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ЖАНРЫ

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Ewgeni Pawlowitsch fuhr zum Notariat der Gaunerinnen. Hastig schaute er sich nach allen Seiten um und ging schnell herein.

Stella sah den Leiter der Staatsanwaltschaft vom Fenster aus. Ihr Herz raste, als ob sie einen Marathon gelaufen w"are. Sie hatte ein schlechtes Gef"uhl. Er kam ins B"uro und sah ihr schweigend in die Augen. Als ob sie seine Gedanken gelesen h"atte, fragte Stella mit heiserer, verlorener Stimme:

„Wieviel Zeit haben wir?“

„Ein paar Minuten. Ins Auto, schnell!“

„Gibst du uns zehn Minuten? Ich muss etwas von unten aus dem Safe holen.“

„Im Gef"angnis hast du zehn Jahre Zeit! Wenn dein Anwalt gut genug ist“, giftete er zur"uck.

„Wof"ur?“, schrie Natalja, die wie versteinert dastand und dem Gespr"ach zuh"orte.

„F"ur Urkundenf"alschung, illegale Benutzung eines staatlichen Notarsiegels und f"ur Prostitution!“ Der Mann blickte in Richtung der T"ur, neben der diejenige stand, die wegen des letzteren Delikts angeklagt werden k"onnte.

Stella err"otete bei diesem Vorwurf, als ob sie selbst dieses Verbrechens beschuldigt w"urde. Die tats"achliche Hure dagegen l"achelte ruhig "uber das ganze Gesicht. Sie sah aus wie eine Frau, die ein Kompliment bekommen hatte.

Die Freundinnen gingen schweigend den Korridor entlang, wo Kunden mit ihren Dokumenten sassen und auf deren Beglaubigung durch einen falschen Notar warteten. Mit grossem Bedauern schaute Stella auf Nataljas R"ucken, die vor ihr schritt und die H"uften wiege, als ob sie aus Gummi w"aren. Wegen des losen Plappermauls dieser schmutzigen Nutte drohte ihr grandioser Lebensplan zu zerfallen.

„Ihr m"usst umgehend euer Geld von allen Konten abheben, bevor euer Verm"ogen samt den Bankkonten beschlagnahmt wird“, sagte Ewgeni.

„Schnell zur Bank!“

Bei der Bank war nicht so viel Bargeld vorr"atig, wie sie angefordert hatten. Ewgeni musste einige Leute anrufen, die "uber die n"otigen Beziehungen in der Bankwelt verf"ugten. F"ur diesen Rettungsdienst forderte er von jedem M"adchen je 5.000 Dollar. Die beiden Freundinnen brauchten nicht zu antworten, denn die Frage selbst klang schon bejahend.

Dabei erkl"arte er, dass die Fahndung nach ihnen eingeleitet w"urde, sobald man die F"alschung der Diplome bewiesen habe, was sehr bald passieren k"onnte.

„Wie bald? In einer Woche? Einem Monat?“

„Alles h"angt von der Antwort aus Lugansk ab. Wer ist in die Sache verwickelt, den Verkauf der Diplome und so weiter?“

„Dahinter stecken ernstzunehmende Leute! Die Diplome sind mit den Original-Siegeln versehen.“

„Wenn es so ist, Stella, dann wird die "Uberpr"ufung sicher mehrere Monate dauern. Aber f"ur euch ist es das Beste, wegzufahren, damit ihr nicht im Untersuchungsgef"angnis landet. Lasst die anderen damit klarkommen.“

„Verstanden. Hab vielen Dank!“

„Sagt Bescheid, falls ihr nochmal Hilfe braucht, ihr kleinen Schwindlerinnen!“, scherzte der Staatsanwalt.

„Auf Wiedersehen, Ewgeni!“ Stella umarmte den Freund. Ihre Augen wurden feucht. „Danke dir f"ur alles…“

Die M"adchen verliessen die Stadt. Unterwegs mieteten sie ein schickes Haus, kauften sich Lebensmittel und jede Menge Alkohol. Sie sassen am Kamin, tranken und wechselten kein Wort miteinander.

