ЖАНРЫ

Немецкий с любовью. Новеллы / Novellen

Перфилова Е. Д.

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Auch die zweite Partie bot kein ver"andertes Bild. McConnor blickte so starr auf das Brett, als wollte er die Figuren mit seinem Willen, zu gewinnen, magnetisieren. Ich sp"urte ihm an, dass er auch tausend Dollar begeistert geopfert h"atte f"ur den Lustschrei „Matt!“.

Merkw"urdigerweise ging etwas von seiner verbissenen Erregung unbewusst in uns "uber. Jeder einzelne Zug wurde ungleich leidenschaftlicher diskutiert als vordem, immer hielten wir noch im letzten Moment einer den andern zur"uck, ehe wir uns einigten, das Zeichen zu geben, das Czentovic an unseren Tisch zur"uckrief. Allm"ahlich waren wir beim siebzehnten Zuge angelangt, und zu unserer eigenen "Uberraschung war eine Konstellation eingetreten, die verbl"uffend vorteilhaft schien, weil es uns gelungen war, den Bauern der c-Linie bis auf das vorletzte Feld c zu bringen; wir brauchten ihn nur vorzuschieben auf c, um eine neue Dame zu gewinnen. Ganz behaglich [331] war uns freilich nicht bei dieser allzu offenkundigen Chance. Schliesslich, schon knapp am Rande der verstatteten "Uberlegungsfrist, entschlossen wir uns, den Zug zu wagen. Schon r"uhrte McConnor den Bauern an, um ihn auf das letzte Feld zu schieben, als er sich j"ah am Arm gepackt f"uhlte und jemand leise und heftig fl"usterte: „Um Gottes willen! Nicht! [332]

331

behaglichспокойный, комфортный

332

Um Gottes willen! Nicht! – Ради Бога, не надо!

Unwillk"urlich wandten wir uns alle um. Ein Herr von etwa f"unfundvierzig Jahren, musste in den letzten Minuten zu uns getreten sein. Hastig f"ugte er, unsern Blick sp"urend, hinzu: „Wenn Sie jetzt eine Dame machen, schl"agt er sie sofort mit dem L"aufer c, Sie nehmen mit dem Springer zur"uck. Aber inzwischen geht er mit seinem Freibauern auf d, bedroht Ihren Turm, und auch wenn Sie mit dem Springer Schach sagen, verlieren Sie und sind nach neun bis zehn Z"ugen erledigt. Es ist beinahe dieselbe Konstellation, wie sie Aljechin gegen Bogoljubow im Pistyaner Grossturnier initiiert hat.“

McConnor liess erstaunt die Hand von der Figur und starrte nicht minder verwundert als wir alle auf den Mann, der wie ein unvermuteter Engel helfend vom Himmel kam. Als erster fasste sich McConnor.

„Was w"urden Sie raten?“ fl"usterte er aufgeregt.

„Nicht gleich vorziehen, sondern zun"achst ausweichen! Vor allem mit dem K"onig abr"ucken aus der gef"ahrdeten Linie von g auf h. Er wird wahrscheinlich den Angriff dann auf die andere Flanke hin"uberwerfen. Aber das parieren Sie mit Turm c – c; das kostet ihm zwei Tempi, einen Bauern und damit die "Uberlegenheit. Dann stellt Freibauer gegen Freibauer, und wenn Sie sich richtig defensiv halten, kommen Sie noch auf Remis [333] . Mehr ist nicht herauszuholen.“

333

Remis, n – ничья (в шахматах)

Wir staunten abermals. Es war, als ob er die Z"uge aus einem gedruckten Buch ablesen w"urde. Immerhin wirkte die unvermutete Chance, dank seines Eingreifens unsere Partie gegen einen Weltmeister auf Remis zu bringen, zauberisch.

Noch einmal fragte McConnor: „Also K"onig g auf h?“

„Jawohl! Ausweichen vor allem!“ McConnor gehorchte, und wir klopften an das Glas. Czentovic trat mit seinem an unseren Tisch und zog auf dem K"onigsfl"ugel den Bauern h – h, genau wie es unser unbekannter Helfer vorausgesagt. Und schon fl"usterte dieser aufgeregt: „Turm vor, Turm vor, c auf c, er muss dann zuerst den Bauern decken. Aber das wird ihm nichts helfen! Sie schlagen, ohne sich um seinen Freibauern zu k"ummern, mit dem Springer c – d, und das Gleichgewicht ist wieder hergestellt. Den ganzen Druck vorw"arts [334] , statt zu verteidigen!“

334

druck vorw"artsатаковать

Wir verstanden nicht, was er meinte. F"ur uns war, was er sagte, Chinesisch. Aber schon einmal in seinem Bann, zog McConnor, ohne zu "uberlegen, wie jener geboten. Wir schlugen abermals an das Glas, um Czentovic zur"uckzurufen. Zum erstenmal entschied er sich nicht rasch, sondern blickte gespannt auf das Brett. Dann tat er genau den Zug, den der Fremde uns angek"undigt, und wandte sich zum Gehen. Jedoch ehe er zur"ucktrat, geschah etwas Neues und Unerwartetes.

Czentovic hob den Blick und musterte unsere Reihen. Offenbar wollte er herausfinden, wer ihm mit einem mal so energischen Widerstand leistete. Von diesem Augenblick an wuchs unsere Erregung ins Ungemessene. Bisher hatten wir ohne ernstliche Hoffnung gespielt, nun aber trieb der Gedanke, den kalten Hochmut Czentovics zu brechen.

