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Bei einer der Auff"uhrungen von Stellas Theatertruppe kam die Schauspielerin nicht, die die Mutter der Braut darstellen sollte. Natalja spielte die Braut, Stella deren Schwester. Die Hochzeit war gef"alscht. Die Namen waren ge"andert worden. Die G"aste und selbst das Standesamt mitsamt der ganzen Zeremonie waren Teil der Auff"uhrung, die Stella klug durchdacht hatte.

F"ur alles zahlte nat"urlich der Br"autigam aus der Schweiz. Es wurde angeblich als Geschenk f"ur die Schwester seiner zuk"unftigen Ehefrau arrangiert. Die Hochzeit kostete 10.000 Dollar. Nat"urlich stimmte er nur widerstrebend zu, denn anfangs war nur von ein paar Tausend die Rede. Aber ihre armen Verwandten! Da blieb ihm nichts anderes "ubrig. Was tut man nicht alles f"ur die Liebste, wenn sie bittet.

„Wo ist denn Ihre Mutter?“, fragte der Schweizer verwirrt.

„Sie ist wohl aufgehalten worden, oder sie ist so aufgeregt, dass ihr schlecht geworden ist. Ich schaue mal zu Hause nach.“

„Verdammt! Wo ist die bl"ode Kuh?“, sagte Stella Natalja ins Ohr. Vielleicht wollte sie, dass niemand sie h"orte.

„Ich weiss nicht. Einfach abgehauen. Sie will wohl nicht unsere Mama spielen.“

„So eine Schlampe! Gerade vor der Unterschrift! Bestes Timing! Was jetzt? Wir m"ussen eine andere finden! Der Br"autigam hat sie noch nicht gesehen. Also kann es irgendjemand sein. Such! Schnell!“ Egal wo! Ich unterhalte inzwischen die Leute.“

Natalja rannte los, ihre Mutter suchen. Sie bot den ersten besten Frauen auf der Strasse Geld an und bat sie, f"ur ein paar Stunden ihre Mutter zu spielen. Aber es war gar nicht so einfach. Die Frauen wichen vor ihr zur"uck wie vor einer Wahnsinnigen. In einer Unterf"uhrung sah sie eine Bettlerin. Sofort lief sie zu ihr und erz"ahlte, was sie vorhatte.

Die Frau "offnete vor "Uberraschung den Mund, aus dem es nach Aas roch. Natalja trat einen Schritt zur"uck und befahl:

„Mutter, mach dich bereit!“

Als sie den Betrag nannte, den die Bettlerin erwarten k"onnte, vergass diese alle Zweifel und folgte schleunigst der sch"onen Tochter.

„Stella bringt mich um f"ur so eine Mutter!“, sagte Nata laut ohne R"ucksicht auf die Passanten. Was jetzt? Sie schaute auf die Uhr und beschloss, das M"utterchen in der n"achsten Boutique aufzupeppen. Ein Kleid musste her! Man war ja nicht jede Woche Brautmutter!

Nach einer Stunde brachte sie die Pennerin mit gelben Fingern"ageln und faulen Z"ahnen, ausstaffiert mit einem gef"alschten Gucci-Kleid, ins Restaurant, wo die Hochzeit gefeiert wurde.

Beim Anblick der Strolchin verschlug es vielen G"aste die Sprache. Der Schweizer zog bloss ratlos eine Augenbraue hoch, Stella dagegen erstarrte. Und pl"otzlich rief die Scheuche, die nur drei Z"ahne, daf"ur aber eine gewaltige Fahne hatte, laut in Richtung Stella:

„Guten Tag, T"ochterchen!“

V"ollig schockiert von diesem Auftritt war der Mann, der die Rolle des Vaters der M"adchen, eines armen, intelligenten Lehrers spielte. Er wurde fast ohnm"achtig. Diese Erscheinung sollte seine Frau sein! Der Schweizer brach das Schweigen mit dem schlichten, zur"uckhaltenden Satz:

„Dass so sch"one T"ochter so eine Mutter haben k"onnen!“

Stella erkl"arte mit bitterer Stimme und Tr"anen in den Augen:

„Eigentlich solltest du sie gar nicht zu sehen bekommen. Sie ist Schande unserer Familie! In ihren jungen Jahren war sie die erste Sch"onheit der Hauptstadt!“

Bei diesen Worten fiel dem angeblichen Brautvater das Sektglas aus den Fingern. Das M"utterchen mit seiner Neigung zum Alkohol starrte voll Bedauern auf den Boden, wo die prickelnde Fl"ussigkeit zerrann. Den Ereignissen um sich herum schenkte sie keine Aufmerksamkeit.