Stella brach das Schweigen. Nach der ersten geleerten Flasche war sie praktisch noch n"uchtern.

„Am besten w"are es, das Land zu verlassen.“

Natalja war den Tr"anen nahe.

„So ein Arschloch, dieser Artschik! Ein Schweinehund! Das Land verlassen?“ Das M"adchen schluchzte. „Und meine Mutter? Meine Familie?“

„An die Familie h"attest du fr"uher denken m"ussen! Du hast in einer Notarkanzlei mit gef"alschten Papieren gearbeitet, bist auf den Strich gegangen und hast dabei noch deinen Zuh"alter gev"ogelt! Was hast du eigentlich erwartet? So naiv kann man doch gar nicht sein!“

Natalja kam schweigend auf Stella zu. Es sah aus, als ob sie Angst h"atte, Stella w"urde sie beissen. Sie umarmte ihre Freundin und seufzte wie ein Kind.

„Verzeih mir! Das wollte ich nicht!“ Lass uns irgendwo hingehen, nur, bitte, verlass mich nicht!“

Aber Stella konnte nicht ihr alles einfach so verzeihen. Sie schrie ihr ins verweinte Gesicht:

„Wegen dir, du Schlampe, sind alle meine Tr"aume kaputtgegangen! In einem Augenblick! Das ganze Geld! Endlich hatte ich ein anst"andiges Auskommen! Und alles ist zusammengebrochen! Alles! Ich hasse dich! Warum hast du mit deinem verdammten Gewerbe nicht aufgeh"ort? F"ur eine sch"one Zukunft? Was hat dir gefehlt? Hattest du nicht genug Geld? Warum musstest du dich mit irgendwelchem Lumpenpack als Nutte herumtreiben? Eine sch"one Notarin bist du! Hol dich der Teufel! Dreckige Schlampe! Man sieht es dir gleich an, was du f"ur eine billige Schnalle bist! Du hast allen erz"ahlt, dass du Notarin bist. Dabei warst du besoffen und auf Eсstasy. Hast die Bar vollgesabbert und bist vom Hocker gefallen.“

„Aber du, Stella! Du bist so ein braves M"adchen, das noch nie Tabletten genommen hat! S"auferin! Du trinkst Bier und Whiskey literweise wie ein Mann! Und erz"ahlst mir irgendeinen Stuss! Spielst hier die Zimperliese! Dabei schl"afst du mit M"annern, genau wie ich! Bloss umsonst! Also wer ist hier billig? Nat"urlich! Daf"ur m"ogen dich alle! Weil du's gratis mit ihnen treibst!“

Stella h"orte den Schwall von Vorw"urfen schweigend an. Vielleicht war sogar etwas dran. Wenigstens zum Teil k"onnte Natalja recht haben. Aber Stella war schlicht und einfach nicht f"ahig, f"ur Sex Geld zu nehmen.