Und nun kam unser erster Triumph. Czentovic, der bisher immer nur im Stehen gespielt, z"ogerte, z"ogerte und setzte sich schliesslich nieder. Er setzte sich langsam und schwerf"allig. Czentovic "uberlegte einige Minuten, dann tat er einen Zug und stand auf. Und schon fl"usterte unser Freund: „Gut gedacht! Aber nicht darauf eingehen! Abtausch forcieren, unbedingt Abtausch, dann kommen wir auf Remis, und kein Gott kann ihm helfen.“

McConnor gehorchte. Es begann in den n"achsten Z"ugen zwischen den beiden – wir anderen waren l"angst zu leeren Statisten herabgesunken – ein uns unverst"andliches Hin und Her. Nach etwa sieben Z"ugen sah Czentovic nach l"angerem Nachdenken auf und erkl"arte: „Remis.“

Einen Augenblick herrschte totale Stille. Keiner von uns atmete, es war zu pl"otzlich gekommen und wir alle noch geradezu erschrocken "uber das Unwahrscheinliche, dass dieser Unbekannte dem Weltmeister in einer schon halb verlorenen Partie seinen Willen aufgezwungen haben sollte.

Ich beobachtete Czentovic. Er verharrte in seiner scheinbar gleichm"utigen Starre und fragte nur in l"assiger Weise, w"ahrend er die Figuren mit ruhiger Hand vom Brette schob: „W"unschen die Herren noch eine dritte Partie?“

Er stellte die Frage rein sachlich, rein gesch"aftlich. Aber das Merkw"urdige war, er hatte dabei nicht McConnor angeblickt, sondern scharf und gerade das Auge gegen unseren Retter erhoben. McConnor hat ihm triumphierend zugerufen: „Selbstverst"andlich! Aber jetzt m"ussen Sie allein gegen ihn spielen! Sie allein gegen Czentovic!“

Doch nun ereignete sich etwas Unvorhergesehenes. Der Fremde schrak auf.

„Auf keinen Fall, meine Herren“, stammelte er sichtlich betroffen. „Das ist v"ollig ausgeschlossen… ich komme gar nicht in Betracht… ich habe seit zwanzig, nein, f"unfundzwanzig Jahren vor keinem Schachbrett gesessen… und ich sehe erst jetzt, wie ungeh"orig ich mich betragen [335] habe, indem ich mich ohne Ihre Verstattung in Ihr Spiel einmengte… Bitte, entschuldigen Sie meine Vordringlichkeit… ich will gewiss nicht weiter st"oren.“

335

ungeh"orig betragenневежливо поступить

„Aber das ist doch ganz unm"oglich!“ dr"ohnte der temperamentvolle McConnor. „V"ollig ausgeschlossen, dass dieser Mann f"unfundzwanzig Jahre nicht Schach gespielt haben soll! Er hat doch jeden Zug, jede Gegenpointe auf f"unf, auf sechs Z"uge vorausberechnet. So etwas kann niemand aus dem Handgelenk [336] . Das ist doch v"ollig ausgeschlossen – nicht wahr?“

Mit der letzten Frage hatte sich McConnor unwillk"urlich an Czentovic gewandt. Aber der Weltmeister blieb unersch"utterlich k"uhl. „Ich vermag dar"uber kein Urteil abzugeben. Jedenfalls hat der Herr interessant gespielt; deshalb habe ich ihm auch absichtlich eine Chance gelassen. “ Gleichzeitig l"assig aufstehend, f"ugte er in seiner sachlichen Art hinzu: „Sollte der Herr oder die Herren morgen eine abermalige Partie w"unschen, so stehe ich von drei Uhr ab zur Verf"ugung.“

336

Handgelenk, n – запястье

Wir konnten ein leises L"acheln nicht unterdr"ucken. Jeder von uns wusste, dass Czentovic unserem unbekannten Helfer keineswegs grossm"utig eine Chance gelassen und diese Bemerkung nichts anderes als eine naive Ausflucht war, um sein eigenes Versagen zu maskieren. Mit einem Mal war "uber uns friedliche, ehrgeizige Kampflust gekommen, denn der Gedanke, dass gerade auf unserem Schiff mitten auf dem Ozean dem Schachmeister die Palme entrungen werden k"onnte, faszinierte uns in herausforderndster Weise. Dazu kam noch der Reiz des Mysteri"osen, der von dem unerwarteten Eingreifen unseres Retters gerade im kritischen Moment ausging. Wer war dieser Unbekannte?

Wir beschlossen, alles zu versuchen, damit unser Helfer am n"achsten Tage eine Partie gegen Czentovic spiele. Da sich inzwischen durch Umfrage beim Steward herausgestellt hatte, dass der Unbekannte ein "Osterreicher sei, wurde mir als seinem Landsmann der Auftrag zugeteilt, ihm unsere Bitte zu unterbreiten.

Ich ben"otigte nicht lange, um auf dem Promenadendeck den so eilig Entfl"uchteten aufzufinden. Kaum ich auf ihn zutrat, erhob er sich h"oflich und stellte sich mit einem Namen vor, der mir sofort vertraut war als der einer hochangesehenen alt"osterreichischen Familie. Ich erinnerte mich, dass ein Tr"ager dieses Namens zu dem engsten Freundeskreise Schuberts geh"ort hatte und auch einer der Leib"arzte des alten Kaisers dieser Familie entstammte. Als ich Dr. B. unsere Bitte "ubermittelte, die

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