdammte Routine! Die schwammigen Frauen zu Hause langweilten sie! Wer von denen konnte sich schon mit einem jungen, frischen K"orper vergleichen? Bei diesen Gedanken bekam sie Lust, mit sich selbst Sex zu haben.
Sie liebte ihren prallen K"orper, ihre zarte, rosige Haut. W"ahrend der „Paarung“, wie sie es oft nannte, schaute sie meistens auf sich selbst, auf ihren K"orper, der sich in Kr"ampfen wand. Manchmal dachte sie, was f"ur ein Gl"uck er mit seiner „Besitzerin“ habe, die es so gut verstand, ihn seinem Zweck entsprechend zu nutzen und dabei in vollem Masse zu geniessen. Liebe wollte sie immer und "uberall! Je mehr, desto besser. Sie stellte sich selbst eine richtige Diagnose – Nymphomanie.
Ein eng anliegendes r"uckenfreies Kleid betonte alle ihre Reize. Ohne besondere Anstrengung ihrerseits wurde sie als T"anzerin in einem Nachtklub mit einem j"ammerlichen Lohn angestellt, aber so richtig froh war sie dar"uber nicht. Sie "uberblickte die G"aste der Location und stellte fest, dass diese bei weitem nicht die Gesellschaftsschicht repr"asentieren, die sie erreichen wollte. Sie lechzte nach Parlamentsabgeordneten, Botschaftern oder Scheichs. Das Publikum hier war dagegen nur ein ver"achtliches Schulterzucken wert.
In den String hatte man ihr bloss je 20, h"ochstens 30 Dollar gesteckt. Aber sie liess sich Zeit und k"undigte nicht sofort. Schliesslich brachte man ihr v"ollig kostenlos Poledance bei, oder genauer gesagt, man zog den Unterricht von ihrem virtuellen Lohn ab.
Eines Tages nach der Arbeit bekam sie Lust, ein St"uck des Weges zu Fuss zu gehen. Sie genoss den Sonnenaufgang, sah mit Vergn"ugen auf das morgendliche Get"ummel, Menschen, die zur Arbeit eilten und ihre Kinder im Genick gepackt in die Kinderg"arten schleppten. Pl"otzlich schoss ihr der Gedanke an ein normales Leben, an Kinder durch den Kopf. Sie stellte sich ihren Ehemann vor, einen Million"ar, wie er auf der Terrasse eines riesigen Hauses irgendwo in der Schweiz beim Kaffee sitzt und die Morgenzeitung liest.
Sie r"uttelte sich aus diesen Tr"aumereien auf und ging zu einem Kiosk, der gerade "offnete und wo eine b"ose, unausgeschlafene Oma herumwurstelte und ihre Waren auslegte. Das M"adchen blickte auf die druckfrische Presse und eine Anzeige fiel ihr auf: „Elite-Escort-Service“. Sie sp"urte ein Kribbeln im Bauch, ihre Brustwarzen schwollen an, ein warmes, feuchtes Gef"uhl pulsierte so stark in der weichen H"ohle des Paradieses, als ob ihr Herz in diese intime Zone ihres wunderbaren K"orpers gerutscht w"are. Sie bekam einen Orgasmus davon, dass sie genau das fand, wonach sie sich so sehnte.
Sex und Geld! Wie hatte sie nur fr"uher nicht verstehen k"onnen, dass sie genau f"ur dieses eine Ziel auf diese Welt gekommen war – Priesterin der Liebe zu werden.
Diese Kombination hatte sich das M"adchen selbst so lange nicht entr"atseln k"onnen. Sie begab sich eilig in Richtung Wohnheim. Sie musste alles gut "uberlegen, denn sie hatte nicht viel Zeit f"ur dieses unerwartete Hobby. Das Studium und die Arbeit im Nachtklub dreimal in der Woche nahmen jede Menge Zeit in Anspruch. Auch Ger"uchte verbreiteten sich schnell an der Uni. Sie war fast nie in den Vorlesungen zu sehen, und wenn doch, schlief sie einfach in der Bank. Im Studienbuch hatte sie nat"urlich immer „bestanden“ stehen, dank ihrem ergebenen Diener Rudkow.
Natalja machte sich darum keine besonderen Sorgen, sie verkehrte mit so gut wie keinem ihrer Kommilitonen, sie lebte still und zur"uckgezogen. Sie hatte kein Interesse an Studentengelagen der Art: „Eine Flasche Wodka f"ur den ganzen Haufen“, bevor man in die Disko geht.
