Gaunerinnen
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„Mach dir keine Sorgen, das schaffen wir.“
Auf dem Markt wurde das M"adchen mit dem Schild gleich von einem hochgewachsenen, stattlichen Mann angesprochen.
„Vermieten Sie eine Wohnung?“
„Ja, eine Zweizimmerwohnung.“
„Wie hoch ist die Monatsmiete? Geh"ort die Wohnung Ihnen?“
„Ich bin eine Freundin der Eigent"umerin. Sie muss dringend abreisen und hat mich gebeten, ihr zu helfen.“
„Sie sind also keine Maklerin?“
„Nein.“
„Was f"ur ein Gl"ucksfall!“
„Da haben Sie allerdings Gl"uck. Ich bin wirklich keine Maklerin.“
„Wissen Sie, ich bin heute Morgen in ausgezeichneter Stimmung und mit einem guten Gef"uhl aufgewacht.“
„Dann wollen wir keine Zeit verlieren und schauen uns die Wohnung an. Die Vermieterin wartet schon auf uns.“
„Seien Sie bitte ehrlich: Verlangen Sie wirklich keine Geb"uhr f"ur Ihre Dienstleistung?“
„Nein. Wir sind Freundinnen seit Kindertagen. Sie muss heute fort und braucht deswegen meine Hilfe. Es f"allt mir nicht schwer, diesen Freundschaftsdienst gratis zu leisten.“
„Das ist sehr selten heutzutage! Ihre Freundin hat Gl"uck mit Ihnen. Sie sind ein guter Mensch.“
„Oh, und was f"ur ein guter Mensch“, dachte Stella. Laut sagte sie zu dem Mann:
„Freundschaft ist auch eine Art Arbeit. Das Prinzip „Wie du mir, so ich dir“ funktioniert hier nicht. Man muss geben k"onnen, ohne von den Menschen eine Gegenleistung zu erwarten. Dann kommt auch ein gutes Resultat. Nicht alles ist k"auflich. Am wenigsten die Freundschaft!“
„Sie sind eine wahre Philosophin!“
„Nein, ich bin Linguistin.“
„Wie interessant! Welche Sprachen k"onnen Sie?“
„Englisch, Deutsch, Russisch, etwas Ukrainisch.“
„Bei uns in Lugansk kann auch fast keiner Ukrainisch, obwohl die Stadt zur Ukraine geh"ort.“
„Oh! Lugansk? Das ist eine tolle Stadt! Dort war ich auch schon mal.“
„Ich bin ein einfacher Polizist und suche hier einen Job.“
„Merkw"urdig, dass Sie auf der Jobsuche gerade nach Charkow gekommen sind. Ich glaube nicht, dass die L"ohne hier so hoch sind. Die Gastarbeiter gehen lieber nach Russland.“
Ihr war das Herz in die Hose gerutscht.
„Sie haben recht. Aber ein Freund von mir ist hierher versetzt worden und hat mich und meine Familie hergerufen. Er sagt, hier g"abe es mehr Chancen, bef"ordert zu werden.“
Verdammt! So eine Scheisse! Ein Bulle! Und noch dazu aus meiner Heimatstadt!“
„Ich glaube, die Vermieterin w"are mit so einem zuverl"assigen Mieter sehr zufrieden. Ich dachte sogar schon, Ihnen allein w"urde sie die Wohnung vielleicht gar nicht vermieten. Sie h"atte lieber ein Paar oder eine Familie als einen alleinstehenden Mann, weil ledige M"anner zu Ausschweifungen neigen, und das kann allerlei "Arger geben.“
„Ach was! Ich bin Ehemann und Vater! Und ein anst"andiger B"urger! Meine Ehefrau kommt bestimmt mindestens zweimal im Monat zu Besuch.“
„Das ist doch sch"on. So, wir sind da.“
Natalja stand in der K"uche und briet Kartoffeln, als ob ihr die Wohnung wirklich geh"orte. Es war ein ausgezeichneter Trick zur Ablenkung. Sie trug eine Sch"urze und hielt eine gesch"alte Zwiebel in der Hand.
„Genial“, dachte Stella. Nataljas spontane Schlauheit und ihr Improvisationstalent beeindruckten Stella immer wieder.
