Венера в мехах. Уровень 3 / Venus im Pelz
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Und sie ist wirklich meine Venus.
«Aber Madame, wie kamen Sie auf den Einfall?»
«Durch das kleine Bild, das in einem Ihrer Bucher lag —»
«Ich habe es vergessen.»
«Die seltsamen Bemerkungen auf der Ruckseite —»
«Warum seltsam?»
Sie sah mich an. «Ich habe immer den Wunsch gehabt, einmal einen ordentlichen Phantasten kennenzulernen. Die Abwechslung. Nun, Sie scheinen mir nach allem einer der tollsten.»
«Meine Gnadige – in der Tat —» wieder das eselhafte Stottern und nochdazu ein Erroten, wie es fur einen jungen Menschen von sechzehn Jahren wohl passen mag. Aber fur mich, der beinahe volle zehn Jahre alter -
«Sie haben sich heute Nacht vor mir gefurchtet.»
«Eigentlich – allerdings – aber wollen Sie sich nicht setzen?»
Sie nahm Platz und bewunderte meine Angst. Denn ich furchtete mich jetzt, bei hellem Tageslicht, noch mehr vor ihr. Ein reizender Hohn zuckte um ihre Oberlippe.
«Sie sehen die Liebe und vor allem das Weib», begann sie, «als etwas Feindseliges an. Etwas, wogegen Sie, wenn auch vergebens Gewalt Sie aber als eine susse Qual, eine Grausamkeit fuhlen. Eine echt moderne Anschauung.»
«Sie teilen sie nicht.»
«Ich teile sie nicht», sprach sie rasch und schuttelte den Kopf, dass ihre Locken wie rote Flammen emporschlugen.
«Mir ist die heitere Sinnlichkeit von der Freude ohne Schmerz – ein Ideal. Ich strebe es in meinem Leben zu verwirklichen. Denn an jene Liebe, welche das Christentum, welche die Modernen, die Ritter vom Geiste predigen, glaube ich nicht. Ja, sehen Sie mich nur an, ich bin weit schlimmer als eine Ketzerin, ich bin eine Heidin.
›Glaubst du, wie lange die Gottin der Liebe nachgedacht hat, als ihr eines Tages im Idaischen Anchises [19] gefiel?‹
19
Anchises – Анхис, Анхиз (в древнегреческой мифологии – герой из рода дарданских царей, правнук легендарного Троя, сын Каписа и Фемисты)
Diese Verse aus Goethes romischer Elegie haben mich sehr entzuckt. In der Natur liegt nur Liebe der herrischen Zeit, ›da Gotter und Gottinnen liebten‹. Damals ›folgte Begierde dem Blick, folgte Genuss der Begier‹.
Alles andere ist gemacht und affektiert. Das Kreuz, ein grausames Emblem, vom Christentum hat etwas Entsetzliches fur mich. Der Kampf des Geistes mit der sinnlichen Welt ist das Evangelium der Modernen. Ich will keinen Teil daran.»
«Ja, Ihr Platz ware im Olymp, Madame», sagte ich. «Aber wir Modernen dulden einmal die antike Heiterkeit nicht. Am wenigsten in der Liebe. Die Idee, ein Weib mit anderen zu teilen emport uns. Wir sind eifersuchtig wie unser Gott. So ist der Name der herrlichen Phryne bei uns zu einem Schimpfwort geworden. Wir ziehen eine durftige, blasse Jungfrau, die uns allein gehort, einer antiken Venus vor, wenn sie noch so gottlich schon ist. Aber heute den Anchises, morgen den Paris, ubermorgen den Adonis liebt. Wenn die Natur in uns triumphiert, wenn wir uns in gluhender Leidenschaft einem solchen Weibe hingeben, erscheint uns heitere Lebenslust als Damonie, als Grausamkeit. Wir sehen in unserer Seligkeit eine Sunde, die wir bussen mussen.»
«Also auch Sie schwarmen fur die moderne Frau, fur ein armes, hysterisches Weib, das im Jagen nach einem mannlichen Ideal den besten Mann nicht schatzt. Unter Tranen und Krampfen verletzen Sie taglich Ihre christlichen Pflichten, betrugend und betrogen. Immer wieder suchen und wahlen und verwerfen. Nie glucklich sind, nie glucklich machen und das Schicksal anklagen, statt ruhig zu gestehen: ich will lieben und leben, wie Helena und Aspasia gelebt haben. Die Natur kennt keine Dauer in dem Verhaltnis von Mann und Weib.»
«Gnadige Frau —»
«Lassen Sie mich ausreden. Es ist nur der Egoismus von einem Mann, der das Weib wie einen Schatz vergraben will. Alle Versuche, durch heilige Zeremonien und Eide sind gescheitert. Konnen Sie leugnen, dass unsere christliche Welt in Faulnis ubergegangen ist?»
«Aber —»
«Aber der einzelne, der sich gegen die Einrichtungen von der Gesellschaft emport, wird ausgestossen, wollen Sie sagen. Nun gut. Ich wage es, meine Grundsatze sind recht heidnisch. Ich will mein Dasein ausleben. Ich verzichte auf euren Respekt. Ich ziehe es vor, glucklich zu sein. Die Erfinder von der christlichen Ehe haben gut daran getan, auch gleich dazu die Unsterblichkeit zu erfinden. Ich denke nicht daran, ewig zu leben. Was habe ich davon, ob mein reiner Geist in den Choren der Engel mitsingt? Sobald ich aber, so wie ich bin, nicht fortlebe, aus welcher Rucksicht soll ich dann entsagen? Einem Mann angehoren, den ich nicht liebe. Bloss deshalb, weil ich ihn einmal geliebt habe? Nein, ich entsage nicht. Ich liebe jeden, der mir gefallt, und mache jeden glucklich, der mich liebt. Ist das hasslich? Nein, es ist mindestens weit schoner, als wenn ich mich grausam der Qualen freue, die meine Reize erregen. Ich kehre mich tugendhaft von dem Armen, der um mich verschmachtet. Ich bin jung, reich und schon, und so, wie ich bin, lebe ich heiter dem Vergnugen, dem Genuss.»
