ЖАНРЫ

Венера в мехах. Уровень 3 / Venus im Pelz
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Und nach einer Weile fugte ich einige Verse von Goethe hinzu, die ich vor kurzem in seinen Paralipomena zum Faust gefunden habe.

An Amor!
«Erlogen ist das Flugelpaar,Die Pfeile, die sind Krallen,Die Hornerchen verbirgt der Kranz,Er ist ohne allen Zweifel,Wie alle Gotter Griechenlands,Auch ein verkappter Teufel.»

Dann stellte ich das Bild vor mich auf den Tisch, und betrachtete es.

Die kalte Koketterie, die Strenge, Harte, welche in dem Marmorantlitz liegt, entzucken mich und flossen mir zugleich Grauen ein.

Ich nehme noch einmal die Feder; da steht es nun:

«Lieben, geliebt werden, welch ein Gluck! und doch wie verblasst der Glanz desselben gegen die qualvolle Seligkeit, ein Weib anzubeten, das uns zu seinem Spielzeug macht, der Sklave einer schonen Tyrannin zu sein, die uns unbarmherzig mit Fussen tritt. Auch Simson, der Held, der Riese, gab sich Delila, die ihn verraten hatte, noch einmal in die Hand, und sie verriet ihn noch einmal und die Philister banden ihn vor ihr und stachen ihm die Augen aus, die er bis zum letzten Augenblicke von Wut und Liebe trunken auf die schone Verraterin heftete [18]

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Lieben, geliebt werden, welch ein Gluck! und doch wie verblasst der Glanz desselben gegen die qualvolle Seligkeit, ein Weib anzubeten, das uns zu seinem Spielzeug macht, der Sklave einer schonen Tyrannin zu sein, die uns unbarmherzig mit Fussen tritt. Auch Simson, der Held, der Riese, gab sich Delila, die ihn verraten hatte, noch einmal in die Hand, und sie verriet ihn noch einmal und die Philister banden ihn vor ihr und stachen ihm die Augen aus, die er bis zum letzten Augenblicke von Wut und Liebe trunken auf die schone Verraterin heftete. – Любить, быть любимым, какое счастье! и все же как меркнет его сияние по сравнению с мучительным блаженством поклонения женщине, которая сделала из нас игрушку. Это сила быть рабом прекрасной тиранессы, которая безжалостно растоптала нас. И Самсон, великий герой, снова отдал себя в руки предавшей его Далилы, и она предала его, и филистимляне связали его перед ней и выкололи ему глаза, которые до последнего мгновения, опьяненные гневом и любовью, были прикованы к прекрасной предательнице.

Ich nahm das Fruhstuck in meiner Laube und las im Buch Judith. Ich beneidete den Heiden Holofernes um das konigliche Weib. Es hieb ihm den Kopf um sein blutig schones Ende herunter.

«Gott hat ihn gestraft und hat ihn in eines Weibes Hande gegeben.» Der Satz erstaunte mich. Wie ungalant diese Juden sind, dachte ich. Und ihr Gott. Er konnte auch anstandigere Ausdrucke wahlen, wenn er von dem schonen Geschlecht spricht.

«Gott hat ihn gestraft und hat ihn in eines Weibes Hande gegeben», wiederholte ich fur mich. Nun, was soll ich etwa anstellen, damit er mich straft?

Um Gottes willen! da kommt unsere Hausfrau. Sie ist uber Nacht wieder etwas kleiner geworden. Und dort oben zwischen den grunen Ranken und Ketten wieder das weisse Gewand. Ist es Venus oder die Witwe?

Diesmal ist es die Witwe, denn Madame Tartakowska knickst und ersucht mich in ihrem Namen um Lekture. Ich eile in mein Zimmer und nehme ein paar Bande.

Zu spat erinnere ich mich, dass mein Venusbild in einem derselben liegt. Nun hat es die weisse Frau dort oben mit meinen Ergussen. Was wird sie dazu sagen?

Ich hore sie lachen.

Lacht sie uber mich?

Vollmond! Da blickt er schon uber die Wipfel der niederen Tannen. Und silberner Duft erfullt die Terrasse, die ganze Landschaft, so weit das Auge reicht.

Ich kann nicht widerstehen. Es mahnt und ruft mich so seltsam. Ich kleide mich wieder an und trete in den Garten.

Ich gehe zur Wiese, zu ihr, meiner Gottin, meiner Geliebten. Die Nacht ist kuhl. Mich frostelt. Die Luft ist schwer von Blumen- und Waldgeruch, sie berauscht.

Welche Feier! Welche Musik ringsum. Eine Nachtigall schluchzt. Die Sterne zucken nur leise in blassblauem Schimmer. Die Wiese scheint glatt, wie ein Spiegel, wie die Eisdecke eines Teiches.

