Gaunerinnen
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„Hahaha! Du hast mich zum Lachen gebracht! Aber das war nat"urlich ein genialer Gedanke! Sehr gut! Ich freue mich f"ur dich. Aber f"ur mich bleibst du Kosa wie fr"uher. Ahahaha!“
„Abgemacht, Stella Flinkfinger!“
„Schreib mir, vergiss das nicht!“
„Tsch"uss.“
Stella verarbeitete diese Informationen und begann, einen genialen Plan zu schmieden. Ihre Gedanken waren auf ein einziges fernes Ziel ausgerichtet – die Welt der Zasterhasen.
Ausserdem hatte sie bereits eine gewisse Erfahrung beim Kauf von Dokumenten. Ihren F"uhrerschein kaufte sie bei der Staatlichen Verkehrsinspektion der Stadt Cherson durch Beziehungen. Dabei hatte sie diese Stadt nie besucht.
Sie rief Natalja an und erz"ahlte ihr von ihrer genialen Idee, mit der ihrer Meinung nach ein neuer Lebensabschnitt beginnen w"urde, in dem kein Platz f"ur Habenichtse vorgesehen war.
Der Kern der „Gesch"aftsidee“ bestand darin, zwei Hochschuldiplome in Rechtswissenschaften zu kaufen und ein Notariat zu gr"unden. Dort sollten dann Mitarbeiter mit einer echten juristischen Ausbildung angestellt werden, deren Aufgabe es w"are, sich direkt mit den Dokumenten zu befassen.
„Und wir werden klug dreinschauen und den Stempel daruntersetzen. Wie findest du die Idee, Freundin?“
„Stella! Was hast du f"ur einen klugen Kopf! Ich bin schockiert!“
„Ja. Daran ist nichts auszusetzen!“
„Das wird uns ein Haufen Geld bringen!“
„Aber es gibt ein Problem! Um die Berechtigung zur Benutzung eines Notarsiegels zu erhalten, muss man mindestens zwei Jahre Arbeitserfahrung in einem Notariat haben.“
„Puh, Stella, da hast du mich beinahe erschreckt! Ich dachte, es g"abe ein echtes Problem! Wir brauchen doch bloss einen kleinen Notar in irgendeinem Dorf zu ficken, damit er uns die erforderliche Berufserfahrung best"atigt.“
„Hahaha! Daran habe ich gar nicht gedacht.“
„Dann legen wir los?“
„Ich bin bereit!“
Natalja war entz"uckt. Sie stellte sich vor, wie sie in einem strengen Kost"um aussehen w"urde, wohl "ahnlich wie Stella: ein eiskaltes, unnahbares Luder von unwiderstehlicher Sch"onheit. Wenn es aber einer wagte, sie zu ber"uhren, wurde er um sein gesamtes Verm"ogen gebracht und ihm die Schuld daf"ur gegeben. Die Genialit"at ihrer Kollegin ver"argerte sie ein wenig.
„Ich bin mir sicher, dass ich ihr in diesem Gesch"aft einen Vorsprung geben k"onnte!“, dachte sie mit einem giftigen L"acheln. „Aber warum komme ich nicht auf solche Ideen?“, fragte sich Natalja "argerlich. Gleichzeitig gefiel ihr es, so eine Freundin zu haben. Nicht umsonst lautet das Sprichwort: Sag mir mit wem du umgehst…
"Ubrigens hatte Natalja keine grosse Auswahl. Alle Frauen ausser Stella hassten sie. Welches normale M"adchen w"urde die Freundschaft zu einer prinzipienlosen Nymphomanin aushalten?
Die beiden verwirklichten ihren Plan mit rasendem Tempo. Stella fuhr in ihre Heimatstadt Lugansk, die sie schon lange nicht mehr besucht hatte. Dort wohnten noch ihre Mutter und ihre drogens"uchtige "altere Schwester, die schon die H"alfte ihrer Z"ahne verloren hatte. Leider konnte Stella der Schwester nicht helfen. Alle Versuche waren vergeblich. Sie fixte Heroin und hatte ausserdem anscheinend einen Dachschaden. Die "altere Schwester hasste die j"ungere schon seit ihrer Kindheit. Stella war gewiss ein Problemkind gewesen. Sie flog von vier Schulen. Zur letzten von ihnen musste sie einige Kilometer zu Fuss zur"ucklegen. Sie lungerte mit Jungs in Kellern herum, trug immer Sportklamotten, und zwar nur drei Marken, die auf dem Stadtmarkt zu kaufen waren: Puma, Adidas und Montana. Im kurzen Haar in Stellas Nacken prangte ein Dreieck, das ihr ihre Freunde im Keller des Hauses Nummer neun im Saretschny-Viertel rasiert hatten. Stella versuchte die Vereiterung der Kopfhaut vor ihrer Mutter zu verbergen und trug darum sogar zu Hause eine M"utze.
