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ЖАНРЫ

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„Ich bin bereit, mein Auto zu verkaufen und f"ur dich einen anderen Raum zu mieten, mit jeder beliebigen Farbe an den W"anden. Du wirst dort die Chefin sein. "Uberhaupt sollten wir nach dem Plan nicht nur ein B"uro, sondern ein ganzes Netz er"offnen. Unter der Bedingung, dass das zentrale B"uro ausschliesslich mir geh"ort. Bist du einverstanden?“

„Du bist aber schlau, Stella! Du willst also im Stadtzentrum sitzen? Und ich mitten im Nirgendwo?“

„Manchmal gibt es viel mehr Kunden am Stadtrand.“

„Ja klar! Erz"ahl nur!“ Alle reichen Leute lassen sich im Stadtzentrum bedienen! Am Stadtrand gibt es nur Lumpens"acke! Und Junkies! Danke f"ur den Vorschlag! Den kannst du dir dahin schieben, wo du es gern magst.“

„Gar nicht wahr! Nicht alle kommen auf den Chreschtschatyk, um sich Dokumente beurkunden zu lassen!“

„Gut, ich "uberlege es mir. Heisst das, du schenkst mir dein Auto? Und hilfst mir bei der Renovierung?“

„Genau. Die Renovierung in deinem Stil wird ja nicht so teuer.“

„Grrrrr! Ich bring dich um!“

„Haha!“, lachte Stella.

„Tsch"uss dann! Ich ruf dich an, wenn ich mich entschieden habe.“

„Danke, dass du mich hast ausreden lassen.“

„Ciao.“

Nach dem Gespr"ach setzte sich Natalja in einen Sessel, goss sich einen Martini ein und dachte nach.

„Ist sie wirklich so dumm? Schenkt mir ihr Auto? Da stimmt was nicht! Aber von mir aus soll es so sein. Ich werde sie los. Ich w"urde es sowieso nicht schaffen, mit ihr in diesem braun gestrichenen B"uro zusammenzuarbeiten. Stella h"alt ihr Wort. Das heisst, es wird keine Tricks geben.“

Die M"adchen hatten nicht damit gerechnet, dass sie sich bis zur Er"offnung ihres Hauptb"uros mit so viel schrecklichen Papierkram auseinandersetzen mussten. Es zeigte sich, dass es gar nicht leicht war, alle Genehmigungen f"ur die Beglaubigung ernsthafter Unterlagen zu erhalten. Sie mussten viel Zeit daf"ur aufwenden, die verschiedenen Bescheinigungen und Dokumente zu beschaffen. Stella bat Slawik aus der Pr"asidialverwaltung um Hilfe. Damals war Juschtschenko Pr"asident der Ukraine. Nachdem sich einflussreiche Beamte einmischten, lief die Sache schneller. Natalja "argerte sich wiederum, dass ihre Bekannten keine Bereitwilligkeit zeigten, ihr zu helfen. Manche von ihnen lachten sie sogar aus:

„Eine Hure als Notarin. Das ist nur in unserem Land m"oglich.“

„Dreckige Arschl"ocher! Warum habe ich die nur so meisterhaft gefickt? Sie sind doch absolut keine Hilfe“, br"ullte die sch"one Natalja.

Merkw"urdigerweise half ihr ausgerechnet Saweli. Er war wohl der edelste Mann in ihrer Umgebung. Er hatte nat"urlich Bekannte in diesem Bereich. Das M"adchen war sehr stolz darauf und prahlte damit.

Nach dem Erhalt der Genehmigung vergingen mehrere Monate, bis die M"adchen endlich das rote Band vor dem Eingang zum neuen B"uro durchschneiden konnten. Die Zeremonie wurde mit Musik und Krimsekt begleitet. Die Freundinnen strahlten vor Gl"uck. Sie umarmten sich und Natalja dachte irgendwann, dass das Design des B"uros doch gar nicht so schlecht w"are. Stella dagegen war ein bisschen deprimiert, weil sie w"ahrend des Kampfes f"ur ihre bevorzugten Pastell-Farbt"one die Freundin beleidigt hatte.