„Guten Tag!“ Nata l"achelte "uber das ganze Gesicht. Ihr Brustansatz war wie zuf"allig im Ausschnitt der Sch"urze zu sehen.
Der Mann liess diese Tatsache nicht unbeachtet. Seine Haltung wurde aufrecht, als ob er seine Ernsthaftigkeit zeigen wollte.
„Jetzt haben wir dich, T"aubchen!“, dachte Stella.
Sie atmete endlich ihre ganze Anspannung mit einer Wolke Zigarettenrauch aus. „Da ist er wieder! Der schreckliche Charakter der M"anner! Sie bleiben anst"andige Familienv"ater bis zu dem Augenblick, in dem sie sch"one Titten zu sehen bekommen. In Wirklichkeit leben alle guten Frauen allein. Ich glaube, es dauert nicht mehr lange, bis die Frauen einfach allein leben wollen. Sie gehen abends aus dem Haus, um ihre Triebe zu befriedigen, kommen dann entspannt zur"uck und verbringen den Abend in Ruhe vor dem Fernseher oder bei irgendeinem anderen Hobby. Das Leben mit Mann bringt nur jede Menge zus"atzliche Pflichten und raubt einen Haufen wertvolle Zeit und Ruhe. Und zum Dank bekommen wir Frauen nur Vorw"urfe und Untreue.“
„Stella! Komm rein! Was stehst du da wie versteinert?“
„Entschuldige, Natalja. Ich habe gerade "uber Feminismus nachgedacht. Ich rauche noch fertig und komme rein.“
In der K"uche herrschte eine lebhafte Unterhaltung. Natalja hatte die Sch"urze schon ausgezogen und trug nur noch ein kurzes Kleid. Sie beugte sich "uber den Bullen und zeigte ihm, wo er seine Passdaten eintragen sollte.
„Bitte nicht so schnell“, sagte er h"oflich.
„Entschuldigen Sie bitte, aber Sie schreiben so langsam, dass ich schon Angst habe, meinen Flug nach Tschita zu verpassen. K"onnen Sie sich bitte beeilen?“
„Ja, nat"urlich. Sagen Sie, was ist das f"ur ein Formular? Es sieht anders aus als bei uns in Lugansk.“
„Sie sind in jeder Stadt anders. Sie sehen wie ein gebildeter Mensch aus und wussten das nicht?
„Leider nicht. Aber jetzt weiss ich's.“
Er unterzeichnete den Mietvertrag mit einer Kaution f"ur drei Monate. Natalja legte schnell die Bratkartoffeln auf den Teller, schob ihn zu ihm zu und sagte l"achelnd:
„Essen Sie bitte. Ich muss noch einige Sachen packen.“ Sie verschwand hinter der T"ur des Nebenzimmers. Stella stand an der T"ur gerade wie ein Soldat und beobachtete, wie der Mann mit dem L"acheln eines unschuldigen J"unglings die Kartoffeln verputzte.
„Guten Appetit“, sagte Stella laut und st"orte seine Euphorie. Er wandte ihr schnell das Gesicht zu, aber sein Interesse an ihr schien weniger ausgepr"agt zu sein.
„Eine nette Frau, nicht wahr?“
„Ja, sie ist sehr nett. Alle m"ogen sie, durch die Bank“, erwiderte Stella. In seinen Augen blitzte ein Hoffnungsschimmer auf.
„Sie haben grosses Gl"uck, so eine Wohnung und so eine Vermieterin zu finden“, sagte Stella mit einem schelmischen Augenzwinkern zu ihrem Landsmann.
Endlich stand Natalja abreisebereit vor der T"ur.
„Verzeihen Sie, ich habe es sehr eilig. Hier haben Sie die Schl"ussel. In ein paar Monaten komme ich Sie besuchen. Machen Sie sich bequem.“
„Danke sch"on.“ Es war mir ein Vergn"ugen, Sie kennenzulernen. Bringen Sie den Duft n"ordlicher N"achte mit“, erwiderte der Mann mit einem L"acheln.
„Sie sind ja auch noch ein Romantiker!“
„Oh ja, das bin ich!“
Die M"adchen verliessen die Wohnung. Langsam und laut lachend gingen sie aus dem Haus und bogen um die Ecke.
„Und jetzt… weg hier!“