Gaunerinnen
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Sie brach in Tr"anen aus und schmiegte sich an ihn, als ob er ihr n"achster Verwandter w"are. Durch die Tr"anen fragte sie: „Artschik, kann ich wieder bei dir anfangen?“
Diese Worte klangen f"ur ihn wie himmlische Musik. Wie lange hat er darauf gewartet! Dem Himmel sei Dank!
Er schob das M"adchen abrupt von sich und sagte:
„Entschuldige, aber du kannst nicht mehr f"ur mich arbeiten, schon gar nicht so, wie du jetzt aussiehst! Du hast ja zwei Schrammen im Gesicht. Ich habe einen Elite-Escort-Service, keinen Schlupfwinkel f"ur verschrammte Idiotinnen, die Kaukasus-Affen gehen!“
„Wie kannst du so etwas sagen? Die sieht man doch kaum! Und "uberhaupt, wenn erst die F"aden gezogen sind, merkt man gar nichts mehr davon.“
„Okay. Aber nur, weil du es bist. Eine Andere h"atte ich l"angst rausgeschmissen. Ich weiss noch, wie du gearbeitet hast, und wenn du dich wieder ganz erholt hast, brichst du die alten Rekorde bestimmt noch. Aber bis dahin ziehe ich dir zehn Prozent vom Lohn ab. Die Kunden brauchen frisches Fleisch, kein aufgeschlitztes, halbtotes mit blauen Flecken!“
„Abgemacht! Einverstanden! Danke f"ur alles, mein Schatz! Was h"atte ich bloss ohne dich gemacht? Mit meinem ramponierten K"orper! Bitte entschuldige, dass ich so schlecht von dir gedacht habe. Nat"urlich w"urdest du mich nie verraten! Ich weiss… Wer h"atte auch gedacht, dass Schakro alles so gr"undlich geplant hatte! Liess mich sogar beschatten! Paranoider Irrer!“
„Kein Problem, P"uppchen. Schon gut.“
„Artschik, ich kann nirgendwo hin. Kann ich bitte bei dir wohnen, bis ich das Problem mit der Wohnung gel"ost habe?“
„Hmm.“
Es entstand eine Pause.
Die Idee gefiel ihm offensichtlich nicht sehr. Ihn besuchten schliesslich oft verschiedene Frauen. Die neuen M"adchen probierte er gleich zu Hause aus. Er betrachtete sie, tastete sie ab, um den richtigen Preis festzusetzen. Bei dieser Arbeit spielte das Aussehen nicht immer die wichtigste Rolle. Unter den M"adchen waren Models, die verschiedenste Sch"onheitswettbewerbe gewonnen, an Modenschauen teilgenommen und sogar das eine oder andere Magazin-Cover geschm"uckt hatten, und die doch keiner mehr als ein Mal v"ogeln wollte. Niemand brauchte diese steifen Holzkl"otze im Endeffekt, die Kunden klagten "uber sie und verlangten Ersatz. Deswegen k"ummerte sich Artschik h"ochstpers"onlich darum, f"ur seine Ware den richtigen Preis festzulegen. Er suchte Brillanten wie die sch"one Natalja. Aber leider gab es davon nicht viele auf dieser Erde.
„Gut, du hast eine Woche, um eine neue Wohnung zu finden. Und ich ziehe von deinem Lohn 100 Dollar ab.“
„Du bist doch ein Arschloch“, sagte Natalja leise.
„K"atzchen, bleib locker!“
„Fick mich, Artschik!“
„Du hast lange keinen Sex gehabt, oder?“
„Das letzte Mal mit dir.“
„Tanzt du, kleine Schlange?“
„Ich habe Angst, dass ich in diesem Zustand von der Stange in deinem Schlafzimmer falle. Ich bin noch nicht zu Kr"aften gekommen.“
„Machen wir ein Verkleidungsspiel?“
„Willst du mein Doktor sein? Oder der Sanit"ater?“
„Der Krankenpfleger, der dir die Wunden leckt? Ich leck dich ganz ab, Kleine!“
Der Sex heilte alle Wunden Nataljas. Artschik hatte ein besonderes Talent f"ur den Cunnilingus. Man h"atte ihn mit einer Bulldogge oder einem anderen sabbernden Hund vergleichen k"onnen. Sie versank in seinen Liebkosungen und blieb.