Ich habe ihre Hande ergriffen, ohne recht zu wissen, was ich mit ihnen anfangen wollte. Aber als echter Dilettant liess ich sie jetzt wieder eilig los.
«Ihre Ehrlichkeit», sagte ich, «entzuckt mich, und nicht diese allein —» Wieder der verdammte Dilettantismus, der mir den Hals mit einem Hemmseil zuschnurt.
«Was wollten Sie doch sagen…»
«Was ich sagen wollte – ja, ich wollte – vergeben Sie – meine Gnadige – ich habe Sie unterbrochen.»
«Wie?»
Eine lange Pause. Sie halt einen Monolog, der, in meine Sprache ubersetzt, sich in das einzige Wort «Esel» zusammenfassen lasst [20] .
20
Sie halt einen Monolog, der, in meine Sprache ubersetzt, sich in das einzige Wort» Esel «zusammenfassen lasst. – Она произносит монолог, который в переводе на мой язык можно свести к единственному слову «осел».
«Wenn Sie erlauben, gnadige Frau», begann ich endlich, «wie sind Sie zu diesen – zu diesen Ideen gekommen?»
«Sehr einfach, mein Vater war ein vernunftiger Mann. Ich war von der Wiege an mit Abgussen antiker Bildwerke umgeben. Ich las mit zehn Jahren den Gil Blas, mit zwolf die Pucelle. Wie andere in ihrer Kindheit den Daumling, Blaubart, Aschenbrodel, nannte ich Venus und Apollo, Herkules und Laokoon meine Freunde. Mein Gatte war eine heitere, sonnige Natur. Nicht einmal das unheilbare Leiden konnte seine Stirne jemals fur die Dauer truben. Noch die Nacht vor dem Tod nahm er mich in sein Bett und wahrend der vielen Monate, wo er sterbend in seinem Rollsessel lag, sagte er ofter scherzend zu mir: ›Nun, hast du schon einen Anbeter?‹ Ich wurde schamrot. ›Betruge mich nicht‹, fugte er einmal hinzu, ›das fande ich hasslich, aber suche dir einen hubschen Mann aus, oder lieber gleich mehrere. Du bist ein braves Weib, aber dabei noch ein halbes Kind, du brauchst Spielzeug.‹ Es ist wohl nicht notig, Ihnen zu sagen, dass ich, solange er lebte, keinen Anbeter hatte, aber genug. Er erzog mich zu dem, was ich bin, zu einer Griechin.»
«Zu einer Gottin», fiel ich ein.
Sie lachelte. «Zu welcher etwa?»
«Zu einer Venus.»
Sie drohte mit dem Finger und zog die Brauen zusammen. «Am Ende gar zu einer ›Venus im Pelz‹, warten Sie nur. Ich habe einen grossen, grossen Pelz, mit dem ich Sie ganz zudecken kann, ich will Sie darin fangen, wie in einem Netz.»
«Glauben Sie auch», sagte ich rasch, denn mir kam etwas in den Sinn, was ich fur einen sehr guten Gedanken hielt. «Glauben Sie, dass Ihre Ideen sich in unserer Zeit durchfuhren lassen, dass Venus ungestraft in ihrer Schonheit und Heiterkeit unter Eisenbahnen und Telegraphen wandeln durfte?»
«Unverhullt gewiss nicht, aber im Pelz», rief sie lachend, «wollen Sie den meinen sehen?»
«Und dann —»
«Was dann?»
«Schone, freie, heitere und gluckliche Menschen sind nur dann moglich, wenn sie Sklaven haben. Sie verrichten fur sie die unpoetischen Geschafte vom taglichen Leben und vor allem fur sie arbeiten.»
«Gewiss», antwortete sie mutwillig, «vor allem braucht aber eine olympische Gottin, wie ich, ein ganzes Heer von Sklaven. Huten Sie sich also vor mir.»
«Warum?»
Ich erschrak selbst uber die Kuhnheit, mit der ich dieses «Warum» herausgebracht hatte. Sie erschrak durchaus nicht. Sie zog die Lippen etwas empor, so dass die kleinen, weissen Zahne sichtbar waren. Sie sprach dann leicht, als handle es sich um etwas, was nicht der Rede wert war: «Wollen Sie mein Sklave sein?»
«In der Liebe gibt es kein Nebeneinander», erwiderte ich ernsthaft, «sobald ich aber die Wahl habe, zu herrschen, scheint es mir weit reizender, der Sklave von einem schonen Weib zu sein. Aber wo finde ich das Weib, das nicht mit kleinlicher Zanksucht Einfluss zu erringen, sondern ruhig und selbstbewusst, ja streng zu herrschen versteht? [21] »
21
Aber wo finde ich das Weib, das nicht mit kleinlicher Zanksucht Einfluss zu erringen, sondern ruhig und selbstbewusst, ja streng zu herrschen versteht? – Но где мне найти женщину, которая умела бы оказывать влияние не с помощью мелких ссор, а спокойно и уверенно, да еще и строго править?