ЖАНРЫ

Венера в мехах. Уровень 3 / Venus im Pelz
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«Sehen Sie, Sie ertragen die Wahrheit nicht.»

Wanda ging durch das Zimmer, lehnte sich dann gegen den Kamin zuruck und betrachtete mich, mit dem Arme auf dem Sims ruhend.

«Was soll ich also mit Ihnen anfangen?» begann sie wieder.

«Was Sie wollen», antwortete ich, «was Ihnen Vergnugen macht.»

«Wie inkonsequent!» rief sie, «erst wollen Sie mich zur Frau und dann geben Sie sich mir zum Spielzeug.»

«Wanda – ich liebe Sie.»

«Da waren wir wieder dort, wo wir angefangen haben. Sie lieben mich und wollen mich zur Frau. Ich aber will keine neue Ehe schliessen, weil ich an der Dauer meiner und Ihrer Gefuhle zweifle.»

«Wenn ich es aber mit Ihnen wagen will?» erwiderte ich.

«Dann kommt es noch darauf an, ob ich es mit Ihnen wagen will», sprach sie ruhig, «ich kann mir ganz gut denken, dass ich einem Mann fur das Leben gehore. Aber es musste ein voller Mann sein, ein Mann, der mir imponiert, der mich durch die Gewalt seines Wesens unterwirft. Verstehen Sie? Und jeder Mann – ich kenne das – wird, sobald er verliebt ist – schwach, biegsam, lacherlich. Er wird sich in die Hand des Weibes geben, vor ihr auf den Knien liegen. Aber Sie sind mir so lieb, dass ich es mit Ihnen versuchen will.»

Ich sturze zu ihren Fussen.

«Mein Gott! da knien Sie schon», sprach sie spottisch, «Sie fangen gut an», und als ich mich wieder erhoben habe, fuhr sie fort: «Ich gebe Ihnen ein Jahr Zeit, mich zu gewinnen, mich zu uberzeugen, dass wir fureinander passen, dass wir zusammen leben konnen. Gelingt Ihnen dies, dann bin ich Ihre Frau. Und dann, Severin, eine Frau, welche ihre Pflichten streng und gewissenhaft erfullen wird. Wahrend dieses Jahres werden wir wie in einer Ehe leben —»

Mir stieg das Blut zu Kopfe.

Auch ihre Augen flammten plotzlich auf. – «Wir werden zusammenwohnen», fuhr sie fort, «alle unsere Gewohnheiten teilen, um zu sehen, ob wir uns ineinander finden konnen. Ich raume Ihnen alle Rechte eines Gatten, eines Anbeters, eines Freundes ein. Sind Sie damit zufrieden?»

«Ich muss wohl.»

«Sie mussen nicht.»

«Also ich will —»

«Vortrefflich. So spricht ein Mann. Da haben Sie meine Hand.»

Seit zehn Tagen war ich keine Stunde ohne sie, die Nachte ausgenommen. Ich durfte in ihre Augen sehen, ihre Hande halten, ihren Reden lauschen, sie uberall begleiten. Meine Liebe kommt mir wie ein tiefer, bodenloser Abgrund vor. Ich versinke immer mehr darin, aus dem mich jetzt schon nichts mehr retten kann.

Wir hatten uns heute Nachmittag auf der Wiese zu den Fussen der Venusstatue gelagert. Ich pfluckte Blumen und warf sie in ihren Schoss. Sie band sie zu Kranzen. Wir haben damit unsere Gottin geschmuckt.

Plotzlich sah mich Wanda so eigentumlich, so sinnverwirrend an, dass meine Leidenschaft gleich Flammen uber mich zusammenschlug. Meiner nicht mehr machtig, schlang ich meine Arme um sie und hing an ihren Lippen. Und sie – sie presste mich an ihre Brust.

«Sind Sie bose?» fragte ich dann.

«Ich werde nie uber etwas bose, was naturlich ist —» antwortete sie, «ich furchte nur, Sie leiden.»

«Oh, ich leide furchtbar.»

