ЖАНРЫ

Венера в мехах. Уровень 3 / Venus im Pelz
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«Seltsame Maximen!»

«Keine Maximen, sondern Erfahrungen», sagte er mit dem Kopf nickend, «ich bin im Ernst gepeitscht worden. Ich bin geheilt, willst du lesen wie?»

Er erhob sich und holte aus seinem massiven Schreibtisch eine kleine Handschrift, welche er vor mir auf den Tisch legte.

«Du hast fruher nach jenem Bild gefragt. Ich bin dir schon lange eine Erklarung schuldig. Da – lies.»

Severin setzte sich zum Kamin, den Rucken gegen mich. Er schien mit offenen Augen zu traumen. Wieder war es still, und wieder sang das Feuer im Kamin, und der Samowar und das Heimchen im alten Gemauer und ich schlug die Handschrift auf und las:

«Bekenntnisse eines Ubersinnlichen», an dem Rande vom Manuskript standen als Motiv die bekannten Verse aus dem Faust variiert:

«Du ubersinnlicher sinnlicher Freier,Ein Weib betrugt dich!»Mephistopheles.

Ich schlug das Titelblatt um und las: «Das Folgende habe ich aus meinem damaligen Tagebuch zusammengestellt, weil man seine Vergangenheit nie unbefangen darstellen kann. So aber hat alles seine frischen Farben, die Farben der Gegenwart.»

Gogol, der russische Moliere, sagt – ja wo? – nun irgendwo – «die echte komische Muse ist jene, welcher unter der lachenden Larve die Tranen herabrinnen [15]

Ein wunderbarer Ausspruch!

So ist es mir recht seltsam zumute, wahrend ich das niederschreibe. Die Luft scheint mir mit einem Blumenduft gefullt. Er betaubt mich und macht mir Kopfweh. Der Rauch des Kamines krauselt. Ich muss unwillkurlich lacheln, ja laut lachen, indem ich meine Abenteuer niederschreibe. Doch schreibe ich nicht mit gewohnlicher Tinte, sondern mit dem roten Blut. Es traufelt aus meinem Herzen, denn alle seine vernarbten Wunden haben sich geoffnet. Es zuckt und schmerzt, und fallt eine Trane auf das Papier.

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…die echte komische Muse ist jene, welcher unter der lachenden Larve die Tranen herabrinnen. – … настоящая комическая муза – та, у которой под маской смеха текут слезы.

Die Tage in einem kleinen Karpaten-Kurort ziehen sich trage an. Man sieht niemand und wird von niemand gesehen. Es ist langweilig zum Idyllenschreiben.

Ich musste hier eine Galerie von Gemalden liefern, ein Theater fur eine ganze Saison mit neuen Stucken, ein Dutzend Virtuosen mit Konzerten, Trios und Duos versorgen. Aber – was spreche ich da. Ich tue am Ende doch nicht viel mehr, als die Leinwand aufspannen, die Bogen zurechtglatten, die Notenblatter liniieren. Denn ich bin – ach! nur keine falsche Scham, Freund Severin, luge andere an. Aber es gelingt dir nicht mehr recht, dich selbst anzulugen. Also bin ich nichts weiter, als ein Dilettant. Ein Dilettant in der Malerei, in der Poesie, der Musik und noch in einigen anderen sogenannten brotlosen Kunste. Sie sichern heutzutage das Einkommen eines Ministers, ja eines kleinen Potentaten. Und vor allem bin ich ein Dilettant im Leben.

Ich habe bis jetzt gelebt, wie ich gemalt und gedichtet habe. Das heisst, ich bin nie weit uber die Grundierung, den Plan, den ersten Akt, die erste Strophe gekommen. Es gibt einmal solche Menschen, die alles anfangen und doch nie mit etwas zu Ende kommen. Und ein solcher Mensch bin ich.

Aber was schwatze ich da.

Zur Sache.

Ich liege in meinem Fenster. ich finde das Nest, in dem ich verzweifle, eigentlich unendlich poetisch. Welcher Blick auf die blaue, von goldenem Sonnenduft umwobene hohe Wand des Gebirges, durch welche sich Sturzbache wie Silberbander schlingen [16] . Wie klar und blau der Himmel, in den die beschneiten Kuppen ragen. Wie grun und frisch die waldigen Abhange, die Wiesen.

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Welcher Blick auf die blaue, von goldenem Sonnenduft umwobene hohe Wand des Gebirges, durch welche sich Sturzbache wie Silberbander schlingen. – Какой вид на голубую, овеянную золотистым солнечным ароматом высокую стену горного хребта, по которой, словно серебряные ленты, петляют стремительные ручьи.