Hehr und leuchtend ragt das Venusbild.

Doch – was ist das?

Von den marmornen Schultern der Gottin fliesst ein grosser dunkler Pelz herab. Ich stehe starr und staune sie an. Wieder fasst mich jenes unbeschreibliche Bangen. Ich ergreife die Flucht.

Ich beschleunige meine Schritte. Da sehe ich, dass ich die Allee verpasst habe. Ich wollte seitwarts in einen der grunen Gange einbiegen. Da sitzt Venus, das schone, steinerne Weib, nein, die wirkliche Liebesgottin, mit warmem Blute und pochenden Pulsen, vor mir auf einer steinernen Bank. Ja, sie war lebendig, wie jene Statue, die fur ihren Meister zu atmen begann. Zwar ist das Wunder erst halb vollbracht. Ihr weisses Haar scheint noch von Stein und ihr weisses Gewand schimmert wie Mondlicht, oder ist es Atlas? Und von ihren Schultern fliesst der dunkle Pelz. Aber ihre Lippen sind schon rot und ihre Wangen farben sich. Aus ihren Augen treffen mich zwei diabolische, grune Strahlen und jetzt lacht sie.

Ihr Lachen ist so seltsam, so – ach! Es ist unbeschreiblich. Ich kann nicht atmen. Ich fluchte weiter und muss immer wieder nach wenigen Schritten Atem holen. Und dieses spottische Lachen verfolgt mich durch die dusteren Laubgange, uber die hellen Rasenplatze. Ich finde den Weg nicht mehr, ich irre umher. Kalte Tropfen glanzen auf der Stirne.

Endlich bleibe ich stehen und halte einen kurzen Monolog.

Er lautet – nun – man ist ja immer sich selbst gegenuber entweder sehr artig oder sehr grob.

Ich sage also zu mir: Esel!

Dieses Wort ubt eine grossartige Wirkung, gleich einer Zauberformel, die mich erlost und zu mir bringt.

Ich bin im Augenblick ruhig.

Vergnugt wiederhole ich: Esel!

Ich sehe nun wieder alles klar und deutlich. Da ist der Springbrunnen, dort die Allee von Buchsbaum, dort das Haus, auf das ich jetzt langsam zugehe.

Da – plotzlich noch einmal – hinter der grunen, vom Mondlicht durchleuchteten, gleichsam in Silber gestickten Wand, die weisse Gestalt, das schone Weib von Stein. Ich furchte es. Ich fliehe.

Mit ein paar Satzen bin ich im Haus und hole Atem und denke nach.

Nun, was bin ich jetzt eigentlich, ein kleiner Dilettant oder ein grosser Esel? Ein schwuler Morgen. Die Luft ist matt, stark gewurzt, aufregend. Ich sitze wieder in meiner Laube und lese in der Odyssee von der reizenden Hexe, die ihre Anbeter in Bestien verwandelt. Kostliches Bild der antiken Liebe.

In den Zweigen und Halmen rauscht es leise und die Blatter von meinem Buch rauschen und auf der Terrasse rauscht es auch.

Ein Frauengewand – Da ist sie – Venus – aber ohne Pelz – nein, diesmal ist es die Witwe – und doch – Venus – oh! welch ein Weib!

Wie sie da steht im leichten, weissen Morgengewande und auf mich blickt, wie poetisch und anmutig zugleich erscheint ihre feine Gestalt. Sie ist nicht gross, aber auch nicht klein, und der Kopf, mehr reizend, pikant – im Sinne der Franzosischen Marquisenzeit – als streng schon, aber doch wie bezaubernd. Welche Weichheit, welcher holde Mutwille. Nicht zu kleinen Mund – die Haut ist so unendlich zart, dass uberall die blauen Adern durchschimmern, auch durch den Mousselin, welcher Arm und Busen bedeckt. Wie uppig ringelt sich das rote Haar – ja, es ist rot – nicht blond oder goldig – wie damonisch und doch lieblich spielt es um ihren Nacken. Und jetzt treffen mich ihre Augen wie grune Blitze. Ja, sie sind grun, diese Augen, deren sanfte Gewalt unbeschreiblich ist. Grun, aber so wie es Edelsteine, wie es tiefe, unergrundliche Bergseen sind.

Sie bemerkt meine Verwirrung. Das macht mich sogar unartig, denn ich blieb sitzen und habe noch meine Mutze auf dem Kopf. Sie lachelt schelmisch. Ich erhebe mich endlich und grusse sie. Sie kommt naher und bricht in ein lautes, beinahe kindliches Lachen aus. Ich stottere, wie nur ein kleiner Dilettant oder grosser Esel in einem solchen Augenblick stottern kann.

So machen wir unsere Bekanntschaft.

Die Gottin fragt um meinen Namen und nennt mir den ihren. Sie heisst Wanda von Dunajew.

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