„So war das nicht abgemacht“, begehrte jetzt der „Papa“ auf. „Mit solchen Hauptstadtsch"onheiten habe ich nie geschlafen. Pfui!“

Da kapierte Natalja, dass es um einen Skandal nicht herumgekommen w"urde und schrie:

„Das Brautpaar soll sich k"ussen! K"ussen!“ Sie gab den Musikanten ein Handzeichen, dass sie spielen sollten. Der Vater schenkte sich ein Glas Wodka ein, trank es auf einen Zug aus, beruhigte sich wieder und begann eine Unterhaltung mit dem Schweizer. Dabei kannte er nur zwei W"orter auf Englisch: „Yes, yes.“

Jedes Mal, wenn sich die Freundinnen an diesen Vorfall erinnerten, lachten sie lange und erz"ahlten einander s"amtliche Details aufs Neue. Und sie hatten jede Menge solcher Geschichten. Natalja lernte andere Mitglieder ihrer lustigen Gesellschaft kennen. Bei einer guten Flasche Wein war es keine S"unde, sich "uber Onkel Wowa, den Leiter des Friedhofs, lustig zu machen. Und wer war der Leiter des Friedhofs? Nat"urlich der W"achter. Ein witziger Typ. Er murrte st"andig, regte sich auf.

„Ich hab es satt, f"ur euch Gottesl"asterinnen L"ocher zu buddeln! Ihr beerdigt Leute wie am Fliessband! Sch"amen solltet ihr euch!“

„Die S"arge sind doch alle leer, Onkel Wowa!“

„Gott sei Dank, dass sie leer sind!“

Aber beim Anblick eines 100-Dollar-Scheins ver"anderte er sich rasant, seine Stimme und K"orperhaltung bekamen die W"urde eines Mannes, der Geld in frei konvertierbarer W"ahrung besitzt. Dann sagte er:

„Ihr macht alles richtig! Sie haben es verdient! Geschieht ihnen recht, diesen alten Perverslingen! Sie kommen hierher, holen unsere jungen M"adchen weg und machen mit ihnen weiss Gott was! Dort in diesem Amerika!“

Sie lachten "uber ihn bis zum Umfallen. In Wirklichkeit mochte er das Begr"abnistheater, das die M"adchen erfunden hatten. Dabei konnte man sich ordentlich die Kehle anfeuchten, f"urstlich essen und etwas mit nach Hause nehmen. Daf"ur hatte er ein paar grosse Tragetaschen parat. Das einzige, wor"uber sich Onkel Wowa beschwerte, waren die Klageweiber. Er sagte:

„Wegen der Weiber, die f"ur Geld weinen, kriege ich noch einen Herzinfarkt. Ich heule ja selber mit und beweine die leeren S"arge. Sie jammern einfach so traurig! Schlampen! Es zerreisst einem die Seele! Ich weiss noch, wie sogar ein Kunde von euch, ein Deutscher, Drecksnazi, feuchte Augen bekam! Und ich habe auch noch ein slawisches Herz! Das wird das Gejammer nicht mehr lange ertragen! Und wenn ich sterbe, wer soll euch dann f"ur die paar Groschen L"ocher buddeln?“

Die Freundinnen lachten so laut, dass es auf dem ganzen Friedhof zu h"oren war.

Natalja sollte bald ihr Studium beenden. Saweli war froh dar"uber und konnte es kaum erwarten, seine unbegabte Studentin in n"achster Zukunft loszuwerden. Die Situation an der Universit"at war f"ur ihn ung"unstig und seine Muse hatte ihn entt"auscht.

„Geistloses, billiges Mistst"uck“, dachte er. „Und ich bin ein alter Trottel!“ Manchmal kam ihm der Gedanke, dass er wegen "Uberschreitung seiner Befugnisse im Gef"angnis landen k"onnte. „Dank mir hatte sie ja immer die besten Noten. Werden ihre Kenntnisse gepr"uft, kommt sofort heraus, dass ich ein alter W"ustling und ein korruptes Schwein bin. Diese blonde Studentin mit ihren rosigen Brustwarzen war offensichtlich unf"ahig, einen Hochschulabschluss zu erwerben. Und drogenabh"angig war sie ausserdem!“

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