Gaunerinnen
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Stella sah d"uster und blass aus. Das Tanzen lag ihr nicht, daf"ur aber das Trinken! Das konnte sie gut! Oh! Dauersuff!
„Haben Sie zuf"allig einen Vertrag ohne Tanzen? Nur mit Trinken?“, fragte Stella mit einem aufgesetzten L"acheln.
„F"ur die Schweiz leider nicht. Das Visum bekommen Sie als K"unstlerin, und zwar als T"anzerin. Das wissen Sie doch, Kollegin.“
„Ja. Ich habe schon M"adchen dorthin geschickt, aber ich habe sie zum Preis von hundert Dollar pro Kopf angeboten und sie direkt mit dem Unternehmer in Kontakt gebracht. Auf die Einzelheiten, wie das System funktioniert, bin ich nicht eingegangen. Leider“, sagte Stella und warf einen brennenden Blick auf die zufriedene Natalja. Dieser waren die Sticheleien schon egal, f"ur sie ihr war alles in Butter, genau, wie sie es haben wollte.
„Die Schweiz ist ein interessantes Land, das aus drei Teilen besteht. In allen drei werden unterschiedliche Sprachen gesprochen.
In Z"urich zum Beispiel spricht man Deutsch. Sie haben dort ein kompliziertes System. Die M"adchen sollen splitternackt sein, sogar ohne Slips, praktisch w"ahrend der ganzen Show.
In Genf, das im franz"osischen Teil liegt, werden am Ende des Liedes die Bikinis ausgezogen.
In Lugano, wo die italienische Sprache vorherrscht, soll der Slip gar nicht ausgezogen werden. Man zeigt sich nur oben ohne. Aber auch das nicht unbedingt.“
„Wie werden denn dann in Lugano die Kunden ins Lokal gelockt?“
„Dort arbeiten im Klub Balletts aus Charkow, je dreissig T"anzerinnen in einer Truppe. Mit ihren schicken Shows bezaubern sie die Italiener, die einen Flirt und ausgiebiges Vorspiel m"ogen. Sie haben keine Lust, mit kalter Miene auf nackte Weiber zu starren und dabei keine Emotionen zu zeigen, wie es im deutschen Teil der Fall ist.“
Nataljas Interesse wurde sofort von Genf, dem goldenen Mittelweg, geweckt.
„Den Slip am Ende des Tanzes, und davor die Brustwarzen an der kalten Stange reiben! Schnell her mit den Unterlagen!“, schrie die Nymphomanin fast.
„Mademoiselle will nach Genf! Voil`a!“
Ein gl"uckseliges L"acheln erstrahlte in ihrem Engelsgesicht.
„Grundkenntnisse in Franz"osisch habe ich. Das ist Schicksal! W"are ich da nur gleich hingefahren, dieses Paradies auf Erden zu erobern, statt mich auf kriminelle Sachen einzulassen.“
Stella h"orte nicht, was Natalja da redete. Mit einem traurigen Gef"uhl studierte sie die Vertragsbedingungen f"ur den Einsatz in anderen L"andern.
Darunter waren England, Australien, Schweden, Japan, Deutschland, die T"urkei und Italien. Sie las alle nacheinander durch. Ihr fiel ein merkw"urdiger Name auf: Liechtenstein.
„Was ist das?“
„Das ist ein kleines Land in den Alpen. Genau genommen ein Zwergf"urstentum. Dort herrscht ein F"urst.“
„Noch kleiner als die Schweiz? Dort wohnen doch schon weniger Menschen als in Moskau!“
„Ja, genau, absolut winzig. Ein kleines Wunder, wo alle reichen Leute ihr Geld verstecken. Unsere Million"are haben sich dort ganz sch"on eingenistet. Sie lagern riesige Guthaben bei verschiedenen Banken, Stiftungen und Gesellschaften. Viele Restaurants geben auf den Speisekarten keine Preise an, weil den G"asten v"ollig egal ist, was die bestellten Gerichte kosten k"onnten. Sie sind so wohlhabend, dass sie essen gehen k"onnen, ohne sich um Preise zu k"ummern.“
„Klingt nicht schlecht. Das klingt sogar verlockend!“, sagte Stella. „Welche Bedingungen gelten dort?“
„Ein sehr grausames System. Nichts als die reine Prostitution. Die M"anner kommen dorthin ausschliesslich zu gesch"aftlichen Verhandlungen und f"ur Business. Sie haben keine Zeit f"ur lange Aff"aren. Ausserdem ist Prostitution dort legal. Die M"adchen erhalten daf"ur ein Prostituiertenvisum. Das kann auch einen Einfluss auf das sp"atere Leben des M"adchens in Europa haben. Wenn ein M"adchen heiraten und ein normales Leben f"uhren will, ist ihr Ruf in den Augen des Staats leider besch"adigt.“
„Oh nein! Dann ist das nichts f"ur mich!“, erkl"arte Stella.