Die Leidenschaften legten sich und die Freundinnen konnten etwas schlafen. Am Morgen rief Stella alle Agenturen an, die M"adchen ins Ausland vermittelten. Am Abend kam die Leiterin einer solchen Agentur zu ihnen. Sie brachte alle Unterlagen mit, die erforderlich waren, um Arbeitsvertr"age f"ur Eins"atze von drei, sechs oder acht Monaten im Jahr in verschiedenen L"andern abzuschliessen. Die M"adchen sassen am Tisch und sahen sich verschiedene Varianten f"ur die n"achste Zeit an. Stella interessierte sich f"ur die USA und die Schweiz, Natalja dagegen nur f"ur die Schweiz, weil sie dort Bekannte hatte. Bei dem Job ging um Stangentanz und Alkoholkonsum. Laut Vertrag w"aren sie verpflichtet, mindestens sechs Mal pro Nacht an der Stange zu tanzen und dazwischen mit Kunden alkoholische Getr"anke aller Art zu trinken. Wenn ein Gast ein Glas Champagner f"ur ein M"adchen bestellte, das im Klub als T"anzerin t"atig war, kostete ihn das sechzig Schweizer Franken, also circa f"unfundf"unfzig Dollar. Davon erhielt das M"adchen zehn Prozent. Wurde eine ganze Flasche Champagner bestellt, sei es Dom Perignon, Belle Epoque, Krug, Veuve Clicquot oder gew"ohnlicher Moet & Chandon, stand dem M"adchen nat"urlich eine h"ohere Kommission zu, weil eine einzige Flasche Krug locker zweitausend Franken kosten konnte. Der Champagner floss in Str"omen in den Klubs der Million"are. War das M"adchen nicht im Stande, so viel zu trinken, war es erlaubt, Getr"anke auf den Boden oder an die Wand zu sch"utten; diese waren mit einem Teppich bedeckt, der die Fl"ussigkeit sofort aufnahm. Die Kunden sollten das nicht bemerken, alles musste heimlich vor sich gehen. Jeden Morgen kam der Reinigungsdienst mit spezieller Ausr"ustung und sp"ulte Tausende von Dollar von den W"anden des Lokals. Es war m"oglich, mit Kunden gegen Geld zu schlafen, aber keine Pflicht. Die M"adchen konnten das tun, wenn sie den Wunsch hatten. Im Klub gab es speziell ausgestattete Zimmer, so genannte Separees, wo man mit dem Kunden zu einem privaten Tanz oder einfach zum Trinken allein sein konnte. Daf"ur musste er eine Flasche Champagner im Wert von mindestens dreihundert Franken, circa zweihundertsiebzig Dollar, bezahlen. Wer das M"adchen ins Hotel mitnehmen wollte, musste daf"ur dem Klub tausend Franken zahlen, also etwa neunhundertf"unfzig Dollar, dazu das Honorar f"ur die Sch"one nach Absprache. Die M"adchen verlangten normalerweise auch einen Tausender f"ur sich selbst. Feilschen war nat"urlich m"oglich. Der Lohn betrug zweitausendzweihundert Franken im Monat plus Kommission von Alkoholkonsum und Ausg"angen mit Kunden. Der Gesamtverdienst konnte, je nach Arbeitseifer und nat"urlich Gesundheitszustand, zehntausend Franken im Monat erreichen. Die Arbeit ging nachts vor sich, immer von 10 Uhr abends bis zum fr"uhen Morgen. F"ur die Wohnung wurden vierhundert Franken im Monat f"allig. Sie befand sich gew"ohnlich im selben Geb"aude, im oberen Stock. Das Verlassen des Klubs war nur mit Erlaubnis des Besitzers m"oglich. Treffen mit Kunden ausserhalb des Lokals waren verboten.

Stella warf einen Blick auf Natalja, die an die Decke starrte, als ob die letzte Bedingung des Klubs nicht in ihrer Gegenwart vorgelesen w"urde.

„Wenn sie aus diesem Job auch noch gefeuert wird…“, dachte das M"adchen, beschloss aber, das ohnehin komplizierte Verh"altnis zu ihrer Freundin nicht weiter anzuheizen.

Natalja senkte den Kopf und rief:

„Ist mir alles recht! Ich fahre in die Schweiz! Juh!“

Sie hob ihr Weinglas und hielt inne. Sie schaute Stella an.

„Oh, sorry! Wir fahren in die Schweiz! Nicht wahr, Liebes? Ich zittere schon vor Aufregung! Million"are! Champagner! Geld! Was w"unscht man sich mehr? Tanzen kann ich! Und tausend Dollar pro Nacht? Das ist ja elit"ar! Erste Klasse! Ich zeige allen, wie man das macht! Das ist keine Arbeit wie bei euch im Notariat, wo es so langweilig war! Auf diesem Gebiet bin ich wie ein Fisch im Wasser! Das ist mein Milieu!“

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