«Armer Freund», sie strich mir die wirren Haare aus der Stirne, «ich hoffe aber, nicht durch meine Schuld.»

«Nein —» antwortete ich – «und doch, meine Liebe zu Ihnen ist zu einer Art Wahnsinn geworden. Der Gedanke, dass ich Sie verlieren kann, ja vielleicht in der Tat verlieren soll, qualt mich Tag und Nacht.»

«Aber Sie besitzen mich ja noch gar nicht», sagte Wanda und sah mich wieder an mit jenem vibrierenden, feuchten, verzehrenden Blick. Der Blick hat mich einfach hingerissen. Dann erhob sie sich und legte mit ihren kleinen Handen einen Kranz von blauen Anemonen auf das weisse Lockenhaupt der Venus. Halb gegen meinen Willen schlang ich den Arm um ihren Leib.

«Ich kann nicht mehr sein ohne dich, du schones Weib», sprach ich, «glaube mir, dies eine Mal nur glaube mir, es ist keine Phrase, keine Phantasie. Ich fuhle tief im Innersten, wie mein Leben mit deinem zusammenhangt. Wenn du dich von mir trennst, werde ich vergehen, zugrunde gehen.»

«Aber das wird ja gar nicht notig sein, denn ich liebe dich, Mann», sie nahm mich beim Kinn, «dummer Mann!»

«Aber du willst nur mein sein unter Bedingungen, wahrend ich dir bedingungslos gehore —»

«Das ist nicht gut, Severin», erwiderte sie beinahe erschreckt. «Kennen Sie mich denn noch nicht. Wollen Sie mich durchaus nicht kennenlernen? Ich bin gut, wenn man mich ernst und vernunftig behandelt. Aber wenn man sich mir zu sehr hingibt, werde ich ubermutig —»

«Sei es denn, sei ubermutig, sei despotisch», rief ich in voller Exaltation, «nur sei mein, sei mein fur immer.» Ich lag zu ihren Fussen und umfasste ihre Knie.

«Das wird nicht gut enden, mein Freund», sprach sie ernst.

«Oh! es soll eben nie ein Ende nehmen», rief ich erregt, ja heftig, «nur der Tod soll uns trennen. Wenn du nicht mein sein kannst, ganz mein und fur immer, so will ich dein Sklave sein, dir dienen, alles von dir dulden. Nur stoss mich nicht von dir.»

«Fassen Sie sich doch», sagte sie und kusste mich auf die Stirne. «Ich bin Ihnen ja von Herzen gut, aber das ist nicht der Weg, mich zu erobern, mich festzuhalten.»

«Ich will ja alles, alles tun, was Sie wollen, nur Sie nie verlieren», rief ich, «nur das nicht, den Gedanken kann ich nicht mehr fassen.»

«Stehen Sie doch auf.»

Ich gehorchte.

«Sie sind wirklich ein seltsamer Mensch», fuhr Wanda fort, «Sie wollen mich also besitzen um jeden Preis?»

«Ja, um jeden Preis.»

«Aber welchen Wert hatte zum Beispiel mein Besitz fur Sie?» – Sie sann nach. Ihr Auge bekam etwas Unheimliches. «Wenn ich Sie nicht mehr lieben, wenn ich einem andern gehoren wurde?» —

Es uberlief mich. Ich sah sie an, sie stand so fest und selbstbewusst vor mir. Ihr Auge zeigte einen kalten Glanz.

«Sehen Sie», fuhr sie fort, «Sie erschrecken bei dem Gedanken.» Ein liebenswurdiges Lacheln erhellte plotzlich ihr Antlitz.

«Ja, mich fasst ein Grauen, wenn ich mir lebhaft vorstelle. Ein Weib, das ich liebe, das meine Liebe erwidert hat, gibt sich ohne Erbarmen fur mich einem anderen hin. Aber habe ich dann noch eine Wahl? Wenn ich dieses Weib liebe, wahnsinnig liebe, soll ich ihm stolz den Rucken kehren und an meiner prahlerischen Kraft zugrunde gehen? Soll ich mir eine Kugel durch den Kopf jagen?

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