Der erste Jurist wurde von Stella angestellt. Er war ein attraktiver junger Mann. Er hatte schon zwei Jahre Berufserfahrung bei einem hauptst"adtischen Notariat, das "uber einen guten Ruf verf"ugte. Denis war sch"on und hochgewachsen und hatte dichtes dunkles Haar. Er war ruhig wie eine Python. Seine lang bewimperten Augenlider hielt er etwas gesenkt. Er gefiel Stella sehr. Seine feinen, langen Finger und Handgelenke bezeugten seine intelligente Herkunft. Er sprach nicht laut, weich und eing"angig, ideal f"ur die Arbeit mit Kunden.

Natalja triumphierte.

„Was hast du denn da f"ur einen Spasti angeheuert? Er macht uns alles kaputt! Er bewegt sich kaum! H"ochstens im Zeitlupentempo. Total zur"uckgeblieben!“

„Er ist genau richtig! Die Angestellten in einer Notarkanzlei m"ussen bed"achtig und ruhig sein. Die Arbeit mit Kunden erfordert eine besondere Vorgehensweise und dabei weder Emotionalit"at noch fieberhaftes Rattenrennen!“

„Er ist voll die Bremse! Ich will diese Frau da einstellen! Die mit dem Zopf! Eine Sch"onheit! Schau dir nur mal ihre Augen an.“ Sie warf eine Bewerbungsmappe auf den Tisch direkt vor die Nase ihrer Freundin.

„Wozu brauchen wir diese Schwuchtel im B"uro? Kannst du mir das sagen? Wenn wir jemanden wie die Frau da einstellen, kriegen wir coole M"anner als Kunden! Aber mit dieser Missgeburt machen wir aus unserem Notariat ein Schwulennest!“

„Wir sind eine Notarkanzlei, kein Puff! Wozu brauchst du M"anner?“

„Ohne M"anner geht gar nichts! Bist du v"ollig verr"uckt geworden? Die Direktoren aller grossen Firmen sind M"anner! Sie wollen ihre Unterlagen von einer sch"onen Frau beglaubigen lassen und nicht von einem Schwulen!“

Vielleicht hatte sie recht, aber Stella tat unnachgiebig genau das Gegenteil, als ob sie es darauf anlegte. Allem Anschein nach war es genau so, weil Stellas innere Haltung gegen"uber ihrer Freundin nicht zu hundert Prozent von W"arme und G"ute gekennzeichnet war. Sie war das endlose Streiten und die Skandale m"ude. Sie erinnerte sich mit Sehnsucht an ihr vergangenes „Theaterleben“, das so lustig und abwechslungsreich gewesen war.

„Was hatten wir doch f"ur einen Spass! In diesem M"archen gab es f"ur jede eine eigene Rolle: Schwester, Tante, Nichte oder Braut. Jede hat ihre Rolle zu hundert Prozent gespielt. Und gelacht haben wir vom ganzen Herzen. Jetzt haben wir eine Hauptrolle f"ur jede von uns.

Wie sollen wir damit umgehen?“ Ihrem Wesen nach konnten die M"adchen nichts miteinander teilen. W"urden Theaterrollen verteilt, k"onnte ein Regisseur zweifellos Natalja die Hauptrolle geben, zum Beispiel die der unnachahmlichen Edith Piaf.

Auch Stella k"onnte sich bei weitem nicht nur in Massenszenen pr"asentieren. Es w"are interessant, sie auf der B"uhne als F"urstin Olga zu sehen, jene eiskalte Frau mit w"utendem Blick, die eine ganze gegnerische Armee verbrannte, indem sie befahl, glimmende Lunten an die F"usse von Tauben zu binden und diese dann in die feindliche Stadt fliegen zu lassen. Oder als Katharina die Grosse, die sich von der Neugierde der Zeitgenossen zur"uckzog, um die lasterhafte Liebe mit Pferden zu geniessen.

Endlich begann der Arbeitsalltag. Stella versuchte, jede freie Minute zu benutzen, um die Verfassung und andere Gesetze zu studieren. Auf Ukrainisch fiel es ihr besonders schwer. Stella war Russin, anders als Natalja. Ihre Eltern stammten aus Russland. Sie wurde in Lugansk geboren, unweit der Grenze, in einem Gebiet, wo die russische Sprache dominierte. Wegen ihrer unzureichenden Ukrainischkenntnisse beschloss das M"adchen, sich an der sprachwissenschaftlichen Fakult"at einzuschreiben. Damals konnte man nur an der sprachwissenschaftlichen Fakult"at die Pr"ufungen in russischer Sprache ablegen.

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