Sie war "uberraschend gut in der Schule, schw"anzte aber viel und war st"andig in Schl"agereien und Konflikte verwickelt. Sie war Dauergast im Dienstzimmer von Anatoli Nikolajewitsch Borisow, dem Leiter der Jugendinspektion der damaligen Miliz. Jedes Mal drohte er, sie in die Jugendstrafanstalt zu schicken. Er machte seine Drohung aber nie wahr, also schaute Stella immer wieder mit einem netten L"acheln im Gesicht bei ihm vorbei und h"orte sich eine stundenlange Tirade "uber das schwere Leben hinter Gittern an.
Zwei Wochen blieb Stella in Lugansk, bis die Diplome fertig waren. Jeden Tag trank sie mit den Freunden ihrer Kindheit. Sie besuchte sie der Reihe nach und traf sie auf verschiedenen Partys. Einmal begegnete sie auch ihrem ersten Freund, genauer gesagt ihrem „ersten Kuss“. Der Mann sah schrecklich m"ude aus. Er war heroinabh"angig. Mit schwerem Herzen blickte sie auf die lebende Leiche. Sie hatte manchmal ein ungutes Gef"uhl, wenn sie beobachtete, wie junge Burschen durch das ekelhafte Zeug starben, das die verfluchten Drogendealer vertrieben. Nur einer von hundert schaffte es, die Abh"angigkeit loszuwerden. Die anderen waren so gut wie zum Tode verurteilt. Stella selbst hatte eine Neigung zum Alkohol und probierte damals einige Drogen aus, wie das in den Discos verbreitete Amphetamin und Ecstasy-Tabletten. Aber sie liebte das Leben so sehr, dass sie es nicht gegen Drogen eintauschen w"urde.
Als Stella zur"uckkehrte, war ihre Freundin auf dem H"ohepunkt des Gl"ucks. Sie war erf"ullt mit Begeisterung und Stolz.
Nun war sie Volkswirtin und Juristin! Wovon konnte sie jetzt noch tr"aumen? Die Heiratsvermittlungsagentur meldete sofort Insolvenz an und wurde geschlossen. Die Sache mit der Berufserfahrungsbest"atigung dauerte auch nicht lange, wie Natalja vorhergesagt hatte. Der passende Mann wurde gefunden und ausgenommen. Die beiden M"adchen bekamen offiziell je zweieinhalb Jahre Berufserfahrung bei einer Rechtsberatungsstelle best"atigt.
Sie mieteten einen neuen Raum direkt in der Stadtmitte und begannen mit der Renovierung. Sie wussten noch nicht, dass bald eine neue Reihe von Skandalen und Zwistigkeiten "uber sie hereinbrechen w"urde.
Stella, die hinterlistige Schlange, "argerte ihre Freundin mit ihrem Geschmack, insbesondere mit ihrer Vorliebe f"ur W"ande in hell- und dunkelbraunen Farbt"onen. Natalja dagegen wollte lieber rot und schwarz. Oder vielleicht grellgelb und dazu ein einzigartiges Gr"un. Das w"are eine Herausforderung an die Gesellschaft ganz eigener Art. Diese Farben hielt sie f"ur wesentlich vorteilhafter im Vergleich zur braun- und pastellfarbener „Kinderkacke“. Sie fand grelle Farben origineller. Ausserdem w"urden sie von Nataljas tadellosen Geschmack zeugen. Stellas Bemerkung, sie h"atte gar keinen Geschmack, traf Natalja mitten ins Herz. Den arroganten Ton, in dem das gesagt wurde, konnte Natalja nicht vergessen. Die Idee geh"orte Stella, deswegen war sie berechtigt, das Design auszuw"ahlen, in dem die R"aumlichkeiten gestaltet werden sollten.
Diese Nachricht machte Natalja traurig, es schien, als h"atte sie aufgegeben. Sie f"uhlte sich zweitklassig und hasste das langnasige Luder.
„Ich werde beweisen, dass ich erstklassig bin! Und kl"uger ausserdem! Wart's nur ab!“
Ein paar Tage nach diesem Skandal vibrierte Nataljas Handy Natalja. Auf dem Display erschien eine Meldung: „Sie werden von 'Luder' angerufen.“
„Ja, Stella! Brauchst du was? Sind die d"unnschissfarbenen Tapeten abgefallen? Soll ich kommen, um sie zu halten?“, zischte Natalja.
„Hallo, liebe Freundin!
Hasst du mich immer noch? Ich habe einen Vorschlag f"ur dich. Kannst du ruhig zuh"oren?“
„Verdirb mir die Laune nicht, du Luder! In der letzten Zeit waren deine Vorschl"age f"ur mich unertr"aglich!“
„Beruhige dich und h"or mir zu.“
„Okay, schiess los!“
„Erstens, ich will mich nicht mit dir zanken. Mir ist klar, dass wir v"ollig verschieden sind, wie rot und schwarz.“
„Nein, wie gr"un und die braune Scheisse!“, schrie Natalja ins Handy.