ЖАНРЫ

Венера в мехах. Уровень 3 / Venus im Pelz
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Ich habe zwei Frauenideale. Kann ich mein edles, sonniges, eine Frau, welche mir treu und gutig mein Schicksal teilt, nicht finden, nun dann nur nichts Halbes oder Laues! Dann will ich lieber einem Weibe ohne Tugend, ohne Treue, ohne Erbarmen hingegeben sein. Ein solches Weib in seiner selbstsuchtigen Grosse ist auch ein Ideal. Kann ich nicht das Gluck der Liebe voll und ganz geniessen, dann will ich ihre Schmerzen, ihre Qualen auskosten bis zur Neige. Dann will ich von dem Weib, das ich liebe, misshandelt, verraten werden. Je grausamer, um so besser. Auch das ist ein Genuss!»

«Sind Sie bei Sinnen!» rief Wanda.

«Ich liebe Sie so mit ganzer Seele», fuhr ich fort, «so mit allen meinen Sinnen, dass Ihre Nahe, Ihre Atmosphare mir unentbehrlich ist, wenn ich noch weiterleben soll. Wahlen Sie also zwischen meinen Idealen. Machen Sie aus mir, was Sie wollen, Ihren Gatten oder Ihren Sklaven.»

«Gut denn», sprach Wanda. «Ich denke mir das sehr amusant, einen Mann, der mich interessiert, der mich liebt, so ganz in meiner Hand zu haben. Es wird mir mindestens nicht an Zeitvertreib fehlen. Sie waren so unvorsichtig, mir die Wahl zu lassen. Ich wahle also, ich will, dass Sie mein Sklave sind. Ich werde mein Spielzeug aus Ihnen machen!»

«Oh! tun Sie das», rief ich halb schauernd, halb entzuckt. «Wenn eine Ehe nur auf Gleichheit, auf Ubereinstimmung gegrundet sein kann, so entstehen dagegen die grossten Leidenschaften durch Gegensatze. Wir sind solche Gegensatze, die sich beinahe feindlich gegenuberstehen. Daher ist diese Liebe bei mir, die zum Teil Hass, zum Teil Furcht ist. In einem solchen Verhaltnisse aber kann nur eines Hammer, das andere Amboss sein. Ich will Amboss sein. Ich kann nicht glucklich sein, wenn ich auf die Geliebte herabsehe. Ich will ein Weib anbeten konnen. Das kann ich nur dann, wenn es grausam gegen mich ist.»

«Aber, Severin», entgegnete Wanda beinahe zornig, «halten Sie mich denn fur fahig, einen Mann, der mich so liebt wie Sie, den ich liebe, zu misshandeln?»

«Warum nicht, wenn ich Sie dafur um so mehr anbete? Man kann nur wahrhaft lieben, was uber uns steht, ein Weib, das uns durch Schonheit, Temperament, Geist, Willenskraft unterwirft, dass unsere Despotin wird.»

«Also das, was andere abstosst, zieht Sie an?»

«So ist es. Es ist eben meine Seltsamkeit.»

«Nun, am Ende ist an allen Ihren Passionen nichts so Apartes oder Seltsames. Denn wem gefallt nicht ein schoner Pelz? Und jeder weiss und fuhlt, wie nahe Wollust und Grausamkeit verwandt sind.»

«Bei mir ist dies alles aber auf das Hochste gesteigert», erwiderte ich.

«Das heisst, die Vernunft hat wenig Gewalt uber Sie. Und Sie sind eine weiche hingebende sinnliche Natur.»

«Waren die Martyrer auch weiche sinnliche Naturen?»

«Die Martyrer?»

«Im Gegenteil, es waren ubersinnliche Menschen, welche im Leiden einen Genuss fanden, welche die furchtbarsten Qualen, ja den Tod suchten wie andere die Freude. Und so ein Ubersinnlicher bin ich, Madame.»

«Geben Sie nur acht, dass Sie dabei nicht auch zum Martyrer der Liebe, zum Martyrer eines Weibes werden.»

Wir sitzen auf Wandas kleinem Balkon in der lauen, duftigen Sommernacht. Ein Dach uber uns. Zuerst den grunen Plafond von Schlingpflanzen, dann die Himmelsdecke. Aus dem Park tont der leise, verliebte Lockton einer Katze. Und ich sitze auf einem Schemel zu den Fussen meiner Gottin und erzahle von meiner Kindheit.

«Und damals schon waren alle diese Seltsamkeiten bei Ihnen ausgepragt?» fragte Wanda.

«Gewiss, ich erinnere mich keiner Zeit, wo ich sie nicht hatte, ja schon in der Wiege. So erzahlte mir meine Mutter spater, war ich ubersinnlich. Man musste mich mit Ziegenmilch nahren. Als kleiner Junge zeigte ich eine ratselhafte Scheu vor Frauen. Darin hat sich eigentlich nur ein unheimliches Interesse fur sie ausgedruckt. Das graue Gewolbe, das Halbdunkel einer Kirche beangstigten mich. Vor den glitzernden Altaren und Heiligenbildern fasste mich eine formliche Angst. Dagegen schlich ich heimlich zu einer Venus aus Gips. Sie stand in dem kleinen Bibliothekszimmer meines Vaters. Ich kniete nieder und sprach zu ihr die Gebete. Das hat mir man gelehrt. Das Vaterunser, das Gegrusst seist du Maria und das Credo.