Das Haus, in dem ich wohne, steht in einer Art Park, oder Wald, oder Wildnis, wie man es nennen will, und ist sehr einsam.

Es wohnt niemand darin als ich, eine Witwe aus Lwow, die Hausfrau Madame Tartakowska, eine kleine alte Frau, die taglich alter und kleiner wird, ein alter Hund, der auf einem Bein hinkt, und eine junge Katze, welche stets mit einem Zwirnknauel spielt. Und der eine junge Katze, welche stets mit einem Zwirnknauel spielt, und der Zwirnknauel gehort, glaube ich, der schonen Witwe.

Gehort, glaube ich, der schonen Witwe.

Sie soll wirklich schon sein, die Witwe, und noch sehr jung, hochstens vierundzwanzig, und sehr reich. Sie wohnt im ersten Stock und ich wohne ebener Erde. Sie hat immer die grunen Jalousien geschlossen. Sie hat einen Balkon, der ganz mit grunen Schlingpflanzen uberwachsen ist. Ich aber habe dafur unten meine liebe Laube, in der ich lese und schreibe und male und singe, wie ein Vogel in den Zweigen. Ich kann auf den Balkon hinaufsehen. Manchmal sehe ich auch wirklich hinauf und dann schimmert von Zeit zu Zeit ein weisses Gewand zwischen dem dichten, grunen Netz.

Eigentlich interessiert mich die schone Frau dort oben sehr wenig. Ich bin in eine andere verliebt, und zwar hochst unglucklich verliebt, noch weit unglucklicher, als Ritter Toggenburg und der Chevalier in Manon l’ Escault. Denn meine Geliebte ist von Stein.

Im Garten befindet sich eine graziose kleine Wiese. Da weiden friedlich ein paar zahme Rehe. Auf dieser Wiese steht ein Venusbild von Stein. Das Original, glaube ich, ist in Florenz. Diese Venus ist das schonste Weib, das ich in meinem Leben gesehen habe.

Das will nicht viel sagen, denn ich habe wenig schone Frauen, ja uberhaupt wenig Frauen gesehen. Und ich bin auch in der Liebe nur ein Dilettant. Er ist nie uber die Grundierung, uber den ersten Akt hinausgekommen.

Wozu auch in Superlativen sprechen, als wenn etwas, was schon ist, noch ubertroffen werden konnte [17] . Genug, diese Venus ist schon und ich liebe sie, so leidenschaftlich, so krankhaft innig, so wahnsinnig. Wie kann man nur ein Weib lieben, das unsere Liebe mit einem ewig gleichen, ruhigen, steinernen Lacheln erwidert. Ja, ich bete sie formlich an.

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Wozu auch in Superlativen sprechen, als wenn etwas, was schon ist, noch ubertroffen werden konnte. – К чему говорить в превосходной степени, как будто что-то прекрасное еще можно превзойти.

Oft liege ich unter dem Laubdach und lese. Oft besuche ich meine kalte, grausame Geliebte auch bei Nacht und liege dann vor ihr auf den Knien. Das Antlitz ist gegen die kalten Steine gepresst. Darauf ruhen ihre Fusse ruhen, und bete zu ihr.

Es ist unbeschreiblich, wenn dann der Mond heraufsteigt. Er ist eben im Zunehmen. Und zwischen den Baumen schwimmt und die Wiese taucht in silbernen Glanz. Die Gottin steht dann wie verklart und badet in seinem weichen Licht.

Einmal kehrte ich durch eine der Alleen nach Hause zuruck. Ich sah plotzlich, nur durch die grune Galerie von mir getrennt, eine weibliche Gestalt, weiss wie Stein. Da war mir es, als hatte sich das schone Marmorweib erbarmt. Sie war lebendig und mir gefolgt. Mich aber fasste eine namenlose Angst. Das Herz drohte mir zu springen, und statt -

Nun, ich bin ja ein Dilettant. Ich blieb, wie immer, beim zweiten Verse stecken, nein, im Gegenteil, ich blieb nicht stecken, ich lief, so rasch ich laufen konnte.

Welcher Zufall! ein Jude, der mit Photographien handelt, spielt mir das Bild von meinem Ideal in die Hande. Es ist ein kleines Blatt, die «Venus mit dem Spiegel» von Titian. Welch ein Weib! Ich will ein Gedicht machen. Nein! Ich nehme das Blatt und schreibe darauf: «Venus im Pelz».

Du frierst, wahrend du selbst Flammen erregst. Hulle dich nur in deinen Despotenpelz, wem gebuhrt er, wenn nicht dir, grausame Gottin der Schonheit und Liebe!

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