Sie strebte nach den echten gesellschaftlichen H"ohen und den Millionen. Sie hatte eine Vorahnung, dass sie eine reiche Dame werden k"onnte! Wenn Natalja das Wort „Schicksal“ in den Mund nahm, stellte sie sich darunter immer etwas Grossartiges vor. Diese Gedanken bereiteten ihr ebensolche Befriedigung wie das intime Zusammensein mit M"annern. Ihr Gang wurde geschmeidiger, ihr R"ucken gerader, die H"uften "offneten sich, die rosigen Brustwarzen wurden prall und rau.
Saweli, verliebt oder verhext, machte sich keine Gedanken dar"uber, dass ihre Beziehungen bekannt werden k"onnten. Er f"uhlte sich wie verj"ungt und f"arbte sich die Haare. W"ahrend der romantischen Abende mit seiner Geliebten g"onnte er sich ein Glas Sekt und erz"ahlte von seiner st"urmischen Jugend. Ihm gefiel, wie sie, die Oberlippe fast kindlich aufgesch"urzt, seinen Geschichten mit wachem Interesse zuh"orte und am Ende vergn"ugt kr"ahte. Sie mochte Erdbeeren. Bei ihren langen Gespr"achen ass sie immer wieder eine nach der anderen. Es schien, als ob die R"ote auf ihren vollen Wangen von diesen paradiesischen Fr"uchten k"ame. Er war bereit, zu jeder Jahreszeit auf der Suche nach Erdbeeren durch die ganze Stadt zu rennen und jeden Preis f"ur das Kilo zu zahlen. Er stellte sich vor, wie sie statt einer Erdbeere sein Glied in den Mund nahm und den ganzen Saft seiner Atomladung einsaugte. Es brachte ihn auf den Gipfel der Gl"uckseligkeit. In diesem Fall war ihm die Meinung seiner Mitmenschen merkw"urdigerweise gleichg"ultig, so unwiderstehlich zog Natalja ihn an.
Saweli hatte eine heimliche Aff"are mit einer Studentin an der Universit"at in Winniza gehabt, an die er sich nicht gerne erinnerte.
Der arme Kerl wurde damals vor die Wahl gestellt: Entweder sollte er die Universit"at verlassen, oder die Aff"are w"urde an die "Offentlichkeit gebracht.
Saweli teilte seiner Ehefrau mit, er sei nach Kiew versetzt worden, und verliess seine Heimatstadt f"ur immer. Aber Natalja war mit jener ungeschliffenen dummen Gans gar nicht zu vergleichen, die in der ganzen Stadt verbreitete, wie cool sie doch war, weil sie mit dem Lehrer schlief.
Natalja war etwas ganz Besonderes!
Die Heldin der derbsten und s"ussesten Romanze seines Lebens, die Muse seiner unz"uchtigen Fantasie. Er bekam von ihr alles in voller H"ohe, seine W"unsche wurden vollkommen befriedigt. Saweli war kein grossz"ugiger Mensch, eher ein geiziger, narzisstischer Egoist und Fetischist. Er war es nicht gew"ohnt, zu geben. Er hielt nichts von Menschen, die er nicht f"ur seine Zwecke ausnutzen konnte, und verachtete sie.
Er liebte es, an Frauenschl"upfern zu riechen, er nahm die Unterw"asche von Prostituierten, die er sich einmal in der Woche, gew"ohnlich freitags, nach den schweren Arbeitstagen holte. Er feilschte mit dem M"adchen um jede Hrywnja, dann einigten sie sich meistens darauf, dass er die Unterw"asche als Geschenk behielt. Viele Strassennutten kannten den Dekan pers"onlich und hatten billige, fertig vorbereitete stinkende Schl"upfer dabei.
An einem solchen aussergew"ohnlichen Abend, als Saweli auf dem Weg nach Hause zu seiner Frau und Kindern war, roch er so heftig an einem Schl"upfer, dass er Nasenbluten bekam. Dann schmiss er den Fetzen in die M"ulltonne, die am Hauseingang stand. Am folgenden Morgen rannte er wie ein ge"olter Blitz aus dem Haus, spielte den musterhaften Familienvater und trug als erster den M"ulleimer raus, um wenigstens fl"uchtig ein Auge auf den Boden der M"ulltonne zu werfen. Er atmete die frische Morgenluft ein und erinnerte sich erregt an seine Umtriebe von gestern.