ЖАНРЫ

Венера в мехах. Уровень 3 / Venus im Pelz
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«Nun, das ware am Ende nicht so schwer.»

«Sie glauben —»

«Ich – zum Beispiel —» sie lachte – «ich habe Talent zur Despotin – die notigen Pelze besitze ich auch. Aber Sie haben sich heute Nacht in allem Ernste vor mir gefurchtet!»

«In allem Ernste.»

«Und jetzt?»

«Jetzt – jetzt furchte ich mich erst recht vor Ihnen!»

Wir sind taglich beisammen. Ich und – Venus, Viel beisammen. Wir nehmen das Fruhstuck in meiner Laube und den Tee in ihrem kleinen Salon. Ich habe Gelegenheit, alle meine kleinen, sehr kleinen Talente zu entfalten. Wozu hatte ich mich in allen Wissenschaften unterrichtet, wenn ich nicht imstande ware, ein kleines hubsches Weib… Aber dieses Weib ist durchaus nicht so klein. Heute zeichnete ich sie. Da fuhlte ich erst so recht deutlich, wie wenig unsere moderne Toilette fur diesen Kopf passt. Sie hat wenig Romisches, aber viel Griechisches in der Bildung von ihren Zugen. Bald mochte ich sie als Psyche, bald als Astarte malen. Je nachdem ihre Augen den schwarmerisch seelischen, oder halb verschmachtenden, mude wollustigen Ausdruck haben. Aber sie wunscht, dass es ein Portrat werden soll.

Nun, ich werde ihr einen Pelz geben.

Ach! wie konnte ich nur zweifeln. Fur wen gehort ein furstlicher Pelz, wenn nicht fur sie?

Ich war gestern Abend bei ihr und las ihr die romischen Elegien. Dann legte ich das Buch weg und sprach einiges aus dem Kopf. Sie schien zufrieden, ja noch mehr. Sie hing formlich an meinen Lippen und ihr Busen flog.

Oder habe ich mich getauscht?

Der Regen pochte melancholisch an die Scheiben. Das Feuer am Kamin prasselte winterlich traulich. Mir war so heimatlich bei ihr. Ich hatte einen Augenblick allen Respekt vor dem schonen Weib verloren und kusste ihre Hand. Sie liess es geschehen.

Dann sass ich zu ihren Fussen und las ihr ein kleines Gedicht, das ich fur sie gemacht habe.

Venus im Pelz
«Setz’ den Fuss auf deinen Sklaven,Teuflisch holdes Mythenweib,Unter Myrten und AgavenHingestreckt den Marmorleib.»

Ja – nun weiter! Diesmal bin ich wirklich uber die erste Strophe hinausgekommen. Aber ich habe ihr an jenem Abend das Gedicht auf ihren Befehl gegeben und habe keine Abschrift. Heute, wo ich dies aus meinem Tagebuch herausschreibe, fallt mir nur diese erste Strophe ein.

Es ist eine merkwurdige Empfindung, die ich habe. Ich glaube nicht, dass ich in Wanda verliebt bin. Wenigstens habe ich bei unserer ersten Begegnung nichts von jenem blitzartigen Zunden von der Leidenschaft gefuhlt. Aber ich empfinde, ihre ausserordentliche, wahrhaft gottliche Schonheit legt allmahlich magische Schlingen um mich. Es ist auch keine Neigung vom Gemut. Es ist eine physische Unterwerfung, langsam, aber um so vollstandiger. Ich leide taglich mehr. Und sie – sie lachelt nur dazu.

Heute sagte sie mir plotzlich, ohne jede Veranlassung: «Sie interessieren mich. Die meisten Manner sind so gewohnlich, ohne Schwung, ohne Poesie. In Ihnen ist eine gewisse Tiefe und Begeisterung, vor allem ein Ernst, der mir wohltut. Ich konnte Sie liebgewinnen.»

Nach einem kurzen, aber heftigen Gewitterregen besuchen wir zusammen die Wiese und das Venusbild. Die Erde dampft ringsum. Nebel steigen wie Opferdunste gegen den Himmel. Ein zerstuckter Regenbogen schwebt in der Luft. Wir konnen die Wiese nicht uberschreiten, denn sie ist noch ganz nass. Wanda freute sich des lieblichen Anblicks. Da auf den Banken in der Allee noch das Wasser steht, stutzt sie sich, um etwas auszuruhen, auf meinen Arm. Eine susse Mudigkeit liegt in ihrem ganzen Wesen. Ihre Augen sind halb geschlossen. Ihr Atem streift meine Wange.