Die Zeit verging, das M"adchen erholte sich und vergass das Geschehene fast ganz. Sie studierte und arbeitete. Sie hatte mit verschiedenen Kunden zu tun, manche waren kompliziert und launisch: alte Perverslinge oder junge Sadomasochisten, die Vergn"ugen an Peitschenhieben, an Hoden- und Peniseinschn"urungen oder am Erw"urgen hatten.
Es schien, als ob Artschick Natalja absichtlich zu den Kunden dieser Art schickte, weil sie Narben im Gesicht hatte.
Eines Tages kam sie zu einem Mann namens Slawik. Er arbeitete bei der Pr"asidialverwaltung. Natalja atmete erleichtert auf. Er sah zwar nicht sch"on aus, hatte aber ein ganz nettes Gesicht, nicht wie ein Perversling. Der dicke Familienvater fragte die Sch"one nach ihrem Leben aus, warum sie sich gerade f"ur diese Arbeit entschieden hatte, und erz"ahlte ihr von vornehmeren M"oglichkeiten, Geld zu verdienen.
„Ein redseliger Kauz“, dachte sie, „aber ein sehr netter!“
Sie plauderte gerne mit ihm "uber die verschiedensten Ideen und Unternehmungen. Irgendwann fragte er sie, ob sie nicht Lust h"atte, eine seiner Bekannten mit dem Namen Stella kennenzulernen. Sie sei ein aussergew"ohnliches M"adchen, eine zielbewusste Pers"onlichkeit, besitze eine Heiratsvermittlungsagentur in Kiew und studiere ausserdem an der Fakult"at f"ur Fremdsprachen der Nationalen Linguistischen Universit"at Kiew.
„So jung, und hat schon eine eigene Agentur?“
„Ja, sie ist ein ungew"ohnliches M"adchen. Ich k"onnte euch zusammenbringen. Damit du dich nicht langweilst, ohne Freundinnen. Vielleicht macht ihr gemeinsam ein Gesch"aft auf und du kannst aufh"oren, als Callgirl zu arbeiten.“
Natalja mochte eigentlich keine weiblichen Wesen, schon gar nicht solche, die ihr irgendetwas voraushatten. Aber diese Frau erweckte ihr Interesse, weil sie Zugang zu ausl"andischen M"annern hatte. Also genau das, was Natalja sich so sehr w"unschte.
Ausserdem organisierte Stella Eins"atze im Ausland, in verschiedenen Schweizer Klubs.
Natalja schrieb sich die Telefonnummer auf. Sie wusste nicht, dass diese Nummer der einzigen Freundin geh"orte, die sie in ihrem ganzen Leben haben w"urde.
Ohne lange zu "uberlegen, rief sie Stella am n"achsten Morgen an. Aber anscheinend war diese Dame st"andig besch"aftigt. Sie verwies auf ihre hohe Arbeitsbelastung und machte einen Termin in einer Woche. An Stellas Stimme h"orte Natalja gleich, dass diese ein ganz gerissenes Luder war und dieser Termin nicht zuf"allig zustande kam.
Einige Tage sp"ater, als sie gerade mit Saweli in einem Restaurant war, h"orte sie ihr Handy klingeln. Stella rief an. Natalja dachte zuerst, Stella rede Unsinn, als sie ihr eine Arbeit vorschlug, die mit ihrem derzeitigen Gewerbe nicht zu tun hatte. Es handelte sich um eine Arbeit, bei der es eher um Schauspielerei ging und f"ur die ein ziemlich hohes Honorar vorgesehen war.
Natalja stimmte dem Treffen am gleichen Abend gerne zu. Sie entschuldigte sich bei Saweli, der an Streiche seiner Geliebten schon gew"ohnt war, und verabschiedete sich mit einem Winken.