„Und auch nicht f"ur mich! Mein Bruder ist bei der Polizei und mein Vater ist Priester!“ Die Freundinnen brachen in Gel"achter aus.
Die Stimmung wurde mehr oder weniger freundschaftlich. Die M"adchen tranken guten Wein und plauderten "uber die Details.
„Stella! Du kannst aufh"oren, so ein b"oses Gesicht zu machen! Lass uns nach Genf gehen!“
„Nein! Ich kann doch gar nicht tanzen! Schon gar nicht nackt! Wenn ich mir bloss vorstelle, wie ich mit runtergelassenem Slip auf einer B"uhne stehe und alle M"anner starren mich an! Ich m"usste ihn wohl gleich ausziehen, weil ich sonst nichts habe, was einen Blick wert w"are!
Mein Zinnsoldatentanz w"urde bei den M"annern wohl kaum auf Interesse stossen. Vor allem, wenn der Zinnsoldat auch noch sturzbetrunken ist, weil er sich mit eine Liter Wodka Mut angetrunken hat. Das Publikum m"usste vor Angst erstarren, weil es f"urchtet, dass die besoffene Gestalt jemandem wie ein Klotz auf den Kopf fallen k"onnte.“
„Haha! Stella! Du kannst einen echt zum Lachen bringen! Ich habe noch nie so einen selbstkritischen Menschen wie dich getroffen!“
„Ich bin eben leider Realistin.“ Stella kratzte sich im Nacken und brach in Gel"achter aus.
Darja beobachtete verwirrt die beiden Freundinnen, die vor Lachen beinahe erstickten, und "uberlegte, wie sie am schnellsten diese Irrenanstalt mit zwei Verr"uckten verlassen k"onnte.
„Ich weiss selber schon nicht mehr, wohin ich gehen soll! Einen F"ursten w"urde ich auch gerne ficken!“, rief Natalja.
Darauf folgte wieder eine Gel"achterexplosion! Diesmal lachten alle drei.
„Fahr nach Genf! Deine Entscheidung ist gefallen. Stella? Hast du dich entschieden?“
„Ah ja, entschuldige bitte. Wir vergeuden deine Zeit mit unseren dummen Witzen.“
„Macht nichts. So was erlebe ich auch nicht jeden Tag. Ich habe Spass mit euch, M"adchen.“
„Also, Stella!“, rief Natalja. „Das Tanzen bringe ich dir schon bei! Wenn es m"oglich ist, heisst das! Deine Titten sind gar nicht schlecht. Im Dunkeln w"urden sie super aussehen.“
Da beschloss Stella endg"ultig, mit diesem sexbesessenen Ungeheuer nirgendwohin zu gehen.
„Ich gehe nach Japan“, sagte Stella eiskalt, als sie den Vertrag zu Ende gelesen hatte. Sie fand sich sch"on. Auch ihre Br"uste. Aber sie wollte ihre Reize ganz sicher nicht jedem zeigen.
„Ich finde, das ist die richtige Entscheidung! In diesem wunderbaren, m"archenhaften Land wirst du, Stella, alles finden, was du dir w"unschst. Tanzen ist gar nicht n"otig. Und Sex haben die Japaner nur in ihrer Fantasie. Dann hast du dich also entschieden?“
„Ja.“
Erz"ahl mir bitte von den Vertragsbedingungen und den Anforderungen des Klubs. Was habe ich von Schlitzaugen zu erwarten?“
„Auf einen japanischen Vertrag muss man normalerweise ein halbes Jahr warten. In St"adten wie Tokio noch l"anger. Aber ich habe eine Last-Minute-Anfrage aus Nagasaki. Ein M"adchen hat den Vertrag aus gesundheitlichen Gr"unden abgelehnt. Deshalb kannst du in zweieinhalb Monaten fliegen, wenn wir sofort ein Visum beantragen w"urden. Der Klub heisst Chorus Line. Der Chef dort ist ein sch"oner, hochgewachsener junger Mann. Tanzen ist nicht n"otig, weil alle M"adchen dort tanzen. Die Nacht ist gar nicht lang genug, dass alle an die Reihe kommen.“