Einmal verliess ich nachts mein Bett, um sie zu besuchen. Die Mondsichel leuchtete mir und liess die Gottin in einem kalten Licht erscheinen. Ich warf mich vor ihr nieder, kusste ihre kalten Fusse. Ich habe es bei unseren Landleuten gesehen, wenn sie die Fusse des toten Heilands kussten.

Eine unbezwingliche Sehnsucht ergriff mich.

Ich stieg empor und umschlang den schonen kalten Leib und kusste die kalten Lippen. Da sank ein tiefer Schauer auf mich herab und ich entfloh. Und im Traum war es mir, als stunde die Gottin vor meinem Lager und drohe mir mit erhobenem Arm.

Man schickte mich fruhzeitig in die Schule. So kam ich bald an das Gymnasium und ergriff alles mit Leidenschaft, was mir die antike Welt zu erschliessen versprach. Ich war bald mit den Gottern Griechenlands vertrauter als mit der Religion Jesu. Ich gab mit Paris Venus den verhangnisvollen Apfel. Ich sah Troja brennen und folgte Odysseus auf seinen Irrfahrten. Die Urbilder alles Schonen senkten sich tief in meine Seele. So zeigte ich zu jener Zeit, wo andere Knaben sich roh und unflatig gebarden, einen unuberwindlichen Abscheu gegen alles Niedere, Gemeine, Unschone [22] . Als etwas ganz besonders Unschones erschien dem reifenden Jungling die Liebe zum Weib. Ich mied jede Beruhrung mit dem schonen Geschlecht, kurz, ich war ubersinnlich bis zur Verrucktheit.

22

So zeigte ich zu jener Zeit, wo andere Knaben sich roh und unflatig gebarden, einen unuberwindlichen Abscheu gegen alles Niedere, Gemeine, Unschone. – Таким образом, в то время, когда другие мальчики вели себя грубо и некрасиво, я испытывал непреодолимое отвращение ко всему низменному, подлому, неприглядному.

Meine Mutter bekam – ich war damals etwa vierzehn Jahre alt – ein reizendes Stubenmadchen, jung, hubsch, mit schwellenden Formen. Eines Morgens, ich studierte meinen Tacitus und begeisterte mich an den Tugenden der alten Germanen, kehrte die Kleine bei mir aus. Plotzlich hielt sie inne, neigte sich, den Besen in der Hand, zu mir, und zwei volle frische kostliche Lippen beruhrten die meinen. Der Kuss der verliebten kleinen Katze durchschauerte mich. Aber ich erhob meine ›Germania‹ wie ein Schild gegen die Verfuhrerin und verliess emport das Zimmer.»

Wanda brach in lautes Lachen aus. «Sie sind in der Tat ein Mann, der seinesgleichen sucht. Aber fahren Sie nur fort.»

«Eine andere Szene aus jener Zeit bleibt mir unvergesslich», erzahlte ich weiter. «Grafin Sobol, eine entfernte Tante von mir, kam zu meinen Eltern auf Besuch. Eine majestatische schone Frau mit einem reizenden Lacheln. Ich aber hasste sie, denn sie galt in der Familie als eine Messalina. Sie benahm mich so unartig, boshaft und tappisch, wie nur moglich gegen sie.

Eines Tages fuhren meine Eltern in die Kreisstadt. Meine Tante beschloss ihre Abwesenheit zu benutzen und Gericht uber mich zu halten. Unerwartet trat sie in ihrer Veste herein. Die Kochin, Kuchenmagd und die kleine Katze folgten ihr. Ohne viel zu fragen, ergriffen sie mich trotz meiner heftigen Gegenwehr. An Handen und Fussen. Dann schurzte meine Tante mit einem bosen Lacheln den Armel empor. Sie begann mich mit einer grossen Peitsche zu hauen. Sie hieb so tuchtig, dass Blut floss. Ich schrie und weinte zuletzt, trotz meinem Heldenmut und um Gnade bat. Sie liess mich, aber ich musste ihr kniend fur die Strafe danken und die Hand kussen.

Nun sehen Sie den ubersinnlichen Toren! Unter der Peitsche der schonen uppigen Frau, welche mir in ihrer Pelzjacke wie eine zurnende Monarchin erschien, erwachte in mir zuerst der Sinn fur das Weib. Meine Tante erschien mir als die reizendste Frau auf Gottes Erdboden.

Meine katonische Strenge, meine Scheu vor dem Weib war eben nichts, als ein auf das Hochste getriebener Schonheitssinn. Die Sinnlichkeit wurde in meiner Phantasie jetzt zu einer Art Kultur. Und ich schwur mir, ihre heiligen Empfindungen ja nicht an ein gewohnliches Wesen zu verschwenden. Sondern spare ich fur eine ideale Frau auf, womoglich fur die Liebesgottin selbst.

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