Ich ergreife ihre Hand. Und – wie es mir gelingt, weiss ich wahrhaftig nicht – ich frage sie:

«Konnten Sie mich lieben?»

«Warum nicht», antwortet sie. Sie lasst ihren ruhigen, sonnigen Blick auf mir ruhen, aber nicht lange.

Im nachsten Augenblicke knie ich vor ihr und presse mein flammendes Antlitz in den duftigen Mousselin ihrer Robe.

«Aber Severin – das ist ja unanstandig!» ruft sie.

Ich aber ergreife ihren kleinen Fuss und presse meine Lippen darauf.

«Sie werden immer unanstandiger!» ruft sie, und flieht in raschen Satzen gegen das Haus. Ihr Pantoffel bleibt in meiner Hand zuruck.

Soll das ein Omen sein?

Ich habe es nicht gewagt, mich den ganzen Tag ihr zu nahern. Gegen Abend, ich sass in meiner Laube, blickte plotzlich ihr pikantes rotes Kopfchen durch die grunen Gewinde ihres Balkons. «Warum kommen Sie denn nicht?» schrie sie ungeduldig herab.

Ich lief die Treppe empor. Oben verlor ich wieder den Mut und klopfte ganz leise an. Sie sagte nicht herein, sondern offnete und trat auf die Schwelle.

«Wo ist mein Pantoffel?»

«Er ist – ich habe – ich will», stotterte ich.

«Holen Sie ihn. Dann nehmen wir den Tee zusammen und plaudern.»

Als ich zuruckkehrte, war sie mit der Teemaschine beschaftigt. Ich legte den Pantoffel feierlich auf den Tisch und stand im Winkel, wie ein Kind, das seine Strafe erwartet.

Ich bemerkte, dass sie die Stirne etwas zusammengezogen hat. Etwas Strenges, Herrisches lag um ihren Mund. Das hat mich entzuckt.

Auf einmal brach sie in Lachen aus.

«Also – Sie sind wirklich verliebt – in mich?»

«Ja, und ich leide dabei mehr, als Sie glauben.»

«Sie leiden?» sie lachte wieder.

Ich war emport, beschamt, vernichtet, aber alles ganz unnotig.

«Wozu?» fuhr sie fort, «ich bin Ihnen ja gut, von Herzen gut.» Sie gab mir die Hand und blickte mich uberaus freundlich an.

«Und Sie wollen meine Frau werden?»

Wanda sah mich – ja, wie sah sie mich an? – ich glaube vor allem erstaunt und dann ein wenig spottisch.

«Woher haben Sie auf einmal so viel Mut?» sagte sie.

«Mut?»

«Ja den Mut uberhaupt, eine Frau zu nehmen, und insbesondere mich?» Sie hob den Pantoffel in die Hohe. «Haben Sie sich so schnell mit diesem da befreundet? Aber Scherz beiseite. Wollen Sie mich wirklich heiraten?»

«Ja.»

«Nun, Severin, das ist eine ernste Geschichte. Ich glaube, dass Sie mich lieb haben. Und auch ich habe Sie lieb. Was noch besser ist, wir interessieren uns fureinander. Es ist keine Gefahr, dass wir uns so bald langweilen. Aber Sie wissen, ich bin eine leichtsinnige Frau, und deshalb nehme ich die Ehe sehr ernst. Wenn ich Pflichten ubernehme, so will ich sie auch erfullen konnen.

Ich furchte aber – nein – es muss Ihnen wehe tun.»

«Ich bitte Sie, seien Sie ehrlich gegen mich», entgegnete ich.

«Also ehrlich gesprochen. Ich glaube nicht, dass ich einen Mann langer lieben kann – als —» sie neigte ihr Kopfchen anmutig zur Seite.

«Ein Jahr.»

«Wo denken Sie hin – einen Monat vielleicht.»

«Auch mich nicht?»

«Nun Sie – Sie vielleicht zwei.»

«Zwei Monate!» schrie ich auf.

«Zwei Monate, das ist sehr lange.»

«Madame, das ist mehr als antik.»

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